Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

durch die Gewährung des hohen Grades von Selbständigkeit,
Pobe sie genießen werden/, bewiesen worden ist: eine Selb—
staͤndigkeit, die ohne Zweifel mehr und mehr dazu beitragen
wird, ihnen die Wiedervereinigung mit dem deutschen Vater—
lande theuer zu machen.
Jedenfalls haben sie durch den Empfang des Kaisers be
wiesen, daß sie den Berührungspunkt gefunden haben, welcher
alle deutschen Herzen gleichniäßig bewegt — die Liebe und
Verehrung des Kaisers!

Der Kaiser hatte nachdem er, erst, am Dienstag (16) Abends von
Stetun nach der Haupfstadt zurückgekehrt war, äm Mittwoch (17.
Äbends in Begleitung des Kronprinzen, des Prinzen Wilhelm und
des Grafen Mostke Berlin wieder verlassen. Ohne längere Unterhrechung
erfolgte die Fahrt zunächst bis Karlsruhe wo sich die Großherzogin
bon Baden dem Kaiserlichen Vater anschloß. Aui Donnerstag (I8.)
RKachmitlags kürz nach 3 Uhr traf der Kaiser mit der Kaiserin, welche
in Dos den Kaiserlichen Zug erwartet hatte / und mit dem Kronprinzen
unser dem Jubelruf einer ungeheuren Menschenmenge, dem Geläute
der Glockem und dem Donner der Kanonen in Straßburg ein, wo
der Großherzog von Baden und die höchsten Zipil. und Militär⸗
dehörden den Monarchen empfingen. Bei prächtigem Sonnenschein
erfolgte die Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen bis zur
Kaiferlichen Präfektur / wo beide Majestäten und die Großherzogin
von Baden Wohnung nahmen.
Am Abend 9 Uhr bewegte sich der aus allen Musikcorps des
15. Armee⸗Corps zufammengesetßte große Zapfenstreich durch die Stadt
nach der Präfekturr wo, dem Kaiser eine Serenade gebracht wurde.
Derselbe erfchien wiederholt auf dem Balkon, um der versammelten
jubelnden Menschenmenge zu danken.
Am Freitag (18.) Vormittag — sich der Kaiser und die
Kaiserin nach dem Paradefelde dei Königshofen, überall von den
zahlreichen Zufchauern enthufiastisch bewillkommt. Sämmitliche
Kriegerbereine von Elsaß-Lothringen, deren bereits eine stattliche An—
zahl bestebtj und ebenso die Refservisten und Landwehrmänner der
nächsten Umgegend waren erschienen, um den obersten Kriegsherrn
zu begrußen. Nahezu 30,0000 Mann, unter denen fast alle
deutschen Stämme vertreten waren, nahmen an der Parade
Theil. Der Kaiser war in der Nähe des Paradefeldes zu
Pferde gefliegen und, begab sich, von dem Kronprinzen, dem
Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, dem Prinzen Georg von
Sachsen, dem Kronprinzen von Schweden u. A. begleitet, auf den
rechlen Fluͤgel der Paradeaufstellung. Der Vorbeimaärsch ging, trotz
der fehr ungünstigen Bodenverhältnisse, vortrefflich von Statten.
Rach demselben sprach der Kaiser dein kommandirenden General
vpon Franfecky und der Generalität, sowie den Stabsoffizieren
seinen Dank aus und ritt sodann noch die Front der Resexvisten ab,
die ihn mit nicht enden wollendem Hurrah enpfingen. Bei der Rück
kehr nach Straßburg waren alle Festungswälle mit Menschen besetzt,
und üͤberall, wo der Kaiser sich zeigte, wurde er mit Tücherschwenken
und Hochrufen begrüßt.
Um 4 Uhr fand das Paradediner statt, bei welchem der Kaiser
das Wohl des Armee⸗Corps mit folgenden Worten ausbrachte:
»Ich trinke auf das Wohl des 16. Armee-Corps, das
sich heute Meine ganze Zufriedenheit erworben hat, da es
bewiesen, daß eine gründliche Ausbildung und ein echt mili⸗
tä rischer Wille alle Sawiergkenn zu überwinden weiß,
wenn es darauf ankomnit, sich vor seinem Kriegsherrn zu
zeigen. Das 15. Armee⸗Corps, es lebe hoch!«
Abends besuchten der Kaiser und die Kaiserin die Festvorstellung
im Theater, wo sich die ganze Versammlung zur lebhaften Be—
grüßung erhob.
Am Sonnabend, (20.) früh begab sich der Kaiser zu Wagen nach
Wolfisheim, worauf Se. Majestät zu Pferde 8 Stunden lang dem
Corpsnmanöver gegen einen maͤrkirten Feind beiwohnte, während die
Kaiserin und, die Großherzogin von Baden in einem sechsspännigen
Wagen dem Manöver folgten. Rach dem Schluß desselben, welches
gleichfalls zur vollen Zufriedenheit des Kaisers ausfiel, wurden beide
Raicstãten auf der Rückfahrt nach der Stadt in allen Orten, die
der Zug passirte und welche sämmtlich einen reichen festlichen
Schnnct angelegt hatten , von den Einwohnern und namentlich von
den Geistlichen, Lehrern und Schulkindern ehrfurchtsvoll begrüßt.
Nachmittags fand in der Präfektur ein Diner statt, zu welchem
die Spitzen der Civilbehörden sowie die Mitglieder des Reichstags
und des Bezirkstags geladen waren. Bei demselben brachte der
Kaiser folgenden Toͤast aus:
— krinke auf das Wohl der Reichslande Elsaß—
Lothringen, welche Mich schon zum zweiten Male und
namentlich in ihrer Hauptstadt Straßburg auf eine so
freundliche Art empfangen haben. Ihnen, Herr Ober—
Präsident von Moeller, danke ich um so herzlicher,
als Sie den Grund zu diesen Gefinnungen durch Ihre Ad⸗

