Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

jeitig am hiesigen Bahnhof eintrafen, so daß die Eigenthömer ge—
aöthigt waren, um das bezahlte Passagegeld nicht zu verlieren, die
Reise ohne ihre Effekten anzutreten, die dann nachträglich zum Theil
Seitens unseres Büreaus, zum Theil von den Passagier-Erpedienten,
nit denen die Eigenthümer Contrakt abgeschlossen hatten, an den
Bestimmungsort derselben nachgeschickt wurden. Beispielsweise möge
aachstehend ein Fall erwähnt werden, der sich im September v. J.
zreignete: Ein seit mehreren Jahren in Amerika wohnhafter Deut—
cher besuchte seinen in Hessen-Darmstadt gelegenen Geburtsort. Nach
urzem Aufenthalt daselbst trat er seine Rückreise nach Amerika an,
ind gab zu diesem Zwecke seine Reisetasche im Werthe von 90100
Thalern in Frankfurt a. M. laut Gepäckschein auf die Eisenbahn.
In der Reisetasche befand sich u. A. ein Rock, worin der Eigenthümer der
Schonung wegen, ein großes Stück Seidenzeug, welches er mit nach Ame—
ika nehmen wollte, verpackt hatte. In Hannover angekommen, sah der
hetreffende Passagier unter den übrigen Effekten auch seine Reise—
asche und fuhr in der Meinung, daß sie richtig nach Bremen erpedirt
verde, hierher ab. Bei seiner Ankunft in Bremen fand er aber die
Reisetasche nirgends vor und erfuhr später in Folge der von ihm ein—
gelegten Reclamation, daß die Tasche anstatt nach Bremen nach Har—
hurg (Hamburg) von da aus nach Honhorst im Lüneburgischen expe—
dirt worden sei, wo sie von den Zollofficianten geöffnet worden war
und nach erfolgter Revision, da man den Eigenthümer der Defraude
beschuldigte confiscirt werden sollte. Von Seiten unseres Büreaus
vurde der königl. hannov. Eisenbahn-Betriebs-Direction sofort Anzeige
gemacht und durch deren Vermittelung, nachdem vorerst wegen des
Stückes Seidenzeug ein Steuerprozeß erhoben worden war, die Reise—
asche endlich nebst Inhalt und 5 Thlr. Schadenersatz zurückerstattet
ind dem Eigenthümer nachgeschickt. Das häufige Vorkommen sol—
her Fälle von verspäteter Ankunft der Effekten veranlaßt das Nach—
veisungs-Büreau, allen Passagieren und Auswanderer-Agenten zu
empfehlen, ja vorsichtig darauf zu achten, daß ihre Effekten mit ihrem
vollen Namen und dem Bestimmungsorte „Bremen“ versehen, gleich
nit demselben Personen- oder Extrazuge, in dem sie sich befinden
nach Bremen befördert werden. Sollten die Auswanderer bei ihrer
Ankunft in Bremen nicht in den Besitz ihrer Effekten gelangen kön—
nen, so bitten wir, daß sie sich sofort an die regelmäßig bei Ankunft
edes Zuges am Bahnhof wartenden Beamten des Nachweisungs
Büreaus oder an das Büreau unter dem Hause Schütting am Markr—
nit ihren Wünschen, Anfragen oder Beschwerden wenden. Unsere
Beamten sind jeder Zeit gern bereit durch Vermittelung der Eisen—
dahn-Direction per Telegraph die Besorgung der fehlenden Gepäck—
tücke unentgeltlich zu übernehmen und den Auswanderern mit
Rath und That behülflich zu sein.

Schluß folgt.)

Der Entdecker der Trichinenkrankheit.
Dr. Schildbach in Leipzig schreibt in der „Allg. Ztg.“: Die
Trichinenfrage hat für das Volk eine so hervorragende Wichtigkeit
zxlangt, daß es nothwendig geworden ist, die wichtigsten Thatsachen,
welche die Wissenschaft in dieser Hinsicht festgestellt hat, sowie den
geschichtlichen Verlauf der Frage zur allgemeinen Kenntniß zu
bringen. Für denjenigen, welcher es nicht schon vorher besser wußte,
muß es fest zu stehen scheinen, daß wir unser gesammtes heutiges
Wissen von den Trichinen dem Prof. Leuckart verdanken. Nun ist
allerdings richtig, daß niemand weiter so umfängliche Untersuchungen
über die Naturgeschichte der Trichine angestellt hat, wie dieser
Forscher, und es ist ihm der Nachweis zu verdanken, daß man durch
Fütterung mit Darmtrichinen ein Thier anstecken kann, und daß
diese Eingeweidewürmer im Darmcanal nach wenigen Tagen ge—
schlechtsreif werden und lebendige Junge gebären. Die Thatsachen
aber, durch welche die Trichinen zu einer schreckensvollen Tagesfrage
zeworden, sind von anderer Seite aufgefunden und festgestellt worden.
Der Entdecker der Trichinenkrankheit ist Dr. F. A. Zenker, jetzt Pro—
fessor der pathologischen Anatomie in Erlangen. Er, damals in
Dresden angestellt, war es, welcher daselbst in den Tagen von Ende
Januar bis zu Anfang März 1860 die überraschende Entdeckung

