ernt liegenden Wildländereien, welche häufig nicht einmal mehr zur
Steunutzung oder zur Schafweide wirthij chaftlich geeignet sind
und bei der Grundsteuerregelung als absoluter Holzboden in der
Regel nur mit 123 Sgr. jährlichen Reinertrags in die niedrigsten
Weideklassen eingeschätzt worden sind. Diese vollständig erschöpften
Ländereien bilden in Folge der noch fortbestehenden Raubwirthschaft
inen immer größer werdenden Theil der bei der Grundsteuerrege—
ang für den ganzen Regierungsbezirk Trier mit einem durchschnitt⸗
lichen Reinertrag von 5 Sgr. ermittelten 310,074 Morgen Weide—
ländereien, welche 11,1 Prozent der Gesammtfläche repräsentiren.
Belingt es nun, den jährlichen Reinertrag dieser Weideländereien
auch nur um 1 Sgr. pro Morgen zu erhöhen, so würde dadurch die
Bodenernte des Bezirks schon um 10,000 Thaler gehoben sein!
Je ernster sich die Gegenwart für die hiesigen Landwirthe ge
ttaltet, je weniger Beruhigung ihnen bei der sich jährlich vermehren
den Eoncurrenz und der zunehmenden Lebensbedürfnisse der Blick in
die Zukunft gewährt, um so dringender scheint es uns geboten, daß
die bessere Rutzbarmachung der Gemeindegrundstücke immer wieder
ind wieder allseitig in sorgfältige Erwägung gezogen wird. Auch
—— oft der
Fall gewesen ist, sich ohne Nachdenken und Prüfung überkommenen
dewohnheiten hinzugeben; man täusche sich und Andere nicht mit
allerlei Scheingründen, Verdächtigungen und sonstigen verwerflichen
Mitteln; man verstecke nicht den Eigennutz hinter scheinbar eifriger
Vertretung des Wohles der ärmeren Bevölkerung. Hält man sich
ern von diesen Klippen, wie wir dies bei jedem Mitgliede der Ge—
meindevertretung als selbstverständlich voraussetzen müssen, und geht
dann z. B. an eine der wundesten Stellen der Gemeindenutzungs
derhältnisse, wir meinen an die Prüfung des Nutzens der Schaf.
haltung heran, so wird man die jetzt in vielen Gemeinden damit
verbundenen, weit überwiegenden wirthschaftlichen Nachtheile nicht
serner in Abrede stellen können; man wird sich vielmehr überzeugen,
daß die Schafherden den Ackerwirthen vieler Gemeinden jetzt zum
»ffenbarsten Schaden gereichen. Dies ist namentlich in den
Ortschaften der Fall, wo mit der wachsenden Bevölkerung und dem
Lufblühen der Landwirthschaft die Ackerz⸗, Wiesen- und Waldflächen
immer größere Ausdehnung gewonnen haben, so daß selbst die Trift—
wege schon immer mehr und mehr verengt worden sind. Wenn in
lolcher Gemeinde — bei gewöhnlich sehr starker Parzellirung des
Zrundbesitzes — nur noch Oed- und Wildländereien von jener oben
geschilderten schlechtesten Qualität vorhanden, die übrigen Felder
aber geschlosen sind, so ist es unvermeidlich, daß der Schäfer, der
gewöhnlich eigne Schafe in der Heerde hat, letztere von den Feldern
und Wiesen so wenig fern hält, daß sie fast ihre ganze Nahrung
von letzteren entnehmen. Dazu kommt, daß die Gemeinde-Schaf—
heerden der größeren Ausdehnung des Futterbaues und damit der
zedeihlichen Entwicklung der für unsere Gegend so überaus wichtigen
Rindviehzucht im höchsten Grade hinderlich sind. Ueberzeugt man
fich dann auch wohl noch davon, daß die Schafe nur einer kleinen
Zahl der wohlhabenden Einwohner gehören, die mittlere und ärmere
classe dagegen meistentheils Leihvieh der Viehhändler in die
deerde treibt und auf diese Weise nebenher systematisch ausgesogen
wird; weiß man, daß die Haltung einer nur kleinen Zahl eigener
Schafe dem Ackerwirthe erfahrungsmäßig wenig oder gar keinen
Reinertrag gewährt, und daß unter solchen ungünstigen Verhältnissen
die „elbstgewonnene“ Wolle sich viel theuerer berechnet, als die zum
Spinnen und Weben gekaufte; sieht man, wie in vielen Gemein—
den (namentlich im Kreise Bitburg) die Landwirthschaft nach Ab—
chaffung der Schafheerden ungewöhnlich fortgeschritten ist, so
wird man sich endlich auch dazu entschließen müssen, durch eine
zründliche Prüfung aller wirthschaftlichen Verhältnisse der eigenen
Gemeinden sich ein rechnungsmäßiges, klares Urtheil über den Nutzen
der heimischen Gemeinde-Schafheerde zu verschaffen. Daß aber
zerade in dieser Beziehung noch die irrigsten Ansichten in vielen
Zemeinden herrschen, beweisen die uns vorliegenden Gutachten. In
nehreren derselben ist z. B. der jährliche Reinertrag der Gemeinde—
wildländereien auf 7 (sieben) Thaler pro Morgen angegeben worden,
während er, wie oben schon erwähnt worden, nicht 7 Groschen be—
trägt. Im Kreise St. Wendel gibt es z. B. noch circa 6000 Morgen
Gemeindeöd- und Wildländereien, von denen mindestens ein
Drittel in den steilen Berghängen liegt und durch die übermäßige
Ausübung der Schafweide schon so weit verwüstet ist, daß wenn
diese Grundstücke noch auf weitere 10-220 Jahre, à 100 Morgen
zu 21,.—-8 Thaler, also der Morgen zu 1/.—83 Sgr. verpachtet
vürden, nach Verlauf dieser Frist der wenige vorhandene Boden
durch das Abspülen und Abtreten vollständig verschwunden sein und
aur der kahle Fels übrig bleiben würde. Auf einem Banne von
2000 Morgen pflegt man dort die Winter- und Sommer-Schafweide
etwa zu Wo0 Thaler, den Morgen also zu 3 Sgr. zu verpachten
Nimmt man den Reingewinn des Pächters, einschließlich des Er—
löses, den er aus dem Pferche zieht, zu 50 Procent dieses Pacht.
