Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Jeder Landwirth weiß, wie schwer es hält, Tagelöhner und Ge—
inde, besonders früh, an die Arbeit und die Wirthschaft in Gang
u bringen. Steht er nicht früh auf, hilft er nicht hier und da nach,
Irdnet er nicht Alles selbst an, so ist die Zeitverschwendung groß.
Ist endlich das Geschirr aus dem Hofe, so sieht man es, wenn nicht
der Herr selbst nebenher und vorwärts schreitet, langsam wie die
Schnecken nach dem Felde ziehen. Ueberall Zeitversäumniß!
Das frühe Aufstehen des Landwirths ist auch wegen Anstellung
ner Wirthschaft nothwendig. Abends kann wohl im Allgemeinen über—⸗
legt werden, welche Geschäfte den andern Tag nothwendig sind, allein
zie eigentliche Anstellung der Wirthschaft kann schlechterdings nicht
her als früh erfolgen, denn die Witterung ändert sich über Nacht
aur zu oft, als daß etwas Bestimmtes den Tag vorher festgesetzt wer—
den könnte. Wie ist dies aber möglich, wenn der Herr bis zur An—
pannzeit im Bette liegt? Höchst possirlich ist e8s, wenn von den
knechten oder Aufsehern die Befehle des Herrn jedes Mal aus dem
Bette geholt werden müssen.
Willst du nicht frühe aufstehen, so gehe von der Landwirthschaft
ib. Man verläßt sich oft auf seine Leute, aber ein braver Stellver—
reter ist eine Seltenheit; die Landwirthe, die so glücklich sind, der—
zleichen zu besitzen, sollen dadurch nicht verwöhnt werden; denn geht
kiner ab, so werden sie selten seine Stelle nach Wunsch wieder be—
etzen können. An sogenannten Maulmachern fehlt es nicht, aber die
Leute, welche wenig reden und viel thun, sind selten. Schon ein
altes Sprüchwort sagt: „Des Herrn Fuß (d. h. seine Anwesenheit)
düngt den Acker gut.“
Die wackere Hausfrau verläßt mit dem Hausvater zugleich, und
n manchen Fällen noch früher ihre Ruhestätte, denn ihre Aufsicht
äber Küche, Keller und Stall ist stets von Nutzen. Die Mägde lie—
hben den Schlaf noch mehr als die Knechte und ist eine Hausfrau
nicht früh auf dem Platze, so muß darunter das den Mägden an—
jertraute Vieh leiden, und ein Kenner wird es der inneren Wirth—
chaft den ganzen Tag ansehen, daß es irgendwo fehlt. Verschwen—
ete Zeit läßt sich nie wieder erkaufen. Wohl dem Landwirthe, der
ein munteres häusliches Weib hat, das die Wirthschaft mehr liebt
als den Schlaf: er ist ein gesegneter Mann und wenn die Mit—
zift auch nicht groß war, die es ihm zubrachte, er ist ein gesegneter
Nann.
Ihr Landwirthe, die Ihr gern lange in den Federn liegt, macht
doch einmal die Rechnung, wie viel Ihr verschlaft, und vielleicht strengt
Ihr Euch dann um so mehr an, eine besonders dem Landwirth zur
Schande und zum Nachtheil gereichende Gewohnheit zu bekämpfen.
Wird nur an jedem Morgen eine halbe Stunde versäumt, so beträgt
die in jeder Woche drei Stunden und in 240 Arbeitstagen 120 Stun—
den. Nimmt man jeden Arbeitstag im Durchschnitt zu 9 Stunden
in, so ist es eben so gut, als würden mit den sämmtlichen Geschirren
ind Arbeitern, die bei einer Wirthschaft unterhalten und bezahlt wer—
den müssen, 131/, Arbeitstag versäumt. Welch' ein beträchtlicher Zeit
raum! Je größer die Wirthschaft ist, desto nachtheiliger und auffallen
der die Versäumniß. Leider dürfte es viele Landwirthe geben, die
einen Werth auf die edle Zeit legen; aber legt Ihr denn auch keinen
Werth auf das Geld? Wißt Ihr nicht, daß Morgenstunde Gold
im Munde hat? Wollt Ihr nicht aufstehen, weil es die Pflicht ge—
dietet und weil es die Gesundheit fordert, so möge der große Verlust
an zeitlichen Gütern, die Ihr Euch durch das Verschlafen der golde—
ien Morgenstunde zuzieht, in schwarzen Bildern vor Eurem Lager er⸗
cheinen und Euch aufschrecken. 8.

