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bestimmte Zeit (Inkubationszeit), bevor offensichtliche Erkrank—
ungserscheinungen hervortreten. Die Inkubationszeit bei der
Schweineseuche ist in den einzelnen Fällen verschieden, beträgt
aber durchschnittlich etwva zehn Tage. Nach dieser Zeit zeigen
sich bei den erkrankten Tieren Husten, und je nach der Art
des Verlaufes der Seuche weitere krankhafte Erscheinungen.
Die Seuche kann rasch und bösartig (akut) oder langsam,
schleichend und mild (chronisch) verlaufen.
Beim akuten Verlauf treten zu dem Husten beschleu—
nigtes und schmerzhaftes Atmen und als Merkmale der erheb—
lichen Störung des Allgemeinbefindens mangelnde Freßlust,
Fieber und große Schwäche. Letztere ist so auffällig, daß die
Tiere mit dem Hinterteil hin und her schwanken, und der
Gang taumelnd wird. Die an akuter Schweineseuche er—
krankten Schweine können schon nach wenigen Tagen oder im
Verlauf von ein bis zwei Wochen zugrunde gehen. Bei der
akuten Form der Schweineseuche erkranken ältere und jüngere
Tiere ohne Unterschied.
Beimschronischen Verlauf der Schweineseuche tritt
eine Beschleunigung der Atmung häufig erst hervor, wenn
die Tiere umhergetrieben werden. Gewöhnlich erkranken nur
die jüngeren Tiere (Ferkel und Läufer). Die chronisch er—
krankten Tiere lassen außer Husten und Atembeschwerden nach
Umhertreiben als Merkmal der erheblichen Störung des All—
gemeinbefindens, Verringerung der Futteraufnahme, mangel—
haftes Gedeihen (Kümmern), häufig verklebte Augen und einen
mit Schorfbildung verbundenen Ausschlag der Haut erkennen.
Die an chronischer Schweineseuche erkrankten Tiere können
nach wochenlangem Kranksein zugrunde gehen oder genesen
und mastfähig werden. Die Verluste an Ferkelm bei chronischer
Schweineseuche sind häufig nur gering, können aber auch bis
zu 50 und 750 betragen.
Merkmale an den toten Tieren.
Beigestorbenen, getöteten oder geschlachteten
schweineseuchekranken Schweinen findet man größere oder klei—
nere Teile der Lungen entzündet. Die entzündeten Teile fallen
nach der Herausnahme der Lungen aus dem Brustkorb nicht
zusammen, haben keine hellrote Farbe, wie die Lunge gesunder
Tiere, sondern eine dunkelrote, graurote oder graue Farbe
und fühlen sich fest an, etwa wie die Leber. Bei der aku—
ten Schweineseuche sind in der Regel größere Abschnitte
der Lungen entzündet und gleichzeitig das Brustfell, häufig
auch der Herzbeutel mit einem abziehbaren Belage versehen.
Außerdem sind Veränderungen an Leber, Nieren, Muskeln
und Herzfleisch, unter Umständen auch an Milz und Lymph—
drüsen zugegen. Bei der chronischen Form der Schweine—
seuche beschränkt sich die Erkrankung gewöhnlich auf die vor—
deren Lappen der Lunge. Gleichzeitig zeigen die mit chro—
nischer Schweineseuche behafteten Tiere waͤhrend der eigent—
lichen Krankheit einen schlechten Ernährungszustand.
Vermischung der Schweineseuche mit der Schweine—
pest und anderen Erkrankungen.
Der Verlauf der Schweineseuche kann dadurch abgeändert
werden, daß die Tiere neben der Schweineseuche gleichzeitig
von anderen Erkrankungen, insbesondere von der Schweine—
pest, befallen werden. Die Schweinepest ist eine ansieckende
Darmentzündung, ihr hauptsächlichstes Zeichen ist ein heftiger
Durchfall. Bei Vermischung der Schweineseuche mit Schweine—
pest tritt mithin zu den geschilderten Symptomen der Schweine—
seuche bei den lebenden Tieren Durchfall und den gestorbenen,
getöteten oder geschlachteten eine Entzündung der Schleimhaut
des Darms, namentlich des Blind- und Grimmdarms, hinzu.
