hraust er um so heftiger und so länger auf, je mehr Kalk er ent—
hält; denn diese Säuren treiben aus dem kohlensauren Kalk die
chwächere Kohlensäure aus und verbinden sich selbst mit der Kalk—
zrde. Ist in einer Gegend der Boden ohne Kalkbestandtheile, so
tommen dort nur die nackten Schneckenarten vor. Zur Bildung der
Schneckenhäuschen muß Kalk vorhanden sein.
Lehmboden verräth sich schon durch seine Thonfarbe und
einen sicht- und fühlbaren Sandgehalt, sowie durch die Anwesenheit
jon Löwenzahn, Schafgarbe, Klee, Hafer, Hirse, Fuchsschwanz, Knö—
erich.
Humusreicher Boden zeichnet sich durch seine Leichtigkeit
und seine dunkle Farbe aus. Nach einem warmen Regen macht er
sich durch den aufsteigenden Modergeruch bemerkbar.
Stark eisenhaltiger, sog. „eisenschüssiger“ Boden, sieht
gelblich, röthlich, leberbraun aus und färbt das ihm entfließende
Wasser ebenso. Sind die Eisentheile nicht zu reichlich vorhanden, so
dienen sie dazu, den Boden lockerer und wärmer zu machen; in
zrößerer Menge aber benachtheiligen sie den Pflanzenwuchs.
Dies sind im Allgemeiuen die Erkennungszeichen der Bodenarten.
Sie sind für den Landwirth von großer Wichtigkeit, weil er daraus
schließt, wie er seinen Boden zu bearbeiten hat, was für Pflanzen
er darauf mit Vortheil bauen, und wie er die Beschaffenheit des
Erdreichs verbessern kann. Auch beim Ankauf von Grundstücken
hilden sie mit den Maßstab des Werthes. Der Boden ist ja rech
eigentlich die Werkstätte des Landwirths, und dieser sollte mit der—
selben in allen Theilen und nach allen ihren Eigenthümlichkeiten
vertraut sein.
(Landw. Lesebuch von Dr. F. v. Tschudi.)
Mittel gegen Kesselstein.
Hofrath Ritter v. Burg hat im niederösterr. Gewerbeverein fol⸗
gende Mittheilung hierüber gemacht: Fast ebensoviel Recepte wie ge—
gen Zahnschmerz gebe es für den Kesselstein; Keinem sei es gelungen,
den Kesselstein vollkommen zu entfernen. — Ein Amerikaner nun habe
n Amerika ein Patent auf ein ähnliches Mittel genommen, das den
inheimlichen Gast wenigstens in einer Richtung beseitige. Das pa—
zentirte Mittel kündige sich nicht als etwas Neues an, sondern als
ein längst bekanntes, zu diesem Zwecke jedoch noch nicht angewendetes
Verfahren.
Das Verhältniß des kohlensauren Kalkes in unseren sogenann—
en „harten Wässern“ sei den Wenigsten bekannt. — Wenn sich ein
Aequivalent Kohlensäure mit einem Aequivalent Kalk verbindet, so
sei dieser kohlensaure Kalk im Wasser nicht löslich und falle zu Bo—
den; nur dann sei er löslich, wenn sich Wasser mit Kohlensäure ver
detzt und so als doppelt kohlensaurer Kalk auftritt. — In allen un
ern Wassern, namentlich in der Donau, sei solcher doppeltkohlen
aurer Kalk enthalten; kommen sie in unsere Dampfkessel, so werde
zurch das Sieden ein Atom Kohlensäure weggetrieben und der ein
'achkohlensaure Kalk sinke zu Boden und gebe Veranlassung zu Exr—
olosionen. Wenn nun Kalkmilch in Anwendung komme, d. h. wenn
zebrannter Kalk in Wasser aufgelöst wird, wobei zu 1 Theil Kalk
1000 Theile Wasser treten, so verbinde sich der Kalk, welcher eine
zroße Verwandtschaft zur Kohlensäure hat, mit einem Theil der Koh
lensäure und der andere Theil falle zu Boden.
Auf der Südbahn besteht eine solche Einrichtung seit anderthalb
Monaten und mit dem besten Erfolge; zwei große Reservoirs dienen,
um den Kessel zu speisen; auf 100 Kubikfuß Wasser werde 1Pfd
ebendiger Kalk genommen, mit Wasser begossen in den Kessel gewor
en, gut verrührt und in diesem Zustande zehn bis zwölf Stunden
»elassen; während dieser Zeit habe sich der kohlensaure Kalk abge
ondert und in dem Dampfkessel sei auf diese Weise kein kohlensaurer
Kalk, wohl aber Magnesium, Thonerde und schwefelsaurer Kalk ent
halten. Redner habe gesehen, wie der Rückstand wie Pulver aus dem
Kessel herausgezogen worden sei, was allerdings gegenüber dem jetzi
gen Verfahren einen großen Vortheil biete, da bisher der Kesselsteir
mit einem Meisel weggeschlagen werden mußte. (Nach d. Wchnschr
d. niederösterr. Gew.-Ver.)
