Saarbrücker
zxreisbl att.
*
2 23 2 3 2 2 2
Amtliches Anzeigeblatt für den Kreis Saarbrücken verbunden mit Oeffentlichem Anzeiger.
Deransgegeben dom Königl. Landratzamt Saarbrucken. Redattion des nichtamttichen Teiles Druck und Nr. 16. — 37. Jahrgang. Insertionsgeblüihren: dDe sögespaltene Zeile oder deren Raum 20 Pfg, bei wiederholter Aufnahme
derlag da en su en aee ——8 53 gt 18 a il 1911 — Anin n eeerene e F Poe ee
das 8 ägt jährlich⸗ auswã ei den Postanstalten 53 n * xößeren igen Tonners: ig fträg n Verlag des ü isblattes zu ri
eett eete — ———— erhalten das Kreisblatt kostenlos alssSonderbeilage Neus ag, pri * eeee ————— —————— d —— ee 7. en
hb
IIIEDV
Gemeinfaßliche Belehrung über den Rotlauf der
Schweine.
Wesen.
Der Rotlauf der Schweine ist eine ansteckende, mit
erheblicher Störung des Allgemeinbesindens verlau—
sende, durch den Rotlaufbazillus verursachte Erkran—
kung der Schweine.
Der Ansteckungsstoff wird von den Tieren mit
dem Futter (Getränt) oder auch gelegentlich beim
Wühlen in Schmutz und Unrat ausgenommen. Der
Ansieckungsstoff wird von den kranken Tieren haupt—
ächlich mit dem Kote ausgeschieden und gelangt so
in die Ställe, Dungstätten und Höfe. An seuchten
Stellen, z. B. im feuchten Erdboden, in Jaucherinnen
und Pfühzen, kann sich der Ansteckungsstoffe lange
Zeit erhalten und weilerentwickeln. Durch Kälte wird
er nicht unschädlich gemacht. Durch Wärme wird sein
Bedeihen befördert. Deshalb tritt die Rotlaufseuche
hesonders in der warmen Jahreszeit auf.
Merkmale an den lebenden Tieren.
Die Aufnahme des Ansteckungsstofses des Rot—
laufs hat nicht die sofortige Ertrankung der Tiere
zur Folge. Es vergeht vielmehr eine bestimmte Zeit
Inkubationszeit,, bevor ofsensichtliche Krankheitser—
cheinungen hervortreten. Die Inkubationszeit ist
berschieden, beträgt aber meist zwei bis drei Tage.
Nach dieser Zeit zeigen die Tiere hohes Fieber mit
erhöhter Temperatur der Haut, Verlust der Munter—
teit und des Appetits; sie liegen viel, verkriechen sich
in der Streu und zeigen nach dem Auäftreiben einen
ichwankenden Gang.
Nach kurzer Zeit treten in der Haut, besonders an
der inneren Fläche der Hinterschenkel, an den Ge—
chlechtsteilen, unter dem Bauche, der Brust und dem
Halse, zuweilen auch auf dem Nacken, dem Rücken
und an den Ohren, rote Flecke auf. Die Rotfärbung
der Haut breitet sich schnell aus und nimmt an Stärle
zu, so daß die Tiere bei vorgeschrittener Krankheit
an der unteren Fläche des Körpers kupferrot bis
blaurot erscheinen. TDie Krankheit endet bei den mei—
sten, Tieren in kurzer Zeit mit dem Tode.
Gutartig ist der Krankheitsverlauf bei einer Ab—
art des Rotlaufs, den Backsteinblattern Messelfieber,
Fleckrotiauf, Masern, Knotenrose). Hierbei äußert sich
die Erkrankung in rundlichen oder eckigen, beetartig
über die gesunde Haut erhabenen, roten bis blau—
roten Flecken in der Haut. Störungen des Allgemein—
befindens, wie sonst beim Rotlauf, pflegen bei den
Backsteinblattern nur im Anfang der Erkrankung zu—
gegen zu sein.
