Saatkartoffeln können ferner noch gespart werden in den
Brennereiwirtschaften. Schon in der jetzt zu Ende gehen—
den Arbeitsperiode sind Zuckerrüben, auch die für Futier—
wecke gezüchteten, teils rein, teils gemischt mit Kartoffeln
auf Spiritus verabeitet worden. Da an Samen dieser Rüben
ein Mangel ist, liegt 8 nahe, daß die Brennereiwirtschaf—
en, die üöber geeignete Böden mit entsprechender Vor—
hereitung verfügen, Zuckerrüben oder zuckerhaltige Run—
kelrübensorten anbauen und so ebenfalls eine wesentliche
Ersparnis an Sagtkartoffeln für die menschliche Ernährung
bewirken. Hierauf möchte ich die Brennereiwirtschaften
mit besonderem Nachdruc hinweisen.
Man kann annehmen, daß in diesem Jahr im Deutschen
Reich rund 3500000 Hektar mit Kartoffeln bepflanzt wer—
den. 155—22,5 Tonnen werden für den Hektar zur Saat
verwendet, eine Ersparnis an Saat von einhalb Tonne
für den Hektar ergibt für das Reich 1750000 Tonnen.
Welch ungeheure Bedeutung eine solche Ersparnis für die
Volksernährung in den letzten Monaten vor der Ernte
haben muß. leuchtet ohne weiteres ein. Die Losung muß
also lauten: „möglichste Sparsamkeit bei der Aussaat der
Kartoffeln, es darf unter keinen Umständen mehr ausgesät
werden, als zur Erzielung einer befriedigenden Ernte un—
bedingt erforderlich ist.
Schließlich weise ich jetzt, in letzter Stunde, die Land—
wirtschaft wiederholt darauf hin, wie wichtig es ist, bei
der fehlenden Futtereinfuhr für hinreichenden Anbau von
Futter in der eigenen Wirtschaft zu sorgen. Was für
menschliche Nahrung brauchbar ist, sollte in der jetzigen
Zeit möglichst nicht als Viehfutter verwendet werden. Für
die Frühjahrsbestellung kommen in Betracht: Die Aus—
saat einer hinreichenden Menge von Runkelrüben und Kohl—
rüben (Wruken), von Gemenge (Hafer, Gerste, Wicken, Erb—
en, Peluschken, Ackerbohnen usw.) in entsprechenden Zeitab—
schnitten zur Grünfütterung. Tann aber namentlich die
Aussaat von Stoppelrüben, auch Brach-, Steck- oder Wassercrüben
genannt.
Die Stoppelrübe hat den Vorzug, daß man sehr wenig
Samen braucht, nämlich bei Drillsaat (3035 Zentimeter
Reihenweite) 1214,5 Kilogramm, bei Breitsaat —8 Kilo—
gramm auf den Hektar, daß sie auch auf Sandböden, na—
mentlich in feuchteren Lagen und sogar auf Neuland, ge—
deiht, daß sie die kurze Wachsstumsdauer won 8 bis 10
Wochen hat und daß sie 5 bis 6 0 Frost vertragen kann
Sie kann daher eine recht vielseitige Verwendung finden
Auf Brachland, umgebrochenen mehrjährigen Weiden usw
wird sie im ersten Frühjahr gesät und bietet dann in den
Sommermonaten ein willkommenes Futter, durch das man
die wertvolleren, haltbareren Knollen- und Wurzelfrüchte
ür spätere Zeiten aufsparen kann. Auch für die letzten
Kartoffelschläge ist sie zu empfehlen, falls für diese Saat—
kartoffeln nicht mehr zu beschaffen sein sollten. Die Brach—
rübe wird am besten mit dem Kraut vom Feld gefüttert,
zur Aufbewahrung eignet sie sich nicht. Die Erträge schwan—
ken je nach der Düngerkraft des Boden zwischen 200 und
500 Zentner auf den Hektar. Bei sorgsamer Drillkultur
sind sie natürlich beträchtlich höher. Um ein übermäßiges
Steigen des Samenpreises zu vermeiden, habe ich die Saat—
stelle der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, Berlin SW.
11, Dessauer Straße 14, veranlaßt, sich eine größere Samen—
menge zu sichern, und empfehle, fich beim Samenbezug
an diese zu wenden.
Schließlich sei noch an die Aussaat von Serradella
unter den Roggen erinnert. Wenn der Herbst nicht zu
trocken wird, lassen sich dadurch recht beträchtliche Mengen
von Grün- und Trockenfutter mit gerinagerem Saataufwand
gewinnen.
Berlin, den 29. Märsz 1915.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
Freiberr von Schorlemer.
PRflegt Stallmist und Jauche sorgfältigst!
Durch den Krieg ist die Zufuhr wichtiger aus—
ländischer Rohstoffe für die Industrie und besonders
auch für die Landwirtschaft unterbunden; alle inländi—
schen Ersatzstoffe sind also mit größter Sparsamkeit
zu verwenden. Deshalb ist auch die beste Behandlung
und sorgfältigste Verwendung des Wirtschaftsdüngers,
insbesondere seines wichtigsten Teiles, des Stickstoffes.
mit allen Kräften anzustreben.
