Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

ekten bestehend, dein geflügelter Sänger durchflog die Luft, und we—
aig Vierfüßler durchstreiften den üppigen Boden, der das Stein—
kohlengebiet der Erde absetzte. Anders ist es in der zweiten
Beriode. Die Inseln treten höher hervor, vereinigen sich zum festen
dande, der Pflanzenwuchs wird mannigfaltiger und schmückt sich mit
Blüthen, um welche die ersten Vögel schwirren. Es ist die Epoche
des Kalkes. Erst in der dritten Periode finden wir die Pflanzen
den unsrigen ähnlich und zuerst machen sich klimatische Einflüsse gel—
send, wenn auch in weit geringerem Grade als jetzt. In Grönland
and auf Island gedeihen Ulmen, die den Weinguirlanden zur Stütze
dienen, Cypressen, Palmen — in dieser Zeit lagert sich die Braun—
kohle ab. Immer mehr treten nun die Verschiedenheiten der Tem—
peratur hervor, es beginnen sich die Zonen zu bilden. Aber dazwi—
schen liegt eine Zeit der Kälte, die von der Wissenschaft bis noch vor
50 Jahren ungeahnt war, die erst 1828 ein Aufsehen erregte und
aus dem Dunkel der Hypothese zur Thatsache wurde. Die erste Ur—
sache zu umfassenden Forschungen gab die seltsame Verbreitung so—
genannter Findlinge, Wanderblöcke, die sich nicht nur in Gebirgs—
ändern, sondern auch an Meeresküsten und im Flachlande häufig
antreffen lassen. Ihre Größe ist oft sehr beträchtlich, wie es z. B.
an dem keilförmigen Granitfels zu sehen ist, der nahe dem Neuen—
hurger See auf einem schönen Spaziergange erreicht wird, den Agazzi
zum Geschenk und als eine mit seinem Namen geschmückte Ehrengabe
erhielt. Aber auch die Schaale vor dem Museum, die eine Hälfte
eines Steins, der aus Schweden stammt, gibt von der Art der Wan—
derblöcke Kunde. Von England über Holland, Westphalen, die Nord—
und Ostseeländer bis Schlesien zieht sich die Grenze dieser Findlinge,
die südöstlich von Moskau endet. Steine wie Versteinerungen bewei—
en es, daß ihr Ursprung in Skandinavien zu finden ist. Dies regte
aatürlich schon früher die Forschungslust, aber keine der aufgestellten
Theorien erwies sich als stichhaltig, namentlich vermag weder Wasser
lioch Eis so beträchtliche Massen mit fortzuführen. v. Charpentier,
der auf seinen Schweizerreisen einst bei einem Gemsenjäger einkehrte,
hörte von diesem eine Behauptung, die ihm Anfangs lächerlich er—
schien. Der Mann meinte, die Gletscher seien sonst viel größer ge—
wesen und hätten ehemals das ganze Rhonethal erfüllt. Aehnliches
persicherte ein schlichter Holzhauer aus Meierring. Als 1816 durch
ichtbares Wachsen und Herabstürzen eines Gletschers in Wallis das
Wasser gestaut und Ueberschwemmung erzeugt wurde, berief man den
Ingenieur Velez, damit er einen Tunnel graben lasse. Die Arbeit
war fast beendet, als ein neuer Einsturz erfolgte. Auch an anderen
Gletschern bemerkte man 1815—-17 ein bedrohliches Vordringen, und
Velez, der auch hier thätig war, schloß aus 22 Thatsachen, zu denen
Drtsnamen, ehemalige Pässe, Furchen ꝛc. gehörten, auf eine Verän—
derung, die sich bis auf 800 Jahre zurückführen ließ. Freilich schien
dazwischen ein Stillstand zu liegen, denn es fanden sich Hügel und
Moräste, die mit Jahrhunderte alten Wäldern bewachsen sind, doch
war die Bemerkung so auffallend, daß Göthe 1828 davon in seinem
Wilhelm Meister redet. Auch Charpentier gewann daraus die Ueber—
zeugung, daß jener Gemsenjäger nicht so ganz unrichtig geschlossen
hätte, und daß allerdings eine Veränderung der Gletscher stattfinde
Wissenschaftlich begründete er nun, was Velez bemerkt hatte, in sei—
nen Essays sur les glaciers. Ihm schloß sich Louis Agazzi an, in—
dem er auf die Epoche zurückging, wo noch die Kälte ein Agens der
Entwicklung der Erde war. Die Schnee- und Eisgebirge zerfallen
in 2 Theile. Oben auf findet sich nur gefrorner Schnee, Firn in
Sätteln zwischen Bergrücken, von wo sich die Gletscher erheben. Diese
ind nicht Berge, sondern Thal-Ausfüllungen, nach unten und oben
wachsend und je höher, auch um so tiefer gehend. Langsamer als
Wasser fließen die Gletschermassen aufgelöst und geschmolzen herab
ind verbreitern den Fluß des Gletschers oft um 50 Fuß und mehr.
Abschmelzen und Vorrücken halten sich demnach so ziemlich das
Bleichgewicht, doch findet die Veränderung auffallender in der Mitte
als an der Seite statt. Diese Ausdehnung hat oft ihren Grund in
Wassermassen, die in dem Eise eingeschlossen sind, und die, indem sie
sich ausdehnen, das Eis weiter vorwärts schieben. James Ford ver—
gleicht die Gletschermasse mit Brei, dennoch wird sie oft spröde und
sest und zerbirst in Risse und Spalten. Wenn diese Bewegung
chneller und plötzlich wird, so bringt sie große Gefahren mit sich.
Ueber die Natur des Eises und sein Nachgeben unter dem Drucke
haben die neuen Physiker, vorzüglich Helmholz, die interessantesten