Bei den Tieren, die den Rotlauf überstanden ha—
ben, entwickelt sich zuweilen als Nachkrankheit eine
mit fortschreitender Abmagerung und Anschwellung
der Getenle verbundene Steifheit; in anderen Fällen
zeigen sich bei ihnen durch Herzfehler bedingte Er—
tranfuünden
Merkmale an den toten Tieren.
Bei gestorbenen, getöteten oder geschlachteten rot—
lauftranten Schweinen findet man neben der Ver—
färbung der Haut eine mehr oder weniger hochgra—
dige Entzündung der Magen-Darmschleimhaut, Schwel—
lung und blaurdte Färbung der Milz, Schwellung und
Rötung der Gekröslymphorüsen, Schwellung der Leber
und eine meist mit Vrutung verbunden— Entzündung
der Nieren.
Bei den Bachksteinblattern sind die Veränderungen
in der Regel auf die erkrankten Hautpartien beschränkt.
Anzeigepflicht.
Wenn ein Schwein unter den ngegebenen Er—
scheinungen erkrankt, so liegt der Verdacht des Rot—
laufs vor. Von dem Rotlaͤufsverdacht ist der Ors—
polizeibehörde Anzeige zu orftatten, worauf amtlich
sestgestellt wird. ob der Verdacht bearündet ift oder
nicht
Vorhütung des Rotlaufs.
Zur Verhütung des Rotlaufs ist eine saubere, mög—
lichst trockene Haltung der Schweine in Stälten nn
sessem Fußboden ersorderlich Auch empsiehl es sich,
von Zeit zu Zeit eine gründliche Reinigung der Ställe
unter Anwendung von Feginiettionsmitserne vorzu—
nehmen
Einen fast sicheren Schutz gegen den Rotlauf ge-—
vährt die Schutzimpfung.
In häufig von dem Rotlauf betroffenen Orten
empfiehlt es sich, regelmäßig alle Schweine der Schutzimpfung
zu unterwersen. Wo der Rotlauf selten ist,
ann von einer regelmäßigen Impfung aller
Zchweine abgesehen werden. Es ist jedoch dringend
ratsam, beim Auftreten des Rotlaufs schleunigst alle
-Zchweine des betroffenen Bestandes impsen zu lassen.
Durch die Impfung gelingt es in der Regel, die
»edrohten Schweine zu schützen; auch wird ein nicht
merheblicher Teil der erkrankten Tiere durch die
Impfung geheilt.
Bemeinschaftliche Belehrung über die Schweineseuche.
Wesen.
Die Schweineseuche ist eine ansteckende, mit erheb—
iicher Störung des Allgemeinbefindens verlaufende
Erkrankung der Schweine, die in der Regel in Form
einer Entzündung der Brusteingeweide (Lungen,
Brustfell, Herzbeutel) auftritt. Der Ansteckungsstoff
vird von den kranken Tieren mit der Ausatmungs—
uft und mit den beim Husten entleerten Auswurf—
toffen ausgeichieden.
Merkmale an den lebenden Tieren.
Die Schweine, die der Anusteckung durch Schweine—
euche ausgeseßzt gewesen sind, ertranken nicht un—
nittelbar nach der Aufnahme des Ansteckungsstoffes.
Es vergeht vielmehr eine bestimmte Zeit Inkuba—
ionszeit!,, bevor offensichtliche Erkrankungserscheinun—
gen hervortreten. Die Inkubationszeit bei der
Schweineseuche ist in den einzelnen Fällen verschie—
»en, beträgt aber durchschnittlich etwa zehn Tage.
Nach dieser Zeit zeigen sich bei den erkrankten Tieren
Zusten, und je nach der Art des Verlaufes der Seuche
veitere tranthafte Erscheinungen. Die Seuche kann
rasch und bösartig (aktut, oder langsam, schleichend
ind mild cchronisch) verlaufen.
