Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

8 Bonn, 14. Mai. Der Bienenzucht—
verein für die Rheinprovinz hat in
diesem Jahre zum ersten Male eine besondere
Tagung abgehalten, während er früher seine Tag—
ungen gemeinsam mit den Versammlungen des
Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen
veranstaltete. In der ersten Vorstandssitzung am
Pfingstmontag wurde als Ort des nächstjährigen
Imkertages Köln bestimmt. Am Nachmittag fand
die Vertreterversammlung statt, an der sich die
Vertreter von 115 Bienenzuchtvereinen der Pro—
vinz beteiligten. Der Rheinische Bienenzucht—
verein zählt 378 Vereine mit 11040 Mitglie—
dern. Der Generalsetktretär Heydt-Bonn berich—
tete über den neuen Versuchs- und Lehrbienenstand
in Bonn, der die erste derartige Einrichtung der
Rheinprovinz sei. Es sollen dort Lehrgänge zur
Ausbildung von Wanderlehrern abgehalten wer—
den. In einem weitern Vortrage nahm der
Generalsekretär Stellung zum Honigschutzgesetzentwurf.
 Er forderte u. a. ein Verbot, Honig
mit Kunsterzeugnissen zusammen feilzuhalten.
Der deutsche Honig sei durch Zoll gegen den
Wettbewerb des ausländischen Honigs zu schützen.
Am nächsten Tage fand die Hauptversammlung
statt, die vom Vorsitzenden, Gaswerksdirektor
Schneider-Mayen, eröffnet wurde. An ihr
nahmen der Regierungsrat Dr. Müller als Ver—
treter des Regierungspräsidenten von Köln, der
Vorsitzende der Landwirtschaftskammer Landrat
v. Groote in Rheinbach sowie u. a. der Landrat
des Kreises Bonn-Land und Beigeordneter Dr.
Foller als Vertreter der Stadt Bonn teil. Es
sprachen Rektor Kiel aus Hochemmerich über
die Bedeutung, Aufgabe und Ziele der Lehr—
gänge, der Leiter des hiesigen bakteriologischen
Instituts, Dr. Krautstrunk, sowie der Imker
Lichtenthäler-Herdocf über die Faulbrut der
Bienen. Dr. Krautstrunk empfahl, die rheinischen
Imker sollten Faulbrutstöcke an das bakteriolo—
gische Institut einsenden, damit die Seuche weiter
erforscht und ein Bekämpfungsmittel gegen sie
gefunden werden könne. Der Rechtsanwalt Dr.
Hottenrott in Bonn besprach bienenwirtschaftliche
Zeit- und Streitfragen, wobei er vor allem einen
bessern reichsgesetzlichen Schutz des Imkerstandes
forderte. Der Lehrer Brill aus Mayen sprach
über die Verbesserung der Bienenweide, der
Lehcer Kiefer aus Sellerbach über den
Nachwuchs des Imkerstandes. Nach der Ver—
sammlung wurde der neue Versuchs- und Lehr—
bienenstand des Bienenzuchtvereins für die Rhein—
provinz belsichtiat.

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