Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

M836.

P r ovinzial ⸗ C orres⸗ p ond enz. 3. September 1879.
Siebzehnter Jahrgang.

Zur Feier des 8. September.
Der große Erinnerungstag des 2. September ist auch bei
seiner neunten Wiederkehr, so viel aus den bereits vorliegenden
Meldungen zu ersehen, im Vaterlande allerorten mit der herz⸗—
lichen Freude begangen worden, welche die Vergegenwärtigung
eines köstlichen Besitzes dem Gemüth einflößt. Mehr und
mehr läutert sich der Gedanke dieser Feier zu dem Bewußtsein,
daß in derselben das Gefühl der Zusammengehörigkeit des deut—
schen Volkes zum Ausdruck kommt. Dieses Gefühl war längst
iebendig, ehe noch die politische Einigung des Vaterlandes voll—
zogen worden. Es war der Boden, dem diese Einigung ent—
sprießen mußte. Nachdem das Band des gemeinsamen Staats—
wesens dem gespaltenen Volke das Recht gegeben, als Nation
zu leben und zu fühlen, schätzt das Volk nicht nur den Werth
dieses Gutes, welches die Selbstständigkeit des dustigen Lebens
verbürgt, das deutsche Volk erkennt auch die gebieterische
Deutlichkeit der hohen Pflicht, dieses ihm vor allen theure
Gut zu bewahren und zu pflegen. Von der Lebhaftigkeit
dieser Erkenntniß hat die diesmalige Feier des 2. Septeniber
wiederum ein laut redendes Zeugniß gegeben. Mag die Ober—
fläche des öffentlichen Lebens durch Parteiungen und Interessen
augenblicklich zerrissen scheinen, diese Zerrissenheit beruͤhrt nicht
die Tiefe des Volksgemüthes, welches gegen eine solche —
am gestrigen Tage feierliche Verwahrung eingelegt hat. Da
auch lehrt dieser Tag, daß das, was dauernd der deutschen
Einheit zu Gute kommt, immer wieder von den staͤrksten und
gesundesten Trieben des Volkslebens erfaßt und festgehalten
wird. Interessen, die sich einen Tag verletzt wähnen können,
werden dald inne werden, welches bessere Gedeihen sie aus der
Stärke und Gesundheit des gangn nationalen Wirthschaftslebens
 zu schöpfen im Stande fsind. So werden die Spal—
tungen des Augenblicks sich schließen, und dem mit blühen—
dem Lebenswuchs bedeckten Boden über einem festen und dauer—
haften Grunde wird, so Gott will, der Anblick des deutschen
Lebens gleichen. Um dahin zu kommen, bedürfen wir des
Gottvertrauens und der Lauterkeit des Willens in den unver—
meidlichen Kämpfen der täglichen Arbeit.

Centner ein Zoll von 60 Mark zu entrichten, der neue Zoll
beträgt 90 Mark, mithin die Steigerung für das Pfund
30 Pfennig. Von anderem fabrizirten Taback war bisher für
den Eentner ein Zoll von 33 Mark zu entrichten, der neue
Zoll beträgt 90 Mark, mithin die Steigerung auf das Pfund
57 Pfennig. Von Thee waͤr bisher für den Centner ein Zoll
von 24 Mark zu entrichten, der neue Zoll beträgt 50 Maͤrk,
mithin die Steigerung auf das Pfund 28 Pfennig. Petroleum
war bisher der jetzt eingeführte Zollsatz beträgt für den
Centner 3 Mark, mithin die Steigerung für das Pfund
3 Pfennig.
Es kommen nun die Waaren, für welche der neue Tarif
mit Anfang künftigen Jahres in Kraft tritt. Zuerst die Wag⸗
ren aus Baumwole allein oder in Verbindung mit Metall—
äden ohne Beimischung von Seide, Wolle oder anderen Thier—⸗
zaaren. Für rohe dichte Gewebe dieser Art betrug der bis—
herige Zollsatz auf den Centner 30 Mark, der neue beträgt
—10 Rat mithin die Preissteigerung auf das Pfund 10 Pfennig,
Für gebleichte dichte Gewebe dieser Art betrug der bisherige Zoll
ãuf den Eentner 30 Mark, der neue beträgt 50 Mark, mithin
die Preissteigerung auf das Pfund 20 Pfennig. Es komnmien
nun die Getreidezoͤlle. Weizen, Roggen, Hafer und Hülsen—
früchte waren bisher frei und entrichten nunmehr für den Cent⸗
ner 50 Pfennig Zoll, mithin beträgt die Preissteigerung auf
das Pfund * Pfennig. Gerste, Mais und Buchweizen waren
bisher zollfrei, entrichten jetzt für den Centner 25 Pfennig,
mithin beträgt die Steigerung auf das Pfund A Pfennig.
Malz, bisher zollfrei, entrichtet fur den Centner 60 Pfen⸗
nig, mithin beträgt die Steigerung auf das Pfund etwas
über 4 Pfennig. Nun konimen Lederwaaren. Ungefärb—
ses Leder aͤller Art, mit Ausnahme des Sohlleders, zahlte
bisher für den Centner 6 Mark Zoll, der neue Zollsatz
beträgt 9 Mark, mithin die Steigerung auf das Pfund
3 Pfennig. Sohlleder entrichtete bisher für den Centner 6 Mark,
nunmehr“ 18 Mark, die Steigerung beträgt mithin für das
Pfund 12 Pfennig. Feines gefärbties Leder entrichtete bisher
für den Centner 15 Mark, nunmehr 18 Mark, mithin beträgt
die Preissteigerung auf das Pfund 3 Pfennig. Waaren aus
aungefärbtem oder blos geschwärztem lohgaren Leder entrichteten
bisher für den Centner 12 Mark, nunmehr 25 Mark, mithin
beträgt die Steigerung auf das Pfund 13 Pfennig.
Es handelt sich bei diesen Angaben, wie man sieht, zum
größeren Theil un Waaren, welche unmittelbar oder als Haupt—
rohstoffe in den Verkehr kommen. Waaren, welche den Ge—
verbtreibenden als Hüuͤlfsstoffe dienen und deren Zollsätze eine
Preissteigerung allgemeiner Gebrauchsartikel mittelbar herbei⸗
führen koͤnnen, werden besonders in Betracht zu ziehen sein.