„reises an, so würde sich der jährliche Werth der Schafweide für
den ganzen Bann etwa zu 300 Thaler, also pro Morgen auf 41,
Sgr. schätzen lassen. Diese Wildländereien aber gewähren kaum ein
Viertel der auf den anderen Ländereien vorhandenen Schafweide!
(Schluß folgt.)
Untersuchungen über die Trichinenkrankheit.
Es liegt uns der Bericht an Se. Excellenz den Herrn Minister
der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten über die
im landwirthschaftlichen Institut der Universität Halle angestellten
Versuche betreffs der Trichinenkrankheit der Schweine vor.
Dieselben sind von Hrn. Dr. Julius Kühn, ordentl. öff. Pro—
essor und Direktor des landwirthschaftlichen Instituts angestellt wor
den und in den von demselben herausgegebenen
Mittheilungen des landwirthschaftlichen In—
stituts der Universität Halle, Jahrgang 1868 (Ber—
lin, Verlag von Wiegandt und Hempel),
enthalten.
Die große Sorgsamkeit und Ausdauer dieser Untersuchungen.
zie Schärfe der dabei innegehaltenen Beobachtungen, die kritische
Lorsicht beim Aussprechen eines Urtheils, kennzeichnen diese aus—
ührliche gelehrte Arbeit.
Für Fachmänner sind die beigegebenen genauen Tabellen von
»esonderem Werthe, welche eine ganz spezielle Nachweisung über das
Lerbreitungsverhältniß der Trichinen enthalten, wie es bei den Ver—
uchsthieren gefunden wurde. Ferner haben in den Tabellen Auf—
zahme gefunden die Versuchsschweine, welche mit verschieden zuberei⸗
etem trichinösen Fleisch gefüttert wurden. Nur diejenigen Fälle sind
uicht mit aufgenommen worden, bei denen die Untersuchung ein voll⸗
tändig negatives Resultat ergab, wie dies bei der Fütterung mit
richinösem, aber gut gekochtem, gut gebratenem Fleisch stattfand.
Auf welchem Punkte es besonders ankam, und zu welcher Er—
zrterung derselben, Hr. Dr. Kühn, wenn auch nicht immer mit ab—
oluter Sicherheit durch seine Untersuchungen gelangte, das ist nicht
los für die Fachmänner und Gelehrten, sondern vom allgemeinsten
Interesse, denn die Trichinenfrage berührt alle Welt. Wir wollen
zaher die Resultate im Allgemeinen mittheilen.
Zunächst stellt Hr. Dr. Kühn das Ganze der ihm gewordenen
Aufgabe zusammen. Er sagt hierüber:
„Bei den im Verfolg der Verfügung eines kgl. Kuratoriums
jiesiger Universität vom 1. Januar 1864 im landwirthschaftlichen
Institut ausgeführten Versuchen über die Trichinenkrankheit der
Schweine wurden zunächst und hauptsächlich die praktischen, das In—
teresse des Landwirthes bei dem Betriebe der Schweinezucht näher
erührenden Fragen ins Auge gefaßt. Es waren dies folgende:
Hiebt es charakteristische und auch dem praktischen Landwirthe sicher
»rkennbare Symptome der Trichinenkrankheit bei Schweineu? —
der, wenn dies nicht der Fall, sind die durch Infektion mit Tri—
hinen hervorgerufenen Krankheitserscheinungen doch so weit bezeich⸗
iend, um eine polizeiliche Ueberwachung trichinenverdächtiger Thiere
u rechtfertigen? Uebt Rasse, Alter und Geschlecht einen Einfluß
aus in Rücksicht auf größere oder mindere Leichtigkeit der Infektion
zdurch Trichinen? Wird durch letztere, wenn nicht in plötzlicher und
und auffallender Weise, so doch im Allgemeinen der gleichmäßig
zute Fortschritt der Körperentwickelung und insbesondere der Mast—
erfolg beeinträchtigt? Läßt sich das Behaftetsein mit Trichinen am
lebenden Thiere durch irgend welche Hülfsmittel mit einiger Sicher