Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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Am häufigsten findet man die Blutlauskolonien auf der
gegen Sonne und Regen geschützten Unterseite der Aeste und
Zweige.
Die von der Blutlaus angestochene Stelle schwillt als⸗
bald an und es entstehen knollige Wülste und Wucherungen,
die ihrerseits wieder aufspringen und größere Wunden
bilden. Die Blutlaus entzieht nicht nur dem Baum den
Saft durch Saugen, sondern die durch sie hervorgerufenen
Wülste schwächen ihn auf das Empfindlichste und machen
ihn unfruchtbar — der Schaden ist um so größer und wird
um so eher fühlbar, als sich die Blutlaus durch fast un—
unterbrochenes Gebären lebendiger Nachkommenschaft mit
erstaunlicher Fruchtbarkeit vermehrt. Jede ungeflügelte
Blutlaus bringt im Verlaufe des Sommers durch Erzeugung
einer Reihenfolge von 8—10 Geschlechtern eine große Zahl
von Blutläusen zur Welt, so daß ein von ihnen befallener
Baum bald über und über mit Wunden bedeckt wird und
früher oder später gänzlich abstirbt. Es ist daher noth—
wendig, diesen höchst gefährlichen Schädling, welcher die
Kultur des Apfelbaumes auf das Schwerste bedroht, auf das
eifrigste zu bekämpfen.
Im Sommer verändern die flügellosen Thiere ihre Gestalt
nicht; erst im Spätsommer erhalten sie vier Flügel. Die
geflügelten Thiere fliegen mit großer Leichtigkeit und vom
Winde getragen in die Weite und gebären, auf der Unter—
seite von Blättern zur Ruhe gelangt, 5—10 ungeflügelte
und eines Rüssels entbehrende, also zur Nahrungsaufnahme
unfähige Blutläuse von zweierlei Größe, größere honiggelbe
Weibchen und kleinere olivengrüne Männchen. Diese Weibchen
legen nach ihrer Befruchtung ein einziges großes Ei ab,
aus welchem noch im Herbste (oder auch erst im Frühjahr)
eine junge, den Winter überdauernde Blutlaus, als die
Stammmutter aller der 8211 Geschlechter des folgenden
Sommers hervorgeht.
Bekämpfung der Blutlaus.
Mit einer, vor der Anwendung, gut aufzuschüttelnden
Lösung, bestehend aus:
50 Gramm grüner Schmierseife,
100 , Fuseldl (auch durch den sogenannten, Vorlauf“
aus Brennereien zu ersetzen).
200 J Spiritus von 900 Tralles.
600 Wasser,
oder in Gegenden, in welchen vorgenannte Substanzen nur
schwer erreichbar sind, mit einer sorgfältig durcheinander
gemengten Mischung von grüner Schmierseife und Petroleum
wird an zugänglichen befallenen Baumstellen mittelst einer
dichten langhaarigen Borstenbürste die befallene Stelle be—
strichen und stark ausgebürstet; bei nicht zugänglichen Hoch—
stämmen ist in gleicher Weise mit einem an einer Stange
befestigten, starkborstigen Pinsel von ca. 40 mmu Durchmesser
 zu verfahren. Etwaige später erkennbar werdende
verschont gebliebenen Reste der Ansiedelung sowie die in
Folge Ansteckung neu auftauchenden Ansiedlungen sind sofort
nach ihrer Entdeckung in der vorbeschriebenen Weise eben⸗
falls zu vernichten.
Jüngere Zweigtheile, bei welchen ein größerer Theil
des Rindenumfanges zerstört ist, oder stärkere Zweige, welche
stark beulige Wundrände zeigen, find ganz wegzuschneiden
und zu verbrennen und zwar, nachdem das Insekt durch
Bestreichen mit Petroleum vorher getödtet wurde. Ebenso
sind unrettbar befallene jüngere Baumpflanzen oder ältere
Baumkörper, nachdem die vorhandenen Blutlausanfiedelungen
vorher vernichtet worden, niederzulegen und zu verbrennen.