Benntzung von Loeomotiven aufgewöhnlichen Straßen.
In der jüngsten Zeit ist in England eine Parlamentsacte in
Kraft getreten, welche den Betrieb und die Benutzung von Locomo—
iven auf gewöhnlichen Straßen und Chausseen regelt. Es ist ver—
ordnet, daß die Locomotive in der Breite nicht mehr als höchsteus
9 Fuß Raum einnehmen und kein größeres Gewicht als höchstens
14 Tonnen (280 Ctr.) haben darf, wobei die Räder eine bestimmte
Felgenbreite ꝛc. haben müssen. Für den Betrieb ist vorgeschrieben,
»aß derselbe immer durch mindestens 8 Personen geleitet werden
nuß. Eine derselben muß der Maschine auf 60 Yards (à Iz preuß.
ẽElle) Entfernung vorausgehen und dabei eine entfaltete rothe Fahne
ragen. Die Führer müssen so viel als möglich Raum für alles
indere Fuhrwerk lassen und dürfen, wenn andere mit Pferden be—
pannte Fuhrwerke oder Pferde überhaupt in der Nähe sind, weder
ofeifen noch in anderer Weise den Dampf abblasen lassen, auch die
Spannung nicht so hoch treiben, daß er aus dem Sicherheitsventil
entweicht, wenn die Locomotive auf der Fahrt ist. Die Geschwindig—
eit derselben ist für Chausseen ꝛc. auf 4 Meilen (engl.) pro Stunde
estgesetzt, was pro Secunde 5,7 Fuß ergiebt. Beim Passiren von
Städten oder Dörfern hingegen darf dieselbe 2 Meilen pro Stunde
nicht übersteigen.
Das Pflügen des Sandbodens.
Man ist vielfach noch der Ansicht, daß der Sandboden immer
aur einer schwachen Pflügung bedürfe. Betrachtet man indessen die
aatürlichen Eigenschaften des Sandes, so leuchtet ein, daß der Sand
in Folge seiner Thätigkeit die in ihm vorhandenen Düngmittel schnell
ur Zersetzung und zur Löslichkeit bringt. Da es ihm aber an der
nöthigen Absorptionsfähigkeit fehlt, so müssen die gelösten Mineral—
toffe in ihm mehr oder weniger versinken und die organischen Stoffe
ich theilweise verflüchtigen, so daß also aus Mangel an letzteren,
nsbesondere an Kohlensäure und Ammoniak, die in der Krume vor—
jandenen Mineralsubstanzen sich nicht rasch genug in Pflanzennah—
ung umsetzen können. Hieraus folgt, daß bei der vorherrschend
eichten Bestellungsweise des Sandbodens Luft, Wind und Sonnen—
»rand nicht nur einen dem Pflanzenwachsthum nachtheiligen raschen
Temperaturwechsel veranlassen, sondern auch mehr und mehr verar—
nend wirken. Daher ist die tiefere Bestellung der Sandfelder zu
mpfehlen. Außerdem muß es als verderblich bezeichnet werden, die
Ackerarbeiten auf solchem Boden zu häufig in der trockenen und
varmen Jahreszeit vorzunehmen, weil dadurch nur der Verlust der
Winterfeuchtigkeit und die rasche Verflüchtigung der löslich machenden
Base der Düngerzersetzung beschleunigt wird.
Vermischtes.
Der durchschnittliche Ernteertrag des Königreichs
baiern im Jahre 1865 erhebt sich in Ansehung der Qualität
yei den Getreidefrüchten, sowie bei Hopfen, Heu, Grummet, Klee,
Mais und Hirse, dann ebenso bei Hanf, Tabak und Wein, und
war bei letzteren sehr bedeutend über eine Mittelernte. Bezüglich
der Quantität haben Gerste, Kartoffel, Hopfen, Mais und Tabak
nehr als eine Mittelernte ertragen, dagegen blieben hier Raps und
Wein hinter einer Mittelernte zurück. — Die Quantität aller Boden—
rzeugnisse litt vor Allem durch die lang anhaltende Trockenheit. —
Des Auftretens der Kartoffelkrankheit wird unter 239 Bezirks-Comi—
ees nur aus wenigen Bezirken erwähnt. — Einige Bezirke heben
ine Beschädigung des Krautes durch Mäusefraß hervor. — Nach
»en vorliegenden Angaben sind 94 Fluren durch Hagel beschädigt
vorden, deren Verlust im Durchschnitt 5 Zehntel betrug.