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für
den Kreis Saarbrücken.
M II7.
Sonnabend den 29. September
1866
—
Bekanntmachung.
Das bisher im Verlage von Chr. Möllinger vormals Neu—
mann'sche Buchhandlung erschienene, und bei A. Sonnenburg in
Trier gedruckte Kreisblatt für den Kreis Saarbrücken wird mit Ende
dieses Quartals zu erscheinen aufhören.
Die Stelle eines Kreisblattes für den Kreis Saarbrücken wird
vom 1. October c. ab die im Druck und Verlag von C. A. Ohle
zu Neunkirchen unter dem Titel „Saar- und Blies-Zeitung“ täalich
erscheinende bisherige Blies-Zeitung vertreten.
Saarbrücken, den 25. Sept. 1866.
Der Königliche Landrath,
v. Gaärtner.
*
Die Trichinen.
Von den neuern Entdeckungen, welche auf dem Gebiete der Me—
iein gemacht worden sind, hat keine die Gemüther des Publikums
n so hohem Grade in Aufregung versetzt, als die Entdeckung der
Trichinen. Es handelte sich in der That auch um Nichts weniger
us um die Frage, ob es nicht rathsam sei, das Schweinefleisch, die
zinzige Fleischspeise des größten Theils unserer ländlichen Bevölke—
rung, gänzlich von der Liste der Nahrungsmittel zu streichen, weil
»asselbe unrein und der Gesundheit schädlich sei. Es wird deshalb
zie Leser der Annalen gewiß interessiren, wenn wir sie in dieser
Hinsicht über den heutigen Standpunkt der Wissenschaft belehren und
o die irrigen Ansichten berichtigen und ihre übertriebenen Befürch—
tungen auf ihr gehöriges Maaß reduciren.
Die Trichinen wurden im Jahre 1832 von einem berühmten,
englischen Arzte, Namens Hilton in dem Muskelfleische einer mensch⸗
ichen Leiche als kleine, weißliche mit einer kalkigen Hülle umgebene
dörperchen entdeckt. Einige Jahre später fand ein anderer englischer
Arzt den in diesen Körperchen enthaltenen Wurm und legte demsel—
zen den Namen „Trichine“ bei. Diese beiden Gelehrten hielten die
Trichinen für ganz unschädliche Geschöpfe und waren weit entfernt
zu ahnen, daß dieselben von allen Parasiten die furchtbaren und ge—
ährlichsten Feinde der Menschen seien. Als es aber später wissen—
chaftlich begründet wurde, daß verschiedene Würmer im thierischen
Irganismus nur vorgängige Entwickelungsstufen sind und daß sie
inen andern Organismus übergehen müsse, um sich zu vollstän—
Fen, geschlechtsreichen Würmern zu entwickeln, erhielt man auch in
Entwicelungsgefchichte der Trichinen eine klarere Einsicht.
Es wurde durch zahlreiche Beobachtungen und Versuche unum
Sich dargestellt, daß die Trichinen, welche fich oft in zahlreicher
WMenge in den Muskeln des Schweines befinden, durch den Genuß
zez Schweinfleisches in rohem Zustande in den Magen und Darm
lanal des Menschen gebracht werden und hier ihrer weitern Ent
vickelung entgegen gehen. Die Trichinen werden hier in kurzer Zeit
zeschlechtsreif und pflanzen sich im Darmkanal des Menschen mit
einer ungeheuren Schnelligkeit fort, sie setzen sich nun theils im
Darmkanal fest oder sie gelangen in den Blutstrom und werden ver
nittelst desselben in die verschiedenen Körpertheile hingeführt. Hier
verursachens sie den unter dem Namen „Trichinenkrankheit“ bekannten
und durch Pausstehliche Schmerzen in allen Körpertheilen charakteri—
irten ——— der aber nur dann mit dem Tode endigt,
venn die Trichinen in sehr zahlreicher Menge in den Muskeln des
Menschen vorhanden sind.
