Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Aufruf zur Gründung einer König Wilhelm-Stiftung
für hülfsbedürftige erwachsene Beamtentöchter.
In allen Gauen des deutschen, vornehmlich unseres
engeren deutschen Vaterlandes find im verflossenen Jahre
Stiftungen zum Andenken an das Fest der goldenen Hoch—
zeit unseres geliebten Kaiserpaares ins Leben gerufen worden.
So verschiedenartig auch die Zwecke dieser Stiftung sind,
so ist doch dabei der vermögenslosen, erwachsenen
Töchter verstorbener preußischer Staatsbeam—
ten nicht gedacht worden. Und doch dürfte kaum eine
andere Klasse von Hilfsbedürftigen eine größere Theil—
nahme für sich in Anspruch nehmen können, als gerade
diese.
Die staatlichen Mittel zur Linderung der Noth unter
den erwachsenen Töchtern der Beamten sind so gering, daß
sie selbst zur Befriedigung bescheidener Bedürfnisse nicht ge—
nügen. Dieser Mangel wird in allen Beamtenkreisen
schmerzlich empfunden.
Der Staat wird schwerlich in der Lage sein, eine
durchgreifende Hilfe zu gewähren. Um dem dringenden
Bedürfnisse einigermaßen abzuhelfen, bleibt daher einstweilen
nichts übrig, als daß die Beamten Preußens selbst Hand
ans Werk legen und, einmüthig zusammenstehend, mit eigenen
Kräften den Versuch machen, ihre Töchter vor späterer
Noth und Sorge zu schützen. Zu diesem Zwecke erlauben
wir uns vorzuschlagen:
durch Sammlung freiwilliger Beiträge einen Fonds
zu bilden, aus dessen Zinsen den hinterbliebenen
hilfsbedürftigen erwachsenen, unverheira—
theten Töchtern verstorbener unmittelbarer
preußischer Civil-Stgatsbeamten, welche
höhere oder Subalternstellen bekleidet haben, Unterstütz—
ungen gezahlt werden können.
Wir richten hiernach an sämmtliche höhere und Su—
baltern-Beamte aller preußischen Civil-Staatsbehörden die
Bitte, durch einmalige Beiträge zur Begründung einer
solchen Stiftung mitzuwirken. Deanches bittere Leid, manche
harte Bedrängniß, die sich nach außen hin gern zu ver—
bergen sucht, könnte damit unter den Beamtentöchtern ge—
mindert, manche schwere Sorge dem Vater vor seinem Heim—
gange erleichtert werden.
Wir hegen das Vertrauen, daß die gedachten Herren
Beamten sich an diesem gemeinsinnigen Uniernehmen freudig
betheiligen werden. Es handelt sich dabei nur um einen
einmaligen Beitrag. Selbst wenn dieser je nach den
Kräften der einzelnen Beamten sich in bescheidenen Grenzen
hält, wird es durch die Vereinigung Aller möglich fein,
zinen beträchtlichen Fonds zu bilden. Unter der Voraus—
setzung, daß diese Hoffnung sich erfüllen und der Ertrag
der zu veranstalteten Sammlung eine eutsprechende Höhe
erreichen werde, behalten wir uns vor, Seiner Majestät
dem Kaiser, unserem Allergnädigsten Könige und Herrn, die
Bitte vorzutragen, die Stiftung unter dem Namen „König
Wilhelm-Stiftung“ zu genehmigen und diejenige
Staatsbehörde zu bestimmen, weiche nach Maßgabe
eines besonders zu erlassenden Statuts die Verwaltung der
Stiftung zu führen hat. Dabei soll ausdrücklich Vorsorge
getroffen werden, die Interessen der hinterbliebenen Töchter
von Beamten in den Provinzen besonders zu wahren.
Indem wir eine Auzahl Exemplare dieses Aufrufs nebst
Sammellisten zur Vertheilung hier beifügen, bitten wir die
Herren Vorstaͤnde sämmtlicher Königlichen Behörden, sich
in Anbetracht des wohlthätigen Zwecks die Förderung des
Unternehmens recht angelegen sein zu lassen, demgemäß die

