Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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dünnt, jedoch darf dies nicht zu früh geschehen, da sonst
der Baum in seinem Safte erstickt.
Eine Düngung an durch Frost gelittenen Bäumen ist
nicht rathsam, weil kranke Bäume nicht im Stande sind,
den Dünger zu verarbeiten. Dagegen sollen dieselben sorg—
fältig vor Winter aufgegraben werden, aber nicht, wie es
so häufig geschieht, nur 2 bis 3 Fuß um den Stamm
herum, sondern so veit die Baumkrone reicht, so daß die
Luft leichter in den Boden eindringen kann. In Wiesen
kann man den Rasen abschälen, dann den Baum in ange—
zebener Weise aufgraben, und den Rasen alsdann wieder
zurücklegen, die Grasnarbe nach unten gewendet. Sehr
rathsam ist ein Anstrich mit frischer Kalkmilch, wie man
sie zum Anstreichen von Wänden benutzt. Ist der erste
Anstrich etwas dünn ausgefallen, so kann man einen zweiten
wiederholen, jedoch nicht zu dick auftragen. Ein Zusatz
von Blut dient zur besseren Haltbarkeit und schützt auch
gegen Hasenfraß. Ein Abkratzen der alten Rinde dar!
hor dem Anstrich nicht vorgenommen werden, weil sonst
leicht Verwundungen vorkommen, die durch das Eindringen
der Kalkmilch die Rinde schädigen.
Wo ein Kalkanstrich vorgenommen, ist ein Abkratzen
nicht nöthig, weil die alten Rinden und Moose dadurch
später abfallen und werden außerdem alle Insekten und
deren Brut dadurch zerstört. Weiß angestrichene Bäume
erwärmen sich nicht so leicht durch die Sonnenstrahlen
und leiden daher weniger vom Froste. Ganz besondere
Aufmerksamkeit muß man auf die Vertilgung der schädlichen
Insekten verwenden, weil diese die größten Feinde des
Obstertrages sind. Dahin gehören:
Die Bluthaus, welche glücklicherweise bei uns noch
sehr wenig auftritt, in manchen andern Gegenden aber
den Obstertrag in Frage gestellt hat. Das beste bis jetzt
bekannte Mittel ist, die angegriffenen Stellen mit Spiritus
zu bestreichen und im Winter eine Hand voll pulverisirten
l(abgelbschten) Kalk um den Stamm zu streuen, da die
Blutlaus am Boden überwintert und durch den Kalk zer—
stört wird. Sie sind sehr leicht an der weißwolligen Farbe
ihrer Gespinnste zu erkennen und geben, wenn man sie zer—
drückt, einen rothen Saft von sich, daher der Name Blut—
oder Wolllaus.
Der Frostschmetterling wird am besten vom
Baume abgehalten durch Theerringe: auf Staniol, Papier
oder Lehm mit flüssigem Gastheer so oft gestrichen, als
er seine klebende Eigenschaft verliert (welche er im Herbste
und Winter am längsten behält), weil das Weibchen, welches
seine Eier im Spätherbst und Vorwinter an den Baum
und in die Knospen legt, nur Flügelstummel hat und am
Baume aufkriegen muß. Der Ring muß sich fest an den
Baum anlegen, damit das Insekt nicht unter demselben
durchkriechen kann, auch müssen Stützen und Pfähle ent—
fernt werden, um das Aufklettern an diesen zu verhindern.
Ferner müssen alle Raupennester sorgfältig abgesucht und
derbrannt werden.
Wenn wir jetzt gehört, wie man die kranken Bäume
behandelt, so wäre es aber auch anzurathen, den noch ge—
junden eine viel eingehendere Pflege angedeihen zu lassen,
da wir dieses Jahr gesehen, welche großen Erträge sie
uns bringen. Es wurden von einzelnen Bäumen hundert
bis hundert und fünfzig Mark erlöst. Alles was zur Be—
handlung bei den Kranken empfohlen wurde, läßt sich auch
mit Vortheil beiden Gesunden anwenden mit Ausnahme
des Verjüngens.
Ganz besonderen Werth soll man auf das Düngen
im Herbst legen, weil die Herbstdüngung am meisten auf