Der erste Fall von Trichinenkrankheit beim Menschen wurde im
Jahre 1860 vom Professor Zenker aus Dresden erkannt. Als aber
reinmal die Aufmerksamkeit des ärztlichen Publikums auf diesen Ge—
— gelenkt war, wurden in den letzten Jahren, namentlich in
Norddeutschland, zahlreiche Fälle von Erkrankung des Menschen durch
den Genuß trichinenhaltigen Fleisches beobachtet. Erst vor wenigen
Wochen waren in allen Zeitungen des Landes lange Berichte über
eine in Hedersleben herrschende Epidemie dieser Krankheit zu lesen.
EFin einzelner, aber tödtlich endigender Fall ist vorige Woche nich!
weit von uns, in der Rheinprovinz vorgekommen.
Trotz dieser zahlreicykN Beobachtungen und Versuche wurde die
Ansteckung der Menschen durch trichinenhaltiges Fleisch selbst von
einigen Aerzten und Thierärzten in Zweifel gezogen,“ So erklärte
oor nicht langer rarzt Urban in einer zu Berlin abgehal—
tenen ärztlichen * FJammlung, der Genuß des trichinenhaltigen
Schweinefleisches —5 ohne alle Gefahr und er sei erbötig, eine
Portion trichinenhaͤltigen Schweinefleisches roh zu verzehren. Die
Besellschaft nahm ihn beim Wort und er mußte sich natürlich dazu
»erstehen, das Fleisch zu genießen. Er hatte aber nichts eiligeres
zu thun, als in die nächste Apotheke zu laufen, ein Brechmittel zu
iehmen, um seinen Magen von den unwillkommenen Gästen zu be—
reien; ein Beweis, daß er selbst nicht an die Richtigkeit seiner Aus—
age glaubte. — Man hat behaupten wollen, der jüdische Gesetzgeber
Moses habe schon die Trichinen gekannt und deswegen den Kindern
Israels den Geuß des Schweinefleisches verboten. Da aber die
Trichinen im Muskelfleische des Schweines nur mit Hülfe des Mi—
troskop's wahrnehmbar sind und der gute Vater Moses mit dem Ge—
h»rauch dieses Instrumentes nicht vertraut war, so erscheint diese
Behauptnng gradezu lächerlich. Es ist aber möglich, daß dieser große
Beo bachter häufig Erkrankungen in Folge des Genusses von rohem
Schweinefleisch gesehen und deshalb diese Fleischspeise gänzlich unter—
sagt hat. Daß auch früher Fälle von Trichinenkrankheit beim Men—
schen vorgekommen sind, unterliegt keinem Zweifel. Da aber die
Aerzte diese Krankheit nicht kannten und daͤ sich dieselbe durch ähn—
liche Symptome, wie Gift, Rheumatismus, Nervenfieber ꝛc. äußert,
so ist fie wohl mit diesen Krankheitszuständen verwechselt worden.
— Die Art und Weise wie die Trichinen in die Muskeln des Schwei—
nes koumen, ist noch in tiefes Dunkel gehüllt. Seitdem die Auf—
merksamkeit auf die Trichinen gelenkt war, hat man dieselben bei
verschiedenen Thieren entweder zufällig aufgefunden oder sie absicht
lich durch Fütterung trichinenhaltigen Fleisches hervorgebracht, so 3.
B. bei Mäusen, Ratten, Maulwürfen, Kaninchen, Hunden, Katzen
und verschiedenen Vögeln; selbst bei Fröschen und Kröten soll man
Trichinen vorgefunden haben. Man ist daher zu der Annahme be—
rechtigt, daß die Schweine dadurch angesteckt werden, daß sie trichi⸗
nenhaltiges Fleisch von kleinern Thierchen zu sich nehmen. Merk
würdig ist, daß das Schwein eine zahllose Menge von Muskeltrichi
nen beherbergen kann, ohne daß seine Gesundheit dadurch im age
ringsten gestört wird.
Um den Menschen vor Ansteckung durch trichinenhaltiges Schmei