Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Wirklichteit gestaltet sich diese Theorie für die
edttan der —S—— —
turpflanzen anders, weil einmal, wie schon gesagt,
durch züchterische Arbeit den Pflanzenpopulationen
Leistungen angezüchtet werden tönnen die in jedem
Falle den Bezug der „Hochzucht zur Pilicht maächen,
und weil ferner in manchen Betrieben bzw. sogar in
manchen Gegenden Saatgut von bestimmten Kultur—
gewüchten überhaupt nicht oder nur schwierig zu ge—
winnen ist und wenn schon, dann in nicht ausreichen⸗
der Quantität und Qualität (bier Gebrauchswert). Die
besonderen Verhältnisse, die vorliegen bei Saatgut,
das aus vegetativen Vermehrungsorganen einer Mut—
terpflanze besteht, z. B— Kartofeltnollen, können im
Rahmen dieser kürzen Betrachtung keine weitere Be—
rücksichtigung finden.
Eaben uns nun vorstehende Ausführungen sogar die
Berechrigung, von den angedeuteten Einschräntungen
abgeselben, ganz allgemein für den Saatgutbezug die
Rorm: Vorzug des angepaßten Saatgutes! aufzustellen,
so sei doch mit größtem Nachdruck nochmals betont,
»aß gerade beim Rottlee die Forderung: möglichst an—
gepaßte, d. h. also, bodenstandige Saat, ganz be⸗
onders am Platze ist. Denn für den Rottlee treffen
heute noch beide obengenannte Vorausietzungen für
die hohe Weritsbestimmung der „Herkunits“⸗Eigen⸗
schaft zu, da einmal noch teine nennenswerte züchte—
rische Beeinflussung der Gebrauchssaaten stattgelunden
hat und zum anderen die schon erwähnte große Ver—
dreitung des Rottlees der Entssehung zahlreicher kli—
matischer Rafsen Vorschub leisten mußte. Eigentlich
muß es daher wundernehmen, daß gerade beim Rot⸗
klee nicht schon längst mit Rücksicht auf diese ge—
childerten Tatiachen die Hertunstsftage so eingehend
erörtert ist, wie ihre Bedeutung das wohl beanspruchen
dürsfre. Denn seit dem Streite um die Minderwertig—
teit der ameritanischen Provenienzen, der in den vor⸗
ließten Jahrzehnten vergangenen Jahrhunderts ziem⸗
ich allgemein die Landwirte Deutschiands und feinet
meisten Nachbarländer beschäftigte, war bis eben in
die jüngste Zeit hinein von solchen Rotkleefragen
ziemlich wenig die Rede. Um, so erlreulicher ist es da—
zer, daß unter den wenigen Unternehmungen auf die—
em Gebiete eine genannt werden tann, die besonderen
Ruhm verdient, das sind die D. Kais.Versfuche der
Jahre 1901,02, durch die wir von der amerikami—
chen Rotkleefrage hinweg als weiteren Schritt vor—
värts den klaren Nachweis der Ueberlegenheit deut
icher Saaten für Deutjichland erhielten. So willtom—
nen, uns mehrere Bestätigungen dieser D. LG. Be—
obachtung aus den jünasten Jahren sind, wichtiger
ist der letzte entscheidende Schritt gewesen, den Vrof.
ODr. Remy-Bonn auf Grund mehrjähriger Beobach—
lungen üm Versuchsfelde der Kgl. Landwirtschaftl. Aka—
demie tat und der uns die Erkenntais brachte, daß
innerhalb Deutichlands und sogar innerhalb' räum
ich engbegrenzter Gebiete noch erhebliche ünterschiede
m Hertunstswerte der Rotkleesaaten bestehen derart,
daß beim Rotklee durchweg das bodenständige Saat—
zut oder doch das aus moöaglichst gleichgearteten An—
dauverhältnisfsen entstammende Saatgut' den Vorzug
verdient vor anderen Herkünften, gleicher Gebrauchs⸗
vert bei allen vorausgesekt
Bceobachtungen der Praxis zur Herkunftsfrage
beim Rotklee.
Im Rahmen dieser turzen, lediglich orientierenden
Abhandlung würde es zu weit gehen, das gesamte
Belegmaterial für die vorfiehend roh jtizzierte Beweis⸗
ührung vorzutragen, Der Interessent wird es u der
chon oben in Aussficht gestellten umfangreichcren Ver
öffentlichung später finden lönnen. Hier dürstees ge⸗
nugen, in großen Zügen ausf die veranstalteten Pru—
füngen hinzumeisen und ihre Ergebnise mi Bezug
uf unsere Frage kritiich und übersichtlich zu ordnen
Die Unterlegenheit amerikanischer
Herkünfte.
