Rüben das Material für die Infection der Mäuse und verwandter
Thiere und diese das Infectionsmaterial wiederum für die Schweine
iefern.
Auf den vorerwähnten Ursprung und Fortpflanzung der Trichi—
ien hat bereits Zürn in dem bei Wilfroth hier 1864 erschienenen
Werke: „Anleitung zur rationellen Fleischbeschau. Auf besondere Ver—
anlassung herausgegeben,“ hingewiesen. Er sagt u. A. darin: „Dem
Verfasser wurde im Jahre 1863 eine Probe Rübentreber aus einer
Fabrik zur mikroskopischen Untersuchung übergeben, welche nach dem
Ausspruche des Thierarztes zu einer unter dem Viehstande ausge—
brochenen Seuche, welcher im Jahre 1859 gegen 80 Stück und im
Jahre 1862 wiederum 20 Stück Ochsen erlegen sind, Veranlassung
gegeben. Diese Treber, dunkel von Farbe und faulig von Geruch,
eigten unter dem Mikroskop eine unglaubliche Menge lebendiger und
vollständig entwickelter Nemaloden (Trichinen), größer als die an den
Rübenwurzeln vorkommenden, sonst denselben aber sehr ähnlich. Ihre
Menge war so groß, das in einem Wassertropfen, welcher zum Be—
netzen einer ganz kleinen Probe dieser Treber verwendet wurde, viele
dundert solcher Thiere vorhanden waren. In einer anderen Probe
Preßling aus einer benachbarten Zuckerfabrik ließ sich dagegen kein
inziges Exemplar der Thiere auffinden.“
Oben genanntes Werk ist nicht nur für amtlich eingesetzte Fleisch
beschauer verfaßt, sondern überhaupt bei der jetzt so stark auftreten—
den Trichinenkrankheit für jeden Metzger und Fleichviehzüchter von
größter Wichtigkeit in der Ausübung ihres Berufes.
Elster Jericht
über die
Wirksamkeit des Nachweisungs-Büreaus für Aus—
wanderer in Bremen
vährend des Jahres 1865.
sSchluß.)
Verschiedene Anfragen, die in jedem Jahre wiederkehren, mögen
hier von Neuem schon im Voraus beantwortet werden, um den Aus—
wanderern unnöthige Schreibereien und bittere Erfahrungen zu er—
sparen. Die freie Beköstigung liegt mit in den Ueberfahrtsbedingungen.
An Schiffsbedürfnissen sind anzuschaffen:
Matratze mit Stroh, die hier 16 Sgr. kostet,
wollene Decke zum Preise von ca. 1 Thlr. 10 bis 12 Sar.
Blechgeschirr ca. 25 Sgr.
In Betreff der Mitnahme von Baarschaften ist auch jetzt, da der
Papierdollar immer noch bedeutend niedriger steht, als der Golddollar,
den Auswanderern zu empfehlen, bei ihrer Ankunft in Bremen sich
einen Wechsel, zahlbar in Gold und nicht in amerikanischer Currency,
auf den Ausschiffungshafen ausstellen zu lassen. Die Beamten un—
seres Büreaus sind gern bereit, den Auswanderern zur Erlangung
solcher Wechsel bei hiesigen Bankiers behülflich zu sein. Nach ihrer
Ankunft in Amerika sollten die Auswanderer sich immer an die deut—
schen Gesellschaften wenden, daselbst, im Fall sie noch Effecten, Gel—⸗
der ꝛc. aus Deutschland erwarten, ihre Adressen niederlegen und sich
dort namentlich auch nach dem jedesmaligen Werth der Gold- und
Silbermünzen erkundigen.
Alle Anfragen geschäftlicher Art, welche sich auf den Abschluß
don Ueberfahrts-Contracten beziehen, werden von unserm Büreau aus
Zrundsatz nicht selbst beantwortet, sondern hiefigen Passagier-Expedien—
en zur Erledigung übergeben. Ebenso enthalten wir uns der An—
oreisung gewisser Länder oder der directen Einwirkung auf bestimmte
Auswanderungsziele, auf gewisse Erwerbsquellen, weil nach unserer
Ansicht die genaueste Kenntniß der Persönlichkeit, der geistigen und
örperlichen Eigenschaften, sowie aller Verhältnisse des Fragenden
erforderlich sein würde, um die Verantwortlichkeit für Rathschläge zu
übernehmen, welche für die Zukunft ganzer Familien maßnebend sein
können.
Die schon in früheren Jahresberichten ausgesprochenen Rathschläge
und Warnungen an gänzlich mittellose oder ungesunde Personen, die
hre Heimath noch nicht verlassen haben, sondern nur den Wunsch he
zen, auszuwandern, müssen auch diesmal wiederholt werden.
