Hoffentlich werden diesmal die Versuche zur Ver—
ockung der Auswanderungslustigen ohne 9 bleiben.
Noch sind in frischer Erinnerung die enfsetzlichen Ka—
astrophen, zu welchen die letzten Ansiedelungs-Versuche
Deutscher in dem gedachten, schon wegen seines tropischen
Rlimas für eine deutsche Colonisation durchaus ungeeig—
netem Lande geführt haben. Nachdem ein großer Theil
der Colonisten von Santa Leopoldina, Moniß und Theo—
doro durch Kranukheiten und in Folge von Entbehrungen
aller Art zu Grunde gegangen ist, ist vor Kurzem der
Jlücklichere Theil im äußersten Elende nach Deutschland
zurückgeschafft worden, und noch immer harren Hunderte
von deutschen Colonisten an der Küste vergeblich auf die
von ihnen mit Recht in Anspruch genommene Heimsen—
dung. Bei dieser Sachlage muß es Erstaunen erregen,
daß schon wieder ohne jegliche Scheu auf deutsche Leicht—
gläubigkeit gewissenlos speculirt wird. Nicht einmal neue
Lockmittel werden Seitens der uternehmer angewendet,
velchen alle Enttäuschungen, deren Opfer so zahlreich
sind, unbekannt geblieben zu sein scheinen. In den Ver—
trägen kehren überall die alten, altbekannten Stipulationen
wieder und zwar in zum Theil bedenklich zweifelhafter
Fassung und mit einer neuen Bedingung, welche allein
hinreicht, den Zweck des ganzen Unternehmens zu kenn—
zeichnen. Die Provinz Rio Grand do Sul, in welcher
allein bisher Europäische Einwanderer verhaltnißmäßig
orosperirt haben, ist ausdrücklich von der Einwanderung
ausgeschlossen! Dem gegenüber hat die im Contracte der
Ansiedler eingeräumte freie Wahl der Colonie wenig Be—
deutung, zumal da derjenige, wer diese oder jene Siaats—
rolonie wählt, zu gewärtigen hat, seine Landparzellen
im Urwalde in weiter Entfernung von dem Orte, welcher
der Colonie den Namen gibt, zugewiesen zu erhalten.
Zur Charakteristik dieser Verträge sollen noch einige
den Auswanderern scheinbar günstig lautende Bestimmungen
uus denselben angeführt werden.
So heißt es, daß die Beträge, welche für Subsidien,
Trans porte, Logis u. s. w. verauslagt worden sind,
von den Einwanderern nicht zurück verlangt werden
önnen. Unter „Transport“ ist aber zweifelsohne nur
die Reise vom AÄusschiffungshafen bis zur Colonie ge—
meint, nicht aber die Ueberfahrt von Euͤropa her. Der
Paffagepreis wird nach wie vor den Auswanderern,
velche ihn nicht selbst bezahlen können, nur als Vor—
chuß gewährt und später von ihnen wieder beigetrieben
verden. Deun der Unternehmer, dem von der Regierung
für jeden Erwachsenen eine Subvention von 100 bis
1258 Milreis contraktlich zugesichert ist, will nicht nur
eine Kosten erstattet haben, sondern auch noch einen
Bewinn machen, welcher bei dieser neuen Art von Menschen⸗
jandel bekanntlich keine kleine Rolle spielt. Sodann
lingt es für manchen vielleicht verlockend, wenn das
Agrargesetz, auf welches der Contract Bezug nimmt, den
Preis der Quadratbrasse in den Staats Colonien auf
einen halben bis höchstens zwei Realen festgesetzt. In—
dessen ist es noch neuerdings vorgekommen, daß anstatt
des von den Agenten in Europa contraktlich a edee
Preises von zwei Realen por Quadratbrasse der Kolonie⸗
Direktor acht Realen erhoben hat.
Endlich heißt es im Contrakte, daß die Einwanderer
freiwillig ohne jegliche Verpflichtungen kommen. Diese
Clausel bezieht sich jedoch nur auf die Brasilianische
Regierung, waͤhrend dem Colonisations⸗Unternehmer gegen—
über keineswegs Freiheit von Verbindlichkeiten zugesichert
werden soll. Wegen letzterer, z. B. gestundeter Passage,
darf der Unternehmer das in Brasilien geltende Schuld—
gesetz anrufen und die sich zu nichts verpflichtet Waäh⸗
nenden im ordentlichen Gerichtsverfahren einsperren lafsen,
wie solches schon häufig vorgekommen ist, ohne daß ein
Einspruch der deutschen Consular-Behörden zu Gunsten
der Leichtgläubigen von Erfoig hätte sein können.
Saarbrücken, 18. Jan. 1878. Landrath von Geldexn.
Deffentlicher Anzeiger.
Zies⸗ inli -Sulzbach beim Gastwirth Carl Kirst,
lies und Steinlieserungs die Anfuhr der pro 1875 an die Halde
Verdingung in der ãgl. plat⸗ der Zorialic Stein lohlengru—
41 en zu liefernden Hölzer als:
Oberförste: ei Holz. 2115 8 Stammholz und
Donnerstag den 28. Januar 4000 Raummcter Stempel
1875, Vormittags 9 Uhr, soll im an die Mindestfordernden vergeben
Basthause des Carl Kirst zu Sulz⸗ werden.
dach die Lieferung des zum Ausbau Außerdem soll auch die Anfuhr des
des Sulzbach-Quierschieder Kommuni— auf die Holzabfuhr⸗ und Communica—
rationsweges erforderlichen Kies- und ionswege der genannten Oberförsterei
Steinmaterials (etwa 500 Kubik aro 1875 erforderlichen Kies- und
meter) exel. Anfuhr an den Mindest⸗ Steinmaterials, bestehend in etwa
sordernden verdungen werden. 2 2000 Kubikmeter Kies und 800
dolz, den 13. Januar 1876. ubikmeter Steine, an die Min—
Der Königliche Oberfärster »estfordernden vergeben werden. 3
Georg. dol z, den 13. Januar 18785.
Der Königliche Oberförster
Holz⸗ und Kies⸗Anfuhr⸗Ver⸗ ae fötst
dingung in der ——ñ—
Kgl. Oberfsͤrsterei Holz. Den geehrten Herren Bürger—
Donnerstag den 28. Jannarmeistern und Ortsvorsiehern die
1875, Vormaittags 9 Uhr, wird zu ergebenste Anzeige, daß ich jetzt in
Saarbrücken, Bahnhofstraße Nr.
36 in der Nähe der neuen Brücke
wohne und, die mir etwa zu über⸗
tragenden geometrischen und nivel⸗
litischen Arbeiten mit Sicherbeit
ausführen werde. 1
Saarbrücken, den 16. Jan. 1875.
ERoster,
vereid. Geometer.
Kohlmann's
Kubiktabellen
nach Fuß⸗ und Metermnaß
sind stets vorräthig in 4
Ohr. Nöllinger's Buchhandlung
in Saarbrücken u. St. Jobann.