ministration in einer Weise gelegt haben, daß ich hoffen
kann, daß dieselben auch in der Zukunft sich erhalten und
bewähren, Die Reichslande Elsaß-Lothringen und ihre
Hauptstadt Straßburg, sie leben hoch!«
Am Abend empfing der Kaiser eine Deputation der Stadt
Straßburg,, welche ihm rine zur Exinnerung an den ersten Besuch
Sr. Majestät im Mai 1877 Vfragte Medaille überreichte. Der
Bürgermieister Back wies im, Eingange seiner an den Kaiser ge—
richteten Ansprache auf die alte Sitte der Reichsstadt hin, zur Er—
innerung an wichtige Ereignisse Denkmünzen prägen zu lassen , und
bat den Kaiser, die gedenwärtige Medaille huldvoll entgegenzunehmen.

Seine Majestät war sichtlich auf das Freudigste überrascht,
dankte in huldvoller Weise und, wiederholte, daß es allerdings
ein wichtiger Moment gewesen sei, der ihn jenes erste Mal in
die Haupistadt des Elsasses geführt habe. Es seien allerdings
chmerzliche Erinnerungen, die hier zu überwinden seien, für
die Stadt und für das Land, die von einem großen Ganzen
osgelöst worden seien. Seinem Wunsche und seinem Sinne
entspreche es, wenn dieser Uebergang sich in mildester Art voll⸗
iehe, und wolle er nur bemerken, daß die nunmehr kommende
Regierung in demselben Sinne gehandhabt werden würde.
Dafür bürge die Persönlichkeit des künftigen Statthalters.
Wenn derselbe auch nicht in der Verwaltung groß geworden
ei, habe er sich doch in einer ähnlichen Stelluͤng in Schleswig
bereits bewährt. Zum Schluß beauftragte der Kaiser den
Bürgermeister, der Bevölkerung den Dank für den ihm und
der Kalserin zu Theil gewordenen und außerordentlich erfreuen—
den Empfang auszusprechen.
Nach dem Empfange der Deputation erschienen beide Majestäten
noch auf der Soirce des Generaͤls von Fransecky in den Räumen
des Offizierskasino, welche sehr glänzend verlief.
Am Sonntag (21.) machte die Kaiserin, welche an den vorigen
Tagen bereits mehrere Wohlthätigkeitsanstalten besucht und die Vor⸗
Ande des Vaterlandifchen Frauenvereins empfangen hatte, am frühen
Vormiltag am Arme der Großherzogin von Baden einen Spazier⸗
gang durch die Stadt. Alsdann besuchten der Kaiser und die Kaiserin
den Fefigottesdienst in der Thomaskirche, und, nach demselben ging
der Festzug der Landleute des Kreises Exstein vor sich/ der
einen besonders erhebenden Eindruck machte. An demselben nabm
die Mehrzahl der jugendlichen Denshecrun des Kreises Theil. Er—⸗
zffnet wurde der Zug durch berittene usiker in altbäuerlicher
Tracht welchen Hundertdreißig stattliche Reiter auf schönen Pferden