Die Beobachtungen über die Unterlegenheit der
ameritanischen Vropenienzen nehmen ihren Anfang in
Dänemark.
. Samsoe Lund jand hier, daß nach dem strengen
Winter 1878,79 auf einem Duadratfuß Bodenflaͤche der
uropäische Rotklee im Frühjahr noch 1751 Pflanzen⸗
tocle, der ameritanische hingegen nuc mehr 5.4, alio
aum, den dritten Teil des boigen Bestames fwic
Tie „ort einsetzenden, besonders eingehenden Prů⸗
ungen Dänemarks, die dieser ersten Feststellung solg—
ren, bestätigten die Richtigkeit dieser Beobachtungen
weitestem zMaße. Dasselbe aber gilt durchweg don
der großzen Reihe all der auderen Versuce, nun⸗
mehr auch in Deutschland und seinen Nachbatlänbenn
De wurden. Während jedoch alle Versuche des
uslandes, denen man wegen ihrer langeun Van
ndres Imanges ohne Einschränkung höchsten Wert
ane, eidn Unterlegenheit der ameritanischen
Zeriunst Zleichsinnig betonen, sind die Bobachtungen
cdande wicht in gleicher Weie denngeng
edeen — auch der deutschen Verfuche fielen zu—
gunsten der ameritanischen Herkünfte'nus. Sofan
den geringere Leistungsfähigkeit des amerikanischen
Nlees, gegenüber anderen Hertünften:
Just, in Baden 188384
Raemer im sSar 100

dirchner und Michalowsti in Hohenheim 1884,
Th. von Neergaard in Schleswig-Holstein 1885,
draus in Bayern 1885, 87 und 10901,
J. Fittbogen und Niederhäuser 1887,
irchner in Hohenheim 1886,89 und 1893,
Samet 1890,
d. Liebenberg 1891.
Brümmer 1894,
ztrebel in Hohenheim 1897.
Günstig hingegen über die Leistungen des ameri—
anischen Klees außerte sich wiederholt Nobbe auf
Brund seiner Versuche und Beobachtungen im König—
reich Sachsen. Aeyhnlich berichtete Künnecke schon
1885 über hohe Leistungen ameritanischen Rotklees,
der sogar an erster Stelle stand. Weiter beobachtete
tirchner, der früher (1884, siehe oben) schon einmal
angünstiges Verhalten der amerikanischen Herkünfte
estgestellt hatte, 1899 die Ueberlegenheit des ameri—
anischen Klees. Und endlich gibt auch Burchard auf
Brund von Beobachtungen in Groß-Flottbech bei Ham—
»urg zu Anfang des Jahrhunderts dem amerikanischen
sottlee gegenüber europäischem die bessere Note. Zwar
önnten wir zur Entkräftung der ebengenannten aün⸗
tigen Beobachtungen über das Verhalten des ameri—
anischen Klees verschiedene Gründe anführen. So
uinter anderem Nobbe gegenüber die Widerlegung, die
ex durch Jensen-Kopenhagen in dem betannteren Ar—
titel: „Deutscher Rottlee contra amerikanischen Rot—
tlee ersuhr, Burchard gegenüber die Tatsache, daß
die Prüfung der amerikanischen Herkünfte keine ein—
ziige deursche Herkunft als Vergleichsobjekt zeigte. Aber
»ennoch soll diese Unterlegenheit des amerilanischen
Rottlees um jeden Preis nicht allzu nachdrücklich hier
berkündet werden. Tenn bei der Größe des in Frage
ommenden Versorgungsgebietes ist es sehr wohl mög—
ich, daß ameritanische Saaten in Deutschland zum
Anbau gelangen, die klimatischen und sonstigen Kul—
turverhältnissen entstammen, die Aehnlichteit besitzen
mit denen ihres deutschen Anbauortes. Diese ver
mägen dann Befriedigendes und infolge des oft an—
ertannt hohen Gebrauchswertes ameritanischer Saa—
den gelegentlich sogar Gutes zu leisten. Daher finden
vir auch wiederholt sonst noch Hinweise auf gute Lei—
tungen einzelner ameritanischer Herkünfte, unter an—
»erem auch in der D. L.G.-Publikation von 1903
vo Gisevius die ostnordamerikanische Provenienz den
nittelguten Herkünsten zuzählt, während er die an—
»eren ameritanischen Herkünfte „ungeeignet“ nennt.
