Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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um die darbenden Seinigen den Kranken in der Anstalt
Juält und ihn nicht die seelische Ruhe wiederfinden läßt.
In solchen Fällen wird die Unterstützung der Angehörigen
eine Wohlthat sein, die den Heilwerth der Anstalt erst zur
vollen Geltung kommen läßt.
Zugleich auch kann der Hilfsverein dadurch eine segens—
reiche Wirksamkeit entfalten, daß er das Verständniß für
krankhafte Geifteszustände und ihre Ursachen in weitere
Kreise irägt und Vorurtheile gegen Geisteskranke und Irren—
anstalten jerstreut. So ergänzt der Hülfsverein die Thätig—
keit des Irrenarztes in dem Bestreben Krankheit und Rück⸗
iälle zu verhüten, er arbeitet mit an der Wahrung und
Hebung der Volksgesundheit und auch an der volkswirth—
schaftlichen Forderung, Arbeitskräfte wieder nutzbar zu machen
und zu erhalten.
Der Einsicht von der Nothwendigkeit der Mitarbeit der
aicht ärztlichen Kreise bei der Irrenfürsorge verdanken wir
denn auch in den letzten 50 Jahren recht viele Irrenhülfs—
bereine, so u. A. in verschiedenen Kantonen der Schweiz, in
Oesterreich, in Hessen, in Baden, in Bayern, in Würtemberg,
in Lothringen, sowie in mehreren preuß schen Provinzen, von
denen vor Allem Brandenburg und Westfalen zu nennen
äind, und überall, wo sie entstanden sind, haben sie auf's
Beste gewirkt und an KRusdehnung gewonnen. In unserer
Provinz, in der aus den Irrenanstalten jährlich weit über
i000 fast durchweg den unbemittelten Kreisen angehörende
Kranke in die Heimat entlassen werden, bestand seit 1888
im Regierungsbezirk Düsseldorf ein Hülfsverein, in den
andern Bezirken fehlte er aber noch und so mußte die von
dem Direktor der Privatanstalt in Sayn, Dr. Brosius, in
der Versammlung des psychiatrischen Vereins der Rhein
provinz im vorigen Jahre gegebene Anregung zur Gründung
eines Hülfsvereins für die gesammte Rheinprovinz großen
Anklang finden. Dem neugebildeten Vereine traten alsbald
eine staltliche Anzahl Männer bei und die Generalversamm—
luug des Hülfsvereins im Regierungsbezirk Düsselldorf
beschloß am 2. Februar d. J. einstimmig, diesen ältern
Verein dem neuen Verein einzugliedern. J
Zweck dieser Zeilen ist die Bitte, dem Hülfsverein für
Geisteskranke in der Rheinprovinz, durch Anmeldung bei dem
Direktor einer der Rheinischen Provinzial-Heil- und Pflege—
anstalten beitreten, Jahresbeiträge und für den immerhin
schwierigen Anfang auch einmalige Beiträge zeichnen zu
vollen. Diese Bitte richtet fich an alle Menschenfreunde.
Der Verein möchte für seine humanen Zwecke möglichst
Viele gewinnen, Männer und Frauen, weß Standes sie auch
seien, wenig fordernd, Niemanden bindend, Alle aber einigend
in dem Bestreben, das Loos der armen und vielfach noch
verkannten Geisteskranken zu bessern und die Irrenfürsorge
durch werkthätige Unterstützung zu fördern.
Düfseldorf-Grafenberg, im März 1901.
Der Vorstand
J. A.: Sanitätsrath Dr. Peretti,
Direktor der Provinzial-Heil⸗ und Pflegeanstalt.
Indem ich vorstehenden Aufruf zur Kenntniß der Kreis—
eingesessenen bringe, empfehle ich die Unterstützung des
zemeinnützigen Unternehmens und ersuche insbesondere die
Herren Bürgermeister, demselben jede Förderung zu Theil
werden zu lassen.
Saarbrücken, den 9. Juli 1901.
Der Königliche Landrath,
von Fidler.

Der Herr Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten
hat uns aufgefordert, die Ausbildung der Lehrer für die
freiwillige Krankenpflege im Kriege möglichst zu fördern.
In den Provinzen Ostpreußen und Schleswig-Holstein ist
dies dadurch in die Wege geleitet, daß sich die Kreisverbände
der „Genossenschaft freiwilliger Krankenpflege im Kriege“
behufs Ausbildung von Volksschullehrern unter Zustimmung
der Regierung mit denselben und auch mit den Lehrerinnen
in Verbindung setzen.
Eine solche Genossenschaft besteht im diesseitigen Bezirke
allerdings nur in Trier und zwar in Angliederung an den
Kreiskriegerverband, dieser hat eine Reihe von Sanitäts⸗
tolonnen namentlich im Landkreise Trier eingerichtet. Solche
Sanitätskolonnen bestehen aber auch in anderen Kreisen
unter Leitung der Vereine vom Rothen Kreuz.
Wir ersuchen daher, sich mit den betreffenden Vereinen
in Verbindung setzen zu wollen, damit sie die Lehrer für
diese wichtige Angelegenheit interessiren und willig machen.
sich der Ausbildung zu unterziehen.
Zum 1. Februar k. Is. sehen wir behufs Bericht⸗
erstattung an den Herrn Minister einer Angabe darüber
entgegen, was in vorstehender Angelegenheit bis dahin zur
Ausführung gelangt ist.
Die Schulinspektoren sind von hier aus mit Anweisung
versehen, die Lehrer und Lehrerinnen für die Sache zu
erwärmen.
Trier, den 9. Juni 1901.
Königliche Regierung,
Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen.
von Hagen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, sich mit den
Leitern der in ihrem Bezirk befindlichen Sanitätskolonnen
nach den gegebenen Anregungen in Verbindung zu setzen
and mir bis zum 15. Januar k. Is. nach vorheriger Nach—
rage bei den Leitern der Sanitätskolonnen zu berichten,
in welchem Umfange sich die Lehrerschaft an der Ausbildung
der Sanitätskolonne betheiligt hat.
Saarbrücken, den 16. Juli 1901.
Der Königliche Landrath,
von Fidler.

Eine ungewöhnliche Zunahme der Anträge von Ham⸗
zurger Einwohnern auf Ertheilung von Wandergewerbe—
cheinen zum Handel mit Bürsten, Blech- und Drahtwaaren
zätte bei der Polizeibehörde daselbst den Verdacht erregt,
Jaß diese Scheine in gesetzwidriger Weise verwendet würden,
imsomehr, als der Drahtwaarenhandel in der Regel nur
don uagarischen Händlern ausgeübt zu werden pflegt.
Nach den angestellten Ermittelungen veranlassen Ungarn
deutsche Staatsangehörige, sich Wandergewerbescheine zum
dandel mit Bürsten⸗ ꝛc. Waaren ausfertigen zu laffen und
Aufen ihnen diese alsdann ab, um damit dann ungarische
Händler auszurüsten.
Von den für das Jahr 1901 in Hamburg ausgestellten
Wandergewerbescheinen sind 18 Scheine von den Inhabern
an ungarische Drahtbinder verkauft worden. Von diesen
Scheinen konnten bisher nur zwei wieder eingezogen werden.
Die Personalien der Inhaber der bisher nicht ermittelten
11 Scheine, welche auf Seite 304 und 305 des Regierungs⸗
amtsblatts zusammengestellt sind, sind von der Hamburgischen
Behörde den Königlichen Regierungen in Potsdam, Maade—
            
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