Glockengelaͤut jubelnd begrüßten, während die Schuljugend »Heil Dir
im Siegerkranz!« sang.
Die Abreise des Kaisers erfolgte am Dienstag Nachmittag
Unter dem Gelaͤute aller Glocken führ Se. Majestät mit seinem
hohen Gefolge nach dem Bahnbofe. Auf der Fahrt / wie am Bahn⸗
hofe, wiederholten sich die aten Hochrufe, vermischt mit dem
Rufe: auf Wiedersehn, Der Kaiser und der Kronprinz verabschiedeten
sich auf das Huldvollste. Se. Majestät sprach nochmals seine Be—
friedigung aus über den Empfang , der Ihm bereitet worden sei und
den den Er hier gewonnen habe. Bei der Abfahrt des
Kaiserlichen Ertrazuges ertönten auf's Neue die lebhaftesten tausend⸗
stimmigen Hochrufe.
Die Ankunft in Meß erfolgte am Abend gegen 8 Uhr. Anter
dem Donner der Festungsgeschütze und begrüßt von einer zahlreich
herbeigeströmten Menge führ der Kaiser im offenen Wagen nach der
Präfektur, wobei die deutschen Vereine mit Lampions Spalier bil—
deten, Der Aufenthalt Sr. Majestät in Meß soll sich bis Donners—
tag (5.) ausdehnen. Dann gedenkt Se. Mäjestät sich nach Baden⸗
Baden zu hegeben, um zunächst den Geburtstag der Kaiserin (30.
im Kreise der Familie zu feiern und urtd ende noch einige
Wochen des Oktober dort zu verweilen.
Fürst Bismarck in Wien.
Der deutsche Reichskanzler hat seine Rückkehr von Gastein
zu einem mehrtägigen Besuͤche in Wien benutzt, welcher zu⸗
nächst als Gegenbesuch bei dem bisherigen auͤswärtigen Mi—
nister Grafen Andrassy und zugleich zur Fortsetzung der
Besprechungen, welche die beiden Staatsmänner in Gastein
gepflogen hatten, in Aussicht genommen war, — durch den
Gang der Ereignisse aber und durch die Umstände und Kund ·
gebungen, welche die Anwesenheit des deutschen Kanzlers in der
österreichischen Kaiserstadt begleiten, eine noch erhöhte, nicht
blos in den beiden großen Reichen, sondern in ganz Europa
erkannte Bedeutung gewonnen hat.
Der Empfang des Fürsten Bismarck in Wien Seitens des
Kaiserlichen Hofes sowohl, wie in der Regierungssphäre und
nicht minder Seitens der Bevölkerung, ist eine so ehrenvoll
auszeichnende, wie sie in solcher Weise wohl kaum einein frem⸗
den Staatsmanne je zu Theil geworden ist.
Der Kanzler traf von Gastein über Salzburg am Sonn⸗
hag (21) Abends mit seiner Gemahlin und seinem zweiten
Sohn in Wien ein, und wurde auf dem Bahnhofe von dem
Grafen Andrassy herzlich begrüßt. Seitens des Kaisers war
zu seinem Empfang der Hauptmann von Steininger ent—
sandt und zugleich für die Dauer seines Aufenthalts ihm zur
Dienstleistung, bestimmt. Der Fürst wurde bei der Einfahr'
des Zuges und als er den Wagen verließ, von der herbeige
strömten Volksmenge freudig begrüßt, ebenso bei der Fahrt
nach dem Hoͤtel Impeérial, in welchem er Wohnung nahm.
Die Stimmung, in welcher die Regierungskreise dem Be
suche des Kanzlers entgegensahen, fand in dem Begrüßungs
artikel eines halbamtlichen Blattes Ausdruck, in welchem es
hieß, daß es sich bei diesem Besuche um mehr als um eine bloße
Hoöflichkeit gegen den Grafen Andrassy handele. Die Anwesen
heit des Fürsten Bismarck werde dazu dienen, die Allianz
zwischen Oesterreich und Deutschland neu zu bekräftigen. Nicht
um eine politische Demonstration handels es sich, sondern die
Erreichung wahrer Bürgschaften des Friedens sei die Aufgabe
der Staatsmänner Deutschlands und Oesterreichs; den Fragen
der Klarstellung und der Pflege dieser Interessen werde ihr
Meinungsaustaͤusch in erster Linie gewidmet sein.
Die gesammte Wiener Presse begrüßte den deutschen Kanzler
mit wärmster Sympathie.
