Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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waltung in möglichst weitem Umfange durchzu—
führen.
die Oberförster sind ermächtigt, das auf Kosten
der Verwaltung geworbene Futterreisig nach
eigenem Ermessen entweder freihändig gegen die
Werbungskosten zuzüglich eines festen Betrages
von 10 Pfg. je Raummeter oder öffentlich meist⸗
bietend zu verkaufen.
Berlin W O, den 11. April 1916.
Leipziger Platz 10.
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen u. Forsten.
Freiherr von Schorlemer.

Gewinnuen, Aufbewahren und Verwertung
von Futterreisig (Saubheu).
Veröffentlichung des preußischen Landwirt⸗
schaftsministeriums.
Die vorjährige geringe Ernte an Rauhfutter und
die dauernde Knappheit auch aller übrigen Futter—
mitteln machen es zur unabweisbaren Notwendigkeit
rechtzeitig für die Veschaffung von Ersatzfutter zu
sorgen.
Zu den wichtigsten Ersatzfutterstoffen gehört das
Futterreisig, das, grün verwendet oder recht⸗
zeitig und sachgemüß getrocknet, anderem guten Grün—
futter oder Wiesenheu von mittlerer Güte nicht nach—
steht und in geradezu unbegrenzten Mengen gewonnen
werden kann.
Die ausgedehnte Nutzbarmachung des Futterrei—
sigs wird deshalb der allgemeinen Beachtung auf das
wärmste empfohlen.
Das Schneiden und Verfüttern grünen Fut—
terreisigs, das gehäckselt und unter Umständen auch
gequetscht in nicht zu großen Mengen und mit anderem
Futter vermischt allen Tieren bekömmlich ist, bietet
niach keiner Richtung besondere Schwierigkeiten. Anders
verhält es sich mit dem Futterreisig-Heu, für dessen
Gewinnen, Aufbewahren und Verwerten in nachstehen⸗
dem eine kurze, naturgemäß in vieler Beziehung für
das grün zu verfütternde Reisig gültige Anleitung
gegeben werden soll.
1. In Betracht kommende Holzarten.
Das Laub und die Zweigspitzen fast aller Holz—
arten sind als Viehfutter verwendbar. Ausnahmen
sind Traubenkirsche, Faulbaum und Goldregen, vor
denen gewarnt wird.
2. Zeit des Gewinnens.
Seinen höchsten Nährwert hat der Futterreisig,
sobald die jungen Blätter sich voll entwickelt haben,
also etwa Mitte Mai bis Anfang Juni. Nach dieser
Zeit nimmt der Nährwert allmählich ab. Da auch das
Vieh die noch zarten Frühjahrsblätter und -triebe
lieber nimmt, als die hart und holzig gewordenen
der späteren Jahreszeit; da das frühzeitig gewonnene
Heu weniger brüchig ist und die Blätter fester hält,
und da endlich auch dae anderen landwirtschaftlichen
Arbeiten zwischen Bestellzeit und Heuernte noch minder
drängen, so empfiehlt es sich, das Gewinnen des Futter—
reisigs tunlichst schon in der zweiten Hälfte des Mai
in Angriff zu nehmen und dann so rasch wie möglich
zu Ende zu bringen. Bemerkt wird noch, daß das
Futterreisig infolge der Sonnenwirkung an den Aben⸗
den heller, warmer Tage besonders nährstoffreich ist
bend Ralb zweckmäßig an solchen Abenden geschnit—
en 1rD

3. Art des Gewinnens.
Am leichtesten und wohlfeilsten kann das Futter—
reisig in Eichenschäl- und sonstigen Niederwaldschlägen,
bei Gelegenheit von Durchforstungen, beim Aushieb
verdämmender Weichhölzer aus älteren Forstkulturen
und bei sonstigen Läuterungshieben, ferner durch das
Ochneiden iunger Gtorßrusitchiäge im Miftftels- und in

