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sonders unter den Kindern vorfinden, so liegt auf der
Hand, daß man auch nach diesen suchen muß.
Es werden deshalb die Untersuchungen auch auf
die sämtlichen Familienmitglieder bezw. Wohnungsgenossen
ausgedehnt und daß dieser Vorgang gerechtfertigt und nicht
überflüssig ist, hat die in einer recht stattlichen Reihe von
Fällen gelungene Auffindung unbemerkt gebliebener Typhus⸗
kranker bewiesen. Sehr oft kommt es vor, daß solche
leichteren, nicht unter dem üblichen Bilde des Typhus ver⸗
laufenden Erkrankungen andere harmlose Krankheitsnamen
führen, besonders auch weil sie kaum jemals in ärztliche
Behandlung kommen. Da sich gerade unter den Kindern
auffällig oft derartige Typhuserkrankungen befinden, so ist
die Kontrolle der Kinderschar eines Ortes von der größten
Wichtigkeit für die Bestimmung aller in dem betreffenden
Orte vorhandenen Typhuserkrankungen. Diese Kontrolle
findet wie begreiflich am schnellsten und vollständigsten in
den Schulen statt, wo einerseits die Schulversäumnislisten
zusammen mit den Auskünften der Schulleiter wertvolle
Anhaltspunkte bieten und anderseits der größte Teil der
Kinderschar persönlich anwesend ist. Gerade diese Schul—⸗
kontrolle hat sich als ein außerordentlich wertvolles Hilfs⸗
mittel bei Typhusermittelungen herausgestellt. Sie hat sich
zu erstrecken sowohl auf die am Tage der Schulbesichtigung
fehlenden als auch auf diejenigen Schulkinder, welche vorher
länger als 5 Tage hintereinander den Unterricht versäumt
haben. Bei diesen Kindern sind alsdann diejenigen Krank—
heitserscheinungen möglichst eingehend festzustellen, welche
den bestehenden oder bereits abgelaufenen Typhus vermuten
lassen. Solche Zeichen sind insbesondere: Kopfschmerz, Be⸗
nommenheit (im Volksmunde: Durcheinandersein im Kopfe),
Abgeschlagenheit, Nasenbluten, belegte Zunge, Leibschmerz,
Durchfall, Haarausfall, langsame Erholung usw. Selten
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es sich nur um einzelne. Die Feststellung dieser Krankheitszeichen
begründet nur den Verdacht auf Typhus. Zur vollen
Sicherung, daß es sich um Typhus handelt, bedarf es jedoch
eines weiteren und zwar des bakteriologischen Beweises.
Unter den hierfür zur Verfügung stehenden Methoden muß
eine besonders erwähnt werden naͤmlich die Blutprobe, welche
nach ihren Entdeckern die Gruber-Widal'che Reaktion ge—
nannt wird. Man braucht zu dieser Probe einige Tropfen
Blut, jedenfals aber nicht mehr Blut, als jemand sich selost
entzieht, welcher sich mit einer Nadel etwa beim Nähen in
die Fingerspitze sticht. Die Entaahme der wenigen Bluts—
tropfen zum Zwecke der Anstellung der Blutprode hat mit
diesem alltäglichen und niemand in Angst setzenden Vorgang
auch die größte Aehnlichkeit. Nur ist sie weniger schmerz⸗
haft, weil nicht die Fingerspitzen, sondern das unempfindliche
Ohrläppchen benutzt wird. Der kleine Einstich in ein Ohr—
läppchen ist auch noch unbedeutender, als das Durchstechen
desselben zum Zwecke des Tragens von Ohrringen. Irgend
ein vernünftiger und stichhaltiger Grund liegt deshalb zur
Verweigerung dieses harmlosen Einstiches in ein Ohrläppchen,
welcher zudem von den Kindern, wie die Erfahrung gelehrt
hat, überhaupt kaum bemerkt wird, nicht vor.
Es würde zu weit führen, alle Einzelheiten zu erläutern,
die bei diesem Kampf gegen den Typhus noch von Be—
deutung sind. Sie liegen auch zum Teil in Richtungen,
die nicht auf die Mitwirkung von Nichtfachleuten führen.
