Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

leisch zu schützen, hat man verschiedene Schutzmaßregeln in Vor—
chlag gebracht. Während die Einen gar kein Schweinefleisch mehr
zenießen wollen, wie dies bei den Juden der Brauch ist, wollten die
Andern eine Fleischschau aufstellen, alles Schweinefleisch mikrosko—
—
als Nahrungsmittel verwenden. Diese Maßregeln sind aber ebense
lächerlich als unausführbar.
Da der Mensch nur durch den Gebrauch von solchem Schweine
leisch angesteckt wird, welches die Trichinen in lebeadigem Zustande
⸗enthält, so kann die Trichinenkrankheit nur dadurch verhütet werden,
daß man sich gänzlich von dem Genuß des rohen, ungekochten, sowie
—DDD
Schinken und Würste enthalte. Es ist notorisch bewiesen, daß diese
Parasiten, wie alle organischen Wesen, in siedendem Wasser absterben.
Man genieße daher nur gut gekochtes oder hinreichend gebratenes
Schweinefleisch, und sollte dasselbe auch Milliarden von Trichinen
enthalten, so wird es unserer Gesundheit nicht im Geringsten nach—
heilig sein. J. A. N

Nach Berunstein.
Es ist eine Eigenschaft des natürlichen Düngers, daß er erst
dann wirksam auf die Pflanze ist, wenn er in Fäulniß übergegan—
zen ist. Dadurch entsteht dann der widerwärtige Geruch, der die
Luft verpestet; denn das Ammoniak, die eigentliche werthvollste Pflan—
jenspeise, ist ein Gas, das in der Luft verfliegt. Hierdurch aber ent—
keht nicht nur oft Erkranken von Thieren und Menschen, besonders
in warmer, trockener Jahreszeit, sondern der Dünger verliert dabei
eine eigentliche Nährkraft für die Pflanzen und liefert. auf das Feld
zebracht, eine nur spärliche Ernte.
Die Bauern haben das unschickliche Sprichwort: „Was stinkt,
das düngt!“ und freuen sich, wenn der Dünger einen rehht stechen
den Geruch hat, aber sie wissen nicht, daß dieses üble Sprichwort
ihnen auch viel Uebel verursacht und großen Schaden zufügt. Es
ist ganz richtig, daß gerade derselbe Stoff, der so eindringlich wider⸗
lich im Geruch, das wirkliche Düngmittel ist; aber gerade das, was
schon gerochen wird, das ist in die Luft verflogen und düngt nicht
mehr. Der übelriechende Dünger verliert mit jedem Augenblick
seinen Werth, sein Ammogiak verfliegt und es bleiben nur die
Reste übrig, die wohl Asche, aber nicht Nahrung den Pflanzen dar—
bieten.

Die landwirthschaftliche Chemie hat nun ein einfaches Mittel,
diesem Uebel abzuhelfen, und es wird dasselbe auch von gebildeten
Landwirthen angewandt, so daß der Dünger dort nicht riecht, aber
afür vortrefflich düngt. Der einsichtsvolle Landwirth begießt den
Dünger mit Schwefelsäure; dadurch bildet sich das geruchlose schwe—
elsaure Ammoniak, das als ein chemisches Salz auch in unsern Apo—
heken zu haben ist. Dieses Salz löst sich mit Leichtigkeit im Wasser
nuf und liefert den Pflanzen nicht nur eine reichliche Ammoniakspeise,
ondern auch Schwefel, der ebenfalls ein Bestandtheil der nährenden
Fruchtarten ist, und hierbei ist außerdem noch der Vortheil, daß
purch diese Lösung noch andere Stoffe des Düngers oder des Bo—
zens, die sonst unlöslich bleiben., ietzt sich leichter im Regenwasser
Me

Es ist eine wissenschaftlich ausgemachte und durch die Land—
virthschaft bestätigte Thatsache, daß durch den Aufwand von ei
nem Sgr. für Schwefelsänre. der Dünaer um fünf Sar. verbes—
ert ist

Man sollte kaum glauben, daß jolch' eine leichte Lehre, gestützt
nuf gründliche Erfahrungen, so schwer Eingang bei den Bauern
inden könne, und doch ist es der Fall. Der Eingang der Un—
vissenheit ist hier oft schwer zu bekämpfen, der leider aber ihm
sdem Bauer) zum Schaden und der Menschheit zum Nachtheil
gereicht.
Aber nicht nur den Eigensinn des Bauern allein haben wir
beklagen, sondern auch in den Städten ist der Sinn für wis
L*aftliche Chemie voch sehr unausgebhildet und gerade in Ro

