Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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zu besorgen ist oder stattgefunden hat, mit der größten
Strenge durchzuführen. Im Uebrigen ist aber vor einer
Vergeudung von Desinfektionsmitteln eindringlich zu warnen;
unnöthige und unwirksame Desinfektionen bedingen unnützen
Kostenaufwand und vertheuern die Preife der Desinfektions—
mittel, verleiten aber auch das Publikum zur Sorglosigkeit
in dem Gefühle einer trügerischen Sicherheit.
Reinlichkeit ist besser als eine
schlechte Desinfection.

Anlage V.
Belehrung über das Wesen der Cholera und das
während der Cholerazeit zu beachtende Verhalten.
1. Der Ansteckungsstoff der Cholera befindet
sich in den Ausleerungen der Kranken, kann mit diesen auf
und in andere Personen und die mannigfachsten Gegenstände
gerathen und mit denselben verschleppt werden.
Solche Gegenstände sind beispielsweise Wäsche, Kleider,
Speisen, Wasser, Milch und andere Getränke; mit ihnen
allen kann auch, wenn an oder in ihnen nur die geringsten
für die natürlichen Sinne nicht wahrnehmbaren Spuren
der Ausleerungen vorhanden sind, die Seuche weiter ver—
breitet werden.
2. Die Ausbreitung nach anderen Orten
geschieht daher leicht zunächst dadurch, daß Cholerakranke
oder kürzlich von der Cholera genesene Personen den bis—
herigen Aufenthaltsort verlassen, um vermeintlich der an
ihm herrschenden Gefahr zu entgehen. Hiervor ist um so
mehr zu warnen, als man bei dem Verlassen bereits an—
gesteckt sein kann und man andererseits durch eine geeignete
Lebensweise und Befolgung der nachstehenden Vorsichtsmaßregeln
 besser in der gewohnten Häuslichkeit, als in der
Fremde und zumal auf der Reise, sich zu schützen vermag.
3. Jeder, der sich nicht der Gefahr aussetzen will,
daß die Krankheit in sein Haus eingeschleppt wird, hüte
sich, Menschen, die aus Cholberaorten kommen, bei
sich aAufzunehmen. Schon nach dem Auftreten der ersten
Cholerafaͤlle in einem Ori sind die von daher kommenden
Personen als solche anzusehen, welche möglicherweise den
Krankheitskeim mit sich führen.
4. In Cholerazeiten soll man eine möglichst geregelte
Lebensweise führen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß
alle Störungen der Verdauung die Erkr ankung an Cholera
vorzugsweise begünstigen. Man hüte sich deswegen vor
allem, was Verdauungsstörungen hervorrufen kann, wie Ueber—
maß von CEssen und Trinken, Genuß von schwer verdaulichen
Speisen.
Ganz besonders ist alles zu meiden, was Durchfall
verursacht oder den Magen verdirbt. Tritt dennoch Durch—
fall ein, dann ist so früh wie möglich ärztlicher Rath einzuholen.
5. Man genieße keine Nahrungsmittel, welche
rus einem Hause stammen, in welchem Cholera herrscht.
Solche Nahrungsmittel, durch welche die
Krankheit leicht Ubertragen werden kann, z. B.
Obst, Gemüse, Milch, Butter, frischer Käse, sind zu ver—
meiden, oder nur in gekochtem Zustande zu genießen.
Insbesondere wird vor dem Gebrauch ungekochter Milch
gewarnt.
6. Alles Wasser, welches durch Koth, Urin, Küchen—
abgänge oder sonstige Schmußstoffe verunreinigt sein könnte,
ist strengstens zu vermeiden. Verdächtig ist Wasser,

welches mittelst gewöhnlicher Brunnen (Pumpen) aus dem
Untergrunde bewohnter Orte entnommen wird, ferner aus
Sümpfen, Teichen, Wasserläufen, Flüssen, sofern das Wasser
nicht einer wirksamen Filtration unterworfen worden
ist. Als besonders gefährlich gilt Wasser, das durch Aus—
wurfstoffe von Cholerakranken in irgend einer Weise verun—
reinigt ist. In Bezug hierauf ist die Aufmerksamkeit vor—
zugsweise dahin zu richten, daß die vom Reinigen der Ge—
fäße und beschmutzter Wäsche herrührenden Spülwässer nicht
in die Brunnen und Gewässer, auch nicht einmal in deren
Nähe gelangen. Den besten Schußz gegen Verunreinigung
des Brunnenwassers gewähren eiserne Röhrenbrunnen, welche
direkt in den Erdboden und in nicht zu geringer Tiefe des⸗
selben getrieben sind (abessinische Brunnen).
7. Ist es nicht möglich, sich ein unverdächtiges Wasser
im Sinne der Nr. 6 zu beschaffen, dann ist es erforderlich,
das Wasser zu kochen und nur gekochtes Wasser zu
genießen.
8. Was hier vom Wasser gesagt ist, gilt aber nicht
allein vom Trinkwasser, sondern auch von allen zum
Hausgebrauch dienenden Wasser, weil im Wasser
befindliche Krankheitsstoffe auch durch das zum Spülen der
Küchengeräthe, zum Reinigen und Kochen der Speisen, zum
Waschen, Baden u. s. w. dienende Wasser dem menschlichen
Körper zugeführt werden können.
Ueberhaupt ist dringend vor dem Glauben zu warnen,
daß das Trinkwasser allein als der Träger des Krankheits—
stoffes anzusehen sei und daß man schon vollkommen geschützt
sei, wenn man nur untadelhaftes oder nur gekochtes Wasser
trinkt.
9. Jeder Cholerakranke kann der Ausgangs—
punkt für die weitere Ausbreitung der Krankheit
werden, nnd ist es deswegen ratsam, die Kranken, soweit es
irgend angängig ist, nicht im Hause zu pflegen, sondern
einem Krankenhause zu übergeben. Ist dies nicht aus—
führbar, dann halte man wenigstens jeden unnöthigen Ver
kehr von dem Kranken fern.
10. Es besuche niemand, den nicht seine Pflicht
dahin führt, ein Cholerahaus.
Ebenso besuche man zur Cholerazeit keine Orte, wo
größere Anhäufungen von Menschen stattfinden
(Jahrmärkte, größere Lustbarkeiten u. s. w.).
11. In Räumlichkeiten, in welchen sich Cholera—
kranke befinden, soll man keine Speissen oder Ge—
tränke zu sich nehmen, auch im eigenen Interesse nicht
rauchen.
12. Da die Ausleerungen der Cholerakranken besonders
gefährlich sind, so sind die damit beschmutzten Kleider
und die Wäsche entweder sofort zu verbrennen oder in
der Weise, wie es in der gleichzeitig veröffentlichten Des—
infectionsanweisung (II, 3 und M angegeben ist zu des—
inficiren.
13. Man wache auch auf das Sorgfältigste darüber,
daß Cholergaausleerungen nicht in die Nähe der
Brunnen oder der zur Wasserentnahme dienenden Fluß—
läufe u. s. w. gelangen.
14. Alle mit dem Kranken in Berührung gekommenen
Gegenstände, welche nicht vernichtet oder desinficirt werden
können, müssen in besonderen Desinfectionsanstalten ver—
mittels heißer Dämpfe unschädlich gemacht oder mindestens
6 Tage lang außer Gebrauch gesetzt und an einem trockenen.
möglichst sonnigen luftigen Ort aufbewahrt werden.
            
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