ind alsdann noch 32 mit vier und sechs Pferden bespannte Wagen
nit gegen 500 in ihre Volkstrachten gekleidete Mädchen folgten. Der
Zus bewegte sich im Zickzack durch die Hauptstraßen der Stadt nach
er Wohnung des Kaisers im Präfekturgebaͤude. Nach der Ankunst
aseibft begaben sich der Kreisdirektor Böhm und eine aus dem Reichs
sags⸗Abgeordnelen Rack Venfeld), 5 Bürgermeistern und 8. Mädchen
n“ der elfasfer Volkstracht bestehende Deputation zu den Majestäten,
um dieselben Namens des Feee begrüßen. Ihre — dankten
huidvoll und richteten freundliche Worte an alle Mitglieder der Oeputation,
samentlich wuͤrden die der Deputation angehoͤrigen Mädchen von
der Kaiserin durch Ansprachen beehrt. Nachdem hierauf Ihre Majestäten
mit dem Kronprinzen, dem ee und der Frau Großherzogin
von Baden und den übrigen Fürstlichkeiten sich auf die Terrasse vor
dem Hraͤfekturgebaͤude begeben und vor der Ballustrade n genom⸗
men hatten, erfolgte das Passiren des Fig Die Reiter zogen
unter enthusiastischen Hochs auf die Majestäten vorüber; die Mädchen
winkten den Majestäten ebenfalls unter Hochrufen mit den Taschen—
tüchern ihre Willkommengrüße zu. Nuch die massenhaft ver—
fammelten Zuschauer stimmten in die Hochrufe mit ein. Der Festzug
begab sich dann nach dem »Tivoli« wo ein gemeinsames Mahl der
Theilnchmer figtifand. Als der Festzug bei der um 4 Uhr erfolgenden
Ruckfahrt das Präfekturgebäude nochmals passirte, erschien der Kaiser
abermals auf dem Balkon und wurde von den Festtheilnehmern und
von der Bevölkerung mit enthusiastischen Vasnne begrüßt.
Die Majestäten und das großherzogliche Paar besuchten alsdann
den Nuͤnfier, wo dieselben vor dem Portale von dem Bischof, Räß
mpfangen und darauf von diesem bei dem Rundgang durch die
irche geleitet wurden. Rachdem die Kaiserin alsdann noch mehrere
Wohlthätigkeitsanstalten besichtigt hatte, trat dieselbe Abends mit
hrer Tochter, der Großherzogin, bis zum Bahnhofe von der Bevölke—
mng mit lebhaften Hochrufen begleitet, die Rückreise nach Baden⸗
Baden an.

Am Montag,22.) fanden, abermals vom schönsten Wetter be⸗
günstigt, in der Gegend von Hocfelden Feldnnandver statt, welchen
Picderum der Kaiser bis zum Schluß beiwohnte. Auch dieser Tag
gestaltete sich zu einem Freudenfeste für die Bewohner aller Ort⸗
chaften, welche der Kaifer berührte. Dieselben hatten Triumphbogen
xxichtet und mit Guutlanden und Infchriften die Straßen geschmückt.
Ditgedrangt harrien sie der Ankunft des Monarchen , den sie unter
            
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