Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Der besseren Uebersicht wegen ist das Ganze in folgende Ab—
heilungen gebracht:
1) Welche Bodenarten eignen sich zum Tiefpflügen?
2) Welches sind die zum Tiefpflügen nöthigen Erfordernisse?
3) Welches ist die beste Zeit des Tiefpflügens?
1) Welches ist die beste Art und Weise des Tiefpflügens?
Der erste Blick auf Frage eins sagt uns, daß wir es nur mit
Bodenarten von flacher oder höchstens mitteltiefer Ackerkrume zu thun
haben.
Befindet sich unter der flachen Krume ein Steinlager, so ist das
Tiefpflügen unmöglich, so lange das natürliche Hinderniß nicht be—
eitigt ist.
Hat man ein Ackerstück von trockener, sandiger Beschaffenheit,
dessen Pflugtiefe, wenn auch nicht grade seicht, denn doch immer
gleich gehalten ist, so daß sich unter der Pflugsohle eine erhärtete
Erdschicht im Boden gebildet hat, was durch den Druck der Ackerge⸗
räthe, der Zugthiere ꝛc. immer möglich ist, so soll man die erhärtete
Oberfläche des Untergrundes durch tieferes Pflügen nicht aufbrechen,
wenn unter derselben ein tiefer Sand liegt, denn dadurch würde
sich das Wasser im Sande sogleich verlieren, und der an und für
sich schon trockene Boden würde noch trockener und somit schlechter
werden.
Wo hingegen keine der eben genannten Bodenarten vorfindlich
iind, und durch tieferes Auflockern ein den Pflanzen angemessenes
zuträgliches Mischungs-Verhältniß der Erdarten hervorgebracht wird,
vodurch die Fehler des Bodens gehoben werden, insofern der zu
lache Boden tiefer, der zu nasse trockener, der zu trockene feuchter,
der zu lockere bindiger und der zu zähe lockerer wird, gewährt auch
das tiefere Auffahren jederzeit Vortheile, nur muß es bei gewissen
Aeckern mit möglichster Vorsicht geschehen. Selbst von Natur tiefgrün—
dige Bodenarten, die also zu den besten gehören, soll man, ist der
Boden etwas schwer, alle 324 Jahre, und ist er leichter, alle 5—6
Jahre einmal möglichst tief umarbeiten, um die natürliche Frucht
barkeit in denselben zu erhalten.
Fortsetzung folgt.)

Klagen und Beschwerden der Thiere über die
Menschen.
Auch eine Volksversammlung.
(Fortsetzung.)
„Ich bin nicht hierher gekommen, um Complimente zu machen,“
schrie der Spatz mit einer Siegermiene, „und Fliegenschnapper ist
seine Injurie. Sind sie denn etwas Anderes als Fliegenschnapper?
Diese Fliegenschnapper also, die sich durch ihre Scheinheiligkeit und
irommes Gethun in die Gunst der Menschen eingeschmeichelt haben,
die sich den Sommer hindurch bei uns mästen und im Winter Reiß
aus nehmen und feige Haus und Hof im Stiche lassen, um nach ei—
nem „südlichen Klima“ zu ziehen — die hohen Herren, als ob unser
klima nicht gut genug für sie wäre — diese Fliegenschnapper wollen
uns Räuber nennen, die wir als tapfere Männer ausharren im Va—
serlande trotz Nordsturm und Wintergraus? Weil wir vor dem
grimmigen Winter ein Obdach suchen, weil wir in ein verlassenes
daus eintreten, dessen Thore sperrangelweit aufstehen und nirgends
ist angeschlagen: „Hier ist das Hausiren verboten.“ Sind wir des⸗
halb Räuber und Diebe? Aber die Schwalben können sich nicht be—
lagen, wenn wir auch in ihren verlassenen Neslern uns den Winter
zindurch gewärmt haben, wir haben ihnen stets einen reichlichen Mieth—
sins zurückgelassen.
Freilich, den Herren Schwalben wäre es schon recht, wenn wir
in den Spatzenhäfen nisteten — und es gibt leider Gottes so dumme
Teufel von Spatzen, die es thun — in den Spatzenhäfen, die die
Menschen gar schlau an ihren Häusern anbringen, damit wir unsere
Jungen für sie groß ziehen, die sie dann als „gebratene Spätzlein“
auf ihre Speisekarten setzen!
„Zur Sache, zur Sache!“ schrien hier verschiedene Stimmen
zurcheinander und der Herr Präsident sprach: „Ich ersuche den ge—
ehrten Redner, nicht zu sehr abzuschweifen und sich mehr an den ei⸗
gentlichen Gegenstand unserer Tagesordnung zu halten.“
„Also zur Sache,“ fuhr der Spatz fort, nachdem er durch einen