Dünger⸗Handel.
In Frankreich wird, laut offiziellen Ermittelungen, jährlich für
nehr als fünfhundert Millionen Franken Dünger verkauft;
37 Departements oder Bezirke machen von diesen sogenannten künst—
ichen (artificiel) Dungstoffen den stärsten Gebrauch, die andern mehr
der minder, und nur 6 (unter 89) fand man, in denen nur Stallmist
jebraucht wird. Diese künstlichen Dungstoffe bestehen in Guano,
Poudrette, Zuckerschaum, Knochen, Wollabfällen oder Lappen, Oelku—
hen u. dergl., aber auch in Mischungen, deren Zusammensetzung und
dungwerth die Chemie wohl bestimmen kann, die aber dem Unein—
zeweihten nur eine grob- oder feinkörnige schwarze Erde zeigen, de—

ren geheimnißvolle Wirkung er auf Treue und Glauben annehmen
muß. Es versteht sich von selbst, daß das Vertrauen oft mißbraucht
vird. Nun hatten zwar, nach dem Beispiele des Präfekten der Nie—
derloire in Nantes, wo ein sehr bedeutender Düngerhandel blüht, etwa
20 andere Präfekten den Verkauf solcher Stoffe gewissen Vorschriften
interworfen, es mußten Analysen vorgenommen, Etiquetten aufge⸗
teckt und dergl. werden; allein neuere Urtheile des Kassationshofes
erklärten, daß kein Gesetz die Präfekten ermächtige, derartige Bestimm—
ungen zu erlassen, oder wenigstens, daß ihre Uebertretung keine Strafe
nach sich ziehen könne.

Die Sparbrenner für Gasbeleuchtung
jestehen bekanntlich alle darin, daß der Brenner, an welchem das
sßas angezündet wird, noch über einen andern kleinern Brenner ge⸗
chraubt wird, wodurch der Gasdruck und somit der Gasverbrauch
nöglichst vermindert werden soll. Derselbe Zweck läßt sich aller—
ings erreichen, wenn durch die einzelnen Lampenhähnchen und die
daupthähne der Gaszufluß je nach dem vorhandenen Drucke beliebig
'egulirt wird. In größeren Fabriken ist es aber nicht möglich, die
Stellung aller Hähne gehörig zu controliren und doch ist der Mehr—
perbrauch an Gas bei weit geöffnetem Hahn ein viel größerer, als
nan gewöhnlich annimmt; es wird allerdings mehr Licht, aber bei
wveitem nicht in gleichem Verhältniß erzielt. So erklärt es sich, daß
man in hiefigen Fabriken durch Sparbrenner verschiedener Einrich—
uung bedeutende Ersparnisse, 15, 20 und mehr Procente, erzielte.
Nebenbei suchte man in den Sparbrennern auch noch eine Reinigung
)es Gases zu bewirken, indem man zwischen beide Brenner Eisenpäne,
 Wolle, Hasenhaare ꝛc. einlegte, oder auch ein viereckiges
Stück Weißblech, das die cylindrische Hülse nicht vollständig aus—
üllte, so daß das Gas an der Hülsenwandung durch vier im Grund—
iß segmentförmige Oeffnungen austreten konnte. In den letzten
Tagen nun wurden hier wie in Leipzig ꝛc. u. d. N. Wiener
Patentbrenner angeblich von einem Wiener fabricirte Spar—
»renner auf den Markt gebracht, die sich, wenn durch irgend etwas,
dadurch auszeichnen, daß der untere Brenner ein sogen. Illumina—
ionsbrenner von Speckstein mit seitlich angebrachten Löchern ist,
iber dem ein Messingdrahtsieb liegt. Es ist anzunehmen, daß diese
Brenner ihren Zweck ebenso gut erfüllen wie andere ihrer Art,
allein die Art der Reclame, womit der Verkauf betrieben wird, so—
vie der überspannt hohe Preis dieser Brenner, nähert sich dem,
vas man im gewöhnlichen Leben Schwindel zu nennen pflegt. Die—
elben werden nämlich zum Preis von 25 Ngr. pro Stück feilge—
hoten, während vollständig gleiche u. A. von dem hiesigen Lampen—
abrikanten Hrn. Ad. Wagner zu 10 Ngr. pro Stück und 3 Thlr.
oro Dutzend geliefert werden. Es ist daher wohl gerechtfertigt, das
Publikum von diesem Sachverhalt zu unterrichten. (D. Ind.3.)

Vermischtes.
Rauchfleisch nach hamburger Art schön und schmac—
haft zu bereiten. Vorschrift von Dr. Artus. Das betreffende
Fleisch wird wie gewöhnlich in größere oder kleinere Stücke, jedes
ettwa 5—8 Pfund schwer, zertheilt und in siedendes Wasser getaucht,
edoch sofort wieder herausgenommen und mit den Händen stark mit
dochsalz dem eine kleine Menge Salpeter zugesetzt worden war, einige
Zeit eingerieben. Nachdem dieses Einreiben vollzogen worden, wer—
zen die Stücke endlich von allen Seiten mit Kleie berieben und in
iesem Zustande 6—8 Wochen hindurch bei einem gelinden Schmauch⸗
euer geräuchert. Auf diese Weise wird ein Rauchfleisch erzielt, wel—
hes lange Zeit hindurch aufbewahrt werden kann und stets einen an⸗
jenehmen Geschmack zeigt und selbstverständlich zu den guten nahr—
jaften Speisen zu rechnen ist. Wird das Fleisch, wie oben erwähnt
vurde, in siedendes Wasser momentan getaucht, so gerinnt der Eiweiß—
toff, das Fleisch erhält dadurch einen Ueberzug, so daß durch die
eschtiebene Behandlung unmöglich gemacht wird, daß die bezeichne—
en nahrhaften Bestandtheile sich aus dem Fleische ausscheiden können.
Jedenfalls dürfte dieses Verfahren auch bei anderen Fleischwaaren zu
neachten sein.

— Sg
            
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