Der vorjährige dritte Quartal-Bericht der deutschen Gesellschat
n Maryland berichtete u. A. daß ein im Mai v. J. von der Armen,
Interstützungs-Commifsion einer hannoverischen Stadt nach Baltimor
geschickter Schuhmacher, der fortwährend kränklich und unfähig war
ein Brod zu verdienen, im August v. J. wieder in seine Heimaths
emeinde zurückbefördert worden sei. Kurz darauf kamen mit der Bau
Freihandel“ in Baltimore drei unverheirathete Schwestern mit
dindern an, welche von einer Gemeinde in Würtemberg weggeschich
varen und nach Newyork, wo ein Bruder von ihnen sein sollte, sich
venden wollten. Nach mehreren Schwierigkeiten wurden sie, als end
ich Nachricht von dem Bruder ankam, daß er sie aufnehmen wolle
iuf Kosten des Schiffes nach Newyork geschickt. Die deutsche Gesell
chaft schreibt über diese Vorfälle am Schluß ihres Berichts: „Wenn
semeindevorstände oder Ortsbehörden Arme, welche arbeitsfähig sind
gierher schicken, so läßt sich dieses, wenn auch nicht rechtfertigen, doch
mmerhin mit der Voraussetzung, daß sie sich hier ernähren können,
entschuldigen; aber die Fortsendung dreier lediger Frauenzimmer mi
3 Kindern ist jedenfalls unzulässig. Wenn der Bruder sich geweiger
hätte, die 11 Personen zu sich zu nehmen, so hätte jedenfalls das Schi
ie wieder mit zurück nehmen müssen.“
Wir möchten an diese Bemerkungen den menschenfreundlich en
Rath knüpfen, doch ja Personen, die auf sich selbst angewiesen sind
nicht unfreiwillig auswandern zu lassen, da dies meist gleichbe—
deutend ist mit einem Hinausstoßen ins Elend. Gemeindebehörden
laufen Gefahr, die doppelten und dreifachen Kosten sich aufzubürden,
venn eine Rücksendung der von ihnen nach Amerika fortgeschickten
Personen erfolgt. —
Es bleibt uns noch übrig zu berichten, daß die Beförderung der
Auswanderer von Bremen nach dem Abgangshafen im Jahr 1866
meist auf dem Wasserwege mit Dampfschiffen oder mit großen eisernen
Schleppkähnen, die von Dampfschiffen geschleppt wurden, erfolgt und
durch die im Novbr. 1864 geschehene Correction der Weser ge—
zen früher wesentlich erleichtert worden ist. Die Eisenbahn beförderte
m Jahre 1865 von sämmtlichen über Bremen beförderten 44,640
Passagieren überhaupt nur ca. 9350 Personen bis Bremerhaven, da
die von der königl. hannoverschen Eisenbahnverwaltung eingeführte
Ermäßigung des Auswanderertarifs auf der Bremen⸗Geestebahn von
1292 auf 8 Groschen von der hannoverschen Ständeversammlung für
das Jahr 1865 leider abgelehnt worden war. Die Direction des
Nachweisungs- Büreaus hat es übrigens im Interesse der Auswande—
rer für zweckmäßig erachtet, jede Erpedition sowohl per Schiff als
auch per Eisenbahn durch einen ihrer Beamten begleiten zu lassen, und
freut sich, berichten zu können, daß dadurch den Auswanderern immer
ofort die wirksamste Unterstützung gewährt worden ist.
Bremen, den 25. Januar 1866.
Die Direction
des
Nachweisungs-VBüreaus für Auswanderer.
Woran erkennt man die Bodenart im Allgemeinen?
Thonboden wird durch folgende Eigenschaften angezeigt, die
im so stärker hervortreten, je mehr Thon und je weniger Sand und
Kalk er enthält: glänzende, speckige, zähe Furche beim feuchten Pflügen
und Nichtzerbröckeln derselben nach dem Austrocknen; Risse und Spal⸗
ten bei trockener Witterung; längeres Stehenbleiben des Regenwassers
auf der Oberfläche. Zwischen den Fingern gerieben, fühlt sich der
Thonboden zart und fettig an; angehaucht, riecht er eigenthümlich
thonig. Acker- und Gänsedisteln, Kletten und Gänsefuß wachsen
gern wild auf ihm.
Sandboden hat so ziemlich in allen Theilen die entgegenge⸗
etzten Eigenschaften. Er zerfällt nicht, hängt sich nicht an die Ge—
cäthe an, schluckt das Wasser rasch, fühlt sich beim Zerreiben körnig
und rauh an und beherbergt gern Königskerzen, wilden Thymian,
Hungerblümchen, Bocksbart und Kamillen.
Stark kalk-und mergelartiger Boden erscheint hellgrau,
wenig bindig, trocken und hitzig, und wird besonders gern von Brom⸗
beeren, Huflattig, Hopfenklee, Ackerwinde, Wiesensalbei, Wicken, wil⸗
dem Mohn bewachsen. Gießt man auf eine Handvoll getrockneten
stalk- oder Mergelboden scharfen Essig oder verdünnte Salzsäure. so