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Amtliches Anzeigeblatt für
—R
Montag, den 28. Oktober
IB67.
Bekanntmachungen der Zentral-Behörden.
Merkmale an den toten Tieren.
Bei gestorbenen, getöteten oder geschlachteten rotlauf—
kranken Schweinen findet man neben der Verfärbung der
Haut eine mehr oder weniger hochgradige Entzündung der
Magen⸗-Darmschleimhaut, Schwellung und blaurote Färbung
der Milz, Schwellung und Rötung der Gekröslymphdrüsen
Schwellung der Leber und eine meist mit Blutung ver—
bundene Entzündung der Nieren.
Bei den Backsteinblattern sind die Veränderungen in der
Regel auf die erkrankten Haupipartien beschränkt.
Anzeigepflicht.
Wenn ein Schwein unter den angegebenen Erscheinungen
erkrankt, so liegt der Verdacht des Rotlaufs vor. Von dem
Rotlanfsverdacht ist der Ortspolizeibehörde Anzeige zu er—
statten, worauf amtlich festgestellt wird, ob der Verdacht
begründet ist oder nicht.
Verhütung des Rotlaufs.
Zur Verhütung des Rotlaufs ist eine saubere, möglichst
trockene Haltung der Schweine in Ställen mit festem Fuß—
boden erforderlich. Auch empfiehlt es sich, von Zeit zu Zeit
eine gründliche Reinigung der Ställe unter Anwendung von
Desinfektionsmitteln vorzunehmen.
Einen fast sicheren Schutz gegen den Rotlauf gewährt
die Schutzimpfung.
In häufig von dem Rotlauf betroffenen Orten empfiehlt
es sich, regelmäßig alle Schweine der Schutzimpfung zu
unterwerfen. Wo der Rotlauf selten ist, kann von einer
regelmäßigen Impfung aller Schweine abgesehen werden.
Es ist jedoch dringend ratsam, beim Auftreten des Rotlaufs
scchleunigst alle Schweine des betroffenen Bestandes impfen
zu lassen.
Durch die Impfung gelingt es in der Regel, die be—
drohten Schweine zu schützen; auch wird ein nicht unerheb
licher Teil der erkrankten Tiere durch die Impfung geheilt
—
Gemeinfaßliche Belehrung über den Rotlauf der Schweine.
Wesen.
Der Rotlauf der Schweine ist eine ansteckende, mit er—
heblicher Störung des Allgemeinbefindens verlaufende, durch
den Rotlaufbazillus verursachte Erkrankung der Schweine.
Der Ansteckungsstoff wird von den Tieren mit dem
Futter (Getränk) oder auch gelegentlich beim Wühlen in
Schmutz und Unrat aufgenommen. Der Ansteckungsstoff
wird von den kranken Tieren hauptsächlich mit dem Kote
ausgeschieden und gelangt so in die Ställe, Dungstätten und
Höfe. An feuchten Stellen, z. B. im feuchten Erdboden,
in Jaucherinnen und Pfützen, kann sich der Ansteckungsstoff
lange Zeit erhalten und weiterentwickeln. Durch Kälte wird
er nicht unschädlich gemacht. Durch Wärme wird sein Ge—
deihen befördert. Deshalb tritt die Rotlaufseuche besonders
in der warmen Jahreszeit auf.
Merkmale an den lebenden Tieren.
Die Aufnahme des Ansteckungsstoffes des Rotlaufs hat
nicht die sofortige Erkrankung der Tiere zur Folge. Es
bergeht vielmehr eine bestimmte Zeit (Inkubationszeit), be—
dor offensichtliche Krankheitserscheinungen hervortreten. Die
Inkubationszeit ist verschieden, beträgt aber meist zwei bis
drei Tage. Nach dieser Zeit zeigen die Tiere hohes Fieber
mit erhöhter Temperatur der Haut, Verlust der Munlserkeit
und des Appetits; sie liegen viel, verkriechen sich in der Streu
und zeigen nach dem Austreiben einen schwankenden Gang.
Nach kurzer Zeit treten in der Haut, besonders an der
inneren Fläche der Hinterschenkel, an den Geschlechtsteilen,
unter dem Bauche, der Brust und dem Halse, zuweilen auch
auf dem Nacken, dem Rücken und an den Ohren, rote Flecke
auf. Die Rotfärbung der Haut breitet sich schnell aus und
nimmt an Stärke zu, so daß die Tiere bei vorgeschrittener
Krankheit an der unteren Fläche des Körpers kupferrot bis
olaurot erscheinen. Die Krankheit endet bei den meisten
Tieren in kurzer Zeit mit dem Tode.
Gutartig ist der Krankheitsverlauf bei einer Abart des
Rotlaufs, den Backsteinblattern Messelfieber, Fleckrotlauf,
Masern, Knotenrose). Hierbei äußert sich die Erkrankung
in rundlichen oder eckigen, beetartig üUber die gesunde Haut
erhabenen, roten bis blauroten Flecken in der Haut. Störungen
des Allgemeinbefindens, wie sonst beim Rotlauf, pflegen
bei den Backsteinblattern nur im Anfang der Erkrankung
zugegen zu fein.
Bei den Tieren, die den Rotlauf überstanden haben,
entwickelt sich zuweilen als Nachkrankheit eine mit fort—
schreitender Abmagerung und Anschwellung der Gelenke ver—
hundene Steifheit; in anderen Fällen zeigen sich bei ihnen
zurch Herzfehler bedingte Erkrankungen.
Gemeinfaßliche Belehrung über die Schweineseuche
Wesen.
Die Schweineseuche ist eine ansteckende, mit erheblicher
Störung des Allgemeinbefindens verlaufende Erkrankung der
Schweine, die in der Regel in Form einer Entzündung der
Brusteingeweide (ungen, Brustfell, Herzbeutel) auftritt.
Der Ansteckungsstoff wird von den kranken Tieren mit der
Ausatmungsluft und mit den beim Husten entleerten Aus—
wurfstoffen ausgeschieden.
Merkmale an den lebenden Tieren.
Die Schweine, die der Ansteckung durch Schweineseuche
ausgesetzt gewesen sind, erkranken nicht unmittelbar nach der
Aufnahme des Ansteckungsstoffes. Es vergeht vielmehr eine