Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

Vreisen drebt. Ich glaube, die Sache war so daß die jebige Fathe
iische Rüolaischule in idren fuͤnf, Klassen durchschnittlich je 62 Kinder
enthielt, daß die 8— Knabenklassen je 86 Kinder n
daß künftig wenn man die Vereinigung ausfübrte, pro Klasse 8 Köpfe
w waren“ Das war der ganze wesentliche Vortbeil der in diesem
lane lag.
Welches sind denn die verletzten Interessen? Der Herr Abgeord⸗
nete Hr. Gneist sprach mit großer Emphase, und von scinem Stand⸗
puͤnftt aus mu vouem Recht ven, den großen Opfern, welche die
Stadt Elding und auch andere Städte sich für die bessere Foͤrderung
Ires Swulwesens auferlegt haben. Ich will also den finanziellen
Punkt hier vorausnehmen.
Es ist richtig, die Stadt Elbing hat in den letzten Dezennien
00000 Mark fur die Verbesserung ihres Schulwesens aufgebracht,
und dafur bin ich das habe ich schon erklärt, ihr außerordentlich
dankbare Wofuͤr find diese Opfer gebracht? Für die Errichtung einer
Realschule — von der ist hier keine Rede —, für die Errichtung einer
hoͤheren Töchterschule — von der ist ebenfalls keine Rede —, für die
Ertichiung weier siebenklassigen Mittelschulen — die fallen auch
us und dann fur die Errichtung der drei bisher im Besit
der konfessionellen evangelischen Knabenschule befindlichen Schul.
haͤuser, und endlich fuͤr den Bau der als Ersaß für die Nikolai⸗
schule befiimmten Schule; was die drei ersten betrifft, so kom
men sie hier guch nicht in Betracht, und es bleibt nur übris
das an die Sielle des Rikolaischulhauses neugetretene Bezirks
fchulhaus , was wenn meine Rachrichten nicht irrig sind / Mqy00 Mt
gelostet hat. Wenn ich mir hätte sagen müssen, daß ich durch meine
Verfügung die Stadt Elbing in die Lage gebracht hätte, diese Summe
unmisonst auszugeben/ dann, wuͤrde ich auch heute noch zweifelhaft
fein; davon ist ja aber gar keine Rede, oder will man sich etwa auf
den Standpunkt stellen, daß nur für die Simultanschulen die qugd
Schulgebaude da sind und für die konfessionellen die schlechten? So
würde die Sache doch liegen. Der Magistrat zu Elbing hat seinerzeit
selbst erklärt; Die Nikolaischule entspricht nicht den nöthigen Anforde⸗
rungen der Jeßtzeit; sie soll fünf Klassen enthalten, sie enthält nur
drei⸗ Wei haben anderweit untergebracht werden muͤssen/ sie enthält
keine hrerpohnunggtcincm Turn und esplan und auch die
drei vorhandenen Klassen sind nicht entsprechend. Nun, wenn das
richtig ist / dann war es ganz natürlich , daß man einen Reubau
ausfuͤhrte sogar, daß unter Umständen die Aufsichtsbehörden sich für
befugt gehalten haben würden, der Stadt einen solchen zuzumuthen
und 3 nicht die Initiative der Stadt abzuwarten.
un kommi aber noch Eins hinzu. Meine Herren, Sie haben
schon aus den ganzen Verhandluegen, aus dem Kommissionsbericht
ersehen, daß selbst bei Durchführung der von den städtischen Be⸗
hörden geplanten Maßregeln immer noch eine starke Ueberfüllung
der unteren Klassen der städtischen Schulen im Allgemeinen statt⸗
fand. Wenn in einer Siadt, wie Elbing, die unterste Klasse der
bereits bestehenden paritãtifchen Schule 112 Kinder zählt / dann sage
ich das ist, zu viel; es mußte dafür gesorgt werden, daß mehr
Klassen geschaffen werden / und wenn die staͤdtischen Behoͤrden sich
dieser Einsicht, wie ich hoffe, nicht verschließen werden / dann
g dafür gesorgt / daß die in dem neuen Schulhause befindlichen
äume voͤllig ausgenußzt werden. Wo ist hier in aller Welt der
finanzielle Schaden und das finanzielle Bedraͤngniß, in welchen ich
die Stadt Elbing gebracht haben soll? Sie hat nicht mehr auszu⸗
geben für das wigt was ich von ihr verlange, als für dasijenige⸗
was selbst ereitet hat.
Naan hoͤrt von sehr vielen Seiten, wenn über die in manchen Ge⸗
meinden eingerichteten Simultanschulen und ihre Wirkung gesprochen
wird: cs geht Alles vortrefflich; dem neuen System komint allge
meines Vertrauen entgegen; es sind nur einige unruhige Kopfe und
ein paar Anstifter, die den ganzen Staub aufwirbeln.
Vteine Herren, die Akien des Kultusministeriums reden eine
andere Sprache. Wenn ich hier die Thatsachen anführen wollte,
die zur Unterstützung von Beschwerden gegen zwangsweise durch—
Simultanisirung dem Minister gegenüber angeführt, unter
eweis gestellt und zum nicht unerheblichen Theil nachgewiesen sind,
dann wuͤrde sich das ganze Haus, deß bin ich überzeügt, mit der
Ueberzeugung durchdringen daß man in diesen Sachen nicht vor⸗
sichtig Wihn sein kann, Ob durch das Verfahren und die traditio.
nelle n der städtischen Behörden in der Stadt Elbing dem
Minister die Verpflichtung auferlegt wurde , auch in diesem Falle die
Inhe Vorsicht zu üben, das meine Herren, uͤberlasse ich Ihrer
ektüre.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich mit der Elbinger
Petition auch am 18. Dezember. Nachdem die Berathung ge⸗
schlossen, lehnte das ens mit 2A5 gegen 147 Stinumen den
Antrag auf Ueberwei ung der Petition zur Berücksichtigung
an die Regierung ab und beschloß den Uebergang zur ein—
fachen Tagesordnung.