Listen mit dem Aufruf bei den betreffenden Herren Beamten
a Umlauf zu setzen und auf eine möglichst allgemeine
Betheiligung hinzuwirken.
Die Regierungs- und Bezirks-Hauptkassen, sowie die
Spezialkassen in den Provinzen, werden zufolge der ihnen
ertheilten Ermächtigung, die eingegangenen Beiträge zur
einstweiligen Aufbewahrung von den Linzelnen Behörden
ibernehmen und demnächst im Wege der Berechnung an die
BFeneral⸗Staats-Kasse zur Ueberweisung an die Hauptkasse
der Seehandlung, welche sich zur vorläufigen Annahme bereit
erklärt hat, absühren. In Berlin bitten wir die bei den
Zehörden gesammelten Beiträge direkt an die Hauptkasse
der Seehandlung, welche dieserhalb mit Anweisung versehen
vorden ist, einzuzahlen.
Von der Höhe des gesammelten Fonds, auf dessen
veitere Vermehrung durch Kapitalisierung eines Theiles der
Zinsen auch in Zukunft Bedacht zu nehmen sein wird,
verden wir nicht verfehlen, den Betheiligten Nachricht zu
geben.
Sollte wider Erwarten das Ergebniß der Sammlung
ein ungünstiges sein, so würde das Komitee für eine an—
gemessene, diesem Aufrufe entsprechende Verwendung der
eingegangenen Beiträge unter Abstandnahme einer dauernden
Stiftung Sorge tragen.
Etwaige Zuschriften, sowie seiner Zeit die abge⸗
schlossenen Sammellisten bitten wir an das unterzeichnete
Komitee, z. H. des Geheimen Hofraths Mießner in
Berlin 8W, Besselstraße Ne. 8, zu senden.
Berlin, im April 1880

Das Komité
zur Gründung der „Ktönig Wilhelm-Stiftung“ für hülfs⸗
bedürftige erwachsene Beamtentöchter.

Dr. Achenbach, Staats⸗Minister und Oberpräsident der Provinz
Brandenburg, Vorsitzender. Mießner, Geheimer Hofrath irn Geheimen
TivileKabinet Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Schriftfuührer.
o. Bardeleben, Oberpräsident der Rheinprovinz, Wirklicher Geheimer
Rath. v. Bitter, Präsident der Seehandlung, Wirklicher Geheimer Rath.
o. Bötticher, Oberpräsident der Provinz SchleswigHolstein. Bosse,
heheimer Regierungsrath im Staats-Ministerium. O. v. Bülow, Ge—
jeimer Legationsrath und Kammerherr. Freiherr v. Ende, Ober⸗
»räsident der Provinz Hessen-Nassau. v. Ernsthaufen, Oberpräsident
»er Provinz Westpreußen. Glatzel, Geheimer Regierungsrath im Mini—
terium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. v. Goßler, Unter⸗
Staats⸗Sekretär im Ministerium der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizi—
aal⸗Angelegenheiten. Günther, Oberpräsident der Provinz Posen, Wirk⸗
icher Geheimer Rath. Hagemaun, Landgerichtsrath zu Hannover, Vor⸗
itzender Direktor des Preußischen Beamten-Vereines. Harder, Geheimer
Kegierungsrath im Ministerium des Innern. v. Horn, Oberpraͤsident
jer Provinz Ostpreußen, Wirklicher Geheime Rath. Dr. FJaeobi, Unter⸗
taatsselretär im Ministerium für Handel und Gewerbe. Jakobi (Lig⸗
ntz), Geheimer Regierungsrath und Landtags-Abgeordneter, Ilse, Rechrungsrath
 im Ministerium des Innern. Keibel, Geheimer Ober⸗Justizrath
m Justiz⸗Ministerium. v. Kühlwetter, Oberpräsident der Provinz
Bestfalen, Wirklicher Geheimer Rath. v. Leipziger, Oberpräsident der
Zrovinz Hannover, Vorsitzender des Verwaliungsraths des Preußischen
sgeamten⸗Vereins. Martzy, Geheimer Rechnungsrath im Finanz⸗Mimi—
terium. Freiherr v. Münchhausen, Oberpräsident der Provinz
Zommern, Wirklicher Geheimer Rath. Freiherr v. Patow, Staats
Ninister und Oberpräsident der Provinz Sachsen. v. Pommer⸗Esche,
heheimer Ober-Finanzrath im Finanz⸗Ministerium. Rödenbeck, Ge—
yeimer Regierungsrath im Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Rötger,
heheimer Ober-Finanzrath im Finanz⸗-Ministerium und Direltor der All—
zemeinen Wittwen-Verpflegungs-Anstalt. v. Seydewitz, Oberpräsident
zer Provinz Schlesien. Freiherr v. Zedlitz, Regierungs-Präsident
ind Landtags-⸗Abgeordneter.
            
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