Die Schleimhaut des Blind- und Grimmdarms weist vei
schweinepestkranken Schweinen an einzelnen Stellen oder in
größerer Ausdehnung trübe, gelbe Beläge der Schorfe, ferner
Geschwüre auf.
Anzeigepflicht.
Wenn ein Schwein unter den angegebenen
Erscheinungen bald nach dem Ankauf erkrankt,
oder wenn mehrere Schweine eines Bestandes die
angeführten Krankheitsmerkmale zeigen, so liegt der Verdacht
des Ausbruches der Schweineseuche vor. Von dem Schweine—
seuchenverdacht ist der Ortspolizeibehörde Anzeige zu erstatten,
worauf durch eine amtstierärztliche Untersuchung festgestellt
wird, ob der Verdacht begründet ist oder nicht.
Verhütung der Schweineseuche.
Zur Verhütung der Einschleppung dec Schweineseuche
in einen Bestand ist der Zukauf von Schweinen mit größter
Vorsicht zu bewirken. Neue Schweine, deren Herkunst nicht
aachweislich unverdächtig ist, sind, wenn irgend möglich, in
einem besonderen Stalle unter Beobachtung zu stellen, ehe
die Tiere zu dem alten Bestande gebracht werden. Es
empfiehlt sich, die neu angekauften Tiere mit einigen Ferkeln
des alten Bestandes entweder unmittelbar oder so in einer
Bucht zusammenzubringen, daß sie nur durch ein Gitker von
einander getrennt sind. Sind die Ferkel nach vier Wochen
noch gesund und frei von Erscheinungen der Schweineseuche,
so können die neu angekauften Tiere unbedenklich zu dem
alten Bestand in den gemeinsamen Schweinestall gebracht
werden. Besondere Vorsicht ist bei Einstellung von Sauen
in die Ställe fremder Eberhalter geboten.
Eine naturgemäße (Wild-) Haltung der Schweine, be⸗
sonders der Zuchttiere, ist zu empfehlen.
Gemeinfaßliche Belehrung über die Schweinepest.
Wesen.
Die Schweinepest ist eine ansteckende Krankheit der
Schweine, die in Form einer Entzündung der Schleimhaut
des Darmes auftritt. Der Ansteckungsstoff wird von den
erkrankten Tieren mit dem Kote ausgeschieden. Durch
Wühlen im Boden, der durch die Ausscheidungen pestkranker
Schweine verunreinigt ist, und durch die Aufnahme von
Futter, auf das der Ansteckungsstoff übertragen ist, werden
zesunde Schweine angesteckt. Die Verschleppung der Erreger
der Schweinepest erfolgt nicht nur durch kranke Tiere, sondern
auch durch Zwischenträger. So können Personen, deren
Kleider und Schuhwerk durch die Ausscheidungen pestkranker
Schweine verunreinigt sind, die Seuche in gesunde Bestände
einschleppen, und in ähnlicher Weise kann die Schweinepest
durch Stallgeräte, Futtermittel, Streu und Dünger aus
verseuchten Ställen in andere Ställe übertragen werden.
Merkmale an den lebenden Tieren.
Die Aufnahme des Ansteckungsstoffes der Schweinepest
hat nicht die sofortige Erkrankung der Tiere zur Folge. Offen—
ichtliche Erscheinungen der durch die Ansteckung bewirkten
Erkrankung treten erst nach einer bestimmten Zeit (Inkuba—
tionszeit) hervor. Die Inkubationszeit bei der Schweinepest
ist nicht in allen Fällen gleich, beirägt aber durchschnittlich
etwa 10 Tage. Nach dieser Zeit zeigen die Tiere heftigen
Durchfall.
Beim raschen (akuten) Verlauf der Schweinepest ist
Jeichzeitig das Allgemeinbefinden der Tiere schwer gestört.
Die Tiere nehmen nur wenig oder gar kein Futter zu sich,
haben Fieber und sind sehr schwach. Die Tiere verkriechen