Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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Nr. LA.

Montag, den 4. April

188.

Bekanntmachung der Central-Behörden.

lichen Stille den Anschluß an die nahe gelegenen Eisen—
bahnen zu Zeitz, Weißenfels und Naumburg. Er besitzt
auch eine Telegraphenstation und eine täglich zweimalige
Postverbindung mit Zeitz.
Der von dem Fürsten festgesetzte Zweck des Seminars
ist, auf dem Grunde des göttlichen Wortes nach dem evan—
gelischen Bekenntnifsse Lehrerinnen für den Dienst an Ele—
mentar- und Bürgerschulen auszubilden, wobei nicht aus—
geschlossen sein solle, daß die in ihm vorgebildeten Lehre—
rinnen nach ihrem Austritte auch in Privatverhältnissen für
christliche Erziehung und Unterweisung thätig wären. Der
Unterricht des Seminars sollte sich auf alle für obigen
Zweck erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten erstrecken,
den Unterricht in der französischen Sprache und in Hand—
arbeiten mit eingeschlossen.
Nachdem alle inneren und äußeren Einrichtungen ge⸗—
troffen waren und zwar mit einer Freigebigkeit, daß auch
Unbemittelten der Besuch der Anstalt ermöglicht wurde,
übergab der Fürst am 11. Mai 1852 die Stiftung
dem Preußischen Staate.
Das Seminar wurde unter die unmittelbare Leitung
und Verwaltung des Ministeriums der geistlichen ꝛc. An—
gelegenheiten gestellt. Am 1. Oktober 1852 wurde die An—
stalt in feierlicher Weise eröffnet und gleichzeitig mit ihr
eine von Kindern aus den Gemeinden Droyssig und Hassel
besuchte zweiklassige Elementar-Mädchenschule, welche im
Jahre 1884 zu einer dreiklafsigen erweitert worden ist.
Die Zahl der Seminaristinnen betrug 20 und sollten diese
den J. Coetus bilden, da der Kursus auf zwei Jahre fest⸗
gestellt war. Das Lehrpersonal bestand aus dem Direktor—
einem Seminarlehrer und einer Seminarlehrerin.
Nach den gegebenen Srundsätzen gestaltete sich die An—
stalt in freier Eigenthümlichkeit zu solcher Genugthuung des
fürstlichen Stifters, daß derselbe sich zur Gründung einer
neuen ähnlichen, aber weiterführenden Anstalt entschloß.
Er errichtete dem Seminargebäude gegenüber ein Gouver—
nanten-Institut und ein Pensionat für evan—
gelische Töchter höherer Stände, die beide im Herbste
1855 eröffnet wurden.
Dem Gouvernanten⸗Institut war die besondere Aufgabe
gestellt, fur den höheren Lehrerinnenberuf geeignete evan—
gelische Jungfrauen zunächst in christlicher Wahrheit und
im christlichen Leben so zu begründen, daß sie befähigt
würden, die ihnen später anzuvertrauenden Kinder im christ
lichen Glauben und in der christlichen Liebe zu erziehen.
Sodann sollten sie theoretisch und praktisch mit einer guten
und einfachen Unterrichts- und Erziehungsmethode bekannt
gemacht werden, in welcher letzteren Beziehung sie in dem
mit dem Gouvernanten-Institute verbundenen Töchter⸗Pen⸗
sionat die nöthige praktische Anleitung erhalten würden.
Fin besonderes Gewicht sollte auf die Ausbildung in der

Die diesjährige Aufnahme von Zöglingen in die evan—
gelischen Lehrerinnen-Bildungs-Anstalten zu Droyssig bei
det soll in der ersten Hälfte des Monats August statt⸗
finden.
Die Meldungen sowohl für das Gouvernanten⸗-Institut
wie für das Lehrerinnen-Seminar sind bis zum 15. Mai
d. Is. unter Beachtung der in den nachstehend abgedruckten
Nachrichten und Bestimmungen über die gedachten Anstalten
enthaltenen Aufnahme-Bestimmungen an den Leiter der An—
stalten, Seminardirektor Moldehn in Droyssig, einzusenden.
Der Eintritt in die mit den Lehrerinnen-Bildungs-An—
stalten verbundene Erziehungsanstalt für evangelische Mäd⸗
chen (Pensionat) soll in der Regel zu Ostern oder Anfang
Auguft erfolgen. Die Meldungen für diese Anstalt sind
ene an den Seminardirektor Moldehn in Droyssig zu
richten.
Auf besonderes portofreies Ersuchen werden Abdrücke
der Nachrichten und Bestimmungen über die Droyssiger An—
stalten von der Seminardirektion übersandt.
Berlin, den 11. März 1892.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und
Medizinal⸗Angelegenheiten.
v. Zedlitz.
Nachrichten und Bestimmungen über die Königlichen Lehrerinnen⸗
Bildungs-Anstalten zu Droyssig bei Zeitz.
A. Nachrichten.
Die evangelischen Erziehungs- und Bildungs-Anstalten
zu Droissig verdanken ihre Gründung dem verewigten Für—⸗
sten Otto Victor von Schönburg-Waldenburg
Durchlaucht. Bei seinem warmen Interesse für Förderung
christlichen Lebens und für Bildungszwecke überhaupt richtete
 er sein Auge auch auf das Gebiet der weiblichen Er—
ziehung und Unterweisung und erkannte bald, wie auf dem—
selben noch Raum zu weiterer Pflege und Förderung vor—
handen sei, insbesondere aber in der natürlichen Anlage des
Weibes eine Befähigung für erziehliche Thätigkeit gefunden
werde, die, entsprechend ausgebildei, der Familie und Schule
und durch diese dem Ganzen zu einem großen Segen ge—
reichen könnte. Zur nächsten Ausführung dieses Gedankens
beschloß er, zu Droyssig ein Lehrerinnen-Seminar
zu gründen.
Der Flecken Droyssig, der mit seinem Schlosse den
Mittelpunkt eines größeren Güterkomplexes des Hauses
Schönburg bildet, liegt 9 Kilometer von Zeitz, im Regie⸗
rungsbezirke Merseburg, Provinz Sachsen, in der Nähe des
lieblichen Elsterthales, von den fruchtbaren Vorbergen des
Thüringer Waldes umgeben; der Ort erfreut fich der gün—
stigsten Gesundheitsverbältniise und vereiniat mit der länd—
            
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