Beim akuten Verlauf treten zu dem Husten
ejchleunigtes und schmerzhaftes Atmen und als Mecrk—
nale der erheblichen Störung des Allgemeinbesindens
nangelnde Freßlust, Fieber und große Schwäche.
Letztere ist so auffällig, daß die Tiere mit dem Hin—
zerteil hin und her schwanken, und der Gang tau—
melnd wird. Die an atuter Schweineseuche erkrankten
Zchweine können schon nach wenigen Tagen oder im
Lerlauf von ein bis zwei Wochen zugrunde gehen.
Bei der akuten Form der Schweineseuche erkranken
iltere und jüngere Tiere ohne Unterschied.
Beim chronischen Verlauf der Schweine—
seuche tritt eine Beschleunigung der Atmung häufig
erst hervor, wenn die Tiere umhergetrieben werden.
Bewöhnlich ertranken nur die jüngeren Tiece Ferkel
und Läufer). Die chronisch erkrankten Tiere lassen
außer Husten und Atembeschwerden nach Umhertreiben
ils Merkmal der erheblichen Störung des Allgemein—
hefindens, Verringerung der Futterausnahme, man—
zelhafies Gedeihen (Kümmern), häufig verklebte Au—
gen und einen mit Schorfbildung verbundenen Aus—
chlag der Haut erlennen. Die an chronischer Schveine—
euche erkrankten Tiere können nach wochenlangem
dranlsein zugrunde gehen oder genesen und mast—
ähig werden. Die Verluste an Ferkeln bei chronischer
Schweineseuche sind häufig nur gering, können aber
ruch his zu 50 und 7500 betragen
Merkmale an den toten Tieren.
Bei gestorbenen, getöteten oder ge—
schlachteten schweineseuchektanken Schweinen findet
nan größere oder kleinere Teile der Lungen ent—
zündet. Die entzündeten Teile fallen nach der Heraus—
rahme der Lungen aus dem Brustkorb nicht zusammen,
jaben keine hellrote Farbe, wie die Lunge gesunder
Tiere, sondern eine dunkelrote, graurote oder graue
Farbe und fühlen sich fsest an, etwa wie die VLeber.
Bei der abuten Schweineseuche sind in der
Regel größere Abschnitte der Lungen entzündet und
zleichzeitig das Brustfell, häufig auch der Herzbeutel
mit einem abziehbaren Belage versehen. Außerdem
sind die Veränderungen an Leber, Nieren, Muskeln
und Herzfleisch, unter Umständen auch an Milz und
Lymphdrüsen zugegen. Bei der chronisscchen Form
der Schweineseuche beschränkt sich die Erkrankung ge—
mühnsich guf die vorderen KRapyon der KRunge Gleich—
zeitig zeigen die mit chronischer Schweineseuche be⸗
zafteten Tiere während der eigentlichen Krankheit
inen schlechten Ernährungszustand.
Vermischung der Schweineseuche mit der Schweinepest
und andeten Erlkrankungen.
Der Verlauf der Schweineseuche kann dadurch ab⸗
geändert werden, daß die Tiere neben der Schweine—
euche gleichzeitig von anderen Erkrankungen, insbe—
ondere von der Schweinepest, befallen werden. Die
Zchweinepest ist eine ansteckende Darmentzündung, ihr
zauptsächlichstes Zeichen ist ein heftiger Durchfall. Bei
Lermischung der Schweineseuche mit Schweinepest
ritt mithin zu den geschilderten Symptomen der
Zchweineseuche bei den lebenden Tieren Durchfall und
»en gestorbenen, getöteten oder geschlachteten eine
kẽntzündung der Schleimhaut des Darms, namentlich
des Blinde und Grimmdarms, hinzu. Vie Schleim—
haut des Blind- und Grimmdarms weist bei schweine—
»estkranken Schweinen an einzelnen Stelle vder in
zrößerer Ausdehnung trübe, gelbe Beläge der Schorfe,
erner Geschwüre auf.
