form des Eisenbahnwesens fällt unter den Begriff des Schutzes
der nationalen Arbeit.
In der Lehre des unbedingten Freihandels liegt nicht nur
die Freiheit der fremden Einfuhr, sondern als nothwendige Er
gänzung die unbeschränkte Benutzung aller Erwerbsgelegenheiten,
welche nicht dem Strafgesetz zuwiderlaufen, durch die Thätigkeit der
Privaten. Diese Lehre schließt den Betrieb ee Erwerbs
thätigkeiten, welchen der Staat im Dienst des öffentlichen Nutzens
monopolisirend oder mit der Privatthätigkeit konkurrirend
übernimmt, grundsätzlich aus, indem sie die unbeschränkte
Freiheit der Privatthätigleit den Gesichtspunkten sowohl des
oͤffentlichen Nutzens als der Beschützung der schwächeren Ele—
mente der Gesellschaft voranstellt. War die Lehre von der
Freiheit des freniden Handels auf deutschem Boden und
von der Erfüllung der sozialen Funktionen allein durch die
Privatthätigkeit auch nicht verwirklicht, so war sie doch
für einen Theil der öffentlichen Meinung das Ziel der
Wirthschaftspolitik. Eine Ansicht, welche nicht ohne Rück—
wirkung bleiben konnte auf die Auffassung von der
Aufgabe des Staates überhaupt. Indem die Staats—
regierung für eine Abwendung von diesem Ziel auf
dem Boden des Reichs entschieden eingetreten ist, indem ferner
diese Abwendung bedeutsame praktische Folgen haben muß für
die Steuerpolitik und Eisenbahnpolitik des preußischen Staats,
sind die preußischen Wähler vor die Frage gestellt, ob sie die
Politik der Regierung dadurch unterstützen wollen, daß sie
Männern der gleichen Ansicht das Abgeoͤrdnetenmandat ver
trauen. Diese Frage bleibt die Frage der diesmaligen Wahlen.
Eine Thatsache, welche immer wieder erleuchtet werden muß,
ob auch die »National-Zeitung« den Vorwurf erhebe, daß die
»Provinzial-Correspondenz« den Einen Gedanken mit ⸗»mechani—
scher Gleichförmigkeit« wiederhole. Uebrigens mag es zweifelhaft
sein, ob mechanische Gleichförmigkeit darin liegt, wenn maͤn, anstatt
heute das Gegentheil vom Gestrigen zu sagen, vielmehr das Gestrige
gegen Einwürfe mit neuen Gründen schützt.
Anstatt sich, was die heutige nationalliberale Partei in der
That nur ist, als liberale Freihandelspartei aufzuthun, mühen
sich die Blätter der Partei ab, dem Gespenst einer kirchlichen Re
aktion, welche namentlich die Schulverwaltung ergreifen soll, Glau
ben zu verschaffen, um einen Wahlruf zu gewinnen, der auf
die Rettung der angeblich bedrohten, erst vor vier Jahren
begründeten und durch Staatsgesetz phedten Verfassung
der evangelischen Kirche und auf Rettung der Schule vor
einer angeblich drohenden Rückkehr zu den ihrer Feit viel be
kämpften Regulativen und dergleichen lautet. Es ist kaum
ein geschickter Kunstgriff, von Kirche und Schule zu reden
wenn Eisenbahnen und Steuern auf der Tagesordnung sind
Die ersteren Institutionen sind wohl zur Pflege der idealen
Güter bestimmt; deswegen kann man sich doch nicht alle
Tage mit ihnen beschäftigen. Es ist eine längst bekannte
und zugestandene Thatsache, daß die Frage der rganisation
des Untkerrichtswesens zum wesentlichen Theil in einer Finanz
frage besteht, nämlich in der Frage: wer soll die Mittel zur
Erhaltung der verschiedenen Zweige des Unterrichts beschaffen
und wie sollen sie beschafft werden? Die Sicherung der Finanz
kraft des Staates gegenüber den Ansprüchen, welche demnächf
an sie gestellt werden müssen, und die Sicherung der wirth⸗
schaftlichen Kraft des Volkes gegenüber den Leistungen, die sie
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vor allen Fortschritten der inneren Organisation gelöst sein
müssen. Diesen jetzt auf die Tagesordnung gebrachten Fragen,
darum, auf die Tagesordnung gebracht, weil sie sich auf keint
Weise länger aufschieben ließen, ausweichen zu wollen, inden
man die natürliche Reihenfolge der Fragen umzukehren sucht
kann doch nur den Eindruck machen, als wolle man mit einer
jetzt nothwendig zurückgestellten Frage Streitkräfte gewinnen
um in die gegenwärtige Frage einzugreifen, ohne einzugestehen,
auf welche Weise man dies thun will. Dieser Versuch dürfte
für alle Theile zu spät kommen.