Schluck Thautropfen aus einem neben ihm stehenden Blüthenkelch
eine Kehle geklärt hatte. „Auch wir Spatzen und unsere Vettern,
ie Finken, bringen den Menschen Nutzen und zwar großen unbere—
henbaren Nutzen. Aber ich verwahre mich hier feierlich vor der Un—
erstellung, als geschehe dies aus Wohldienerei und um uns in die
Zunst der Menschen einzuschmeicheln, nein, ich hasse die Menschen,
es geschieht zu unserem eigenen Vergnügen und der Nutzen für die
Menschen ist ein Nebenprodukt. Nicht das ganze Jahr hindurch hän—
zen Kirschen an den Bäumen und Trauben an den Stöcken und reift
zas Korn auf den Feldern und nicht überall sind Taubenschläge, von
)enen wir den Zehnten erheben können, es gibt auch Zeiten, wo wir
ediglich auf Insekten angewiesen sind. Da vertilgen wir denn mas—
enweise die Maikäfer, die Spinnraupe, den Apfelblüthenbohrer und
andere den Obstbäumen schädliche Insekten, und allein um meine
Familie zu ernähren, müssen meine Frau und ich wöchentlich 2—3000
Raupen in unsere Wohnung schleppen. Ja, ich behaupte, uns so
zut wie den Meisen, Goldhähnchen und anderem Gevögel, die sich
mit ihren Tugenden brüsten, haben es die Menschen zu verdanken,
daß sie Obst haben und da, wo man uns der paar Kirschen oder
Trauben wegen verfolgt und vertilgt, da hat die Natur selbst uns
zerächt und unzählige Schaaren von Raupen und anderem Ungezie
er haben den Obstsegen zu Grunde gerichtet und den lüsternen Men
chen das Nachsehen gelassen.
In England, ja, da hat man unsern Werth erkannt; der Eng—
änder ist ein praktischer Mann und weiß, welchen Schatz er in dem
Spatz für die Landwirthschaft besitzt, und weil er dies weiß, so hat
er Sperlings-Colonien in Australien gegründet, weil dort die Men—
chen über das Ungeziefer nicht mehr Herr werden konnten und ganze
Schiffsladungen von Spatzen mit freier Ueberfahrt und Verköstigung
ind nach Ausstralien ausgewandert und Freibriefe sind ihnen aus—
zestellt worden, dort zu fressen, zu thun, was sie Lust haben. Man
chimpft uns Diebe und Räuber? Aber wo ist ein zweiter Vogel, dem
olche Ehre zu Theil wird und solches Vertrauen genießt? Aber ein
Spatz von Ehre wird solches Vertrauen auch rechtfertigen und meine
Brüder in Australien haben es gerechtfertigt. Sie haben dort das
ꝛand von Ungeziefer befreit, die Obstkultur gedeiht und wir Spatzen
ind in Australien hoch geehrt und wehe dem Unglüclichen, der es
ort wagt, Hand an unsere geheiligte Person zu legen.“
Die zahlreich anwesenden Spatzen, Finken und die ganze Spatzen-Serwandtschaft
 brach bei dieser Stelle in ein Beifallsgeschrei aus. An⸗
dere dagegen lachten und schrien: „Schluß, Schluß, herunter mit dem
Renommisten!“
„Ruhe!“ krächzte der Uhn, und schwang seine Schelle. „Achtung
vor der Redefreiheit! Unterbrechet den Redner nicht! Und Ruhe ins—
besondere auf der Gallerie oder ich werde genöthigt sein, sie räumen
zu lassen.“

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.
Wolle. Seit dem Jahre 1827 hat Graux in Mouchamp (Frank—
reich) eine neue Race von Merinoschafen herangezogen, die sich durch
die ganz seidenähnliche Beschaffenheit ihrer Wolle auszeichnen; die
Verarbeitung dieser Wolle ist nach Ueberwindung einiger Schwierig
eiten vollständig gelungen. Nach dem Bull. de la Soc. Imp. Zool.
F'Acclim, wird diese Seidenwolle vollständig die Kaschmirwolle ver—
rängen, der sie an Glanz und Feinheit gleich steht, während sie
zilliger und leichter zu verarbeiten ist. Die obige Gesellschaft hat
inen Preis von 2000 Fes. für eine Heerde von 100 Stück Seiden⸗
volle-Schafen ausgesetzt.

Brunnenröhren, eingefrorne, schnell aufzuthauen.
Man meißelt in die eingefrorne Röhre ein 1 Fuß langes Loch, so
daß man dasselbe wieder zuspunden kann. Nun befestigt man an ei—
ner Hausspritze einen engen Hanfschlauch, der vorn mit einem mes—
ingenen Mundstück versehen ist. Die Spritze füllt man mit heißem
Wasser und spritzt dasselbe in die Oeffnung der Röhre. Das Eis
chmilzt alsbald, der Schlauch zieht sich immer weiter hinein, bis er
            
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