uug auf den Dünger sehen wir selbst gebildete Hauswirthe ein
Mittel der Chemie verschmähen, das ihr Haus vor verpesten—
dem Geruch bewahren und den Werth ihrer Mistaruben erhö—
hen kann.
Das Eisenvitriol, eine Verbindung von Eisenoxyd und Schwe—
elsäure, ist ein vortreffliches Mittel, den Geruch der Abtritte voll—
ommen zu vernichten. Während die Schwefesäure nur das Ammo—
niak geruchlos macht, wird durch das Eisenvitriol auch der weit
kelhaftere Geruch des Schwefelwasserstoffs, der nach faulen Eiern
iecht, vernichtet. Hierdurch aber entsteht eine wesentliche Verbesse—
ung des häuslichen Düngers, und die Hauswirthe können, wenn
ie nur die Probe machen wollen, schon die Bauern zu der Ueber—
eugung bringen, daß der nichtriechende Dünger der bessere ist, weil
r seine eigentliche Nährkraft nicht in die Luft sendet, sondern der
fflanze abgibt. Die Erfahrungen haben gelehrt, daß durch solche
»ernünftige Behandlung des Düngers ein Getreideland nahe um ein
Drittel mehr Frucht bringt, und Grasland sogar eine fünfmal bessere
Ernte lieferte, als bei gewöhnlichem Dünger.
Freilich gibt es große Grundbesitzer die der landw. Chemie Ehre
nachen und dabei reichlichen Gewinn erzielen. Sie setzen, wenn nicht
Schwefelsäure so doch wenigstens Gyps zur Düngung, da der Gyps,
er eigentlich schwefelsaurer Kalk ist, ähnliche Wirkungen hervorbringt;
allein so lange die landw. Chemie nicht allgemein wird, so lange ist
ein wesentlicher Gewinn für die Gesammtheit des Volkes nicht zu er⸗
varten. (Landw. CEtrl.Bi.)

Welches ist die richtigste Zeit, das Holz zum land—
wirthschaftlichen Gebrauch zu fällen?
Hr. v. Arnim-Wilmersdorf schreibt hierüber in der „Monatschrift
 des landw. Prov.Vereins“ für die Mark Brandenburg und
Niederlausitz:
Bei dem Bau landw. Gebäude ist vorzüglich darauf zu sehen,
chnen die größte Dauer und Tragfähigkeit zu geben. Diese kann
aur erzielt werden, wenn das Bauholz zu einer Zeit geschlagen wird,
in der der Saft aus den Poren des Stammes zurückgetreten und
diese geschlossen sind, wodurch das Holz seine Kraft und Dauer er—
zält. Diese Zeit des Zurücktretens des Saftes zeigt die Natur selbst
an, indem sie den Blättern die Nahrung entzieht. Schon im Oktober
und November fallen die Blätter und im December haben die Laub—
hölzer diese verloren und zeigen an, daß sie der Saft verlassen und
daß die Poren geschlossen sind. Der December ist also der Monat,
in welchem das Bau- und Nutzholz geschlagen werden muß. Schon
mm Januar, wenn nicht starker Frost es verhindert, fängt der Saft
in den Hölzern an zu steigen, und steigert sich der Zufluß der Säfte
m Februar und März um so mehr, sowie das Pflanzenleben sich
weiter entwickelt und die Poren öffnet. Hierüber spricht sich ein
Aufsatz der landw. Zeitung für Westfalen und Lippe aus, nach wel⸗
hem 4 Stämme, 380 Fuß lang, von gleichem Alter und gleicher
Standortsgüte, in den Monaten December, Januar, Februar und
März und in gleicher Stärke 6 Zoll breit, 5 Zoll hoch beschlagen
worden. Nachdem diese ausgetrocknet waren, wurden sie mit beiden
Enden auf Gerüste aufgelegt und mit Gewichten beschwert, und er⸗
gab sich bei den im Januar geschlagenen Balken die Tragfähigkeit
12 pCt.; bei den im Februar geschlagenen 20 pCt. und bei den im
März geschlagenen 38 pCt. geringer, als bei den im December ge—
chlagenen Fichtenstämme zu Pfählen bearbeitet, zeigten ebenfalls bei
verschiedener Schlagzeit verschiedene Dauer. Die im Saft geschlage⸗
nen standen 4 und 5 Jahre in der Erde, die im December geschlage—
nen 16 Jahre, ehe sie abfaulten. Ueber die Porosität der Hölzer
liegen noch ausreichende Erfahrungen vor, indem Eichenholz, im De⸗
cember geschlagen, und ein gesägter Klotz von 6 Zoll Höhe, oben
mnit einem Rande zum Aufnehmen von Wasser versehen, dies gar
nicht durchließ, wogegen ein eben solcher Klotz Eichenholz, im März
zehauen, dieselbe Quantität Wasser schon nach einigen Stunden durch⸗
zelassen hatte. Fässer, aus den in den verschiedenen Monaten ge—
chlagenen Hölzern gefertigt, gaben über die Porisität des Holzes
ruch Resultate welche den poraufgeführten entsprachen Non Januar-
            
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