Anzeigepflicht.
Wenn ein Schwein unter den ange—
zdebenenm Erscheinungen bald nach dem
Ankauf erkrankt, oder wenn mehrere
S„chweine eines Beftandes die angeführten Krank—
jeitsmerkmale zeigen, so liegt der Verdacht des Aus—
»ruches der Schweineseuche vor. Von dem Schweine—
euchenverdacht ist der Ortspolizeibehörde Anzeige zu
erstatten, worauf durch eine amtstierärztliche Unter—
uchung festgestellt wird. ob der Verdacht begründet ist
der nicht.
Verhütung der Schweineseuche.
Zur Verhütung der Einschleppung der Schweine—
seuche in einen Bestand ist der Zukauf von Schweinen
mit größter Vorsicht zu bewirken. Neue Schweine,
deren Herkunft nicht nachweislich unverdächtig ist,
sind, wenn irgend möglich, in einem besonderen
Stalle unter Beobachtung zu stellen, ehe die Tiere
zu dem alten Bestande gebracht werden. Es empsiehlt
ich, die neu angektauften Tiere mit einigen Ferkeln
des alten Bestandes entweder unmittelbar oder so in
einer Bucht zusammenzubringen, daß sie nur durch
ein Gitter voneinander getrennt sind. Sind die Fer—
el nach vier Wochen noch gesund und frei von Er—
cheinungen der Schweineseuche, so können die neu an—
gekauften Tiere unbedenklich zu dem alten Bestand
den gemeinsamen Schweinestall gebracht werden.
Besondere Vorsicht ist bei Einstellung von Sauen in
die Ställe fremder Eberhalter geboten
Eine naturgemäße (Wild-) Haltung der Schweine,
esonders der Zuchttiere, ist zu empfehlen
Gemeinfaßliche Belehrung über die Schweinevest
Wesen.
Die Schweinepest ist eine ansteckende Krankheit der
Schweine, die in Form einer Entzündung der Schleim⸗
zaut des Darmes auftritt. Der Änsteckungsstoff
vird von den erkrankten Tieren mit dem Kote aus—
geichieden. Durch Wühlen im Boden, der durch die
Ausscheidungen pesttranker Schweine berunreinigt ist,
und durch die Aufnahme von Futter, auf das der
Ansteckungsstoff übertragen ist, werden gesunde Schweine
ingesteckt. Die Verschleppung der Erreger der Schweine⸗
dest erfolgt nicht nur durch kranke Tiere, sondern auch
zurch Zwischenträger. So können Personen, deren
tleider und Schuhwerk durch die Ausscheidungen pesi—
tranker Schweine verunreinigt sind, die Seuche in ge—
unde Bestände einschleppen, und in ähnlicher Weise
ann die Schweinepest durch Stallgeräte, Futtermit—
tel, Streu und Dünger aus verseüchten Ställen in
indere Ställe übertragen werden.
Merimale an den lebenden Tieren.
Die Aufnahme des Ansteckungsstofses der Schweine—
»est hat nicht die sofortige Erkrankung der Tiere zur
Folge. Offensichtliche Erscheinungen der durch die An⸗
teckung bewirkten Erkrankung treten erst nach einer
hestimmten Zeit (Inkubationszeit) hervor. Die Inku—
»ationszeit bei der Schweinepest ist nicht in allen
Fällen gleich, beträgt aber durchschnittlich etwa 10
Tage. Nach dieser Zeit zeigen die Tiere beftigen
durchfall.
Beim raschen (akuten) Verlauf der Schweine⸗
dest ist gleichzeitig das Allgemeinbefinden der Tiere
chmer gestört Nie Tiere nohsmnen nmuir wonig »doer gar