Die Meinung von der großen politischen Bedeutung des
Besuchs fand eine Bestätigung in der lebhaften Bewegung,
o— sich in den leitenden Regierungskreisen an denselben
nüpfte.
Am Montag hatte Fürst Bismarck zunächst eine längere
Besprechung mit dem Grafen Andrassy und mit dem zum
auswärtigen Minister bestimmten Baron Haymerle; unmit—
telbar darauf wurde er vom Kaiser Franz Joseph empfan—
gen, welcher dazu besonders von Steiermaͤrk nach Wien ae—
Verar twortlich: der Heraukgeber Dr. Friedtich Dörr.
kommen war. Die Besprechung des Kaisers mit dem deutschen
Kanzler währte dreiviertel Stunden.
Am Nachmittag machte der Kaiser selbst dem Fürsten
Bismarck einen ieigen Besuch in dessen Hotel,
stürmisch begrüßt von der versammelten Menge. Nachher
fand dem Kanzler zu Ehren eine Hoftafel beim Kaiser im
Schlosse Schönbrunn statt, zu welchem die hervorragendsten
Manner der Regierung, 8 des Auswärtigen Amtes,
ghen waren. ⸗ Am — hatte Fürst Bismarck eine
Reihe von Besprechungen mit den bedeutendsten österreichisch—
ungarischen Staatsmännern und namentlich von Neuem mit
dem Grafen Andrassy, dem österreichischen und dem ungari—
schen Ministerpräsidenten und dem Baron Haymerle.
Die amtliche »Wiener Zeitung« gab während dieser Ver—
handlungen folgende Notiz uͤber die Auffassungen und Erwar—
tungen, welche 9 an dieselben knüpften:
»Sämmtliche gestrigen und heutigen Morgenblätter knüpfen
an die Anwesenheit des Fürsten Bismarck in Wien Ausführun—
gen wärmster Sympathie, sowohl für den deutschen Reichskanzler,
wie für den Staat, dessen äußere Politik er leitet. Sie hoffen
von dem Besuche die Befestigung des freundschaftlichen Ver—
hältnisses beider Staaten und erblicken in dieser Intimität
sowohl den getreuen Ausdruck beiderseitiger Staatsinteressen
und Volkswünsche, als auch ein reales, werthvolles Unterpfand
ür die Erhaltung des europäischen Friedens, indem sie den
bollständig, inoffensiven Charakter der österreichisch- deutschen
Feundschaft einerseits und andererseits deren außerordentliches
Ded in dem politischen Systeme Europas lebhaft hervor—
eben.
Eine andere beachtungswerthe Stimme aus Wien äußert
sich wie folgt:
»Die Stimmung in Deutschland wie in Oesterreich-Ungarn
zeigt klar das bereits in das Volk übergegangene Bewußisein
der vollen weressengemer che zwischen den beiden Stagaten
und giebt das unwiderlegbarste Zeugniß, daß der ein volles
e alte Antagonismus vollständig begraben sei. Diese
Erkenntniß, von den leitenden Staatsmännern getheilt, wiegt
alle geschriebenen Schutz- und Trutzbündnisse Ise Die in den
Kanzler-Zusammenkünften zu Tage tretende innige Verstän—⸗
digung zwischen Oesterreich Ungarn und Deutschland ent—
behrt jedes aggressiven Gedankens, jedes herausfordern⸗
den Charakters; sie bietet aber Oesterreich-⸗Ungarn, Deutsch—
land und ganz Europa gleich werthvolle Garantien. Oester—
reich-Ungarn bietet diese Entente die Garantie gegen den
Panslavismus, Deutschland den vollen und sicheren Rückhall
jegen alle auf Revanchegelüste zu basirenden Allianzen, Europa
äber eine neue — für den Frieden und die allmälige
Konsolidirung der neu geschaffenen Situation in Europa.«
Soweit das vorläufige Urtheil über den Charakter und
die Bedeutung der im Gange befindlichen Verhandlungen.
Eine in sbobem Maße beachtungswerthe Thatsache ist die,
daß, abweichend von allen sonstigen ähnlichen Fällen, diesmal
ganz, Europa von der friedlichen Bedeutung und
cps der Verhandlungen überzeugt zu sein
eint.
Die erste ordentliche General-Synode für die
evangelische Landeskirche der neun älteren Provinzen der
Monarchie ist durch Allerhöchsten Erlaß auf den 9. Oktober d. J.
nach Berlin berufen.
— —
Fedne BSccun bder Reicbtbtucerei.