Aufschlüsse gegeben. — Wenn sich der Gletscher bewegt, so bewegt
ich mit ihm Alles, was er umschließt. Was darauf liegt, rutscht
jerab, verwittertes Gestein bildet Anhäufungen auf der Mitte und
diese bilden, wo zwei Gletscher sich berühren, Mittelmoränen, seit—
wärts Seitenmoränen, nach unten geschoben Erdmoränen. Am Eis—
meer von Chamounix finden sich 4 Mittelmoränen. Die Bewegung
)er Gletscher ist im Sommer schneller, im Winter langsamer, beträgt
iber durchschnittlich 3 bis 400 F. Dies bemerkte man an einer
dütte, die sich 1823 langsam senkte, bis sie endlich 349 F. tiefer
tand. Eine Leiter, die einige Bergbesteiger auf dem mer de glace
urückließen, fand man 375 F. tiefer wieder. Das beträgt in 50
Jahren eine Wegesstunde. Große Felsblöcke verhindern das Schmel⸗
en des Eises und das darunter Festgefrorene bildet einen Stiel
ind somit die bekannten Gletschertische. Kleine Steine nehmen die
Wärme leichter an, und sinken in das Eis ein. Wichtig sind auch
»ie Einwirkungen, welche die sich bewegenden Gletschermassen auf
hre Umgebung und Unterlage ausüben, sie schleifen den Boden ab
ind glätten ihn. Felsmassen, an denen sie entlang gehen, werden
gzeglättet, gefurcht, oder gekritzelt. Auch an fortgeschobenen Steinen
rkennt man diese Einwirkung des Eises. Wanderblöcke, die auf
iese Weise mit Kritzern versehen sind, verrathen ihren Ursprung. Wo
as Eis borstet, bilden sich Gletscherthore, welche einen Eintritt in den
fFispalast gestatten; kleine Steine werden in Staub gerieben und
ilden den Schlamm, der sich aus dem milchweißen Wasser der
hletscherbäche niederschlägt. Diese Kennzeichen dienen zum Leitfaden
zei der Erkenntniß des Ursprungs dieses weithin verstreuten Gesteins.
Abgeschnittene, gefurchte oder gekritzelte Felswände finden sich in
illen Schweizerthälern und zeigen die Grenze, bis wohin das Eis
reichte, darüber ist Alles grau und schroff. Es ist also klar, daß
iese Erscheinung nicht vom Wasser, sondern vom Eise herrührt,
enn wie vermöchte Wasser solche Furchen zu graben, wie vermöchte
es Kiesel in Staub zu verwandeln und als Gletscherschlamm fortzu—⸗
pülen. Nach natürlichen Gesetzen fallen die Steine auf dieser oder
ener Seite herab, bilden sich Moränen, finden sich Findlingsblöcke.
Bei Bern reichen 2 Moränen über das Thal hinaus, Zürich selber
st auf einer gebaut. Es wurde also klar, von welchen Bergriesen
»iese zerstreuten Blöcke abstammen; man zählt in der Schweiz7
dauptgruppen derselben, an der Rhone, der Reuß und dem Rhein,
Aar und Limmat und nach Italien zu 2 kleinere im Weltlin und
am Lagomaggiore. Der Redner schloß mit dem Bedauern, daß die
kürze der Zeit ihm nicht erlaubte, die ferneren Folgen der Eis—
„eriode darstellen zu können, vorzüglich, insofern sie sich auf die Ent—
vicklung des damals wie des ijetzt lebenden Menschengeschlechts be—
iehen.

Morgenstunde hat Gold im Munde.
Gar viele Landleute haben die Gewohnheit, bis Mitternacht zu
arbeiten oder zu spielen ꝛc. und — dann spät aufzustehen. Eine
ible Gewohnheit! Die Langschläfer bringen sich um die schönste Zeit
des Tages, um den jungen Morgen; bringen sich um den Genuß ei—
nes der herrlichsten Naturschauspiele: den Aufgang der majestätischen
SZonne; sie bringen sich um Gesundheit und Geld. Um Gesundheit,
denn es ist für den Körper nicht zuträglich, die ermüdeten Kräfte bis
pät in die Nacht anzustrengen. Am Morgen ist der Mensch zu allen
Zeschäften am aufgelegtesten und kann folglich auch mehr leisten als
zu irgend einer andern Tageszeit.
Das erste Geschäft, das der Hausherr am frühen Morgen ver—⸗
richten soll, ist ein Gang in den Pferdestall und er sollte um die
Zeit aufstehen, wenn die Fütterung der Pferde ihren Anfang neh⸗
nen muß. Wissen die Knechte, daß der Stall regelmäßig von dem
derrn besucht wird, so gewöhnen sie sich bald mit dem Füttern und
Putzen an Ordnung. Manche Landwirthe wundern sich, daß sich ihre
Bferde nicht eben so gut halten, wie die des einen oder anderen Nach—⸗
ars, da sie doch wissen, daß sie nicht mehr Arbeit haben, eben so
dieles und gutes Futter erhalten und die Knechte durch den Groß⸗
necht oder Vogt geweckt werden. Diese wecken aber wohl nicht re⸗
zelmäßig, oder legen sich wieder schlafen; die Knechte folgen bald
diesem Beispiel, halten, weil es an Aufsicht fehlt, in der Abwartung
der Pferde keine Ordnung, werfen das Futter mit einem Mal vor,
und wenn die Arbeitsstunde schlägt, fehlt es überall und — Ordnung
st das halbe Futter.
            
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