Ueber die Preissteigerungen, welche sich möglicherweise
durch die im reformirten —*3— neu aufgelegten oder erhöh—
ten Zollsätze begründen lassen können, ist eine Berechnung an—⸗
gestellt worden. Zunächst wird die Steigerung bei denjenigen
Waaren angegeben, für welche der neue Tarif bereits in Kraft
setreg ist. Es war bisher auf ausgeschlachtetes frisches Fleisch
ein Zoll gelegt; der jetzt eingeführte Zollsatz beträgt fuͤr den
Tentner 6 Maͤrk, mithun wuͤrde die Preissteigerung auf das
Pfund 6 Pfennig ausmachen, was aber keineswegs die ent
sprechende Steigerung des inländischen Marktpreises bedeutet,
da es sich bei dem Zoll nur um das von jenseits der Grenze
eingeführte frische Fleisch handelt. Der bisherige Zollsatz auf
ARVVV0 50 Pfennig,
der neue beträgt 6 Mark, mithin wäre eine Preissteigerung
für das Pfünd von 4,8 Pfennig gerechtfertigt, so—
fern es sich lediglich um das in der Fremde zubereitete
Fleisch handelt. Der Fehat auf rohen Kaffee betrug
für den Centner 17, Mark, 50 Pfennig, der neue be—
trägt 20, Mark, mithin wäre eine Preissteigerung von
2,8 Pfennig für das Pfund gerechtfertigt. Von geschältem und
ungeschälteün Reis wurde bisher für den Centner 1 Mark
50 Pfennig entrichtet, jetzt sind 2 Mark zu entrichten, mithin
ware eine Preissteigerung von 0,s Pfennig für das Pfund gerecht
fertigt. Von unbearbeiteten Tabackblätiern und Stengeln war
bisher für den Centner ein Zoll von 12Mark zu entrichten, der neue
Zoll beträgt 42 Mark 50 Pfennig, mithin die Steigerung auf
das Pfund 30,8 Pfennig. Von Cigarren und Cigarretten war
bisher für den Centner ein Zoll von 60 Mark zu entrichten,
der neue de beträgt 185 Maͤrk, mithin die Steigerung auf das
Pfund 75 Pfennig. Von Schnupftaback war bisher für den

Die Wahlaufrufe der drei konservativen Parteien, der des
Tentrums, der des neuen Wahlvereins zu Breslau und ver—
chiedene andere lokale Wahlaufrufe haben sich zu Gunsten der
‚on der Regierung eingeschlagenen Handelspolitik ausgesprochen.
Der Wahlaufruf der Rationalliberalen zu Hannover geht über
die handelspolitische Frage hinweg, der noch nicht authentisch
deröffentlichte, über Wien bekannt gewordene Aufruf des Central—
usschusses der nationalliberalen Paärtei betont seinerseits nur, daß
e Zollpolitik nicht vor den Landtag gehöre. Man sieht, wie der
Kest der nationalliberalen Partei wesentlich dem Einfluß der
reihändlerischen Mitglieder folgt, dabei aber den Versuch
instellt, bei der Landtagswahl einer Erklärung für oder
Jegen die Tarif- und Finanzpolitik der Staatsregierung
zuszuweichen. Der Versuch kann umsoweniger gelin⸗
Jen, als der Zusammenhang der Eisenbahntariffrage und
der Frage des Erwerbs der Privatbahnen für den Staat mit
der Do pehit vor Aller Augen liegt und überdies bei den im
Bundesrath auf Reform der Eisenbahnpolitik eingebrachten
Hraͤsidialantragen deutlich betont worden ist. Auch die Re—
            
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