Full text : Saarbrücker Kreis-Blatt

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Die Herrn Bürgermeister wollen die Ortsvorsteher
sowie die Stierbesitzer und die Mitglieder der Schau⸗Com—
gissionen von vorstehenden Terminen in Kenntniß setzen.
Saarbrücken, den 15. Februar 1875.

Personal⸗Chronik.
Der Bauführer Carl Mühlke zu St. Johann a. d.
Saar hat am 20. Januar d. J. als solcher den vorge—
chriebenen Diensteid geleistet.
Der Bauführer Carl Morant zu St. Johann
a. d. Saar hat unterm 22. Januar d. J. als solcher
den vorgeschriebenen Diensteid geleistet.

Saarbrucken, 22. Februar 1875. Landrath vo nGel dern.

Unterritnt in der biblischen Geschechte
betressend.
Schluß.)
Wenn wir es festhalten, daß die belebende, zu sitt—
ich religiösen Gefühlen und Ueberzeugungen treibende
kraft zunächst eine verständliche Form voraussetzt,
wesentlich aber in den Thatsachen und deren richtiger,
vollständiger Auffassung besteht, wenn es wahr ist,
daß ein mechanisches Auswendiglernen ohne Verständniß
ind inhaltliches Bewußtsein unfruchtbar bleibt und bald
vieder der Vergessenheit anheimfällt: dann beantwortet
sich die obige Frage schon von selbst zunächst dahin, daß
das wörtliche Memoriren aller oder doch der meisten
biblischen Geschichten ohne Auswahl nur eine Belästigung
der Jugend und eine quälende Arbeit für die Kinder
ist, welche mit dem Gewinne in keinem Verhältniß steht,
zudem aber den großen Nachtheil bringt, daß die Ge—
dächtnißbildung allzusehr die Verstands- und Herzens-—
bildung überwiegt.
Wenn wir uns daher in Betreff der oberen Stufen
rnuch nicht gänzlich gegen das Auswendigl rnen einzelner
biblischer Erzählungen erklären, so darf dieses doch nur
nach bereits dargelegter Einwirkung auf das Verständ—
aiß und mit strenger Auswahl geschehen.
Aus dem alten Testamente werden zunächst nur die
Aussprüche der Propheten und die Verheißungen genau
zu memoriren sein, welche sich auf die Geburt, das Leben und
Sterben des Heilandes beziehen, sowie diejenigen Begeben—
heiten, welche hiermit im engeren Zusammenhange stehen.
Dagegen mögen aus dem neuen Testamente die verschie—
denen wörtlich mitgetheilten Lehren und Ermahnungen
des Heilandes, die wichtigsten Gleichnisse und Wunder—
wirkungen und die mit dem kirchlichen Leben in Ver—
bindung stehenden Begebenheiten, als z. B. die Geschichte
der Geburt des Erlösers, die Anbetung der heiligen
Dreikönige, die Darstellung im Tempel, die Einsetzung
des heiligen Altarsakramentes, die Auferstehungsgeschichte,
die Sendung des heiligen Geistes, memorirt werden.
Immer muß aber der Lehrer darauf dringen, daß das
Hersagen langsam, mit möglichstem Ausdrucke und über—
haupt in einer Weise geschehe, welche der Würde des
Begenstandes entspricht und zur geistigen Zucht beiträgt,
und ebenso muß er vor dem Memoriren in der bereits
mehrfach erwähnten Art auf das Verständniß der That—
sachen und ihres Zusammenhanges hingewirkt, und somit
das Lernen vorbereitet und erleichtert haben.

Wir machen noch darauf aufmerksam, daß aus einer
jolchen Behandlung der biblischen Geschichten auch für
den Lehrer selbst großer Vortheil erwächst. Nicht bloß,
daß er zunächst durch dieses Unterrichtsverfahren fort
und fort mit der biblischen Geschichte vertraut bleibt
uind immer tiefer in deren hohe Bedeutung eindringt,
er übt sich daneben auch stets in der schönen und noth—
vendigen Kunst des Erzählens und Abfragens, also in
einer Kunst, ohne welche keine innige Wechselwirkung
zwischen dem Lehrer und den Kindern gedacht werden
kann, welche aber stete Uebung voraussetzt.
Wohl in jeder Schule des Regierungsbezirkes befin⸗
det sich eine Karte des heiligen Landes. Möge diese
mehr benutzt werden und den Lehrer daran erinnern,
daß Thatsachen und Begebenheiten an Interesse gewinnen
und entschieden leichter zu behalten sind, wenn sie mit
zrtlicher Anschauung verknüpft werden. Die Karte Pa—
ästina's und der angrenzenden Länder sollte in der
oberen Abtheilung überall zur Hand genommen werden,
wo es sich um Oertlichkeiten handelt, wie z. B. um den
Zug der Israeliten aus Aegypten, um die Reisen Jesu
ind des Apostels Paulus ꝛc. ꝛ⁊c. und endlich sollten sich
Wiederholungen des Gelernten, mehr als bisher geschehen
st, an die einzelnen anf der Karte verzeichneten Flüsse,
Seen, Berge, Städte knüpfen und dadurch regeres Leben
gewinnen.
Es liegt in den engen Grenzen, welche einem Erlasse,
vpie dem gegenwärtigen, zugestanden werden können, daß
er sich nur auf Grundzüge und Andeutungen beschränken
nuß und mehr anregen als ausführen kann. Wir müssen
daher an denselben die Erwartung knüpfen, daß er von
»en Herrn Schulinspectoren zu Conferenzberathungen
»enutzt und daß in diesen Berathungen das Einzelne
ingehend besprochen und durch Beispiele verdeutlicht werde.
Aufmerksame Erwägung wird des Stoffes zu solchen
Berathungen eine Menge finden und namentlich auch
arauf hinleiten, daß Geistliche und Lehrer sich über die
einzelzen Erzählungen, welche noch memorirt werden
ollen, zu verstäudigen und zu einigen haben. Wir
dürfen uns dieser Erwartung um so sicherer hingeben,
als aus den Revisionsberichten mehrerer der Herren
Schulinspectoren zu unserer Genugthuung bereits deut—
ich Herd orleuchtet, daß auch sie die Nothwendigkeit einer
Verbesserung der Methode dieses hochwichtigen Unter⸗
richtsgeg enstandes lebhaft empfinden. Wer sich über
etztere noch weiter orientiren will, dem empfehlen wir
die Abhandlung im 13. Jahrgange des Schulfreundes,
Seite 27: „Ueber die erste religüse Bildung und das
Verhältniß der biblischen Geschichte zu derselben“, sowie
unseres katholischen Schuldepariement-Rathes päda—
zogische Aphorismen 88 69, 70, 102 und 103 und
dessen Volksschulkunde 88 60 und 785.
Die Herren Schulinspectoren veranlassen wir noch,
don diesem Eclasse den Herren Pfarrern als Localinspectoren
 Mittheilung zu machen, und bemerken schließlich,
daß derselbe auch der Einsicht des Herrn Bischofs unter—
breitet worden ist und sich Dessen voller Zustimmuna
zu erfreuen hat.
Trier, den 8. Februar 1866.
Königliche Regierung
Abtheilung des Innern.

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