Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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Unsere Feinde fürchten nicht bloß unsere Waffen,
sondern auch unser Geld. Mit dem Schwerte konnten
ie uns nicht unterkriegen, mit Hunger und Lüge
auch nicht, denn wir wurden immer sparsamer und
ließen die Wahrheit sprechen; nun liegen sie schaden—
froh auf der Lauer, haben selbst fast nichts mehr
zu beißen und zu brechen und hoffen und harren doch
auf unseren leeren Geldbeutel. Aber Hofsen und Har—
ren macht manchen zum Narren. Ich ahne schon, wie
das Hurra über alle Länder und Meere fliegt: Die
deutsche Heimarmee hat wieder einen großen Sieg
errungen durch die neue Kriegsanleihe. Ich höre schon,
wie unsere Feinde die Riesensumme verkleinern, weil
sie ihnen wie ein drohender Recke erscheint, und ich
sehe schon, wie die Glocken auf allen Kirchen und
Kapellen leise schwingen und singen, weil die Kriegs—
anleihe den furchtbaren Krieg abkürzt und den jubeln—
den Friedenstag näherrückt. Oh, möchten doch alle,
alle mitsiegen! Mit jeder Mark zur Kriegsanleihe
flechten wir ein Lorbeerblatt in den großen rauschen—
den Sieges- und Friedenskranz, der unsere heim—
kehrenden Truppen schmücken soll.
Keiner darf denken oder sagen: Auf meine paar.
Mark kommt es doch wohl nicht an. Auf jede Mark
kommt es an, und gerade auf dich kommt es an wie
auf jeden Soldaten! Oder sagst du auch bei den gelten—
den Höchstpreisen: Auf mich kommt es nicht an, ich
fordere wie in Friedenszeiten!? Gerade die kleine—
ren Zeichnungen haben bei den früheren Kriegsan—
leihen fast 18 Milliarden eingebracht, die sich auf
13 Millionen Einzelzeichnungen verteilten. Gewiß wer—
den auch die großen Vermögensverwaltungen und
reichen Leute wieder tüchtig mitzeichnen; sie haben
Vaterlandsliebe und Geschästsverständnis genug dafür,
ihre Zahl ist viel zu klein, wo Milliarden in Frage
stehen. Aber viele Körner machen einen Haufen, viele
Bäche einen Strom, viele Mark eine Million. Im
vorigen Herbst haben fleißige Kinder die Nachlese auf
den Stoppeln gehalten. Was sollen ein paar Handvoll
Aehren, könnte man sagen. Sei still! Weil es viele,
oiele taten, ist mehr Korn zusammengekommen, als
ein Dutzend Großgrundbesitzer einfahren konnten. Das—
selbe meint auch der Dichter Rückert mit seinem weisen
Sprüchlein:
„Wenn die Wädsserlein kämen zuhauf,
zäb' es wohl einen Fluß.
Weil jedes nimmt seinen eigenen Lauf,
eins ohne das andre vertrocknen muß.“
Wie aber die Wässerlein in Millionen Tropfen
und Rinnsalen von Acker und Wiese, aus Feld und
Wald, aus Stadt und Land zu unseren freien deutschen
Strömen anwachsen, so müssen Bauern und Bürger,
Arbeiter und Handwerker, Beamte und Rentner, Kauf—
leute und Fabrikherren, Kinder und Greise, Verschwen—
der und Geizhälse das Geld zusammenfließen lassen
zu dem gewaltigen Strome einer neuen Kriegsan—
leihe. Und dieser Milliardenstrom hat vor allen ande—
ren Strömen noch eins voraus: Er entspringt und
münudet im eigenen Vaterlande. Ist das nicht ein
ruchtbarer Kreislauf?

Wer dem Vaterlande durch die Kriegs—
Aanleihe einen Dienst erweist, ist sich sebst
der beste Freund. Darum werden auch diejeni—
gen zeichnen, denen der Geldbeutel näher steht als
das Vaterland. Leihe mir 95 Mark, sagt das Reich
bei der 5. Kriegsanleihe, so zahle ich dir 100 Marf
auf Schatzanweisung zurück; leihe mir 950 Mark,
so bekommst du auf Jahr und Tag 1000 Mark wieder.
Wo in aller Welt wird dir ein solches Geschäft an—⸗
geboten?! Lauf doch umher in Stadt und Kand —
wer schenkt dir einen Taler oder eine Mark? Das

