Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Für g7 Rursus 5 Freußen Mk., Nichtpreußen
ark.
Anmeldungen sind zu richten an die Direktion der
Königlichen Lehranstalt.
Wegen Zulassung zum Reblauskursus (NRr. 1) wollen
sich Personen aus der Provinz Hessen-Nassau an den Herrn
Ober-Präsidenten in Cassel, Nichtpreußen an ihre Landes—
regierung wenden.
Weitere Auskunft ergeben die von der Lehranstalt
kostenlos zu beziehenden Satzungen.
Zum Schluß wird noch bemerkt, daß die unter 2, 4,
6 und 7 aufgeführten Kurse Veranstaltungen der Land—
wirtschaftskammer in Wiesbaden sind.
Der Direktor: Wortmann.
Personal⸗Chronit.
Der bisherige Steuer-Supernumerar Ewhh zu
Saarbrücken ist zum Königalichen Steuersekretär er—
nannt worden

Fürsorge für die nächstjiährige Ernte.

Die Unterbindung des Handels der neutralen Länder
durch die englische Flotte hat zur Folge, daß wertvolle,
aus dem Auslande stammende Rohstoffe, an deren Ver—
wendung unsere Landwirte zur Hebung der Erträge seit
Jahren gewöhnt sind, für die kommende Frühjahrsbe—
stellung gar nicht, oder nur in sehr beschränkter Menge
zur Verfügung stehen. Zu diesen Rohstoffen gehört der
Stickstoffdünger. Zum Wohle des Vaterlandes hat daher
jeder Landwirt die Pflicht, an einer möglichsten Steigerung
der einheimischen Stickstoffdünger-Erzeugung mitzuhelfen
und den in der Landwirtschaft selbft vorhandenen borga—
nischen Stickstoffdünger möglichst zweckmäßig zu verwenden.
Im Inlande wird Stickstoffdünger in Form des Am—
moniaks gewonnen als Nebenerzeugnis der Kokereien. Da
aber infolge der Einberufung der Arbeiter zum Heeres—
dienst und infolge der Unterbindung des Ueberseehandels
die Hauptverbraucher des Kokses, die Hochöfen, nicht voll
in Betrieb sind, fällt mit dem Sinken des Koksberbrauches
auch die Kokserzeugung und damit die Herstellung von
Stickstoffdünger. Um ihren Rückgang nach Möglichkeit zu
beschränken, muß im ganzen deutschen Vaterlande mit
Nachdruck dahin gewirkt werden, daß aun Stelle von Koh—
len Koks in allen Feuerungen verwendet werde. Hierzu
kann in erheblichem Umfange auch die Landwirtschaft bei—
tragen, indem in allen Feuerungen, die ganz oder teil—
weise mit Koks geheizt werden können, in den Brenne—
reien, Stärke- und Zuckerfabriken, Kartoffeltrocknungs-An—
lagen, in Futterdämpfern, Lokomobilen jeder Art, Küchen—
herden und Zimmeröfen, soviel als möglich die Kohl—
durch Koks ersetzt wird. Die geringen, mit dem Uebergange
zum Koksbrand verbundenen Unbequemlichkeiten muß jeder
Landwirt auf sich nehmen, der sich nicht dem Vorwurf
aussetzen will, bewußt eine schwere Verantwortung für den
Rückgang der Ernte in 1915 auf sich zu laden.
Auf Anregung des landwirtschaftlichen Ministeriums
hat der Leiter der technischen Abteilung des Vereins
zur Förderung der Moorkultur, Herr Arkand, in einer
landwirtschaftlichen Brennerei und an sonstigen Feuerungen
die Möglichkeit, Koks zu verbrennen, erprobt. Hierbei hat
sich gezeigt, daß in allen Feuerungsanlagen, die mit
Rosten versehen sind, Zechenkoks und Gaskoks in Mischund
mit Schwarzkohlen und mit Braunkohlen-Briketts sehr gut
verwendet werden kann; der Koks ist für diesen Zwed
zu nußgroßen Stücken zu zerkleinern.
Bei Dampfkesselanlagen mit schwachem Zug durch nied—
rige Schornsteine oder längere wagerechte Rauchkanäle kann
die Dampfleistung bei der Koksfeuerung allein oder als
Zusatz zu anderen Brennstoffen durch Anordnung eines
einfachen Dampfgebläses unter dem Rost, das jeder Schlosser
herzustellen weiß, wesentlich erhöht werden.
Bei Dampfkesseln mit gutem Zug und geeigneten Rost-—
stäben von 4-6 Millimeter Luftspalten ist unter Um—
ständen Gaskoks allein zu verfeuern; für Schmelzkoks, der
schwer anbrennt, muß dagegen stets ein Grundfeuer von
Steinkohlen oder Braunkohlen vorhanden fein. auf dem
mit Koks weiter gefeuert werden kann.
Durch die angestellten Versuche ist ermittelt worden,
daß sich bei Kesselanlagen die Kosten pro 1000 Kilparamm
Betriebsdampf bei der Verfeuerung von Steinkohlen vder
Braunkohlenbriketts mit Zusatz von 1, Gaskoks ziemlich
gleich hoch wie bei Steinkohlenfeuerung stellen, bei einem
Zusatz von t/Gaskoks sich um etwa 43 00 erhöhen würden.
Bei Zusatz von 1/3 Schmelzkoks würden sich die Dampfkosten
um etwa 5—26 90 und bei einem solchen von 1 Schmelzkoks
um etwa 10-12 00 steigern.
Hierhei sind die in der Versuchsanlage festgesetzten
Preise für die Brennstoffe zugrunde gelegt, die fich für
Gaskoks um 10 00 und flir Schmelzkofs soarr 53 54

