Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Geheimrat Zunztz-Berlin hat eingehende Ver⸗
suche im Respirations-⸗Apparat durchgeführt, die einen
irberraschend hohen Nährwert des Strohkraftfutters für
Pferde ergaben; er kommt in seinem Bericht zu dem
Endergebnis:
„Man wird unbedenklich 5 Kilogramm
Hafer durch 4 Kilogramm Strohkraftfutter
120 Gramm Eiweiß ersetzen können.“
Geheimrat EIlenberg, Rektor der Tierärztlichen
Hochschule in Dresden, hat fast vier Monate hindurch
Versuche mit der Verfütterung von Strohstoff an
einigen 20 schwer arbeitenden Pferden gemacht und
kommt zu folgendem Ergebnis:
„Nach meiner Ansicht kann man 3. B. bei
stark arbeitenden Pferden 4525 Kilogramm Kör⸗—
ner durch 445 Kilogramm Strohkraftfutter er—
setzen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Es
durfte sich aber empfehlen, dabei doch eine ge—
wijse Menge (122 Kilogramm) Hafer zu geben
wegen dessen günstiger Einwirkung auf die che—
mischen und mechanischen Verdauensvorgänge
und sonstigen damit zusammenhängenden Lebens
prozesse. Bringt man aber eine so erhebliche
Menge Körnerfutter in Wegfall, dann empfiehlt
es sich, dem Futter Eiweiß (Protein) in Form
kleiner Gaben von Robos, Hefe, leimartigen Stof—
fen und dergleichen zuzufügen.
Das Schlußergebnis unserer Versuche ist dahin
zusammenzufassen, daß bei der Fütterung der
Pferde ein erheblicher Teil der üblichen Hafer
bzw. Körnerration durch das Oexmannsche
Strohfutter bei sachgemäßer Anwendung und unter
Beachtung der vorstehend von mir gemachten Aus—
führungen ersetzt werden kann, ohne daß gesund⸗
heitliche Nachteile und eine Minderung der Lei—
flungsfähigkeit und Körperkraft der Tiere zu be—
fürchten sind.“
Aehnliche günstige Erfolge wurden bei Versuchen
erzielt, die Herr Ober-Staatsveterinär Professor Dr.
Bongert und Herr Hauptmann Freiherr von
Lepel-Freistadt sowohl bei ruhenden wie bei ar—
beitenden Pferden des 1. Garde-Feld-Artillerie- Rgts.
durchführten.
Auch Herr Dr. von Lochow-Petkus hat um—
fangreiche Fütterungsversuche bei Pferden mit bestem
Ersolg durchgesührt. Auf seine guten Ersolge mit
Strohkraftfutter bei der Schweinemast hat er bereits
bei der leßgten Hauptversammlung der De utschen⸗Land⸗
wirtschafts⸗Gesellschaft hingewiesen. Seitdem sind Mast⸗
versuche in verschiedenen Betrieben mit bestem Er—⸗
folge durchgeführt worden. Das Reichs⸗Marineamt hat
an verschiedenen Stellen Manate hindurch unter ge—
nauer Aufsicht Schweinemastversuche mit Strohkraft⸗
futter machen lassen, die zu einem Auftrage auf Lie⸗
ferung von 70000 Zentner dieses Futters an die Be—
zugsvereinigung der deutschen Landwirte führte.
Die vor kurzem von Prosessor Schn eidewind—
Hhalle veröffentlichten nicht so günstigen Ergebnisse be⸗
ruhen auf Verfütterung eines Malerials, das im bereits
im Juli vorigen Jahres geliefert wurde das in we—
sentlich anderer Zusammensetzung und nach einem in⸗
zwischen als weniger brauchbar verlassenen Verfahren
in einer längst stillgelegten Versuchsanlage hergestellt
wurde.
Der beste Masterfolg bei Schweinen wird erzielt,
wenn nur etwa 1 Kilogramm der normalen Kraft⸗
futterration durch Strohkraftfutter ersetzt wird.
Da es sich um ein sast völlig eiweißarmes Futter⸗
mittel handelt, dessen Wert erst bei der Zufütterung
von Eiweiß zur vollen Geltung kommt, wird es seitens
der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte, die
den Alleiswerkauf in Händen hat, soweit wie möglich

Wer über das gesetzlich zulässige Maß hinaus
Hafer, Mengkorn, Mischfrucht, worin sich Hafer
befindet, oder Gerste verfüttert, versündigt sich
am Vaterland!

mit Hefe oder hocheiweißreichen Futtermitteln gemischt
durch die Kommunalverbände in den Verlehr gebracht
Nach Zusatz von 6 Prozent Eiweiß in Form von
Trockenhefe z. B. ergibt sich ein Futtermittel, das im
Stärkewert und Eiweißgehalt gleichwertig mit Mais—
schrot ist.

In der heutigen ernsten Zeit ist es Pflicht jeden
Landwirtes, nicht nur mit den übrigen Futtermitteln,
sondern auch mit dem Stroh aufs äußerste hauszu—
halten. Als Einstreu ist Stroh dieses Jahr zu wert—
voll. Schon der außerordentlich hohe Preis des Strohes
wird jeden denkenden Landwirt bewegen, als Ein—
streu Laub, Kraut, Reisig oder auch Sand und ähnliches
zu benutzen. Aber auch bei der Verfütterung von Stroh
muß Maß gehalten werden, da sein Wert bei Ver—
fütterung großer Massen immer geringer wird. Stelli
der Landwirt sein Stroh durch die Bezugsvereinigung
der deutschen Landwirte oder unmittelbar der Ersatz⸗
futterherstellung zur Verfügung, trägt er wesentlich
zur Vermehrung unserer Futterbestände bei, die er
ja auch seinerseits wieder durch den Kommunalver—
band beziehen kann, wobei er trotz der hohen Trans—
port- und Verarbeitungskosten die Futtereinheit bil—
liger erhält, als er sie im Stroh fortgibt. Dabei
ist der im Stroh enthaltene Futterwert natürlich nur
in beschränktem Umfange ausnutzbar, während an
Strohkraftfutter Mengen verfüttert werden können, die
dem Vielfachen der normalen Häcksel- oder Strohratio—
nen entsprechen.
Wird seitens der Landwirtschaft Stroh in genü—
gender Menge zur Verfügung gestellt, sollen die
Strohkraftfutterfabriken entsprechend vermehrt werden,
und steht zu erwarten, daß damit auch für Friedens—
zeiten eine dauernde gute Verwertung des Strohs ge—
fichert wird. Ein Fünftel einer normalen Strohernte.
das durch vorsichtiges Wirtschaften sich, ohne an an—
derer Stelle Schaden zu stiften, hierfür würde erüb—
rigen lassen, ergäübe nach der Verarbeitung eine Futter—
menge, die dem Import der letzten Friedensjahre an
Kohlehydraten entsprechen würde.

— “ —
Saarbrücken, 3. Märs 1986.
Der Königliche Landrat:
von Miquel.

Jagd-Verpvachtung

Die Jagd in dem Gemeindebezirk Guichenbach wird
am Samstag, den 11. März d. Is., nachmittags
4 Uhr, zu Riegelsberg, Gasthaus zur Post von Jo—
hann Friedrich, verpachtet. Die Jagd ist besondersé«
als Anstandsjagd geeignet und ist mit der Straßen⸗
bahn Saarbrücken-Riegelsberg-Heusweiler gut zu er—
reichen.
Riegelsberg, den 29. Februar 1916.
Der Jagdvorsteher
J. V.: Casper.
            
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