Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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wicht jeden Mangel abftellen. Daher seien nachstehend einige
Vorschläge wiedergeseben, die jetzt um so aufmerte mere
Beochtung finden dürften, als die Preise für Leifrüchte
der Ernse 1917 eine Erhöhung um je ein Sechstel der
disher gewährten Sätze erfahren. Die Kachstehenden An⸗
egungen gehen von einem in tätiger Arbeit stebenden
lüchtigen Landwirt und Gemeindevorsteher aus der Vro—
oins Hannover aus.
Zunächst für alle Gartenbesitzer.
Sie müssen schnellstens reichlich Grünkohl pflanzen,
möglichst halbbohe Sorten, wodurch sie einmal reichlich
Bemüse bekommen. Die Kohlstrunken sollen sie aber nicht
sortwerfen, oder verbrennen, wie es vielfach geschieht, son—
dern sie im Monat Märs, bevor sie Sprossen schießen,
zum Saattragen zusammenpflanzen. Die Früchte sind dann
im Zuli 1917 schon reif und liefern ein wohlschmeckendes
Del, das wesentlich süßer ist wie Rüböl. Es gibt in gans
Deutschland Millipnen von Gartenbesitzern, die sich in der
Weise um die Gewinnung von Oel bemühen können.
negesamt lassen sich dadurch große Mengen herbei—
schaffen.

Dann für alle Landwirte.
Sie müssen in der ersten Hälfte des August Winter—
raps fäen. Durchschnittlich kommen für jeden Landwirt
122 Morgen, bei kleineren Landwirten natürlich weniger
und bei größeren mehr, in Frage. Falls die Aussaat
für Winierraps nicht allenthalben in genügenden Mengen
da ist, dann sind Steckrübenpflanzen, die man gegenwärtig
allenthalben in großen Mengen beschaffen kann, auf
Roggenstoppel zu pflanzen. Im Spätherbst müssen die
Pflanzen behäufelt werden, um sie gegen Frost und Wild
zu schützen. Auch von diesen Pflanzen kann im Juli 1917
schön Samen gewonnen werden, der ebenfalls ein sehr
mildes Oel liefert.
Wenn in einer solchen Form verfahren wird, dann
zgewinnen wir in absehbarer Zeit derartige Mengen Oel,
daß dadurch jede Fettknappheit beseitigt wird. Margarine—
werke, Seifenfabriken, Hersteller von Speiseöl und andere
Verarbeiter von Oelen werden nicht nur reichlich versehen,
sondern auch die bei der Auspressung des Samens ge⸗
wonnenen Rückstände lassen sich als ein wichtiges Futter—
mittel in der Landwirtschaft verwerten. Durch ein solches
Verfahres würden die jetzt unerschwinglich hohen Oel—
preise wesentlich herabgemindert.
Saarbrücken, 27. JZuli 1916.
Der Königliche Landrat.
von Halfern.

87.) Bekanntmachung.
Betrifft: Regierungsverfügung Ab — vom 12. JZuli 1916.
Die frischen Roßkastanien eignen sich am besten als
Futter für Mast- und Arbeitsochsen. Pferde und Schweine
mögen sie, wegen ihres bitteren Geschmacks nicht gern,
und an Milchkühe in großer Menge gegeben, verleihen
sie der Milch einen unangenehmen Beigeschmack. An Kühe
gebe man deshalb nicht mehr als 5 Pfund täglich nac
guter Gewöhnung. Ochsen vertragen die doppelte bis
dreifache Menge.
Die frischen Roßkastanien bestehen etwa zur Hälfte
aus Wasser. Deshalb verderben sie beim Lagern ziemlich
easch durch Schimmelbildung. Für längere Aufbewahrung
muß man sie an einem trockenen zugigen Orte flach aus—
breiten und häufig umschaufeln und am besten noch über—
dies im Backofen vder auf einer Darre leicht rösten.
Die Temperatur soll nicht zu hoch gesteigert werden, da
sie den Geschmack verschlechtert. Die nun hart« gewor—
dennen Samen müssen geschrotet werden. Nimmt man nach
dem Schroten noch eine Entbitterung vor, indem man
sie nach dem Schroten etwa 2 Tage in oft zu erneuerndes
oder fließendes Wasser einledt, so erhält man ein für
alle Nutzviehgattungen, auch für Pferde und Schweine,
ausgezeichnet brauchbares leicht verdauliches Futtermittel,
das auch auf die tierischen Produkte Milch, Fleisch und Sveck
keinen ungünstigen Einfluß ausühbt.
Nach Kellner enthalten:

verdauliches Stärke—
Eiweis ”0. weort oo
Roßkastanien, ungeschält, frisch 15 34,1
trocken * 546
geschält, frisch 44,2
* „u. getrocknet 2,0 78,3
Die Roßkastanien sind also sehr ꝛiweisarm; davon
abgesehen, beträgt der Nährwert der jetrockneten unge—
schülten Samen 80 0 der Futtergerste, und der der ge—
— * geschälten Samen erreicht fast den der Mais—
örner.
Der dauernd vösllig lufttrockene Zustand
der Roßkastanie isst unerläßlhiche Vorbeding—
ung für die Bekömmlichkfeit.
Saarbrücken, den 8. Augzust 916.
Ser Sänialiche Bandraf.

