Tie in dem Königsberger Institut mit den Wurseln
gefätterten Länferschweine nahmen die ihnen zunächst in
zeringen und dann allmählich sich verstärkenden Gaben
gereichten Wurzeln bei langsamer Gewöhnung gut an, er—
esica zuleßt bei Entziehung aller Kartoffeln täglich 25.
Pfünd Wurzeln und haben sich durchaus wohl dabei be—
funden. Für Läufer und Zuchtschweine stellen die Farn—
wurzeln hiernach ein unbedingt brauchbares Futter dar;
dür Mastichmeine können sie mindestens einen Teil des Fut—
terbedarfs dedcken.
Ais Futter für Rindvieh kommen die Wurzeln wegen
ihres bitteren Geschmacks nicht in Betracht.
Die Gewinnung der sich unschwer vom Boden ablösen—
den Wurzeln ist leicht. Ein Arbeiter sticht den Erdboden
mit dem Wurzellager um, während ein zweiter Arbeiter —
hierfür genügt ein Kind — die Wurzeln aus dem umagestoche—
nen Boden herausliest.
Die Wurzeln müssen gewonnen werden,
ehedie jungen Wedelim Frühijahr austreiben.
Sobald die Wedel treiben, verringert sich der Futterwert
der Wurzeln erbeblich.
Vor dem Verfüttern sind die Wurzeln durch Abspülen
von der anhastenden Erde zu befreien. Einer weitgehenden
Zerkleinerung oder sonstigen Zubereitung bedürfen sie für
die Verfütterung nicht. In luftigen Räumen, insbesondere
in Scheunen, lassen sie sich gut aufbewahren.
Den séweinehaltenden Wirten wird dringend empfoblen,
sich das Cewinnen von Farnwurzeln noch während des
Monats April zur Streckung ihres Futtervorrats angelegen
sein zu lassen.
Die preußische Staatsforstverwaltung ist bereit, das Gra—
hen der Wurzeln in weitestem Umfange zu gestatten, auch
steht zu hoffen, daß die übrigen Forstverwaltungen das
gleiche Entgegenkommen zeigen werden.
308.
Die Lupine als faserliefernde Pflanze.
Veröffentlichungen des Preußischen
Landwirtschaftsministeriums.
Nach neueren Untersuchungen besteht die Aus—
sicht, aus der Lupine eine brauchbare Faser
zu gewinnen. Damit würde diese Kulturpflanze, die
schon jetzt als bester Stickstoffsammler für die Grün—
düngung gute Dienste leistet und als Körnerfrucht
außerordentlich eiweißreiches Futter liefert, im Anbau⸗
wert noch wesentlich gewinnen.
Kommerzienrat Max Graetz von der Firma
Ehrich & Graetz, Berlin SO. 36, Elsenstraße 92/93,
und Administrator Bührig aus Fretzdorf haben die
in Deutschland angebauten Kulturpflanzen nach ihrem
Fasergehalt untersucht und dabei gefunden, daß die
Lupine eine brauchbare Faser enthält, die technisch
mindestens ebenso wertvoll ist, wie Jutefaser. Haupt⸗
mann von Blüchser hat ein Verfahren ausgearbeitet,
durch das die Faser von den Strohteilen auf ein—
fachste Art getrennt werden kann. Die Genannten
haben ein Patent auf das Verfahren angemeldet.
Bei den bisherigen Versuchen hat sich ergeben, daß
etwa 500 lufttrockene Faser aus dem Lupinen-Stroh
gewonnen werden. Die Faser ist nach den bisherigen
Feststellungen in der reifen Lupine in der größten
Menge und in der besten Beschaffenheit vorhanden.
Die Körnergewinnung wird also bei der für die Faser⸗
erzeugung angebauten Lupine in keiner Weise beein—
trächtigt. Auch kann das Stroh ohne Schädigung der
Fasergewinnung mit der Maschine gedroschen werden.
Das Verfahren der Fasergewinnung ist so einfach,
daß es möglich ist, mit dem Apparat von Gut zu
But zu fahren G(ahnlich wie mit der Dreschmaschine),
um die Faser von dem Stroh zu trennen. Die Holzteile
können dem betreffenden Betriebe als Streu⸗
material verbleiben.
