27
—
Hennen, Schruten usw. als Führerin sind, um
die Tierchen ohne Schwierigkeiten aufziehen
zu können. Auf diese Art gelangt man auf
einfache und billige Weise in den Besitz von
guten, gesunden und leistungsfähigen Lege—
lieren. Die Kücken entwickeln sich erfahrungs⸗
gemäß auf den einzelnen Höfen, wo sie nur
in geringerer Zahl beisammen gehalten wer—
den, außerordentlich gut.
Von jetzt ab werden von der Anstalt sowie
vom Wettlegehofe auch Bruteier abgegeben.
Der Preis der Bruteier der Anstalt beträgt
25 Pfg. pro Stück, für diejenigen vom Wett—
legehofe bestimmungsgemäß 6 Mk. pro Dutzend,
wozu wegen eventuell nicht befruchteter Eier
b Stück gratis beigegeben werden. Die Brut—
eier des Wettlegehofes entstammen dreijährigen
Tieren und sind infolgedessen besonders wert—
voll.
Bestellungen sind an die Geflügelzucht—
und Lehranstalt zu Neuß zu richten, die der
Reihe nach ihre Erledigung finden werden.
Besondere Wünsche bei der Bestellung werden
bereitwilligst berücksichtigt.
Für Ziegenzüchter und solche, die es werden
wollen, einige wichtige Beachtungen.
Von Ed. Weißenbach, Schornsteinfegermeister,
Vorsitzender des Saarbrücker Kreis-Verbandes.
Jeder Besitzer einer Ziege ist wohl mit den
Ecgebnissen seines ihm lieb gewordenen Tieres
recht zufrieden, d. h. dasselbe gibt ihm Milch,
wirft ihm jedes Jahr ein oder zwei Zicklein, welche
geschlachtet, einen feisten Braten liefern, auch
Dung für seinen Garten, dies und anderes mehr
gibt ihm seine Ziege und er ist zufrieden damit.
Die Ziege wird gefüttert, wie es sich eben gehört,
bekommt Futter und Saufen, und als Dank da—
für muß ihm einfach die Ziege. was ich ↄben
angeführt, liefern.
Aber ob ich weit mehr von meiner Ziege
verlangen kann, oder ob ich meiner Ziege mei—
nerseits mehr entgegenbringender sein muß, daran
muß ich als Tierfreund und Ziegenzüchter in
allen Fällen denken.
Meine Eltern hatten auch eine Ziege. Dieselbe
gab schöne, weiße gute Milch, etwa 3 Schoppen,
wenn sie frischmelkend war, sie gab aber nachher
weniger, etwa noch 2 Schoppen (J Liter) und
lange Zeit gab sie schließlich noch 1 Tasse vpoll.
Ich höre meine Mutter heute noch sagen, „was
haben wir eine gute Geiß““. Wie schmeckt doch
der Kaffee ganz anders als wie mit Kuhmilch
gemischt, auch hat er eine ganz andere Farbe,
wir hatten, nebenbei bemerkt, auch Rindvieh im
Stalle, aber die Geiß war doch der Mutter
und unser aller Liebling; wie alt diese war,
weiß ich nicht mehr. Die Geiß stand im Stall
in einer Bucht neben dem Rindvieh, wurde weiter
nicht besonders gefüttert, auch weiter gar kein
Stolz mit derselben getrieben, sie hatte starke
große Hörner, war schwarz und weiß gescheckt,
und vor allem ein großes langes Euter, das
dicht bis zum Boden reichte, ich möchte sagen.
ein Euter wie ein Tabaksbeutel.
Auch schöne lange Schuhe (Klauen) waren ihr
Eigentum, und wenn dieselbe mal vor den Stall
kam, welches nur im Herbste passierte, wenn sie
zum Bod gebracht wurde, dann wurde sie noch
gut zugedecht, damit dem armen Liebling nur
keine Luft auf den Rücken kommen konnte und
um dieselbe vor Gefahr zu behüten. Was machte
da unsere Geiß für Augen, grün wie Glas, stierte
dieselbe in die Natur, ja wenn wir sie nicht
an der Kette angepackt hätten, wäre sie überall
widergestoßhen. „O, armes Tier,“ sagte meine
Mutter, „du wirst doch bald alt, aber das Gna—
denbrot erhälst du wegen deiner vielen guten
Milch.“ Doch es sollte nicht lange dauern und
unsere gute Geiß lag morgens bot im Stall,
wahrscheinlich konnte sie die Luft und Weg zum
Boöck nicht vertragen. sie wurde mit Haut und
Haaren begraben, die gute alte Geiß, die so
diele gute Milch gegeben hat.
