VIII. Der Plan für die künftige Verteilung der Kreis⸗
agsabgeordneten im Kreise Saarbrücken wurde infolge des Zu—
zangs der neuen Bürgermeisterei Quierschied revidiert und
zeu festgesetzt. Derselbe wird besonders veröffentlicht. Von
den zeitigen Kreistagsmitgliedern wurden folgende Abge⸗
irdnete ausgelost:
a) aus dem Wahlverbande der größeren Grundbesitzer:
Ernst Heckel zu St. Johann,
») aus dem Wahlverbande der Städte: Geheimer Justizrat
Boltz von hier.
Für dieselben sind gelegentlich der nächsten Ergänzungs⸗
vahlen im November d. Is. Neuwahlen vorzunehmen.
IX. Der Antrag der Stadt Malstatt⸗Burbach bezw. der
dreistagsabgeordneten dieser Stadt:
„aus Kreismitteln einen Beitrag von 60000 Mk. zu den
Kosten einer von der Stadt NMtalstatt-Burbach im Zuge
der Gersweilerstraße zu Malstatt-Burbach zu erbauenden
Fahrbrücke über die Saar à fonds perdu zu bewilligen“
vurde während der Beratung zurückgezogen. Für einen an
dessen Stelle von Dr. Neff gestellten Antrag
„Der Kreistag wolle beschließen, zum Bau einer Brücke
von Malstatt⸗Burbach nach Gersweiler der Stadtgemeinde
Malstatt-Burbach ein Darlehen von 60000 Mk. aus
Kreismitteln zu gewähren und zwar auf fünf Jahre un⸗
verzinslich, sodann mit 30 9/0 KZinsen und 100 Amor—⸗
isation“,
timmten 17 Abgeordnete. Die nach 8 68 Abs. 3 der Kr.⸗O.
zur Uebernahme einer bindenden Verpflichtung zum Beitrage
erforderliche 3 Stimmenmehrheit war somit nicht vorhanden.
Vor Eintritt in die Beratung zu diesem Gegenstande
iußerte sich der Unterzeichnete (ohne Widerrede der Ver⸗
sammlung) dahin, daß man keinesfalls einen Sprung ins
Dunkle tun, sondern bei der Bewilligung des Antrages
von vornherein ein festes Prinzip aufstellen müsse, nach
welchem man (zu welchen Sätzen ꝛc.) in Zukunft
Brückenprojekte im Kreise unterstützen wolle. Vor allem
müsse der Kreistag sich darüber klar werden, daß bei
derartigen Bewilligungen die sehr niedrigen Kreissieuern
Jjanz erheblich steigen würden, wozu im Kreisausschusse
wenigstens nicht viel Neigung zu verspüren sei. Es könne
seitens des Kreises noch Vieles, so namentlich für Verkehrs⸗
zrleichterung geschehen, wie dies z. B. in seinem früheren
sreise Querfurt in hohem Maße zum Segen der Bewohner
der Fall gewesen sei.
Des Weiteren machte der Unterzeichnete im Laufe der
Beratung darauf aufmerksam, daß, sofern die drei Städte
als eine Stadt vereinigt wären — was hoffentlich bald
geschehe — das Brückenprojekt sicher, ebenso wie ein während
der Verhandlung noch berührtes Straßenbahnprojekt Saar⸗
brücken⸗Gersweiler von selbst bald zu Stande kommen würden.
vas allseits Zustimmung fand.
C. Unter Mitteilungen wurde u. A. als Mitglied der
Freisersatzlommission anstelle des Herrn Kalck auf dessen
Wunsch der Apotheker Beck von hier ohne Widerspruch der
Versammlung einstimmig gewählt.
