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Montag, den 30. November
1908.
Bekanntmachungen der Zentralbehörden.
steingelben Nasenausfluß, der zuweilen auch ausbleibt,
und durch besondere, bein Beklopfen und Behorchen
der Brustwandungen in den unteren Partien nachweisbare
Veränderungen (Dämpfung, Trommelton, Unterdrückung der
Atemgeräusche, Rasselgeräusche usw).
Das Hinzukommen einer Brustfellentzundung wird
durch Schmerzhaftigkeit der Brustwand (Stöhnen beim Be—
tasten und bei der Bewegunq), durch starke Atembeschwerde und
durch besondere, beim Beklopfen und Behorchen feststellbare
Veränderungen (horizontal verlaufende Dämpfung, Reibungs⸗
geräusche) dargetan.
Verlauf. Die Krankheit erreicht bei regelmäßigem
Verlauf am fünften oder sechsten Tage ihren Höhepunkt.
Von da ab sinkt die Fiebertemperatur rasch, der Appetit
stellt sich wieder ein, die Munterkeit kehrt zurück, die Harn⸗
absonderung ist auffallend reichlich uud die Dämpfungen
hellen sich auf; nach etwa einer Woche sind die meisten
Krankheitserscheinungen verschwunden. Bis zur vollständigen
Genesung vergehen jedoch, auch wenn die Krankheit in
dieser milden Weise verläuft, mehrere Wochen.
Zeitweise nimmt die Krankheit einen sehr schweren
Verlauf, namentlich bei schwächlichen Pferden und solchen
Tieren, die, obwohl bereits erkrankt. noch zur Arbeit ver⸗
wendet werden. Es treten in diesen Fällen gefährliche
Nebenerscheinungen auf, die häusig zum Tode führen:
Herzschwäche und Herzlähmung (o bis 120 schwache
Pulse, Herzklopfen) Lungenbrand (übler Geruch der
ausgeatmeten Luft, Lungenblutungh, Darmen tzündung
Kolik, Durchfall) Gehirnentzündung (rampfanfälle,
Lähmung), Nierenentzündung (Eiweißharnen, Blut—
hdarnen). Andere Nebenerscheinungen und Nachkrankheiten
sind: Sehnenscheidenentzündung (Lahmheit), innere Augen⸗
entzündung (Lichtscheue, flockige Gerinnsel in der vorderen
Augenkammer), Kehlklopfpfeifen, Lungen- und Herzdämpfig—
keit, Kreuzschwäche, Schweiflähmung, Blasenlähmung, Mastdarmlähmung,
Lähmung der Rute.
In besonders milden Seuchengängen kommt endlich ein
sogenannter abgekürzter Verlauf der Brustseuche vor; die
Krankheitsdauer beträgt dann nur einige Tage.
In den einzelnen Pferdebeständen verläuft die Krankheit
verschieden. Häufig erkranken innerhalb 8 bis 14 Tagen
alle empfänglichen Pferde des Stalles, so daß die Seuche
nach etwa sechs Wochen vollständig wieder erloschen ist. In
anderen Fällen ist die Verbreitung unregelmäßig und
sprunghaft; der Seuchengang kann dann in einem größeren
Pferdebestande mehrere Monate andauern.
Die Häufigkeit der Todesfälle bei der Brustseuche
wechselt, jedenfalls ist sie aber viel höher als bei der
Pferdestaupe (Rotlaufseuche, Jafluenza im engeren Sinneh:
fje heträat im Durchschnitt 4 bis 15046
Gemeinfaßliche Belehrung
über die als Influenza der Pferde bezeichneten Krankheiten.
Der Begriff der Pferdeinfluenza umfaßt ihrem Wesen
nach verschiedene seuchenhafte Krankheiten der Pferde. Die
eine dieser Krankheiten ist eine ansteckende Lungenbrustfell⸗
entzündung, und wird daher als Brustseuche bezeichnet.
Die andere ist durch hochfieberhafte Allgemeinerkrankung,
durch Schwellungen der Haut und Augenschleimhaut sowie
durch Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut ge⸗
kennzeichnet. Diese Krankheit wird als Pferdestaupe
oder Rotlaufseuche oder als Influenza im engeren
Sinne bezeichnet. Zuweilen erkrankt ein und dasselbe
Pferd gleichzeitig an Brustseuche und an Pferdestaupe.
1. Die Brustseuche.
Wesen. Die Brustseuche ist eine ansteckende Ent—
zündung der Lunge und des Brustfells. Der
Ansteckungsstoff ist zurzeit noch nicht sicher bekannt. Auch
die Art und Weise der Ansteckung steht noch nicht fest.
Vermutlich wird der Ansteckungsstoff durch die Atmungsluft
und die Ausscheidungen, außerdem aber auch durch
Zwischenträger (Dünger, Streu, Personen usw.) von den
kranken Pferden auf gesunde übertragen. Die Seuche tritt
namentlich in den größeren Pferdebeständen der Städte auf
und zeigt gewöhnlich im Winter eine größere Verbreitung
als im Sommer. Erkältungen, Ueberanstrengungen, Trans⸗
porte erhöhen die Empfänglichkeit der Pferde für die Er⸗
krankung.
Das einmalige Ueberstehen der Brustseuche schützt die
meisten Pferde gegen wiederholte Erkrankung. Die durch⸗
geseuchten Pferde können jedoch noch viele Wochen nach der
Genesung den Ansteckungsstoff auf gesunde Pferde übertragen.
Nach der Aufnahme des Ansteckungsstoffs werden die
Erscheinungen der Brustseuche nicht sofort sichtbar. Zwischen
dem Eindringen des Ansteckungsstoffs in den Körper und
dem Auftreten der ersten offensichtlichen Krankheitserschein⸗
ungen liegt vielmehr eine verschieden lange sogenannte In⸗
kubationszeit, die vielfach fünf bis zehn Tage beträgt.
Merkmale an den lebenden Tieren. Die ersten
Erscheinungen der Brustseuche sind gelbrote Färbung der
sichtbaren Schleimhäute (Augenbindehaut, Maulschleim⸗
haut), verminderte oder aufgehobene Freßlust, Ver—
stopfung, Mattigkeit und in schweren Fällen Schwanken
der Nachhand. Außerdem besteht Fieber; die Mastdarm⸗
temparatur steigt auf 40 bis 410.
Sehr bald, schon in den ersten Tagen, tritt das
Krankheitsbild der Lungenentzündung hinzu. Diese
gibt sich zu erkennen durch matten Husten, Beschleunigung
und Erschwerunga der Atmung, rostfarbigen oder bern—