nachte, daß die Trichinen, die man bis dahin für ganz unschuldig—
Thierchen gehalten hatte, den Tod des Menschen herbeiführen kön
ien, und welcher durch die sorgfältigste Erforschung und Ausbeutung
aller Thatsachen, die sich auf den einen ihm damals vorliegenden
Fall bezogen, innerhalb jener 5—6 Wochen die Lehre von der Tri—
hinenkrankheit des Menschen in allen wesentlichen Punkten zum Ab—
schluß brachte. Und zwar geschah dies noch, bevor die naturwissen—
chaftlichen Fragen gelöst waren, und es haben Zenker's Arbeiten
elbst ganz wesentlichen Antheil auch an der Lösung dieser. Gleich—
zeitig wurde auf experimentellem Wege ein Theil seiner Entdeckungen
von Prof. Virchow in Berlin bestätigt, welcher sich schon vorher er—
'olgreich mit den Trichinen beschäftigt hatte und auch jetzt einige
bichtige neue Nachweise über die Naturgeschichte, die Wanderung
ind das Verhalten derselben in den Muskeln hinzufügte. Aber
zZenker war es, welcher selbstständig und allein erkannte, daß der
Mensch sich durch den Genuß trichinigen Schweinefleisches mit Tri—
hinen ansteckt und in Folge dessen in eine schwere fieberhafte Krank
Jeit mit den heftigsten Muskelerscheinungen verfallen, ja sogar daran
terben kann. Und Virchow war der erste, welcher dieses hohe Ver⸗
dienst Zenker's in der umfassendsten Weise in seinem Archiv (Bd32,
S. 348) anerkannte. Aber die glänzende Anerkennung wurde Zenker
zu Theil durch die Französische Akademie der Wissenschaften, welcher
in der Sitzung vom 6. Febr. 1865 eine aus Männern hohen Ruhms
zusammengesetzte Commission durch eine ausführliche, von Claude
Bernard ausgearbeitete Denkschrift nachwies: »qus M. Zenber a
öté le véritable promoteur de la maladie trichinaire parmi tous
voeux qui ont contribué à la fairs bien connaitre.« In Folge die—
es Gutachtens erhielt Zenker einen Monthyon'schen Preis von
2500 Fres.

Verfälschung des Petroleums.
Cöln, 2. Januar. Das hiefige Amtsblatt enthält folgende Be
anntmachung der Königl. Regierung: Petroleum wird in der jüng
ten Zeit vielfach verfälscht, und zwar hauptsächlich in der Weise, daß
nan die schweren, sonst nicht zur Beleuchtung verwendbaren Para fin⸗
Dele durch Zumischung von Petroleum-Essenz (Naphtha), welche ein
pezifisches Gewicht von O, zo hat, auf eine spezifisches Gewicht von
twa 0, zoo bringt. Solche Oele, welche sich, der äußern Erscheinung
rach fast gar nicht von dem reinen Petroleum unterscheiden, indem
yöchstens ein stärkerer Geruch bei demselben vorwaltet, sind sehr leicht
entzündlich und deshalb im Gebrauche sehr gefährlich. Wird nur
Essenz zu einem schweren ODele von 0O, zzo spezifisches Gewichts gesetzt,
o treten beim Brennen von Lampen folgende Erscheinungen ein: Im
Anfang kommt größtentheils eine Auflösung von schwerem Oel in
kssenz zur Verbrennung, indem durch die Einwirkung der Wärme
auf das Oel im Dochte ein Theil des schweren Oels im Dampfe der
Essenz gelöst zur Verbrennung kommt. Mit dem Konsum der Essenz
zört auch die Verbrennung des schweren Oeles auf; die Flamme gehl
urück; es findet eine Verkohlung des Dochtes und späterhin ein Rußen
tatt. Um dieses zu vermeiden, hat man gutes Petroleum von O,od
—O, ss spez. Gewichtes zugesetzt, oder aber die schweren Oele von nur
) s20 spezif. Gewicht genommen. Es wird hierdurch zwar ein größe⸗
er Konsum des schweren Oeles bedingt; es treten jedoch schließlich
ebenfalls die obgenannten Uebelstände beim Brennen der Lampen ein.
In einem Falle wurde ein solches verfälschtes Oel, welches ein spezi.
Bewicht von 0, zoo hatte, näher untersucht, wobei sich ergab, daß das—
elbe aus circa 26 Vol. Prozent Essenz, von O,go spezif. Gewichte,
20 Vol. Prozent gutem Petroleum Brennöl von O, ho spezif. Gewichte
jon 50 Vol. Prozent schwerem Oele, sogenannten Schmier- oder Pa⸗
raffin-Oel von 0, z80 spezifischem Gewichte bestand. Zur Erkennung
ines solchen Gemisches gibt es ein einfaches Mittel. Man mischt
iämlich in einem passenden Gefäße ein Raumtheil kaltem Wasser zu—
ammen, rührt das Gemisch gut um und gießi einen starken Stroh—
zalm dicke Schicht des fraglichen Oeles darauf. Ist dasselbe frei von
Essenz, so kann es durch eines brennenden Fidibus nicht entzündet
werden. Uebersteigt aber der Essenzgehalt 12 Prozent, so entzündet
sich das Oel jedenfalls. Wir machen das Publikum hiermit auf diese
gefährliche Mischung aufmerksam und warnen vor dem Gebrauche der
            
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