VBetkanntmachung.
In Falkenberg und in Elwingen ist die Maul—
und Klauenseuche erloschen. Die angeordneten Schutz—
maßregeln sind aufgehoben.
Ueber das Gehöft Ziegelscheuer-Hof verbleibt je—
doch noch weiterhin die Beobachtungssperre verhängt.
Bolchen, den 22. Januar 1915.
Kaiserliche Kreisdirektion.
Bekanntmachung.
Der Königliche Kreistierarzt hat in einer Stal—
lung des Schlachthofes Neunkirchen bei mehreren Kühen
die Maul- und Klauenseuche festgestellt.
Der für sich abgeschlossene Ortsteil des Schlacht—
hofes, der ein geschlossenes Gehöft für sich bildet,
wird zum Sperrbezirk erklärt. Von der Bildung eines
Bephachtungsgebietes wird abgesehen.
Im Sperrbezirk gelten folgende Bestimmungen:
Sämtliches im Sperrgebiete befindliche Klauen—
oieh — Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine
ist der Stallsperre unterworfen.
Die Plätze vor den Stalltüren und Gehöftsein—
gängen sowie die gepflasterten Wege an den Stäl—
len und auf dem Hofe sind mehrmals täglich
durch Uebergießen mit Kalkwasser zu desinfi—
zieren.
Das Geflügel ist so einzusperren, daß es den Hof
nicht verlassen kann.
Die Hunde sind festzulegen.
Das Betreten der Ställe ist nur den Besitzern
und den mit der Wartung und Pflege der Tiere
bequftragten Personen und Tierärzten gestattet.
Händlern, Schlächtern, Viehkastrierern und an—
dern in Ställen gewerbsmäßig verkehrenden Per—
sonen ist das Betreten der verseuchten Gehöfte
untersagt.
Die Abgabe roher Milch aus den verseuchten
Gehöften ist verboten.
Die Einfuhr von Klauenvieh in das Sperrgebiet
ist verboten.
Das Durchtreiben von Klauenvieh durch das Sperr—
gebiet ist verboten.
In Leopoldsthal ist die Seuche erloschen. Die am
24. November v. Irs. angeordneten Maßregeln sind
aufgehoben.
Ottweiler, den 22. Januar 19185.
Der Königliche Landrat
Dr. v. Halfern.
Bersonal⸗Chronik.
Der Lehrer Johann Vitus Prümm ist vom
1. 2. 1915 aö endgültig zum Hauptlehrer in dem
Schulverband Fürstenhausen ernannt worden
Rundschreiben, betressend die Fütterung von Zucker⸗
rüben und von Zucker
Schon in meinem Rundschreiben vom 15. Oktober 1914
habe ich darauf hingewiesen, daß als Ersat der fehlen—
den Einfuhr von etwan6 Htillionen Tonnen Kraftfutter
in erster Linie die Zuckerrübe und ihre Produkte heran—
gezogen werden müssen. Durch ausgiebige Verwendung der
Melasse wird sich 10 der fehlenden guttereinfuhr decken
lassen. Die vermehrte Herstellung von Trockenschniheln aus
gans, teilweise oder gar nicht entzuckerten Rüben wird
ebenfalls zur Deckung des Bedarfes beitragen.
Aber auch die frische Zuckerrübe läßt sich unter
Beachtung der hierüber vorliegenden Erfahrungen mil
bestem Erfolg als Futter verwenden, auch' kommt die
Ruckerrübe für die Herstelsung von Spiritus in Betraßtf
wodurch sich ein entsprechender Teil der sonst hierzu
verbrauchten Kartoffeln ersparen läßt. Schließlich bildet
der Zucker selbst, wie in der leßzten Zeit in der Fach
litteratur überzeugend nachgewiesen wurde, richtig ver—
wendet, ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel
nicht nur für Menschen, sondern auch für das
Vieh.
Ueber die verfügbaren Bestände an Zucker gibt fol—
gende Ausstellung Aufschluß:
Tonnen
Vorräte bei Beginn d. diesj. Rübenverarbeit. 450 090
Erzeugung aus der 1913er Ernte 2500 090
Summa 29590009
Inlandsverbrauch eines Jahres einschl. Reserve 1500 000
Ausfuhr nach neutralen Ländern 200600
Zusammen 1709000
verbleibt Bestand 12500060
Es erscheint geboten, einen Teil dieses Bestandes
zurückzuhalten, um im Falle einer Knappheit an mensch—
ichen Nahrungsmitteln in den der Ernte des Jahres
1915 vorausgehenden Monaten einen Rückhalt zu besitzen
etwa die Härfte der verfüßgbaren Menge, also rund 600 000
Tonnen, werden aber unbedenklich verfüttert werden
können.