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Verantwortlich: der Herausgeber Dr. Friedtich Doͤrt.
Unser Kaiser hat auch in der vergangenen Woche sich
den Regierungsgeschäften gewidmet und die Vorträge de'
Staatsminister entgegen genommen.
Das Kaiserliche Paar empfing mehrere fürstliche Besuche.
Am Mittwoch waren die Großfürsten Wladimir und Alexis
von Rußland bei den Majestäten in Babelsberg zum Mittag
mahl geladen, am 29. der Prinz und die Prinzessin Christian
von Schleswig-Holstein-⸗Sonderburg-Augustenburg.
Am Sonntag speisten die Majestäten bei dem Kronprinzen
und der Kronprinzessin im Neuen Palais, wo die Kron
prinzessin sich verabschiedete.
Am Sonntag Abend waren der Kaiser und die Kaiserin
nach Berlin gekommen und besuchten am Montag Vormittag
zuerst die Kunstausstellung und hierauf die Gewerbeausstellung.
Am Nachmittag empfingen die Majestäten den Besuch der
Broßfürstin Katharina von Rußland. Am Abend stattete der
Kaiser dem Prinzen Friedrich der Niederlande, der soeben in
Berlin eingetroffen war, einen Besuch ab.
Gestern, am Sedantag, nahm der Kaiser um 10 Uhr
Vormittag die große Herbfstparade des Garde-Corps auf dem
Tempelhofer Felde ab. Nachmittag um 4 Uhr fand im König—
lichen Schloß ein militärisches Festmahl statt, zu welchem drei
hundert Einladungen ergangen waren.
Heute Morgen 7 Uhr hat der Kaiser Berlin verlassen, um
zu Alexandrowo, zwischen Thorn und Warschau in der Nähe
der preußisch-russischen Grenze, eine Zusammenkunft mit dem
Kaiser Alexander von Rußland zu haben.
Morgen wird der Kaiser zum Königsmanöver des ersten
Armeecorps in Königsberg eintreffen.
Unsere asepn wohnte gestern dem Schauspiel· der
großen Parade auf dem Tempelhofer Felde bei.
Unser Kronprinz wohnte am Sonnabend den Exereitien
der ersten Garde-Infankerie⸗Brigade auf dem Bornstedter Felde
bei. Am Sonntag nahm der Kronprinz an dem Gottesdienst
in der Friedenskirche Theil und begab fich am Dienstag nach
Berlin zur großen Parade des Garde-Corps und dem Festmahl
im Königlichen Schloß.
Unsere Kronprinzessin hat sich am Montag über Leipzig
und München zum Kuraufenthalt nach der Steiermark begeben
Der Reichskanzler Fürst Bismarck erhielt am
27. August in Gastein den Besuch des Ministers der auswär—
tigen Angelegenheiten Oesterreich-Ungarns, des Grafen
Andrassy. Nach längeren vertraulichen Besprechungen der
beiden Staatsmänner hat Graf Andrassy Gastein am
28. August wieder verlassen.
Der General⸗Feldmarschall Freiherr von Man—
teuffel ist am 29. August Nachmittags an der Spitze der
zur Theilnahme an den russischen Manövern kommandirten
Offiziere in Warschau eingetroffen, um dort im Auftrag
unseres Kaisers den Kaiser Alexander von Rußland zu be—
—5— welcher am Abend des 29. August in Warschau ange—
ommen ist.
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Gehbruckt Berlin in der Reichédruckerei.