Im allgemeinen jedoch ist man sich darüber klar,
»aß die Unterlegenheit der meisten amerikanischen Rot
leesaaten auch für Deutschland als erwiesen anzusehen
st. Wäre zwar eine Uebertragung dieser zunächst nur
ür Deutschland gültigen Feststellüungen auf europäische
achbarländer mit ähnlichen klimatuüchen Verhältunsen
oon vornherein auch berechtigt, so sei doch ausdrück—
lich noch einmal daran erinnert, daß im Auslande,
vie bereits kurz erwähnt, alle hierauf bezüglichen
Lersuche mit absoluter Eindeutigkeit zuungunsten der
imerifkanischen Herkünste ausfiesen. Von deren Ein—
„elaufführung soll jedoch trotz der erwähnten, beson—
ders hohen Beweiskraft hier abgesehen werden, da sie
weckmäßiger für das Schlußglied unserer Beweiskette:
„Ueberlegenheit bodenständiger Provenienzen am Or,
der Entstehung“, als Material verwertet werden. Wir
venden uns vielmehr sogleich dem Mittelgliede des
»ben stizzierten dreiteiligen Beweisganges zu, das
on der negativen Behauptung der Unterlegenheit ame
ikanischer Rotkleesaaten in Deutschland uns hinführt
u dem positiven Satz:
2 Für Deutschland sind die deutschen
Herkünfte die besten.
Mit dem der Wichtigteit der Sache entsprechenden
Nachdruck betonte das zuerst Gisevius in seinem Be—
richte über die D. L.-G.-Anbauversuche von 1901,02
Im. Turchschnitt aller Versuche betrug hier die Ge—
amtleistung der mitgeprüften deutschen Herkünfte, die
zus Schlesien, Oste und Westpreußen und aus der Pfalz
tammten 111, 110 und 108, wenn 100 die Durch
chnittsleistung aller geprüsten Saaten war. In seiner
-zchlußzusammensassung hebt dann Gisevius ausdrück
ich hervor, daß als wesentlichstes Ergebnis der ge—
amten Arbeit die Tatsache der Ueberlegenheit unse—
er deutichen Saaten sür Deutschland anzusprechen sei.
Gerade aus den jüngsten Jahren liegen mehrere
ezrneute Bestätigungen dirser Feststellung vor, die in
hrer Gesamtheit erst in der späteren Veröffentlichung
yom Berichterstatter gewürdigt werden sollen. Hiet
eien ihrer nur zwei genannt, und zwar die in der
Lersuchswirtschaft Lauchstädt von Shneidewindt ge—
nachten Beobochtungen und die Ergebuisse eines Ver—
uches auf dem Versuchsfelde der Königl. landwirt—
chaftlichen Hochschule zu Berlin, die Vemmermann
und Liebau bekanntgaben. In Lauchstädt zeigten sich
die deutschen Saaten, vor allem ein schlesischer und ein
ostpreußischer Klee, einer schwedischen und einer russi—
schen Herkunst gegenüber leistungsfähiger. Und auf
dem Berliner Versuchsselde hatten zwei deutsche Her—
künste (Schlesischer und Niederrheiner, bei weitem die
Führung gegenüber acht mitgeprüften ausländischen
dertünsten, unter denen auch die sonst besonders hoch—
geschätzte steirische Provenienz sich besand, die mit
hren Leistungen an Heu und auch an Trocienstubstanvier
 orst an Frifter Stosse Aonk

3. Die Ueberlegenheit bodenständiger
Herkünste am Orte der Entstehung.
Den letzten und entscheidenden Schritt in der Rot—
lecprovenienzsrage jedoch tat Prof. Dr. Remy-Bonn.
Daß der Berichterstatter von ihm auch die erste An⸗
regung zur Beschästigung, mit Fragen der vorliegen—
den Art erhielt, durfte er bei anderer Gelegenheit schon
wiederholt beronen. Für das gütige Entgegenkommen
sedoch, über unveröffentlichte Versuchsfelderergebnisse
in dieser orientierenden Darstellung zu sprechen, sei
hiermit erneut bester Dant abgestattet.
Diese Rotkleeprüsungen im Versuchsfelde der Aka⸗
demie, von denen nunmehr die Leistungsergebnisse aus
zrei Jahren bereits vorliegen, zeigten deutlich, daß
ür die Bonner Kulturverhältnisse, die mit denen der
nittel⸗ und niederrheinischen Niederung große Aehn—
ichkeit besitzen, der niederrheinische Rotklee stets als
»ester bezeichnet werden muß. Und zwar hatten gleich—
näßig alle beide, von zweĩ verschiedenen Landwirten
der nördlichen Provinz bezogene niederrheinischen
derlünfte die Führung. Aus stets derselben zuverlässi—
jen Bezugsquelle seiner Heimatprovinz bezogener Rot—
lee Schlesiens solgte an zweiter Stelle, während eine
indere rheinische Provenienz, und zwar der Eifeler
Rottlee, um ca. 1400 hinter dem niederrheinischen
„urückstand. Um auf unfere theoretischen Erörteruͤn—
sen weiter oben zurückzugreifen: für das genannte
Lersuchsfeld müßte also mit Bezug auf den Anpas—
ungsgrad an erster Stelle der Niederrheiner, dann
»er schleüsche und zuletzt der Eifeler Klee genannt
verden.
