von solchen, mit welchen eine Telegraphenbetriebsstelle nicht verbunden
ist / angenommen.
Der Reichs-Telegraphentarif hat im Jahre 1876 eine
grundsäßtliche Umgestalunh erfahren. An Stelle der früheren Drei—
Zonensätze ist eine einheitliche Taxe getreten bei welcher ohne Rück⸗
sicht auf die Entfernung die naͤch der Wortzahl bemessen wird
Der neue Tarif bezweckt die Vereinfachung der Gebührenerhebung
und die Herstellung eines gictigen Verhaltnisses der Gebühr Ir
Leistung. Die Einnahme an Te Iæ hetitert sich für
das Kalenderjahr 1875 auf 108945838 Mark, für das Etatsjahr
1878/79 auf 12845,879 Mark, so daß sich für 1878 gegen 1875 eine
Mehreinnahme von 2250841 Mark, d. i. eine epin um
21,24 Prozent, ergiebt. Die große Zahl neu errichteter Stationen
hat zur Vermehrung der Einnahme beigetragen. Auf der anderen
Seite kommt in Bekracht, daß der Rückgang in den Geschäften, den
die anhaltende Handelskrisis verursacht, auf den telegraphischen Ver—
kehr ungünstig cinwirkt. Fast noch, höher. als der finanzielle Erfolg
des neuen Tarifs ist für die Verwaltung die größere Schnelligkeit in
der Depeschenbesörderung / sowie die Verringerung, der Arbeit im Be⸗
triebe zu schätzen. Vor dem 1. März 1876 enthielt jedes Telegramm
durchschnittlich 188 Worte, gegenwärtig beträgt der Durchschnitt
12,7 Worte, also 5,0 Worte voder rund, 80 Prozent weniger. Auf
den Gesammtverkehr übertragen, ergiebt sich für 1878 gegen 1875 ein
Minderaufwand von über 40 Millionen Worten oder von ründ 2Millio⸗
nen Telegrammen zu 20 Worten.
Erhebliche Verbesserungen hat der Pest, und Telegraphenbetrieb
in Berlin erfahren. Der Ober-Postdirektion in Berlin, als
der betriebsleitenden Bezirksbehörde, ist seit dem Jahre 1876 zugleich
die Leitung des gesammten Telegraphenbetriebsdienstes zugewiesen. Die
Verschmelzung dieses Dienstes mit dem Postbetriebe stellt sich für die
Erfüllung der Anforderungen einer Großstadt, wie Berlin, als eine
besonders günstige dar.
Die Verkehrsanstalten in Berlin, deren Zahl sich Ende
1875 auf 65 belief, sind bis Ende des Jahres 1878 auf 81 Betriebsstellen
vermehrt worden.
Post-Briefkasten waren am Schlusse des — 1875: 384
Stück, zu Ende des Jahres 1878: 461 Stuück in Berlin vorhanden.
Das Personal bei den der Ober-Postdirektion in Berlin unter—
stellten Verkehrsanstalten belief sich Ende des Jahres 1878 auf zu—
sammen 4838 Personen. Die Telegraphen-Einrichtungen im Stadt
gebiete von Berlin erhielten durch die am 1. Dezember 1876 in Be—
trieb genommene Rohrposteinrichtung, mittels deren Brief
und Telegramme in unterirdischen Röhren unter Verwerthung dee?
Luftdrucks befördert werden, eine wesentliche Erweiterung. Die Zahl
der Rohrpostämter in Berlin, anfänglich 15, beläuft sich gegenwärtie
auf Bwelche die wichtigeren Theile der Stadt bedienen und mui
dem Haupt⸗-Telegraphenauite sowie untereinander durch Röhrenstränge
in Verbindung pe Die Gesammtlänge der verlegten Röhren be—
trägt 8,71 Kilometer. Befördert wurden mit der Rohrpost im
Jahre 1878: 1464,870 Sendungen. Der Telegraphenverkehr Berlins
umfaßte im Jahre 1876: 1243487 n enehee 1057290 eingegan⸗
gene Telegramme; im Jahre 1878: 11362174 aufgegebene / 19062362
eingegangene Telegramme.