So und ähnlich hört man öfters von Besitzern,
die einer Aufklärung über Ziegenzucht entgangen
sind, sagen.
Es bedarf daher einer Belehrung, wenn auch
nur einigermaßen, manchen Ziegenhalter dahin
zu bringen, daß er andere Gedanken von seiner
Ziegenhalterei belmmt, und sollen diese meine
Zeilen hierzu beitragen, das elendige Stallver—
hältnis zu beseitigen und die gesundheitliche Rüd—
iichtnahme auf die Ziege zu fördern, sowie an
erster Stelle, um einen weit besseren und reich—
icheren Milchertrag von seiner Ziege fordern zu
önnen.
Ich werde mich zuerst kurz mit den Stallver—
jältnissen befassen und einen gesunden, sauberen
Stall zu schildern suchen.
Zunächst muß die Stelle, an der ich meinen
Stall anlegen will, genügend, ja möglichst viel
dicht erhalten, möglichst nicht in die Nähe von
Außentüren zu liegen bommen, jedoch gesunde
rische Luft in Fülle erhalten. Gegen jegliche
Zugluft geschützt, wähle ich mir alßo eine Stelle,
velche einen genügend großen hohen Raum zum
Ztall bietet. In der Nähe von Geflügel oder
zchweinen werde ich den Stall nicht bauen, auch
nöglichst suchen, Geflügel geschlssen getrennt von
»em Ziegenstall fern zu halten.
Die Wände werde ich gehörig, wenn es alte
Wände sind, mit Besen und Bürste gründlich
abfegen, dann mit einer Lisolmischung in Kalk—
zrühe gehörig kalken, das erste Mal ganz dünne
taltbrühe, damit das etwa sich festgesetzte Un—
zeziefer vertilgt wird, zum zweiten Mal etwas
dickere und reichlichere Kalkung, Karbidabfälle
würde ich nicht raten, da eine spätere Kalkung
nicht hält. Den Boden werde ich entweder mit
zement »der Ziegelsteinen auslegen, aber ge—
nügend Gefäll geben, damit das Wasser abziehen
tann. Auf den Boden lege ich einen aus Latten
zefertigten Rost an, den ich beliebig herausneh—
men kann. Der Zwischenraum zwischen den ein—
zelnen Latten kann 1-13/, em betragen und
die Bodenhöhe ca. 10 Zentimeter, damit es unter
dem Roöst nicht zu kalt ist, und die Kälte beim Lie—
gen der Ziege nicht schaden kann.
Das Kopfende des Stalles lege ich möglichst
derartig, daß die Ziege sich nicht braucht um—
udrehen, wenn ich den Stall betrete, denn die
Ziege ist ja bekanntlich neugierig und würde eine
rolche falsche Lage, womöglich bei Trächtigkeit,
yon Schaden sein können. Die Raufe also so
ingelegt, daß ich nicht um das Tier brauch her—
imzugehen. Die Sprossen möglichst nah zusam—
nen, jedoch so, daß das Maul bequem durch—
ragt. Von dem Rost, in einer Höhe zur Unter—
ante der Raufe, 1 Meter unter der Raufe, eine
Trippe, 20 em breit und 20 em hoch, nach vorn
chräg eingestellt, zur Aufnahme des Futterab—
'alles aus der Raufe und um zu verhüten, daß
das herausgezogene Futter direkt unter die Füße
jälklt und so ungenießbar gemacht wird. Unter
diese Krippe wird ähnlich einer Klammer, wie
olche die Zimmerleute haben, ein Eisen in die
Wand geschlagen, in welchem sich ein Ring auf
und ab bewegt, an dem die Ziege mit der Kette
ingebunden wird. Der ganze Stall würde aber
ticht weniger als 2 qm Bodenfläche haben dür—
en, und sind die Hauptaugenmerke auf Licht,
duft und Reinlichkeit zu legen. Hast Du nun
den Stall derartig gut hergerichtet, so kaufe Dir
ine Ziege, wenn Du noch keine hast; falls
ein Zuchtverein an dem Ort oder Nachbarort
zesteht, setze Dich mit dem Vorstand oder Zucht—
vart in Verbindung und bitte denselben, beim
Ankauf und Auswahl behilflich zu sein. Kaufe
iber vor allen Dingen nur eine Ziege, von der
du die Eltern kennst zder Dir durch den Zucht—
zuchführer gesagt und versichert wird, daß die
Ziege eine gute Abstammung hat, d. h. von
einer guten Milchziege und pon einem Bodcke,
velcher ebenfalls von einer auten Milchziege ab—
tammt, denn dies sind die Hauptfaktoren, und
jererbt sich die Milchergiebigkeit der Mutter des
Bockes auf die Nachfolger des Bockes sehr wesent⸗
sich. Sei bei Ankauf einer Ziege mit dem Kauf—
breis nicht sehr knauserig, Du wirst später selbst
einsehen, mit welchen Unkosten es verknüpft ist.
eine gute Ziege heranzuzüchten.