Eine auch rücksichtlich der Billigkeit empfehlenswerthe
Art der Vernichtung für größere Baumpflanzungen, Baum⸗
chulbestände und Chausseepflanzungen besteht darin, mittelst
ragbarer oder fahrbarer Spritzvorrichtung die Apfelbäume
nit einer achtfach verdünnten Lösung von theerfreiem Gas—
vasser oder den in Gärtnereien angewendeten nikotinhaltigen
Lösungen von unten her so zu bespritzen, daß alle Baum⸗
theile von der Flüssigkeit in thauförmiger Zerstäubung be—
deckt werden.
Ueberall da, wo sich im Laufe des Sommers das Vor—⸗
handensein der Blutlaus hat erkennen lassen, ist in dem
darauf folgenden Herbst wie folgt zu verfahren:
Mitte Oktober, wenn die Hauptwanderung der Blut⸗
läuse von der Krone nach ihrem Winterquartier, dem
Wurzelhalse beginnt, wird rings um den Stamm herum ein
Kranz Erde von 10 em Breite und 10 em Tiefe ausgehoben
und die Höhlung mit Kalkstaub ausgefüllt. Letzteren erhält
man, indem man frisch gebrannten Kalk etwa 4 bis 5 Tage
an der Luft ohne Zutritt von Regenwasser liegen läßt. Der
stalkstaub wird demnächst, um das Löschen desselben zu ver—
hsindern, 10 em hoch mit Erde bedeckt. Außerdem empfiehlt
es sich, bei Apfelhochstämmen entweder mit einer Baumscharre
oder einer Stahldrahtbürste oder einem abgestumpften Reiser—
besen alle lose Rinde von den Kronenästen und Stämmen
jedoch mit Schonung der grünen Rindentheile) zu entfernen,
sorgfältig zu sammeln und zu verbrennen, ferner den
Wurzelhals des Stammes mitsammt dem Stamme und den
Aesten, soweit solche erreichbar, mittelst eines Tüncherpinsels
mit recht frisch gelöschtem Kalke zu streichen. Kleinere
Formbäume sind gleichfalls mit Kalk bis auf den Wurzel⸗
hals zu streichen.
8. Der Traubenwickler oder Wolf des
Weinstockes (Tortrix ambiguella)
hat doppelte Generation, d. h. es entstehen in jedem Jahre
zweimal Eier, Raupen, Puppen und Schmetterlinge. Die
Raupe der ersten Generation, welche zur Zeit der beginnenden
Heuernte erscheint, wird deshalb — vielleicht auch, weil die
oon ihr befressenen Stiele der Gescheine welk und dürr werden
und dann an Heu erinnern — „Heuwurm,“ die der zweiten
Beneration welche das Sauerwerden der von ihr angefressenen
Beeren verursacht, „Sauerwurm“ genannt.
Der Falter, etwa 5 min lang mit 12 mm Flügel—
spannung, hat strohgelbe Vorderflügel mit einer nach oben
erbreiterten braunen Querbinde und zart graubraune
Hinterflügel.
Die Flugzeit der ersten Generation ist Ende April
oder Anfang Mai. Das Weibchen klebt dann die glänzend
veißen Eier — etwa 36 Stück — an die jungen Gescheine
oder die diesen benachbarten zarten Sprossen der Rebstöcke.
Die bald auskriechenden Räupchen — zunächst hell weißgrau,
dann rothbraun und schließlich fleischfarben — sind ausge—
vachsen etwa 12 umm lang, Kopf, Halsschild und die drei
Paar ersten oder Brustfüße glänzend schwarzbraun. Die
Raupen fressen jetzt die Blüthenknospen an, spinnen diese
mit feinen Fäden zusammen, wodurch ihre Anwesenheit bei
scharfem Untersuchen der Weinstöcke sich feststellen läft, und
derpuppen sich gegen Ende Juni oder Anfang Juli nach mehr—
maligen Häutungen zwischen zusammengeballten Blättern, unter
der losen Rinde, in und unter Strohbändern, in Ritzen, Spalten
und Löchern der Rebpfähle, auch wohl in den angefressenen und
zusammengezogenen Gescheinen. Die von feinem weißen
Gespinnste umgebene Puppe ist etwa 7 —8 mm lang, hell⸗
gelb bis rothgelb, mit je zwei Reihen kurzer Dornen an
            
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