Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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narbrücker Sreisblatt
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Ar. 67.

Diendta.

3. August 19185. 41. Jahrg.

An das deuitsche Volk.

Ein Jahr ist verflossen, seitdem ich das deutsche Volk zu den Waffen rufen mußte; eine uner—
hört blutige Zeit kam über Europa und die Welk. Vor Gott und der Geschichte ist mein
Gewissen rein: Ich habe den Krieg nicht gewollt. Nach den Vorbereitungen eines ganzen
Jahrzehnts glaubte der Verband der Mächte, denen Deutschland zu groß geworden war, den
Augenblick gekommen, um das in gerechter Sache treu zu seinem österreichisch-ungarischen Bun⸗
desgenossen stehende Reich zu demütigen oder in einem übermächtigen Ringe zu erdrücken.
Nicht Eroberungslust hat uns, wie ich schon vor einem Jahre verkündete, in den Krieg
getrieben. Als in den Augusttagen alle Waffenfähigen zu den Fahnen eilten und die Truppen
hinauszogen in den Verteidigungskampf, fühlte jeder Deutsche auf dem Erdball, nach dem ein—
mütigen Beispiele des Reichstags, daß für die höchsten Güter der Nation, ihr Leben und ihre
Freiheit, gefochten werde — wußte, was uns bevorstand, wenn es fremder Gewalt gelang, das
Geschick unseres Volkes und Europas zu bestimmen. Das haben die Drangsale meiner lieben
Provinz Ostpreußen gezeigt. Durch das Bewußtsein des aufgedrungenen Kampfes war das
Wunder vollbracht: Der politische Meinungsstreit verstummte, alte Gegner fingen an, sich zu
verstehen und zu achten, der Geist treuer Gemeinschaft erfüllte alle Volksgenossen.

VSoll Dank dürfen wir heute sagen: Gott war mit uns. Die feindlichen Heere, die sich
vermaßen, in wenigen Monaten in Berlin einzuzuziehen, sind mit wuchtigen Schlägen im Westen und
im Oflen weit zurückgetrieben. Zahllose Schlachtfelder in den verschiedensten Teilen Curopas, Seege—
fechte an nahen und fernsten Gestaden bezeugen, was deutscher Ingrimm in der Notwehr und deuische
Kriegskunst vermögen. Keine Vergewaltigung völkerrechtlicher Satzungen durch unsere Feinde war
imstande, die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Kriegsführung zu erschütkern. Staat und Ge—
meinden, Landwirsschaft, Gewerbefleiß und Handel, Wissenschaft und Technik wekkteiferten, die
Kriegsnöte zu lindern, verständnisvoll für notwendige Eingriffe in den freien Warenverkehr.
Ganz hingegeben der Sorge für die Brüder im Felde. spannte die Bevölkerung daheim alle
ihre Kräfte an zur Abwehr der gemeinsamen Gefahr.

Mit tiefer Dankbarkeit gedenkt heute und immerdar das Vaterland seiner Kämpfer derer,
die todesmutig dem Feind die Stirne bieten, derer, die wund oder krank zurückkehrken, derer
vor allen, die in fremder Erde oder auf dem Grunde des Meeres vom Kampfe ausruhen. Mif
den Müttern und Vätern, den Witwen und Waisen empfinde ich den Schmerz um die Lieben.
die fürs Vaterland starben.
            
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