Deutsche Reich tut es, und du brauchst nicht einmal
„Danke schön“ zu sagen. Und wer zahlt dir pünktlich
und halbjährlich noch 4/3 vom Hundert Zinsen dazu?
Das tut wieder das Reich. Die Sparkasse gibt 4 v. H.
Ldaß deine 100 oder 500 Mark dort liegen, und du
hast in 10 Jahren 5 oder 25 Mark weniger als
bei der Kriegsanleihe. Oder zahle bloß 95 Mark ein
und sage nach 10 Jahren, du möchtest gern 100 Mark
viederhaben und dazu die Zinsen von 100 Mark, nicht
on 95 Mark, für 10 Jahre. Man wird dich aus—
achen! Du hast die Wahl, sagt ferner das Reich;
leihe mir 98 Mark, so gebe ich dir eine Schuldver—
schreibung über 100 Mark; leihe mir 490 Mark,
so erhältst du eine solche über 500 Mark usw. bis
in die Millionen. Ich frage noch einmal: Wer schenkt
dir 2 oder 10 oder 100 Mark in dieser teuren Zeit,
uind wer zahlt dir obendrein für diese Anleihe 5
Prozent Zinsen? Aber vielleicht möchtest du dein Geld
einem guten Freunde leihen und vergissest dabei ganz,
daß das Vaterland der beste Freund ist. Er zahlt
vohl auch 4,, oder 5 Prozent, aber für 100 Mark,
nicht für 57 oder 98 Mark. Und wenn er in Sorge
and Not gerät, wo bleiben dann die Zinsen? Willst du
hn mahnen und pfänden? Bei der Schatzanweisung und
der Schuldvecrschreibung (beide auch Kriegsanleihen ge—
tannt) brauchst du halbjährlich nur den Zinsschein
1bzuschneiden und in Zahlung zu geben, so ist alles
erledigt ohne Rücksicht, Mahnung und Verzögerung.
Das Abschneiden ist eine schöne Arbeit, viel mehr
angenehm als anstrengend.
Woher du das Geld nehmen sollst für
die 5. Kriegsanleihe? Wo immer du es bekom—
men kannst, ohne zu stehlen. Es handelt sich um
ein ehrlich Geschäft; mehr noch: das Vaterland ruft
und Sieg und Frieden ist mit in deine Hand gegeben
Klopfe an bei den Sparkassen und Darlehnsvereinen
vo du noch ein Guthaben hast; benutze die anständig—
Belegenheit, um alte Ausstände beizutreiben, und raffe
zusammen, was zinslos in verschwiegenen Ecken liegt!
lleberdies ist zum Zeichnen noch gar kein Geld not—
wendig. Wer z. B. 1000 Mark anmeldet, braucht
erst zu folgenden Terminen zu zahlen: 18. Oktober
(30 Proz.), 24. November (20 Proz), 9. Januar und
b. Februar (je 25 Proz.). Wer nur 100 Mark un—
meldet, darf bis zum 6. Februar mit der ganzen
Zahlung warten. Man verschiebe die Anmeldung oder
zeichnung nicht bis auf die letzten Tage! Das Deutsche
Reich läuft keinem nach; am 5. Oktober ist die Frist
perstrichen, und die Anmeldeklappe wird zugemacht.
Zeichne reichlich zum vaterländischen Danke, wenn
der Herr deine Aecker und Ställe gesegnet hat, wenn
deine Werkstatt im Betriebe blieb, wenn dein Arbeits—
lohn gestiegen ist oder der Würgengel des Krieges
an deiner Hütte vorüberging. Zeichne nach Kräften
zur Aufbesserung deiner Lage, wenn du unter dem
triege wirtschaftlich gelitten hast, der Witwe vergleich—
ar, die ihr letztes Scherflein in den Opferkasten warf—
zeichnet aAlle zum Ehrendenkmal für die Ge—
allenen, die ihr Letztes und Bestes für Heimat und
baterland gegeben haben! Mir ist, als hörte ich aus
ernen, fernen Gräbern von welscher Erde und russi⸗
chem Sande, aus den Schluchten der Karpathen und
den Tiesfen des Meeres die Mahnungsstimme des Hel—
denjünglings Theodor Körner: „Vergiß, mein Volk
die treuen Toten nicht!“
Wir haben oft gehört, wie der beliebte Offizier und
der schlichte Soldat die Kameraden durch Wort und
Beispiel fortrissen zum siegreichen Sturme, oder wie
ie nicht rasteten und ruhten, bis sie den Verwundeten
jeborgen hatten. Das sind wiederum Beispiele für
das Heimatheer. Wo du auch stehst im bürgerlichen
deben, hoch oder niedrig, du kannst durch sebendig
            
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