Niederwalde gewonnen werden. Daneben kommt das
Schneideln älterer Bäume in Wäldern, Gärten, Parke
und Anlagen, an Wegen, Rainen, Bächen und Gräben
von Waldsträuchern und von Hecken in Betracht.
Zum Abhauen und Schneiden der Zweige bedien
man sich der Sense, der Sichel, der Hecken-, der Garten
und der Stangenschere, heppenartiger schwerer Messel
und kleiner Aexte.
Das Futterreisig darf ältere als die vorjährige
Triebe nicht umfassen und am Abschnitt höchstens /
Zentimeter stark sein. Stärkere Zweige sind zu har
und nährstoffarm, trocknen nur langsam aus und ver
ursachen deshalb leicht Schwimmelbildung im einge
lagerten Reisig, werden vom Vieh auch ungern oden
gar nicht genommen.
Das Abhauen und Schneiden des Reisigs wird
von stärkeren Arbeitern, das Aussondern der brauch
baren Teile von schwächeren Personen und das nach
folgende Bündeln mit Wieden von Kindern auszu
führen sein.
Das abgehauene und ausgesonderte Reisig wirit
zunächst zum Vertrocknen, wozu bei gutem Wetter ein
Tag genügt, auf dem Boden ausgebreitet und hiernach
gebündelt. Die Bündel sollen locker und 30 bis 40
Zentimeter stark sein. Je feiner das Reisig geschnitten
worden ist, um so mehr ist es der Gefahr des Ver
stockens bei zu fester Bündelung ausgesetzt. Die Reiser
werden mit dem Abschnitt nach einer und derselben
Seite in die Bündel eingelegt und diese tunlichst in
Halbschatten um stärkere Bäume herum oder nach Ar
von Kornmandeln mit den Abschnitten auf den Boder
gestellt oder aufgehängt. Sie müssen in allen Teiler
gut austrocknen, zu dem Zwecke nach Bedarf umgesetzt
nach starken Regenfällen unter Umständen auch wieder
aufgebündelt werden und können bei günstigem. We—
ter nach 6 bis 8 Tagen eingelagert werden.
Wird das Reisig in scharfer Sonne getrocknet, so
verliert es den würzigen Geruch, wird brüchig, läßt
die Blätter leicht fallen und wird vom Vieh weniger
gern genommen.
Viel Regen setzt den Futterwert des Reisigs star
herab. Hat der Regen Schimmelbildung veranlaßt
so wird das Reisig vom Vieh nur noch ungern ode
gar nicht mehr genommen.
Am empfindlichsten gegen das Verregnen ist Erlen
reisig.
Das trockene Futterreisig wird am besten locker
geschichtet in Scheunen aufbewahrt. Fehlt es an
Scheunenraum, so setzt man es an zur Abfuhr bequem
gelegenen Stellen, tunlichst im Wetterschutz eine⸗s
höheren Bestandes, aber nicht unter dessen Traufe, in
Mieten ein. Dabei sind die im Außenrand der Miete
liegenden Bunde mit den Abschnitten nach außen so
zu schichten, daß die Reisigspitzen höher liegen als
die Schnittenden, das Regenwasser also nach außer
laufen kann. Das Dach der Miete muß möglichst
steil angelegt und durch eine recht dichte Decke von
dachsteinartig übereinandergelegten Plaggen, Schilf oder
Nadelholz⸗- (am besten Fichten-) Reisig abaeschlosser
sein.

4. Nährwert des Futterreisigs.
Zur richtigen Zeit gewonnenes und gut einge
brachtes Futterreisig hat im allgemeinen den Wer—
von mittlerem Heu. Im einzelnen bestehen in dieser
Beziehung unter den Holzarten allerdinas nicht un
beträchtliche Wertunterschiede.
Die nachstehende Reihe ordnet die wichtigsten Laub⸗
holzarten nach ihrem Futterwert so, daß sie mit den
vertvollsten beginnt und mit der minder wertvollsten
schließt:
Schwarzer Hollunder, roter Hollunder, Berg
arc Fernee —ezmmerlinde Spikakhnorn
            
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