Endlich nahm der Unterzeichnete noch besonders Bezug
auf die Ausführungen und den Vorschlag des Kreisausschufses
in dem unter Punkt IV der Tagesordnung angezogenen Ver⸗
waltungsbericht bezüglich der Köllerthalbahn. Ver Unter⸗
zeichnete schilderte eingehend den jetzigen Stand der Ange⸗
egenheit und die dem Kreise voraussichtlich entstehenden
Kosten, die sich nach Abzug der von der Bergverwaltung
wie von den beteiligten Gemeinden in Aussicht stehenden
Beiträge auf etwa 400 000 Mt. belaufen dürften. Um Zeit
zu ersparen, habe er, der Vorsitz nde, die sofortige Inangriff⸗
nahme der speziellen Vorarbeiten bei den Herren Ressort—
ministern beantragt, die sonst erst nach Erlaß des Eisenbahn—
Gesetzes erfolge. Es wäre nun begründete Hoffnung
bporhanden, daß die Vorlage in das Gesetz für 1906 komme
und mit der Ausführung der Bahn dann sofort nach Voll-⸗
ziehung des zwischen Eisenbahnfiskus und Kreis Saarbrücken
zu schließenden Vertrages (betreffend Bereitstellung des Grund
und Bodens) begonnen werden würde. Das Mitglied Louis
Röchling sprach sein Bedauern aus, datz der Staat die Bahn
nicht als „Vollbahn“ ausbauen wolle und dies auch nach
seinen Erfahrungen für die Zukunft ausgeschlossen sei. Da
vohl Alle einig darin seien, daß der Kreis etwas für das
Köllerthal tun müsse und könne, sei er dankbar für das
Vorgehen des Vorsitzenden und für Gutheißung aller von
ihm gemachten Ausführungen.
Die Versammlung war mit diesen Ausführungen und
der Stellungnahme des Vorsitzenden bezw. des Kreisaus—
schusses zur Kostenfrage für den Grunderwerb durchaus ein—
verstanden.
Saarbrücken, den 3. April 1905.
Der Königliche Landrat.
Bötticher.
lan
für die künftige Verteilung d Kreistagsabgeordneten im Kreise
Saarbrücken infolge Vermehrung der Zahl der Landbürgermeistereien 1*
des Kreises Neubildung der Bürgermeilterei Quierschied, F562 R.O.).
1. Der Kreis Saarbrücken hat nach der letzten allge—
meinen Volkszählung (1900) 203 896 — abzüglich 3435
Militärpersonen — 200461 Zivileinwohner; die Zahl der
Kreistagsabgeordneten beträgt daher gemäß 8 33 der Kreis-—
ordnung vom 80. Mai 1887 — 45.
2. Von den 200 461 Zivileinwohnern entfallen 72271
auf die 83 dem Wahlverbande der Städte angehörenden
Stadtgemeindn Saarbrücken, St. Johann und
Malstatt-Burbach. Die Zahl der Kreistags-Abgeordneten
dieses Wahl-Verbandes beträgt daher 16, 573, mithin, da
Bruchteile unter 3 nicht berechnet werden, 16 (8 38 Nr. 1,
8 41 a. a. O.).
3. Von den nach Abzug der städtischen Abgeordneten
übrig bleibenden 29 Abgeordneten erhält der Wahlverband
der größeren ländlichen Grundbesitzer die Hälfte —
141/2, und der Wahlverband der Landbürgermeistereien
die andere Hälfte (ß5 38 Nr. 2 a. a. O.). Da hier bei
zleichwertigen Bruchteilen gem. 841 Abs. 2 das Los zu be⸗
timmen hatte, auf welcher Seite der Bruchteil für voll zu
rechnen war, und die gemäß Artikel 4 der Ministerialan⸗
veisung vom 9. Juni 1887 in der Kreistagssitzung vom
20. Oktober 1902 durch den Landrat vorgenommene Los⸗
ziehung zu Gunsten des ersteren Verbandes ausgefallen ist,
so kommen auf ersteren 15 und auf letzteren 14 Abgeordnete.
4. Die 16 Abgeordneten des Wahlverbandes der Städte
mit zusammen 72271 Einwohner verieilen sich auf die drei
Stadtgemeinden Saarbrücken, St. Johann und Malstatt⸗
Burbach wie folgt (88 40, 41)
*) Die Aenderungen gegen 1902 (Kreisblatt 1902 Seite 225
sind anadestrichen