Vielleicht ist aber der Hinweis nicht überflüfsig auf die ziem—
lich bedeutende Einschleppung des Typhus aus anderen
enifernten Typhusgebieten meist in der Form, daß Genesende
nit dem Ortswechsel den Typhus verschleppen. Da die
Typhuskrankheit immer erst 10 bis 14 Tage nach der er—
'olgten Ansteckung. d. h. nach dem Eindringen der Typhuszazillen
in den Körper ausbricht, so kann in dem Augen—⸗
olick, wo der erste Typhusfall in einem Orte unter den
kinheimischen auftritt, der zugewanderte Uhrheber dieser
Erkrankung vielleicht schon wieder fort sein, und es ist nicht
uusgeschlossen, daß der Weg, den ein solcher Typhusträger
nimmt, sich verrät durch Typhuserkrankungen in den von
hm berührten Orten. Es erscheint daher ratsam und ge—
zoten, auf den Gesundheitszustand zureisender Persönlich—
eiten sein Augenmerk zu richten, namentlich wenn sie aus
hekannten nachweislichen Typhusgegenden oder Ortschaften
kommen.
Bei dem ganzen Typhusermittelungsverfahren, d. h.
der Feststellung sämtlicher Personen an einem Punkte, die
aoch ansteckend sind, also Typhusbazillen ausscheiden, spielt
die bakteriologische Untersuchung eine unentbehrliche und
zahlenmäßig ganz erhebliche Rolle. Um wenige Typhus-—
ranke aufzufinden, sind mitunter viele Menschen zu unter—
uchen, sodaß z. B. 30 ermittelte Typhuskranke 500 Unter⸗
uchungen notwendig machen. Diese Untersuchungen sind
in sich ebenso mühsam wie schwierig und bedeuten immer
zine große Arbeit für die von der Königlichen Regierung
mm Regierungsbezirk eigens dafür errichteten Untersuchungsanstalten.
Aber sie werden in unbeschränktem Maße aus—
geführt und zwar unentgeltlich, weil sie eben durchaus not—
vendig sind. Man sollte nicht meinen, daß es Schwierig—⸗
eiten haben könnte, das Untersuchungsmaterial von den zu
intersuchenden Personen zu erhalten. Leider aber gibt es
noch Leute, die nicht begreifen, daß sie durch Verweigerung
der Untersuchung sich selbst bezw. ihre Angehörigen einer
Befahr aussetzen, im Verhältnis zu der alle persönlichen
Bedenklichkeiten und immer doch nur geringe Uabequemlich—
eiten verschwinden müssen. Wer das nicht einsieht, der
möge sich ausrechnen, was ein oder mehrere Typhusfälle
mit vielleicht tödlichem Ausgang in der eigenen Familie be
deuten und kosten, ganz abgesehen von der moralischen Verant
wortung.
Auch uach der Richtung findet die Belehrung ein
wichtiges Arbeitsgebiet.
Bekanntmachungen anderer Behörden.
Der Cölner Verein für erziehliche Knabenhandarbei—
wird auch in diesem Jahre Lehrern Gelegenheit zur weiteren
Ausbildung in Knabenhandarbeit geben.
Der Lehrgang beginnt am 10. August d. Is. in dem
Schulgebäude Großer Griepenmarkt 87 unter Leitfung des
Hauptlehrers Witteler in Cöln und dauert 3 Wochen.
Für Unterricht und Arbeitsmaterial sind von den Teil—
nehmern 30 Mk zu entrichten.
Etwaige Teilnehmer haben sich rechtzeitig bei dem
Hauptlehrer Witteler anzumelden.
St. Johann, den 7. Mai 1908.
Königl. Kreisschulinspektion Saarbrücken J und JI
und Völklingen.
Mylius, Schulrat. Dr. Cramer, Kreis-Schulinspekto—
Saarbrücken, den 18. Mai 1908
Der Königliche Landrat, Bötticher
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Redaktion des nicht-amtlichen Teils Druck unn Aerlan vnn r—der 5z— n Sgarßrückon