Bolizeiliche Anordnungen, betressend das Abraupen der
Bäume, sowie die Vernichtung der Blutlaus, des Trauben
wicklers (Heu- oder Sauerwurms) und der Wiillel.
(Schluß.)
s. Der Frostspauner (Chimatobia brumata).
Das Männchen dieses Nachtfalters ist grau mit schwachem
Kupferschimmer und auf den etwas dunklern Vorderflügeln mit
zahlreichen matten Querwellen; das Weibchen rindengrau, nur
mit kurzen Flügelstummeln und deshalb flugunfähig.
Flugzeit: von Mitte Oktober bis Mitte Dezember. Das
Weibchen erwartet dann, am Stamme der Obstbäume Gern—
wie Steinobst) sitzend, das Männchen. und ersteigt nach erfolgter
Begattung den Stamm bis zu den äußersten Spitzen der Zweige,
um mit seinem Legestachel zwischen die Knospenschuppen je ein
Ei abzulegen. Die etwa anfangs Mai auskriechenden Raupen
Zunächst grau, später gelbgrün mit Längslinien) befressen sofort
die feinen ich eben entwickelnden Blättchen und ziehen diese
durch einige Gespinnstfäden locker zusammen, bis sie sich gegen
Ende Juni an Fäden herablassen und im Boden nackt verpuppen.
Vertilgung: Tiefes Umgraben des Bodens im Umfange der
Baumkronen zur Zeit der Puppenruhe (August und September),
hauptsächlich aber Anlegen von Kleberingen von Mitte Sep—
kember bis Mitte Oktober, indem man die Stämmeée unterhalb
der Abzweigung der Aeste mit Streifen von starkem Papier
umwickelt und, diese mit, Raupenleim, der namentlich von L.
Polborn Gerlin 8W., Kohlenufer 1538) in erprobter Zusammen⸗
setzung geliefert wird, bestreicht. Bei älteren Bäumen, deren
Rinde nicht mehr glatt und grün ist, kann der Leim unmittelbar
auf die Rinde aufgetragen werden.
Als Vertilgungsmaßregeln kommen nach Vorstehendem also
namentlich inbetracht:
a) shigen Baumweißling, und Goldafter Entfernung der
dester von der Schlehenblüte, gegen Ringelspinner Ab—
schneiden, und Zertreten der Eierringel im Winter, Ent—
fernung der Nester zu Anfang Juni;
—— und Blaukopf eoet Abschütteln und
AÄnprellen der hefressenen Bäume und Zertreten der
herabfallenden Raupen;
ene Forstspanner, cu welchem außer der vorstehend
eschriebenen Art noch andere mit ganz ähnlicher Lebens—
weise gehören, Anlegen von Klebguͤrteln im Herbste.
7. Die Blutlaus (Schizoneura lanigera.)
Die Blutlaus ist eine Pflanzenlaus, welche auf der, Rinde
zunger Triebe der Apfelbäume oder auch, an den vernarbenden
Wundstellen älterer Aeste und Stämme schmarotzt. Die Läuse
sitzen gewöhnlich an der Schattenseite oder an der Wetterkehr—
eite der jungen Triebe gruppenweise in längeren, Reihen. Die
Blutlaus ist 4,5 mm lang und mit einer schneeweißen Wolle be—
deckt. Sie ist in der Jugend gelbbraun, später chokoladebraun
en Dieselbe heißt Blutlaus, weil sie beim Zerdrücken einen
lutroten Fleck zurückläßt. Der Igt bräunt sich aber bald an
der Lust. Die meisten Blutläuse sind ungeflügelt, in Ringen ge—
gliedert und pflanzen sich ungeschlechtlich fort. Die Geschlechtskiere
sind geflügelt, Kopf und Rücken derselben sind schwarz, der
Hinterleib ist —— Die Winterbrut überwintert, zum
Teil am Wurzelhalse der befallenen Bäume. Durch die schnee—
weiße Wolle der Läuse, sowie durch einen unxegelmäßigen Ver—
narbungswulst, welcher sich einseitig an den befallenen Trieben
entlang hinzieht, sind die erkrankten Zweige leicht erkennbar
Durch hängen bleibende, von den Häutungen der Tiere her—
rührende Baͤlge erhält der Wulst oft einen filzartigen Anflug.
Bekampfung der Blutlaus:
1. Die befallenen Stellen der Apfelbäume sind sofort nach
Entdeckung der Blutlaus mit dem Neßler'schen Mittel, bestehend
gus: 50 Gramm grüner Seife, 100 Gramm Fuselöl, 200 Gramm
Spiritus von, H9 Tralles, mit Wasser auf 1 Liter verdünnt,
g einer Bürste gründlich, und, wenn nötig, wiederbholt ein⸗
zureiben.
2. Zur Vernichtung der Winterbrut am Wurzelhalse ist um
letzteren im Herbste zur Seit des Laubabfalles haudbreit tief
und drei Finger breit im Umkreise eine 3 em dicke Schicht frisch
gelöschten oder gebrannten Kalkes auszustreuen. Der Kalk ist
mit der weggeraͤumten Erde wieder zuzudecken.
