Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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nicht um mindergefährliche Fälle handelt, die Sperre bis
zu neun Monaten nach dem Zeitpunkte aufrecht erhalten,
an welchem sie amtlich für erloschen erklärt ist . .. Ich
din übezeugt auf Grund gewissenhafter Prüfung der neuen
Seuchenkonvention, überzeugt auf Grund dessen, was mir
zuständige Autoritäten versichern, daß die neue Seuchen⸗
konvention mit der Präventivsperre bei richtiger Handhabung
— in der Beziehung verlasse ich mich auf meinen Freund,
den Herrn Landwirtschaftsminister — (Bravo! rechts; große
Heiterkeit), daß sie uns volle Sicherheit gewährt.
Das statistische Schwein. Der Pferdezoll.
Es ist uns ferner gelungen, wesentliche Erhöhungen
unserer Viehzölle zu erlangen. Besonderes Gewicht lege ich
auf die Erhöhung des Zolles für Schweine, da die Aufzucht,
der Verkauf der Schweine gerade auch von den kleinen
Landwirten betrieben wird. ESehr richtig! rechts.) Der
Zoll für Schweine betrug bekanntlich bisher nur 5 Mark
sür das Stück; künftig sollen die Schweine nach dem Ge—
wicht verzollt werden, und zwar mit 9 Mark für den Doppel—
jentner Lebendgewicht.
Die Erfahrung zeigt, daß das statistische Gewicht des
importierten Schweines 11/3 Doppelzentner beträgt; der Zoll
pro Schwein wird also künftig etwa 12240 bis 14 Mark
betragen (Hört, hört! links) — fast dreimal soviel als bisher.
Lebhafte Rufe: Hört, hört, links.)
Von großer Bedeutung ist die anderweitige Normierung
und wesentliche Verstärkung des Zolles für warmblütige
Pferde. Während bisher Pferde ohne Unterschied des
Wertes nach dem Stück verzollt wurden, soll künftig der
Zoll nach dem Wert erhoben werden. Für warmblütige
Pferde ohne Unterschied der Abstammung bis zum Werte
hon 1200 Mark soll — und zwar ohne Einschiebung einer
zilligeren Zwischenstaffel, wie sie vom Auslande lebhaft
gewünscht wurde — ein Stückzoll von 72 Mark erhoben
werden. Die Erhöhung unseres Pferdezolles ist von großer
Bedeutung auch für unsere Wehrkraft durch Förderung der
Zucht geeigneter Remonten. (Sehr richtig! rechts.) Unter
der Herrschaft des bisherigen viel zu niedrigen Pferdezolls
war die Remontenzucht gerade in dem eigentlichen Zucht⸗
gebiet, der Provinz Ostpreußen, zurückgegangen. Wir hoffen,
daß ein an Qualität und Quantität befriedigender Ersatz an
Pferden für unser Heer sichergestellt werden wird; das wird
für unsere Landesverteidigung von aroßem Wert sein. (Sehr
richtig! rechts.)
Warnm wurde nicht gekündigt? Die beiden Leuchttürme?
Der Blitzableiter oder die Treppe hinauf.
Von befreundeter Seite bin ich mehr wie einmal ge—
fragt worden, warum ich die bestehenden Handelsverträge
nicht früher gekündigt hätte. Hätte ich das getan, so wären
die Dinge entweder ebenso gelaufen wie jetzt, wir wären
aungefähr zu denselben Handelsverträgen gekommen, voraus—
gesetzt, daß es uns gelungen wäre, dieselben innerhalb eines
Jahres unter Dach und Fach zu bringen. Das wäre aber
ein besonderer Glücksfall gewesen, und zu fehr muß man
sich nicht auf sein Glück verlassen. Es hätte auch anders
kommen können. Wenn wir Zollkriege nach allen Seiten
angefangen hätten, so wäre es gar nicht ausgeschlofsen ge—
wesen, daß fich gegen uns eine wirtschaftliche Koalition ge—
bildet hätte. Die Staaten mit agrarischen Interessen hätten
sich verbinden können, mit uns keine Handelsverträge aus
der Grundlage der Minimalzölle abzuschließen, und die

Staaten mit industrieller Entwickelnng hätten sich vereinigen
können, um uns gegenüber solidarisch an gewissen hohen
Industriezöllen festzuhalten. Ich habe im vergangenen Juni
im Herrenhause gesagt, die beiden Leuchttürme — so drückte
ich mich aus —, zwischen denen die Fahrstraße gefunden
werden müsse, seien Schutz für unsere bedrängte, notleidende
dandwirtschaft und Freiheit für die Ausfuhr unserer Industrie—
erzeugniffe. Die Fahrstraße, die zwischen diesen beiden Leucht—
lürmen durchführte, enthielt mehr Sandbänke und mehr
Klippen, als sich manche Kritiker von heute träumen lassen
oder zugeben wollen. Wir haben uns bemüht, das Schiff
nicht stranden, nicht scheitern zu lassen, sondern es in den
Hafen zu bringen. Wenn uns gesagt wird, wir hätten
sogleich nach der Annahme des neuen Zolltariffs alle Handels—
derträge kündigen sollen, um dann gegebenenfalls durch einen
frischen, fröhlichen Zollkrieg wieder zu neuen Handelsverträgen
zu kommen, so kommt mir das grade so vor, als wenn mich
einer aufforderte, auf die Kuppel des Reichstagsgebäudes
oder die Spitze des Rathausssturmes längs dem Blitzableiter
zu klettern. (Zuruf b. d. Soz. Heiterkeit.) — Möglich, daß
Ihnen das gelingen würde (Zuruf b. d. Soz.), es ist aber
auch möglich, daß man sich dabei den Hals bricht. Rat—
samer ist es jedenfalls, die Treppe hinaufzugehen. Wer auf
seinen Schultern das wirtschaftliche und das damit so eng
verknüpfte politische Schicksal des Landes trägt, der würde
leichtsinnig handeln, wenn er den Luftweg wählte, statt zu
versuchen, auf der Treppe wenn auch langsamer so doch
sicherer zum Ziele zu gelangen.

Bekanntmachungen des Kagl. Landratsamtes.

Durch Erlaß des Herrn Ministers für Landwirtschaft,
Domänen und Forsten vom 5. Januar d. Is., J.-Nr. J. G. a.
11145, ist der bisherige Königliche Kreistierarzt Dr.
Finkenbrink aus Wittlich zum 1. Februar d. Is. in die
Kreistierarztstelle für den Kreis Saarbrücken mit dem Amts⸗
sitze in Saarbrücken versetzt worden.
Der Kreistierarzt Dr. Finkenbrink hat seine Dienst—
geschäfte hier heute übernommen; er wohnt in Saar—
brücken, Kanalstraße Nr. 6.
Saarbrücken, den 1. Februar 1905.
Der Königliche Landrat,
Bötticher.

Unter Bezugnahme auf 8 119 ff. des Gewerbe⸗Unfall⸗
versicherungsgesetzes vom 30. Juni 1900 bringe ich zur
Kenntnis der beteiligten Kreise, daß die Deutsche Buchdrucker—
Berufsgenossenschaft zu Leipzig zum technischen Aufsichts—
und Rechnungsbeamten für den diesseitigen Verwaltungsbezirk
 einen gewissen Valentin Feldmann in Eschersheim
bei Frankfurt a. M. bestellt hat.
Saarbrücken, den 1. Februar 1905.
Der Königliche Landrat.
—AF
Freiherr Quadt, Regierungsassessor
            
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