388.) Bekanntmachung.
Zur erhöhten Sicherung der Feld- und Gartenfrüchte
hat das stelspertr. Generalkommando das Legen von Selbst—
aeschossen, Schlageisen und Fußangeln zugclafsen.
Die Feld- und Gartenbesitzer werden hierauf mit dem
Hinweis aufmerksam gemacht, daß im Laudkreis Saar—
brücken die Ortspolizeibehörden ermächtigt sind, in allen
unbedenklichen Fällen die Genehmigung zu erteilen. Die
Anträge sind bei den Ortspolizeibehörden (Bürgermeister—
imtern) zu stellen unter genauer Bezeichnung der Lage
und Größe des betreffenden Grundstückes.
Saarbrücken, den 8. August 1916.
Der Königliche Landrat.
von Halfern.

zunnf *
beaunntehuüngen oherer behbrügn
689.) Sammlung der Früchte des Weißdorus.
Im vaterlündischen Znteresse sollen die Früchte des
Beißdorns in diesem Jabr gesammelt werden und unter
Kontrolle der Regierung zu einem Kaffee-Ersatzmittel nach
besonderem Verfahren verwertet werden. Die Regierung
hat zu diesem Zweck die gemeinnützige Kriegsgesellschaft
a ——— 3 in Berlin Wesb6, Wilhelmstr. 55, ge—
ründet.
Die Bevölkerung, Erwachsene sowie Kinder, wird auf—
jefordert, die reifen Früchte des Weißdorns zu sam—
meln, sie in einem luftigen Raum im ausgebreiteten Zu—
tande einige Tage zu trocknen und alsdann gegen Emp—
rangnahme von 20 Pfg. Sammellohn für das Kilo luftge—
trockneter Früchte an die von der Ortsbebörde bestimmte
Stelle abzuliefern.
Der Weißdorn kommt in allen Gegenden Deutschlands
»or. Er wächst wild, insbesondere in Laubwäldern, an
Wegen und Dämmen. Seine rundlichen, im reifen Zu—
tande roten Früchte, auch Mehlbeeren genannt, sind da—
zurch von anderen zu unterscheiden, daß sie einen sehr
zarten großen Kern enthalten.
Es sind nur reife Früchte zu sammeln. Die Früchte
sind vor der Ablieferung von Blättern, Stengel und Aesten
zu befreien.
Kriegsgesellschaft für Kaffee⸗Ersatz.
6b90.) Bekanntmachung.
Demnächst wird seitens der Polizeibehörden der Zeit—⸗
punkt bekannt gegeben, von welchem ab das Einsammeln
der Haselnüsse erlaubt ist. Bei der hohen Bedeutung einer
ergiebigen Ernte von Oelfrüchten müssen die Schulen sich
eifrigsft in der Sammlung betätigen und an einer etwa
eitens der Gemeinden organisierten Sammlung bereit—
villig teilnehmen. Die Herren Ortsschulinspektoren, Rek—
oren, Hauptlehrer usf. werden ermächtigt, über erforder—
ichen Ausfall von Unterricht selbständig zu befinden.
Saarbrücken 1, den 9. August 1916.
Königliche Kreisschulinspektion
1: II: Völklingen: Neunkirchen:!
Marx. i. V. Marx, Hirtz. Hirtz. i. V.: Marr
691.) Bekanntmachunug
Die Zufuhr von Mineralwasser an die Truppen
im Felde sowie für die Verwundeten und Kranken
in den Lazaretten soll auch in diesem Jahre in weitest⸗
gehendem Maße bewerkstelligt werden. Da die Be—
ichaffung leerer Mineralwasserflaschen schwierig ist,
zittet das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom
Roten Kreuz, Abteilung Mineralwasserversorgung, um
Anterstützung. Es sollen gesammelt werden nur Mine⸗
zalwasserflaschen und zwar ausschließlich mit sogenann—
em Kronkorkverschluß. Hierunter sind Flaschen zu ver—
tehen, die oben am Rande eine Rille aufweisen, in
velche der flache metallene Kronkork (er hat die Zacken⸗
vorm einer Krone) anstelle eines langen Korkens mit—
els Maschine eingepreßt wird. Es können Flaschen
aller Größen verwendet werden. Flaschen dagegen, die
zlige Flüssigkeiten enthalten haben, können bei der
Füllung von Mineralwasser keine Verwendung finden.
Neben dieser Sammlung von leeren Mineralwasser⸗
flaschen ist es dringend erwünscht, auch die Sammlung
von gebrauchten Korken einzubeziehen. Neue Korken
sind heute faum noch zu beschyffen. Es ist jedoch
möaolich. aus alten Korken neue Kunstkorke herzustelen
            
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