Vom Landtage.
Das Herrenhaus hat am 17. Dezember den Gesegentwurf über
den Erwerb mebrerer Privat-Eisenbahnen für den Staat erledigt.
De —— der hächsten Sißung iñ in die Hand des Präsiden⸗
en gelegt.
— Abgeordnetenhaus bat am 17. und 18. Dezember sich
mit der Petitjon des Elbinger Magisirats in Betreff der Simultani⸗
irung des gesammten Voltsschulwesens der Stadt Elbing beschäftigt.
Siebe oben) In den Sitzungen vom 19. und 20. Dezember wurden
heils kleinere Vorlagen erledigt, theils eine Interpellation des Ab,
rordneten Grafen Wintzingerode ob die Ssaatsregierung noch in
diefer Session den Entwurf einer Wege-Ordnung vorzulegen beab⸗
sichtige. Die Interpellation wuͤrde durch den VPrimsster der oͤffentlichen
Arbeiten Mahbach dahin beantwortet, daß die Staatsregierung diese
Abficht nicht habe? theils in Ruͤcksicht auf die Geschäftslage des Hauses,
heus in Berucksichtigung des bei früheren Vorlagen uͤber denselben
Gegenstand hervorgetretenen Einwandes daß erst die Organisation
der Verwaltung und das Kommunalsteuer-Gesezz festgestellt sein müßten.
dy Ase Sitzung des Hauses ist auf Dounerstag, den 8. Januar
anheraunit.

Unser Kaiser hat in der vergangenen Woche sich unaus—
gesetzt den Regierungsgeschäften gewidmet und angesichts des
Weihnachtsfestes in vielen hiesigen Handlungen Einkäufe befohlen.
Das Weihnachtsfest soll auch in diesem Jahre im Kreise der
Könialichen Familie im Palgais des Kaisers gefeiert werden.
Unsere Kaiserin hat das nachfolgende Handschreiben,
hegleitet von einer zweiten Spende von 1000 Mark, an die
Herzogin von Ratibor gerichtet:
Die gestrige Sitzung des Vorstandes des Vaterländischen
Frauenvereins veranlaßt Mich zu dem Ausdruck aufrichtiger
Befriedigung über die Entwickelung seiner bisherigen Thätig⸗
keit in Oberschlesien. In Folge des rechtzeitigen Zusammentritts
 des Provinzial-Nusschusses in Breslau, der die bereit⸗
willige Hülfsthätigkeit des Vaterländischen Frauenvereins den
Umständen ahn organisirt hat und mit Eifer und Umsicht
leitet, ist dieser in die Lage gesetzt, sofort seinen Beruf zu
erfüllen. Durch die verantwortliche und sachgemäße Ver—
wendung der uns überwiesenen Spenden sind unsere Vereine
die ne Werkzeuge zur Linderung der Noth und müssen
ihre vollen Kräfte n um vn Aufhabe gewissenhaft
u lösen. Zur sofortigen Vervollständigung der in Betrieb ge⸗
ndt sowie der in den Schulen zu errichtenden Volksküchen
sende Ich Ihnen beifolgend einen weiteren Beitrag und danke
Ihnen, sowie den Fraͤuen Schlesiens herzlich, daß Sie Sich
so hingebend unserer Aufgabe widmen.
Berlin, den 15. Dezember 1879. Augusta.
Unser Kronprinz hat den Ausstellern von Erzeugnissen
deb einheimischen in aee auf der Deprenmede im
Architeklenhaus durch wiederholten Besuch der Messe und durch
vielfache Ankäufe Anerkennung und Aufmunterung zu Theil
werden lassen.
Das Befinden des Prinzen Wilhelm, welcher durch einen
Fall am 18. d. M. sich die Verletzung eines Fußes zugezogen
jebt zu keiner Besorgniß Anlaß und ist in fortschreiten
er —2 begriffen.

Am 18. Dezember empfing der Kaiser Franz Joseph die
Präsidenten der jetzt in Wien versammelten Delegationen der
Fertretungen beider Reichshaͤlften. Auf die Begrüßung der
Prasidenten erwiderte der Kaiser in einer längeren Anrede, in
welcher er über die Beziehungen zum Auslande sich folgender.
maßen äußerte:
»Ich hoffe, daß die Segnungen des Friedens Meinen Völ—⸗
kern ungetrübt erhalten bleiben werden. Das innige Einver—
nehmen zu dem deutschen Kaiserreiche bietet mir eine verstärlte
Bürgschaft dafür, daß jene allgemeine ent eintreten
werde, welche der friedlichen Arbeit ihre volle Entfaltung sichert.
Wenn auch die Nachwirkungen des Krieged in den Gebieten des
türkischen Reiches noch nicht behoben sind, darf doch erwartet
werden, daß die konsequente Durchführung des Berliner Ver—
trags auch auf der Balkanhalbinsel den voͤllen Frieden und in
seinem Gefolge bessere Zustaͤnde bringen wird.«

Die nächste Provinzial-Correspondenz erscheint
am Freitaa, ⁊. Jannar 1880.

Verantwortlich: der Hetraukgeber Dr. Friedrich Doͤrr.

Gedruckt Berlin in der Reichsdrucderei.
            
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