In etwas können diese Zahlen dadurch eine Aende—
rung erfahren, daß ein Teil der in diesem Jahr ver—
wendeten Zuckerrüben direkt verfüttert wird, eine wesent—
liche Verschiebung der Zahlen wird aber dadurch kaum
herheigefüßrt werden
Eine weitere willkommene Vermehrung erfahren die
einheimischen Futterbestände durch die in den besetzten
Bebieten verfügbaren Zuckerrüben und ihre Produkte. Die
Zuckerrüben Nordfrankreichs werden zum Teil von den
rheinischen Zuckerfabriken ohne vorherige Entzuckerung auf
Schnitzel verarbeitet und durch Vermittlung der Bezugs—
vereinigung der deutschen Landwirte den landwirtschaäft—
lichen Betrieben des Deutschen Reiches zugeführt. Ein
weiterer Teil dieser Rüben wird den süddrusichen Brenne—
reien zum Zwecke der Kartoffelersparnis überwitsen. Außer—
dem aber wird in den besetzten Gebieten vom Beginn
des neuen Jahres ab Rohzucker erzeugt, der ebenfalls
der einheimischen Landwirtschaft als Futter zur Verfügung
zestellt werden soll, und schließlich wird möglicherweise
nicht die gesamte vorhandene Menge in der erwähnten
Weise verarbeitet werden können, so daß gegen das Früh—
iahr hin ein Teil der Rüben zur direkten Verfütterung
verfüghar wird.
Im östlichen Grenzgebiet wird es zunächst nicht mög—
lich sein, die Rüben des Anbaugebietes einiger inländischer
Zuckerfabriken wegen der durch den Krieg gestörten Ver—
lehrsverhältnisse den Fabriken zur Verarbeitung zu lie—
kern. Diese Rübenmengen werden, soweit möglich, von
den benachbarten Landwirtschaftsbetrieben durch direkte
Fütterung verwendet werden müssen. Aber auch in den
besetzten Gebleten Polens sind beträchtliche Mengen von
Rüben und Kartoffeln vorhanden. Es wird versucht wer—
den, auch diese Bestände durch Verarbeitung in den vor—
handenen Fabrikanlagen als Trockenfutter zu verwerten
inwieweit dies gelingt, wird von den an sich recht un—
zünstigen Verkehrsverhältnissen in Polen abhängig sein.
Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß es gegen das
Frühiahr hin möglich wird, eine gewisse Menge von
frischen Rüben, Trockenschnißeln, Trockenkartoffeln Stärke
mehl und Zucker für den einbeimischen Verbrauch zu ge—
winnen.
Die geschilderten Verhältnisse veranlassen mich, die nach
früheren und negeren Erfahrungen bewährtesten Ver—
fahren der Fütterung von Zuckerrüben und
Zucker hekanntzugeben:
1. Die Fütterung von Zuckerrüben.
Daß Zuckerrüben als Futter für Wiederkäuer, na—
mentlich für Rindvieh, einen hohen Wert haben, ist
altbekannt, jedoch sollten nicht mehr als 20 Kilogramm
auf 1000 Kilogramm Lebendgewicht oder 20 Pfund auf den
Kopf (bei Rindvieh) gefüttert werden. Und zwar können
die Zuckerrüben sowohl frisch als auch gedämpft verfüttert
werden. Eine Beifütterung von 50 Gramm Schlemmkreide
zat sich sehr bewährt. In erster Linie kommen die Zucker—
rüben aber als Futter für Pferde und Mastischweine in
Betracht.
Als Futter für Arbeitspferde eignen sich Zucker—
rüben vorzüglich. es sind mit bestem Erfolg bis 40 Pfund
gedämpfte Zuckerrüben neben 526 Pfund Körnerfutter
und 10 Pfund Heu bei voller Arbeit an schwere Zug—
pferde verfüttert worden.
Besonders wertvoll sind aber die Zuckerrüben für
die Schmoinoemast. Noraussekung ist daß hei dor Möor—