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den Kreis Saarbrücken.
320.
Donnerstag den 15. Februar
1866.
Elfter DZericht
über die
hier bereits eingegangenen Bestellungen auch Passageplätze und nach
ibereinstimmenden Nachrichten aus Deutschland und Amerika vor⸗
aussichtlich noch größer werden als im letzten Jahre, und die große
Nachfrage nach Plätzen auf den Dampfschiffen ist ein Zeugniß für
die Durchschnittlich größere Bemitteltheit der Auswanderer. Es ist
nicht die Aufgabe unseres Jahresberichts, den tiefern Ursachen und
Wirkungen des großen Zuges deutscher Bauern und Handwerker nach
dem Westen nachzuforschen. Wir können den Schaaren der an uns
»orüberziehenden Landsleute nichts anderes wünschen, als daß es
hnen drüben wohlgehen und der Uebertritt aus der alten in die
eue Heimath ihnen möglichst erleichtert werden möge. Diesem leb⸗
jaften Wunsche, welcher alle Classen der Bremischen Bevölkerung
urchdringt und der Sorge für die Erhaltung des guten Rufes un—
zrer Auswandererhäfen hat das Bremische Nachweisungs-Bureau für
Auswanderer seine Entstehung und seine bisherigen Erfolge zu ver—
anken. Unsere Anstalt feiert mit dem 1. März d. J. das fünf—
ehnte Jahr ihres Besteheus. Sie stellte sich ursprünglich die Auf—
jabe: „allen Personen, welche sich von Bremen aus nach übersee⸗
schen Plätzen begeben wollen, eine zuverlässige Auskunft über sämmt—
iche bei diesem Vorhaben in Frage kommenden Verhältnisse zu ge—
währen.“ Sie hat seit jener Zeit ihren Wirkungskreis auch auf die
iber Bremen zurückkehrenden Landsleute ausgedehnt und von Jahr
zu Jahr immer größere Befriedigung in dem Berufe gefunden, deut⸗
chen Auswanderern als Freund und Rathgeber zur Seite zu stehen,
Mißverständnisse zu ebnen, Verluste und Uebervortheilungen abzu—
venden, Ersparnisse zu ermöglichen und überhaupt durch ihre Ver—
nittelung dazu beizutragen, daß so viel nur immer möglich Jeder
u seinem Recht gelange und dem Unrecht nachdrücklich gewehrt werde.
Die Dienste, welche unsere Beamten zahlreichen Auswanderern leisten
sonnten und stets ohne jede Vergütung geleistet haben, trugen
dazu bei, unser Institut bekannt zu machen, so daß jetzt von Amerika
ind Deutschland aus immer häufiger Anfragen an unser Bureau
rgehen, sowie Zuweisungen von Personen erfolgen, die über Bremen
eisen und sich der Hülfe unserer Beamten zu bedienen wünschen.
Unter den im Jahr 1865 über Bremen beförderten 44,640 Auswan-⸗
erern befanden sich ca. 1800 Personen, welche bei ihrer Ankunft in
zremen mit keiner Logiskarte versehen waren und deshalb von Sei⸗
en des Nachweisungs-Büreäus denjenigen Gastwirthen der Reihe nach
ugewiesen wurden, die sich verpflichtet haben, den Auswanderern Kost
ind Logis nach Vorschrift zu festen Tarpreisen zu gewähren und sich
er Countrole des Büreaus zu unterwerfen. Etwa 500 Auswanderer
amen im vorigen Jahre in Bremen an, welche. noch keine Ueber—
ahrts-Contracte abgeschlossen hatten und deshalb den verschiedenen
obrigkeitlich concessionirten Passagier-Expedienten zugewiesen wurden.
Zum Empfange der von Seiten des Büreaus herausgegebenen
edruckten Verhaltungsmaßregeln für den kurzen Aufenthalt in Bre—
nen, in Bremerhaven und auf dem Schiffe, sowie der gedruckten In—
fructionen für die Ankunft am überseeischen Bestimmungsort melde⸗
en sich 6000 Auswanderer, die gleichzeitig über verschiedene von ih—
ien gestellten Fragen Auskunft erhielten. In ca. 70 Fällen blieben
ẽ ffekten von Auswanderern wegen Nachlässigkeit der Eigenthümer
am hiesigen Bahnhof zurück und wurden auf Anordnung des ersten
Beamten Grimem in einem dort befindlichen verschließbaren Gepäck⸗
caum untergebracht und von den Pasagier-Erxpedienten den Eigen⸗
hümern nachgesendet. Außerdem kamen im Laufe des Jahres 1865
da 50 Fälle vor, in denen Effekten von Auswanderern nicht recht⸗
— —— —
Wirksamkeit des Nachweisungs-Büreaus für Aus—
wanderer in Bremen
während des Jahres 1865.