die Fruchtbildung wirkt und gerade nach einer reichlichen
Ernte der Baum eines Ersatzes besonders dringend bedarf
Verrotteter Dünger, Kompost, Asche, Ruß, vergohrene Jauche,
Knochenmehl und Salz, sowie das Umlegen von fettem
Wiesenrasen, die Narbe nach unten, können um so mehr
empfohlen werden, da andernfalls die Bäume mehrere Jahre
nach einem reichen Fruchtertrage keine volle Ernte briugen
können, wie ja die Lehre vom Ersatze bei dem ganzen land—
wirthschaftlichen Betriebe den Grundgedanken bildet. Lassen
wir es aber, bei dem enormen Ausfall an Bäumen durch
den Frostschaden des vorigen Winters nicht allein beim
Rathen, sondern möchten wir auch übergehen zu Thaten.
Bekanntmachung anderer Behörden.
Am 1. Dezember d. Is. wird in Gersweiler eine
mit der Orts-Postanstalt vereinigte Telegraphenanstal
mit beschränktem Tagesdienste eröffnet werden.
Trier, den 27. November 1880.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor,
Geheime Postrath
Kuühne.

Steckbrief.
Gegen die Maria Klos, Dienstmagd, früher zu Frie—
drichssthal wohnend, 18 Jahre alt, welche flüchtig ist, ist
die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt. Es wird
ersucht, dieselbe zu verhaften und in das Justizarresthaus
zu Saarbrücken abzuliefern.
Saarbrücken, den 2. Dezember 1880.
Der Königliche Erste Staatsanwalt.
J. V.
Linz.

Personal⸗-Chronik.
Karl August Zoch aus Dudweiler, ist als Civil-Super—
numerar bei der Königlichen Regierung zu Trier ange—
nommen worden.

Auszug ans der Vacanzenliste
für Mertratfr⸗Anwärter.

Die Liste enthält der Reihe nach folgende Mittheilungen:
1) Ort und Behorde, bei welcher die Stelle vacant ist. 2) Näheré
Bezeichnung der Stelie. 3) Einkommen der Stelle. 4) Ob die An—
stellung auf Lebenszeit oder auf Kündigung erfolgt. 5) Betrag den
zu stellenden Kaution und ob dieselbe durch Gehaltsabzug gedeckt werden
kann. 6) Ob Aussicht auf Verbesserung vorhanden ist. 7) An⸗
sprüche, welche an die Bewerber gestellt werden. 8) Wohin die Be⸗
werbungen einzureichen sind. 9) Bemerkungen.
1) Aachen, Ober⸗-Bürgermeister-Amt, 2) Kastellan im
Kurhause, 3) 660 A. und freie Wohnung, 4) auf Kün—
digung, 5) keiae, 6) bei genügender Befähigung hat der
Inhaber der Stelle Aussicht, die mit besonderer Vergütung
oerbundene Besorgung des Lesezimmers zu erhalten, 7)
hinlängliche Bildung, um die Klassifikation von Schrift—
stücken nach fremden Sprachen vornehmen zu können: Ge—
wandtheit und Freundlichkeit im Umgang, 8) Ober-Bürger⸗
meisteramt zn Aachen.
1) Hinkelhaus, Postamt, 2) Landbriefträger, 8) 450
M. Gehalt, 60 MA. Wohnungsgeldzuschuß, 4) auf 4 wöchent—
liche Kündigung 5) 300 MAc, tann durch Abzüge von 8 4
monatlich gebildet werden, 6) ja, 7) körperliche Rüstigkeit
und Elementarkenntnisse, 8) Ober⸗Post-Direktion zu Trier,
9) sogleich zu besetzen.
            
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