Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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ür

den Kreis Saarbrücken.

422.

Dinstag den 20. Februar

1866.

Amtliches.

Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf die Bekaunntmachung der Königl. Gestüts—
Verwaltung zu Schloß Wickrath vom 17. v. M. — Kreisblatt No.
17 — werden die Pferdezüchter des hiesigen Kreises hiermit benach—
richtigt, daß die bezeichneten 2 Hengste des Königl. Land-Gestüts am
12. d. M. in Heusweiler eingetroffen und wie in den Vorjahren,
bei dem Gastwirth Herrn Wilhelm Schwart daselbst untergebracht
sind.
Indem ich im Interesse der Pferdezucht des Kreises den Wunsch
ausspreche, daß der Beschäl-Station auch in diesem Jahre Seitens
der Pferdebesitzer die ausgedehnteste Theilnahme zugewendet werden
möge, bemerke ich schließlich, daß sich die Deckkosten per Stute auf
p Thlr. 7 Sgr. 6 Pf. belaufen.
Saarbrücken, den 16. Februar 1866.
Der Königliche Landrath,
v. Gärtner.

Bekanntmachmg.
Evangelische Hauscollecte.
Der Herr Ober-Präsident der Rheinprovinz hat mittelst Rescripts
jom 29. Januar c. No. 720 gestattet, daß zu Gunsten des evange—
ischen Stifts zu St. Martin in Coblenz eine Collecte bei den evan—
gelischen Einwohnern der Rheinprovinz in den Jahren 1866, 1867
ind 1868 durch Deputirte abgehalten werde.
Nach einer Mittheilung des Verwaltungs-Raths des genannten
Stifts sind mit der Abhaltung dieser Collecte pro 1866
1. Karl Bohle aus Bruchhausen
2. Eduard von der Kerkhoff aus Crefeld
—VXD——
Trier, den 7. Februar 1866.
I. 778. 8. 5) Königl. MRegierunag.

No. 97 J J

Klagen und Beschwerden der Thiere über die
Menschen.

sstudien beschäftigt und die Thiersprache ziemlich mir zu eigen ge
macht hatte.
Mein Versteck war sicher und konnte ich unbemerkt mich hinter
der Buche dem Genusse des Lauschens hingeben. Auf einem alten
Baumstumpfe saß ein großer Uhu mit einem äußerst ernsten und
vürdevollen Gesichte. Er schien mir der Präsident der Gesellschaft
zu sein. Rings um ihn auf den Rasen war allerlei Gethier gela—
zert, zumeist Vögel und nur wenige Vierfüßler waren darunter be—
nerkbar. Sie saßen in geordneten Reihen und schienen mir die
Abgeordneten, die Volksvertreter zu sein. Außerhalb des Kreises
drängte sich in ungeordneten Haufen ein Gewimmel von Thieren
eglicher Gattung. Es waren offenbar die Zuschauer und Zuhörer —
das Volk.
Der Uhu ergriff eine neben ihm stehende große Glockenblume und
ing an zu läuten, worauf der Lärm sich legte. Der Uhu räusperte
ich und sprach von seinem erhabenen Sitze aus mit dumpfer, melan—
holischer Stmme:
„Hochansehnliche Versammlung! Bewohner der Lüfte, der Wäl—
»er, Wiesen und Gewässer! Wir haben uns heute zusammengefunden,
im unsere Beschwerden vorzubringen über die Bedrückungen und Ver—
olgungen des Menschengeschlechts und die Mittel und Wege zu be—
athen, wie wir uns der Tyrannei dieser grausamsten aller Thiere
entziehen können.“
„Freunde und Mitbürger! Auch wir sind Geschöpfe Gottes und
venn wir auch nach seinem weisen Rathschlusse den Menschen unter—
han sein müssen, so ist es doch nicht sein Wille, daß uns die Men—
chen unnöthigerweise quälen und martern und die Wohlthaten, die wir
hnen erweisen, dadurch vergelten, daß sie einen allgemeinen Vertil⸗
zungskrieg gegen uns führen!“
Ein allgemeines Geschrei unterbrach hier den Redner. „Bravo.
hravo! Hört, hört! schrien die Thiere durch einander.
Der Uhu aber fuhr, nachdem der Tumult sich ageleat hatte,
ilso fort:
„Durch den zweifelhaften Vorzug des Alters zum Alterspräsiden⸗
en dieser würdigen Versammlung berufen, stehe ich der Tagesordnung
zemäß zunächst hier als Repräsentant meiner gefiederten Brüder, um
die Beschwerden der Vögel vorzutragen“

Auch eine Volksversammlung.
An einem schönen Herbsttag, so erzählt der Hinkende in der gro—
zen Wirthsstube im Löwen, stelzte ich das Murgthal herunter, um
meinem Gevatter Rastatt einen freundnachbarlichen Besuch abzustatten
ind hatte vorher in der Post in Gernsbach ein Paar Schöpplein Ach—
ler getrunken, denn es war ein durstiger Tag, so heiß und durstig,
vie man sie selten im Herbste findet. Die Sonne brannte mir höchst
udringlich auf den Scheitel und so bog ich denn, um ihr zu entlau⸗
en und um nicht mit gebratenem Hirn in Rastatt anzukommen, bei
Rothenfels von der staubigen Landstraße ab und suchte den Schatten
»es Waldes. Es war ein köstlicher Buchenwald, die kühlende Luft
rauschte so geheimnißvoll in den Blättern, die Vögel zwischerten in
illen Zweigen, ein munteres Bächlein purzelte die Berghalde herunter
zer Murg entgegen, seine Ufer waren mit saftigem Grün begrenzt; es
var ein behagliches liebes Plätzchen, ganz dazu geschaffen, einen müden
Mann zu einem Mittagsschläfchen einzuladen. Ich konnte auch wirk⸗
üich der Versuchung nicht widerstehen, ich streckte mich in dem Schatten
iner prachtvollen Buche auf den grünen Teppich, legte mein Fellei⸗
en unter den Kopf und starrte in die Baumwipfel empor und dachte
an Allerlei. Und wie ich so an Allerlei dachte, wurden meine Augen
mmer schwerer und schwerer und sicherlich wäre ich eingeschlafen —
»a — da draug ein sonderbarer Lärm an mein Ohr, ein tausendfäl⸗
tiges Gemenge von Stimmen, ein Geschrei, ein Gekrächze, ein Ge⸗
ohle, das aus keinen menschlichen Kehlen zu kommen schien, ein Con—
ert, wie ich in meinem Leben noch keins gehört hatte. Sollte ich an
ein wanderndes Casino gerathen sein, so dachte ich, richtete mich auf
und lauschte. Es war kein wanderndes Casino, es waren offenbar
Thierstimmen, die mich in meinem Mittagsschläfchen störten. Ich
»og vorsichtig die Gebüsche auseinander und erblickte zu meinem gro—
zen Erstaunen auf einem freien Rasenplatze, in dessen Mitte das Bäch—
lein einen kleinen See gebildet hatte, eine große Gesellschaft von
allerlei Thieren, die diesen Heidenlärm verursachten. Es war eine
Volksversammlung der Thiere, welche der glückliche Zufall mir zu be⸗
lauschen gestattete. Das war Wasser auf meine Mühle und ich
vünfschte mir Glück. daß ich mich seit längerer Zeit mit Thiersprach-
            
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