Auch von den Fernsprech-Einrichtungen ist im Bereiche
der Ober-Postdirektion Berlin mit gutem Erfolge Gebrauch gemacht.
Zur Zeit find 12 Betriebsstellen mit Fernsprechern ausgestattet.
Im ganzen Reichs-Telegraphengebiete betrug die Anzahl der im
Betriebe befindlichen Fernsprecher Ende September 1879 770.
Unter der Leitung der Post- und Telegraphenverwaltung steht
auch der Betrieb des Zeitballwesens. Es sind gegenwärtig
4 Zeitballstationen/ und zwar in Cuxhaven, Neufahrwasser Bremer⸗
haven und Swinemünden eingerichtet.
Hervorragende Leistungen lassen sich auf, dem Gebiete der
internationalen Post- und Telegraphenbeziehungen auf—
weisen. In erster Linie steht die Erweiterung des durch den Berner
vom 9. Oktober 1874 gegründeten Postvereins
um Weltpostverein. Der Varenn bezügliche Vertrag ward zu
—* am 1J. Juni 1878 von den Bevollmächtigten der eeaiheeh
von 37 Ländern aller Welttheile unterzeichnet. Die Ausführung ve—
gann mit dem 1. April 1879. Es besteht nunmehr eine einheit«
liche Norm für den gesammten Briefverkehr der eivili—
sirten Nationen der Erde. Die frühere große Anzahl von
ioshen für frankirte Briefe nach den verschiedenen Ländern der
rde ist auf drei Sätze zurückgeführt. Es werden gegenwärtig er—
hoben: 10 Pf. im inneren Verkehr Deutschlands und im Verkehr mil
Oesterreich · Ungarn, 20 Pf. im Verkehr des Weltpostvereins 60 Pf
im Verkehr mit den noch nicht zum Weitpostverein gehörigen Ländern
In seiner geographischen Ausdehnung umfaßt der Weltpostverein
1328523 QOuadratmeilen mit etwa 755 Millionen Einwohnern. Außer
dem Weltpostvertrage sind auf dem Pariser Postkongreß zwei Ver—
träge über die Geldvermittelung abgeschlossen worden; ein Ueberein—
kommen über den Austausch von Briefen mit Wertihangabe vom
Verantwortlich: der Herausgeber Dr. Friedrich Doͤrr.
J. Juni 1878, ein zweites Abkommen über den Austausch von Post
anweisungen vom 4. Juni 1878. Die Zahl der Versendungsgegen—
stände, welche gemeinsämen Bestimmungen unterliegen, ist durch den
Abschluß dieser beiden Uebereinkommen um zwei bedeütende Gattungen
vermehrt. In den letzten drei Vinn sind noch eine Menge anderer
Erleichterungen im Wege der Vereinbarung mit fremden Ländern
dertestg So können degenwarti im Verkehr mit Belgien Geld—
eträge auf telegraphischem Wege, im Verkehr mit den Riederlan⸗
dischen Kolonien in Ostindien mittels Postanweisung überwiesen
werden. Auf die Hebung und Erleichterung des Packetverkehrs mit
der Schweiz / mit Belgien, Niederland, Bänemark ist durch Einfüh—
rung von Einheitstaxen in Höhe von 80 Pf. für Packete im Gewichte
bis 3 Kilogramm eingewirkt worden. Für Packetsendungen nach und
1us eane AUngarn besteht eine noch weitergehende Porto—
Ermäßigung indem auf dieselben der für aehedeenne im inneren
Verkehr Deuütschlands geltende Tarif/ also die Sätze von 25 Pf. für
Beförderungen auf Entfernungen bis 10 Meilen, und von 50 Pf. auf
weitere Entfernungen Anwendung findet. Gleich nach Verschmelzung
der Post mit der im Jahre 1876 wurden die Beziehun—
gen zu den auswärtigen Telegraphenverwaltungen einer
eingehenden Prüfung underzogen. —* neue Abkommen mit Bel—
gien, Niederland, Luüxemburg Schweden Oänemark, Rußland, der
Schweiz Frankreich / Großbritannien und Oesterreich-Ungarn regelten
die Verhältnisse, der Zeit und den Bedürfnissen entsprechend, in vor⸗
theilhafter Weise.