8. Der Traubenwickler oder Wolf des Weinstockes
(Tortrix ambiguella)
hat doppelte Generation, d. h. es entstehen in jedem Jahre
zweimal Eier, Raupen, Puppen und Shmetterlinge Ddie Raupe
der ersten Generation, welche zurzeit der beginnenden Heuernte
erscheint, wird deshalb — vielleicht auch, weil die von ihr be—
fressenen Stiele der Gescheine welk und dürr werden und dann
an Heu erinnern — „Heuwurm“, die der zweiten Generation,
welche das Sauerwerden der von ihr angefressenen Beeren ver⸗
ursacht, „Sauerwurm“ genannt.
Der Falter, etwa 5 mm lang mit 12 m Flügelspannung,
hat strohgelbe Vorderflügel mit einer nach oben erbreiterten
braunen Querbinde und zart graubraune Hinterflügel.
Die Flugzeit der ersten Generation ist Ende April oder An⸗
fang Mai. Das, Weibchen klebt dann die glänzend weißen Eier
— etwa 30 bis 36 Stück — an die jungen Gescheine oder an
die diesen benachbarten zarten Sprossen der Rebstöcke. Die
bald auskriechenden Räupchen — zunächst hell weißgrau, dann
rotbraun und schließlich fleischfarben — sind ausgewachsen etwa
2 mm lang, Kopf, Halsschild und die drei Paar ersten oder
Brustfüße glänzend schwarzbraun. Die Raupen fressen jetzt die
Blütenknospen an, spinnen diese mit feinen Fäden zusammen,
vodurch ihre Anwesenheit bei scharfem Untersuchen der Wein⸗
töcke sich feststellen läßt, und verpuppen sich gegen Ende Juni
»der Anfang, Juli nach mehrmaligen Häutungen zwischen zu—
ammengebaͤllten Blättern, unter der losen Rinde, in und unker
Strohbändern, in Ritzen, Spalten und Löchern ber Rebpfahle,
auch wohl in den angefressenen und, zusammengezogenen Ge—
cheinen. Die von feinem weißen Gespinnste umgebene Puppe
st etwa 7 bis 8 mm lang, ge bis rotgelb, mit gẽ zwei
Reihen kurzer Doxnen an den 9 Ringen und abstehendem Borsten⸗
kranze an dem Afterende.
Nach etwa 14 Tagen erscheint der Schmetterling der zwei⸗
den Generation. Das Weibchen legt seine Eier in der vorher
angegebenen Zahl jetzt an die Beexen oder, dexen Stiele. Die
hald ausschlüpfenden Räupchen bohren sich in die noch harten
Beexen, ein und verursachen deren saure Gährung, Uebrigens
beschädigt die Raupe nicht nur die angefressenen Beexen, von
denen ein Teil vertrocknet und abfällt, ein anderer Teil mit
zur Kelter geht und dann den Most wesentuch verschlechtert,
sfondern benagt und schneidet auch Beeren und Traubheustiele
an, was dann das Abwelken der betreffenden Beeren und Trau⸗
ben herbeiführt. Ende September bis Anfang Oktober ver⸗
puppt sich die Raupe. Die Puppe überwintert dann an den
rüher namhaft gemachten Stellen, vorzugsweise aber in den
Markxröhren des toten Rebholzes.
Eine wirksame Vertilgung des Traubenwicklers ist nur
während der Winterruhe der —E in der vorstehend unter
33 vorgeschriebenen Weise — möglich.
9. Die Entfernung der Mistel
geschieht am zweckmäßigsten in folgender Weise:
a) Kleine entbehrliche Zweige oder Aeste, welche von der
Mistel befallen sind, werden 12 bis 15,em unterhalb der
befallenen Stelle abgesägt oder abgeschnitten.
Auf älteren, Aesten sind entweder die befallenen Stellen
flach auszuschneiden, jedoch so, daß, die grünlichen, im
weißen Holzkorper leicht Wahewshe ae emen
der Mistel mit entfernt werden, oder die Mistel ist einfach
abzureißen, wobei jedoch zu beachten ist, daß dieselbe im
nächsten Jahre meist noch einmal austreibt.
Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchsten Er—
lasses vom 18. Februar d. J. dem Vorstande der ständigen
Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Weimar die
Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der von ihm mit Ge—
nehmigung der Großherzoglich Sächsischen Staatsregierung
im Laufe dieses Jahres wiederum zu veranstaltenden Aus—
spielung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes
auch im diesseitigen Staatsgebiete und zwar im ganzen
Bereiche desselben, Loose zu vertreiben.
Trier, den 2. März 1889.
Der Regierungs-Präsident,
v. Pommer-Esche.
——— —
Bekanntmachungen der Königl. Regierung.
Bekanntmachung, betreffend die 8. Verloosung von Kurmärkischen
Schuldverschreibungen.
In der Nummer 4 unseres Amtsblattes vom 24. d.
Mts. ist eine Bekanntmachung der Hauptverwaltung der
Staatsschulden vom 2. Januar d. Is. über die an dem—