Aber erst durch Hineinbeziehung anderer Beobach—
ungen, die gerade für den Leserkreis dieses Blattes be—
onders interessant sein dürften, erhalten wir für un—
ere Behauptung Beweismaterial höchsten Wertes.
denn eben derselbe Eiseler Klee, der hier in Bonn
jegenüber dem Niederrheiner schlecht abschnitt, über—
raf ihn am Orte seiner Entstehung ganz erheblich.
zo hatte speziell 1908/09 in einem Versuche zu Rieder—
rierweiler, wo der in Bonn geprüfte Eifeler Klee seit
zahren zur Samengewinnung angebaut wird, dieses
»ort „bodenständige“ Saatgut mit geprüftem Nieder—
heiner gegenüber einen Leistungsvorsprung von sast
Ooo. Herr Steffens-Niedertrierweiler, dem Bericht
rstatter diese wichtige Mitteilung dankt, berichtet da—
zuu weiter, daß nur der Eiseler Klee dort in befriedi—
zjendem Maße dem Winter standgehalten habe und
ils einziger später einen geschlossenen Bestand aufwies
Und ausf der anderen Seite hatte Herr Dorentamp—
Fillrath, in dessen Wirtschaft seit Jahren der nieder—
heinische Klee zur Samengewinnung gebaut wird, die
Freundlichkeit, auf eine Anfrage mich wissen zu las—
en, daß nach den dortigen Beobachtungen stets der
m eigenen Betriebe gewonnene Niederrheiner augen—
cheinlich besser war wie jeder andere Waͤhrend der
Drucklegung dieses Aussatzes ging dem Berichterstatter
ine gütige Benachrichtigung ein von Herrn Winter—
chuldirettor Schweickert Simmern, wonach auch dort
iuf dem Hunsrück versuchsmäßig die Ueberlegenheit
es Hunsrücker Rotklees sich zeigte.
Als wichtige Folgerung aus diesen an vier ver—
chiedenen Orten der Provinz gemachten Beobachtungen
önnen wir seststellen, daß sogar innerhalb des räumlich
ing begrenzten Gebietes der Rheinlande deutlich von—
iinander verschiedene Rottleeherkünfte bestehen, die
vor allem in ihrem Anbauwert von Ori zu Ort
verschicden sich verhalten. Und zwar leifien sie das
höchste am Orte ihrer Entstehung, wo ihnen das Prä—
dikat „bod enständig“ zukonimt und befriedigen in
hren Leistungen um so weniger, je verschiedenartiger
die klimatischen Verhältnisse sind zwischen Eutsteh—
uings- und Anbauort.
Und was uns bereits diese in der nächsten engen
Imgebung gemachten Beobachtungen lehren konnten,
indet recht erst sich bestätigt für großzügigere Ver—
zältnisse, wie solche in den Anbauverhällniffen ganzer
ränder von verschiedenartiger klimatischer Beschaffenheit
porliegen. Denn mit derselben Gleichmaͤßigkein, mi
»er das Ausland, wie oben gesagt, die Unterlegenheit
»er amerikanischen Herkünfte feststellte, ergab sich in
»en z. T. äußerst, umfangreichen und stels mehrjähri—
zen Prüsungen die Ueberlegenheit der jeweiligen In⸗
andssaaten, trotzdem auch andere, vom Markt vielfach
„brvorzugte“ Hertünste mit in Prüfung standen.
So berichtet Hollmann über die dänischen Rotklee—
Rnüsungen, die von 1886 bis 1898 auf drei Verfuchs—
tationen mit etwas über 1000 Saatproben verschiedener
dextünste auf insgesamt 2581 Versuchsparzellen an—
zestellt wurden. Lassen wir die besonderen Uñterschiede,
ie min Bezug ausf dänischen Spätklee und Frühklee
ich noch ergaben, sowie andere Kulturverhältnisse, die
peziell dem Samenkleebau Dänemarks eine Sonder—
tellung geben, außer Betracht, so können wir die in
ainderm Zusammenhange von Hollmann gebrauchten
WVorte über das Ergebnis aller dänischer Gras— und
dletprovenienzversuche auch hier lediglich zur Eharak
erisierung der genannten Rotkleeprüfungen anführen.
Die Versuche haben ergeben, daß für Dänemark die
dänische oder die den dänischen Verhältnissen am besten
itklimatisierten Herkünfte den Vorzug verdienen.
In Schweden ist ebenso wie in Norwegen der
dauptgesichtspunkt, unter dem in den dortigen rauhen
Lagen der Wert einer Kleeherkunst zu beuͤrteilen ift,
veren Minterfosftigfeit So Soryorragentes n
            
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