Schliehe Dich, wenn es irgend möglich ist,
inem Zuchtverein an, welcher Dir dann in allen
Fällen belehrend an die Hand geht. Halte vor
allem gute Zeitschriften und lerne aus denselben.
Was die eigentliche Fütterung angeht, so könnte
ich darüber sehr viel schreiben, doch muß ich
edem Züchter anheimgeben, dafür zu sorgen, daß
er in erster Linie nur gutes gewürziges Trok⸗
enfutter, Heu, Grummet, Kleeheu, auch Dürr—
aub, in Genüge sich besorgt und damit nicht
erschwenderisch, aber auch nicht zu karg füttert.
Stets Abwechslung im Futter wählen, denn die
Ziege liebt diese Futterwechselung sehr. Füttere
auch Frucht, möglichst mit Rübenschnitzel vermengt,
doch nicht viel dünnes Saufen oder gar Spül⸗
vasser mit nur Kartoffelschalen. Ich habe auch
die Erfahrung gemacht, daß die Tischabfälle nicht
ehr vorteilhaft für die Ziege sind. Rüben mit
Kleeheuhäcksel und eine Hand voll Frucht, dann
eines klares, nicht zu kaltes Wasser, erhält Dein
Tier stets munter und wird Dir auch hei ge—
rügender Pflege, worauf ich später zurückkommen
verde, ein recht schönes Quantum guter schmack⸗
jafter Milch liefern. Vergesse aber ja bei keiner
Tränke oder Saufen das der Ziege, wie dem
Menschen, so sehr noatwendige Salz. Gönne täg⸗
ich bei geeignetem Wetter Deiner Ziege einen
Spaziergang, lasse sie viel im Freien laufen, da—
nit sich die Knochen stärken und sie sich in der
freien Natur erholen kann für die Zeit, die sie
im Stall zubringen muß. Sei stets freundlich
zegen sie, gib ab und zu kleine Leckerbissen, Brot,
Frucht, auch Beerenlaub ⁊c. rufe sie stets mit
Namen und Du wirst sehen, sie ist anhänglich wie
ein Hund.
Ein Hauptpunkt bedingt nun die Stallpflege,
iämlich, lasse das Tier niemals liegen in nasser
Streu, sorge dafür, daß stets eine gute reine
Unterlage vorhanden ist, am besten Stroh. Wird
die Unterlage dürftig und naß sein, so schmeckt
auch die Milch, denn es ist nichts empfindlicher
als die Ziegenmilch, daher auch stets das Vöor—
urteil, die Ziegenmilch sei streng und böcselt.
dalte den Striegel und Bürste, oder nur eine
ↄgenannte Reisbürste bei der Hand, bürste tüch—
tig, damit das Haarkleid rein, glatt und vor
Ungeziefer bewahrt bleibt. Um glattes Haar zu
»ehalten, füttere stets Leinsamenmehl »der Oel—
uchen, aus gepreßtem Rübsamen hergestellt.
Wenigstens moönatlich untersuche die Füße,
chneide, oder wenn Du nicht selbst kannst, lasse
die Klauen von einem erfahrenen Mann schneiden.
Zei aber vorsichtig. Die Klauenpflege ist auch noch
in manchen Genossenschaften und Vereinen ein
ehr wunder Punkt. Ich will nicht gerade be—
zaupten, daß man auf Ausstellungen pp. Ziegen
u Gesicht bekommt, die durch unrichtigen Klauen—
chnitt geradezu verunstaltet werden und dadurch
zu zufrüher Durchtrittigkeit ader krumme Vor—
derbeinstellung herangezüchtet werden.
Ein sehr wesentlicher Punkt betr. Euterbildung
ist das Melken oder auch Streichen der Ziegen
zenannt. Bevor Du zu melken beginnst, reinige
die Euterzitzen, wenn auch nur mit einem reinen
Tuch, streiche das Euter oder knete dasselbe einen
Moment, ehe die Melkprodezur beginnt; die
Milch sammelt sich leichter und das Euter wird
zeschmeidiger, es tut dem Tier nicht wehe. Melke
riemals mit voller Kraft nach unten, dadurch
wird das Euter auf die Länge der Zeit vom
Bauche abgelöst und entsteht dadurch das so—
genannte Hängeeuter (Tabaksbeutel). Ich habe
auch verschiedentlich schn beobachtet, daß Ziegen
durch die Hinterbeine, also das Euter zwischen den
Zinterbeinen durchgezzgen wird. gemelft wurden.