In der Kriegszeit ist die Lupine zur Herstellung
eiweißreichen Futtermehls verwendet worden und hat
dadurch zur Futterversorgung beigetragen. Die von
der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte auf
Grund der Verordnung vom 28. Juni 1915 übernomme⸗
nen Lupinen sind nach dem Verfahren von F. Peter—
sen, das im allgemeinen dem Kellnerschen nachge
bildet ist, entbittert, getrocknet und gemahlen worden
Das entbitterte Lupinenmehl enthält 40 -5000 Pro—
tein, 4- 500 Fett und 20-30000 Kohlehydrate. Der
Bitterstoff ist bis aus 0,100 entsernt. Das so ge—
wonnene eiweißreiche Futtermehl wird zur Mischung
mit eiweißarmen Futterarten verwendet und hat sich
bei zahlreichen Versuchen als bekömmlich und leich
verdaulich erwiesen.
Die Lupine ist bekanntlich bezüglich des Bodent
außerordentlich anspruchslos, sie kann auf dem leich—
testen trockenen Sandboden gebaut werden, namentlich
dann, wenn der Untergrund bis zu größerer Tiefe
den Wurzeln zugänglich ist; alle sauren und humosen
Böden, ebenso alle schweren nassen Böden sagen ihr
nicht zu. Gegen zu hohen Kalkgehalt ist sie sehr
empfindlich. Da aber leichte trockene Sandböden
namentlich im ODsten des Reiches in weiten Flächen
vorhanden sind, ist die Anbaumöglichkeit der Vupine
eine überaus große, und ihre Kultur ist zur Verbesse
rung der leichten Sandböden von unschätzbarem Werte
Die Lupine ist auf solchen Böden, auch wenn sie nicht
als eigentliche Gründüngungspflanze angebaut wird
eine ausgezeichnete Vorfrucht. Dies beruht, wie nament
lich Schultz⸗Lupitz nachgewiesen hat, neben der reichen
Stickstoffsammlung — die Lupine zeichnet sich vor
allen Stickstoffsammlern durch reichen Knöllchenbesatz
an den Wurzeln aus — namentlich darauf, daß die
Lupine eine starke Wurzelentwicklung, vor allem eine
tiefgehende Pfahlwurzel hat. Die nach Verrottung
dieser Wurzel verbleibenden, mit zersetzter Pflanzen⸗
masse gefüllten Kanäle kommen den nachfolgenden
Pflanzen mit weniger gut entwickeltem Wurzelsystem
sehr zugute. Die Lupine kann durch mineralische Dün
gung allein zur höchsten Entwicklung gebracht werden
Besonders wirksam ist die starke Kalidüngung. Die
gelbe und die blaue Lupine kommen in der Hauptsache
als Kulturpflanze in Betracht. Die gelbe (gelbblühende
verdient im allgemeinen den Vorzug. Die blaue
wird auf den leichtesten Sandböden (Flugsand), au
Böden mit weniger guten Untergrundverhältnissen,
jhrer kürzeren Vegetationsdauer wegen in nördlichen
und kälteren Lagen und schließlich zur Samengewinnung
verwendet.
Die weiße (weißblühende) Lupine wird in Deutsch
land wenig gebaut, weil sie eine zu lange Vegetations
dauer und ein zu großes Wärmebedürfnis hat. Sie
hat aber die kräftigste Entwicklung — die Stengel
werden bis zu 11/3 Meter lang — und kommt des—
halb möglicherweise doch für die Fasergewinnung in
Betracht. Die ausdauernde Lupine wird als Zier—
pflanze und zuweilen für fsorstliche Zwecke — Unter
stützung junger Fichtenbestände — verwendet.
Im Allgemeininteresse erscheint es erwünscht, daß
die Lupine, soweit die Saat zu beschaffen ist, in
diesem Jahre auf geeigneten Böden in größerem Um—
fang angebaut wird, die Saatzeit fällt in den Monat
April. Vor allem aber sollten die landwirtschaftlichen
Versuchsstationen die Frage der Fasergewinnung ein
gehend prüfen und ermitteln, welche Arten sich hierzu
am besten eignen, welche Erntezeit und welche Ernte
methoden die geeignetsten sind. Auch die Gewebeindu—
strie sollte sich an den Versuchen beteiligen, um die
beste Art der Fasergewinnung und die Möglichkeiten
ihrer Verwendung festzustellen. Die Frage ist nicht
nur für die Kriegszeit, sondern auch in der Zukunf
für die Versorgung unserer Industrie mit im In—
land erzeugten Faserstoffen von der größten Bedeutung
K. 14462. Berlin, den 28. März 1916.