Der Statistik über alle Zweige des Post- und Telegraphen—
dienstes widmet die Verwaltung eine sorgfältige Pflege. Auf Grund
gesammelten statistischen Materials ist im Jahre 1878 bei dem Gene—
ral⸗Postamte ein Werk bearbeitet und ünter dem Titel: »Das
Reichs-Postgebiet« im Oruck herausgegeben worden, welches
eine nach Ländern und Provinzen geördneteé Beschreibung sämmtlicher
Postorte des Reichs-Postgebiets nach Lage, Bodenbeschaffenheit und
Klima mit Angabe über 9 Eigenart, Bekenntniß, Erwerbsverhält—
nisse der Cinwohner, Mittheilungen über Entwickelung und Stand
oon Handel und Gewerbe, bei bedeutenderen Orten mit Angabe der
wichtigsten Ereignisse aus ihrer Geschichte, enthält.
Das finanzielle Ergebniß der Post- und Telegraphenver—
waltung darf als ein günstiges bezeichnet werden; besonders wenn
in Betracht gezogen wird, daß die Lage der Geschäftsverhältnisse eine
andauernd ungünstige war, und daß die frühere Telegraphenverwal—
tung für das —* 1875 mit einer Mehrausgabe von 35 Millionen
Mark abschloß — Die Einnahme an Porto und Telegrammgebühren
ist gestiegen in den Jahren 1876 um 31608 Prozent, 1877,778 um
5,45 Prozent und 1878,79 um 26s Prozent.
Dieses günstige Ergebniß ist namentlich darauf zurückzuführen,
daß, krotz der andauernden Geschäftsstockung, die während dieser Zeit
etroffenen Verkehrserleichterungen eine ausgedehntere Benutzung der
vd und der Telegraphie seitens des Publikums zur I gehabt
haben, und daß die Vereinigung der Verwaltung und des Betriebes
beider eine erwünschte Einschränkung der Ausgaben
neben gleichzeitiger Erhöhung der Leistungen gestattet hat.
Vom Landtag. Das Abgeordnetenhaus trat gestern (254
in die zweite Berathung des Staatshaushalts ein, zunächst in die
Einzelberathung der Einnahmen und Ausgaben der landwirthschaft—
lichen Verwaltung. Der Minister der Landwirthschaft, Domänen
und Forsten erläuterte diesen Theil des Staatshaushalts durch einen
einleisenden Vortrag. Die einzelnen Positionen wurden Woeden
nach der Feserun rror bewilligt, ebenso diejenigen der Central—
ne er Domänen und Forsten, und sodann der Etat der
Domänen.
Unser Kaiser hat sich am 21. November in Begleitung
des Königs von Sachsen, des Großherzogs von Mecklenburg—
Schwerin, des Großfürsten Wladimir von Rußland, der Prin—
zen Wilhelm und Carl von Preußen, des Prinzen Georg von
Sachsen und des Prinzen August von Württemberg, welche
zum Theil erst an demselben Tage in Berlin eingetroffen waren,
nach Königs-Wusterhausen hegeben, woselbst am Sonnabend,
den 22. November, eine Hofjagd stattfand. Die Rückkehr des
Kaisers nach Berlin erfolgte Sonnabend Abend.
Heute — wollte sich unser Kaiser zur Jagd nach Springe
in Hannover begeben.
Unsere Kaiserin wird morgen (27.) von Koblenz abreisen,
woselbst sie am vergangenen Sonnabend den Besuch der Groß—
herꝛogin von Baden empfing.
Gedruckt Berlin in der Reichsdruckerti.