Mit der im Jahre 18685 glücklich erfolgten Beendigung des Bür⸗
jerkriegs in den Vereinigten Staaten ist auch ein neuer Wendepunkt
ür die deutsche Auswanderung eingetreten. Wenn nicht Alles trügt,
o steht die nordamerikanische Un on an der Schwelle einer neuen
kpoche großartigen Aufschwungs. Da die Deutschen in Amerika,
velche reicher an Einfluß und Selbstgefühl aus der eben überstande—
aen Krisis hervorgegangen sind, am materiellen Wiederaufbau der
Anion den regsten Antheil nehmen, so ist es kein Wunder, daß sie
hre im Vaterlande zurückgebliebenen Verwandten und Freunde in
zrößerer Anzahl in ihre neue Heimath hin überrufen. — Die Aus
vanderung über Bremen, welche im Jahre 1862 auf die niedrigste
Zahl von nur 14,710 beförderten Passagiere herabgesunken und im
Jahre 1863 auf 17,955, dagegen 1864 auf 27,409 Personen gestiegen
var, hat im Jahre 1868 bereits wieder die hohe Ziffer von 44,640
ßassagieren erreicht. Von diesen wendeten sich allein nach Newyork
39,120 Personen, nach Baltimore 4,708, nach Quebec 17, nach New—
Orleans 672, nach Galveston 63, nach Buenos Ayres 61 Personen.
Von den nach Newyork beförderten Passagieren reisten 16,127 in
Dampfschiffen und 22,993 in Segelschiffen, während im Jahr 1864:
11,161 Passagiere mit Dampfschiffen und 12,7183 mit Segelschiffen
und 1863: 6013 Passagiere mit Dampfschiffen und 10,255 mit Se—
zelschiffen nach Newyork befördert wurden. Die eben mitgetheilten
Zahlen beweisen, daß die Auswanderer-Beförderung auf Dampfschif⸗
en von Jahr zu Jahr immer größeren Umfang gewinnt, was in
virthschaftlicher Hinsicht von nicht gering anzuschlagendem Vortheil
st, da dadurch viele Tausende von Arbeitskräften nicht mehr Monate
ang ihrem Beruf entzogen werden. Die Postdampfer des Norddeut—
schen Lloyd waren im vorigen Jahre fortwährend gänzlich besetzt:
denn sie beförderten im Jahr 1865 auf den Hinreisen mit jedem Schiffe
»urchschnittlich 618 Personen, gegen durchschittlich 517 Personen im
Jahr 1864 und durchschittlich 296 Personen im Jahre 1863. Im
Dezember 1865 ist der neueste fünfte Dampfer des Norddeutschen Lloyd
in die regelmäßige Dampfschifffahrts-Linie zwischen Bremen und
NRewyork eingetreten und im Jahre 1866 soll diese Linie durch zwei
neue Dampfer vervollständigt werden, so daß dann allwöchentlich ein
Dampfer des Norddeutschen Lloyd von Bremen nach Newyork expe—
irt werden kann. Es wird daher allen denen, welche über Bremen
nach Nordamerika auszuwandern wünschen, nicht an der Auswahl
wijchen zahlreichen Dampf- und Segelschiffen fehlen. Gleichzeitig
sst darauf Aufmerksam zu machen, daß die Verbindungen Bremens
mit den südlichen Häfen der Vereinigten Staaten wieder eröffnet sind,
daß bereits im verflossenen Jahre 4Segelschiffe mit 672 Passagieren
aach New-Orleans und 2 Schiffe mit 63 Passagieren nach Galveston
zxpedirt wurden, und daß die Anzahl der zur Aufnahme von Passa—
gieren nach den südlichen Häfen hier bereit liegenden Schiffe im Jahre
1866 voraussichtlich nicht unbedeutend zunehmen wird, da Baumwolle,
Tabak und andere Produkte der Südstaaten dem Bremischen Waaren—
markt wieder reichlicher direct aus den Produktionsgebieten zuströmen
Die Auswanderung über Bremen wird im Jahr 1866 nach den