höher stellen als die Steinkohlenpreise, und zwar in
allen Fällen einschließlich Ausfuhr. also frei Kesselhaus
gerechnet.
Bei der großen Bedeutung der Frage muß trotz
derentstehenden, nicht wefentlich höheren Kosten
die Verwendung von Koks überall dort stattfinden, wo
es nach der Beschaffenheit der Feuerungs—
Anlagen irgend möglich ist.
Wesentlich leichter kann die zweite vaterländische Pflicht
erfüllt werden, den in der Landwirtschaft selbst vorhan—
denen organischen Stickstoffdünger zweckmäßig zu ver—
wenden.
Die seit Jahren übliche und von allen Landwirt—
schaftslehrern nachdrücklichst empfohlene Stickstoff-Kopf—
düngung kann in diesem Frühjahr den Getreide—
saaten nur dann gegeben werden, wenn die Jauche
in unverdünnter Form, also unter Fernhaltung
des Regenwassers, hierfür verwertet wird. Da die Kopf—
düngung in verhältnismäßig schwachen Gaben verabfolgt
wird, die aber möglichst gleichmäßig zu verteilen sind, diefe
Verteilung aber in flüssiger Form undurchführbar ist.
muß die Jauche mit Torfmull vermischt wer—
den, der in beliebigen Mengen leicht beschafft werden
kann. Die bisher übliche Verteilung der Jauche in flüs—
iger Form über Wiesen und Aecker muß im Jahre 1915
unbedingt unterbleiben. Die Jauche darf nur für die
Beschaffung von Brotgetreide Verwertung
finden.
Auf Anregung des landwirtschaftlichen Ministeriums
sind praktische Versuche gemacht worden, die ergeben haben,
daß bei inniger Vermischung von 5 Zentnern Jauche miit
1 Zentner Torfmull durch Hin- und Herschaufeln eine Masse
entsteht, die feinkrümelig genug ist, um mit der Hand
in gleichmäßiger Verteilung auf die Getreidefelder aus—
gestreut zu werden. Die Mischung wird am besten in
dichten Kastenwagen lose auf das Feld gefahren und unter
Verwendung von Körben oder anderen größeren offenen
Gefäßen ausgestreut. Säcke sind für diesen Z8weck un—
geeignet. Die Mischung enthält in 6 Zentnern 1,25 Pfund
ieichtlöslichen Stickstoffes, alsd in einem Zentner rund 0,20
Pfund. Will man die übliche Gabe von 50 Pfund Sal—
peter auf den Morgen, enthaltend 8 Pfund Stickstoff,
ersetzen, so müssen 40 Zentner der Torfmulsiauchemischung
ausgestreut werden.
Der zu 6 Zentner Mischung gebrauchte Zentner Torf
kostet frei Hof durchschnittlich 1130 Mark, ein Zentner der
Mischung also rund 22 Pfennig und einschließlich des
Mischens, Ausfahrens und Ausstreuens (18 Pfennig) 40
Pfennig. Eine Jauchekopfdüngung von 49 Zentnern stellt
sich demnach für den Morgen auf 16 Mark. Die Kosten
der Beschaffung und des Ausstreuens von 50 Pfund Sal—
peter betragen 5,75 Mark. Die Jaucheverwendung ist also
vesentlich teurer. Der Umstand, daß auf den meisten
Bütern die ru sisch-polsnischen Schnitter den ganzen Win er
hindurch beschäftigt werden müssen und zu ermähigten
Löhnen zu arbeiten bereit sind, wird aber die im wefsent—
lichen aus Arbeitslöhnen bestehenden Kosten erheblich her—
abmindern. Außerdem muß berücksichtigt werden, daß bei
den herrschenden hohen Getreidepreisen eine volle Deckung
der Kosten eintritt. Endlich zwingt der Krieg den deut—
schen Landwirt in den nächsten Jahren zur Erhaltung
des Vaterlandes hohe Getreideernten zu erzielen. Die
Jauchekopfdüngung muß also überall im höchstmöalichen
Umfange durchgeführt werden.
Mit der Erzeugung des Jauchetorfs ist natürlich nicht
erst im Frühjahr zu beginnen, sie muß sofort einsetzen
und den ganzen Winter hindurch in dem Maße anhalten,
in dem die Jauche anfäüllt.
Wenngleich die Jaucheverwendung keinen vollen Er—
satz für die bisher übliche Kopfdüngung bietet, ist sie im
laufenden Jahre das einzigste überall brauchbare Mittel,
um eine für die Steigerung der Erträge an Brotgetreide
unbedingt nötige Stickstoffdüngung wenigstens in beschei—
denen Grenzen zu ermöglichen. Für alle schwächer be—
standenen Saaten ist eine Torfmull-Jauchedüngung, auch
bei geringerem Jauchevorrat, wenigstens mit 4 Pfund Stick—
stoff, entsprechend 2) Zentner Torfmull-Jauchemischung auf
den Morgen unerläßlich. Kein Trovfen Jauche darf un—
genutzt abfließen. Der heute unersetzliche, in der eigenen
WVirtschaft erzeugt organische Stickstoffvorrat muß vor Nor
isfron mänlichst bhewahrt bhleiben

Mahnruf.
Dank dem unablässigen Bemühen der deutschen Land—
wirtschaft während der Friedenszeit haben die heimischen
Viehbestände an Menge und Güte so zugenommen, daß
in den bisherigen Kriegsmonaten alle Bevölkerungskreise
ohne Schwierigkeiten und zu annehmbaren Preisen fast
in der alten Weise mit Fleisch versorgt werden konnten.
Der Aufgahe. das Fleischhedürfnis z2u hbeofriedigen werden
            
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