Man begachte: Vergeudung von Stickstoff (z. B.
in Jauche oder Stallmist) im Werte von 10 Mark ist
gleich Wegwerfen eines Zehnmarkstückes und Minder—
erzeugung von Brot oder Kartoffeln im Werte von
wenigstens 20—530 Mark! Wer auch jetzt noch seine
Wirtschaftsdünger schlecht vflegt vder falsch verwendet.
ver insbesondere die Jauche wegfließen läßt, der ver—
ündigt sich in schwerster Weise an seinem eigenen
Beldbeutel und besonders auch an der Vollksernährung;
er arbeitet unseren Feinden in die Hände. Also tue
eder a uch hierbei seine Pflicht, denn viele Wenig geben
ꝛin Viel. Insgesamt handelt es sich um viele Mil—
ionen von Zentnern Brotgetreide und Kartoffeln, die
»urch gute Behandlung der Wirtschaftsdünger mehr
gewonnen werden können.
1 Fuder gelagerter Mist zu 25 Zentner enthält
etwa 12 Pfund Stickstoff.
1 Faß gewöhnlicher Jauche zu 10 Hektoliter ent—
hält etwa 4 Pfund Stickstoff.
1 Hektoliter reiner undergorener Rinderharn ent—
qhält etwa 223 Pfund Stickstoff.
1. Sorgt für undurchlässige, genügend große, wenn
nöglich überdachte Düngerstätten und Jauchegruben!
Jauche darf auf keinen Fall in Gräben, Teiche und
Dorfgassen abfließen.
2. Beschickt die Stallrinnen hinter den Ständen
der Tiere mit Torfstreu zur Aufsaugung des anfallen—
)en Harns und verwendet Torfstreu, Sägespäne u. dgl.
iuch in den Ständen selbst, entweder nur im hinteren
Ztandteil oder allgemein als Unterlage des Streu—
trohs, besonders wenn unzureichende Jauchegruben
der ungenügende Strohvorräte derartige Maßnahmen
tahelegen, denn Torfstreu vermag die Jauche weit mehr
rufzusaugen, als selbst geschnittenes Stroh und hält
zudem, namentlich wenn sie entsprechend sauer ist, den
fllüchtigen Stickstoff der Jauche weitgehendst fest.
3. Breite den Mist nach dem Ausmisten auf der
Dungstätte sorgfältig aus, haltet ihn fest und feucht,
gjegebenenfalls durch Auftrieb von Vieh. Die Ober—
läche der Dungstätte sollte möglichst so eben sein wie der
Dorfteich. Wo durchführbar, bewahret und verwendet
den Torfstreudünger getrennt vom Stallmist, er ist
urzfaserig und wirkt im 1. Jahre besser als
3trohmist.
4. Zur Erhaltung der humusbildenden Substanz
des Stallmistes streut bei Kaliarmut der Aecker auf
der Dungstätte vor dem Aufbringen des neuen Dungs
dalisalze ein, etwa 1 Pfd. 4000iges Kalisalz oder 2
Pfund Kainit pro Stück Großvieh, damit der Mist nicht
illzustark bezw. zu schnell verrottet und tunlichst viele
zuder für das Feld liefert. Ein Durchschichten des
agernden Stallmistes mit humoser Erde, Moorerde,
Torfstreu ist, wo angängig, zur Verbesserung des Stall—
nistes sehr zu empfehlen. Sind Ueberschüsse an Stall—
nist vorhanden, so fahrt solche in Feldmieten, die
zut mit Erde gegen Lufteinflüsse geschützt sind, fest
zusammen.
5. Sammelt eifrigst die Jaucheflüssigkeit, da siéè
die Hauptträgerin des überaus wertvollen Stickstoffs
ist. Sorgt dafür, daß die Jauchebehälter gut zemen—
tiert und vor Zufluß von Tagewässern sowie vor zu
tarkem Luftzutritt durch gut abschließende Holzdeckel
geschützt sind. Zur Erzielung einer luftabschließenden
Schicht leisten Harzöl und zur weitgehendsten Erhaltung
des flüchtigen Ammoniakstickstoffs eine Beigabe von
S„chwefelsäure oder schließlich auch von Gips oder Eisen—
itriol gute Dienste. Ueberschüssige Jauche und mensch—
ische Harnflüssigkeiten lassen sich mit Torfstreu sätti—
zjen und in größeren luftdicht abgeschlossenen Erd—
mieten oder Gruben bis zum Einpflügen lagern.
6. Wo durchführbar, dort fanget die festen und flüs—
igen tierischen Ausscheidungen bereits im Stall gesondert
ruf. Auf solche Weise kann man eine sehr gebaltreiche
Jauche gewinnen, die im Liter 6—28 Gramm Stickstoff
enthält, während die übliche Jauche höchstens 1529 Gramm
wiweist gorat dafür, daß Stallmist und Jauche stets un—
mittelbar nach dem Ausfahren, auf den leichteren Böden
iefer als auf den besseren Böden eingepflügt oder ein—
reschüält worden. anf feinen Fall chor wenauf ljieden