Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Der Landmann kauft Ochsen und mästet dieselben; er rechnet
nur was sie ihn gekostet und nas er dafür erhalten; was sie aber
jefressen, das wird nicht gerechnet, und daß hiebei der Franken nicht
ellen 30 Sous kostet, das schlägt er nicht an. Würde er Buch und
Rechnung führen, so könnte er schnell heraussinden, welcher Zweig
»er Landwirthschaft am meisten lohnt, auch würde er dann zu dem
Entschlusse kommen, gegenwärtig mehr Vieh zu halten und die für
zen Körnerbau undankbaren Aecker mit Futterkräutern bepflanzen.
Wären ihm die Bestandtheile des Wassers nicht spanische Dörfer
und hätte er Kenntnisse von der Natur und Wirkungsweise desselben,
so würde er nicht Jahr für Jahr den Mist seinen Aeckern abtrotzen
und denselben auf die Wiesen bringen, sondern das so häufig mit
düngenden Stoffen gesättigte Bächlein — die kleine Auslage nicht
cheuend — auf seine Wiesengründe leiten.
Mancher mäht vor Sommer-Johanni die Wiesen nicht, weil er
aoch keinen Einblick in die Veränderungen genommen hat, welche
das Gras nach der Blüthe erleidet und nicht weiß, welchen Einfluß
diese Veränderung auf die Quantität und Qualität des Futters hat
Die landw. nützlichen Thiere werden verfolgt, weil dem Land—
mann die Lebensweise dieser Thiere fremd ist und er sich deßhalb rich
rige Vorsätze und Schlüsse nicht bilden kann.
Die Obstbaumzucht ist für Manchen ein nothwendiges Uebel,
weil ihm Sinn für das Schöne und Edle fehlt und er lieber auf eis
nen großen Vortheil verzichtet, als eine kleine Arbeit ausführt, die
gegen seinen Willen und seine Gewohnheit geht.
Tausende von Landwirthen befinden sich noch bei weitem nicht in
»em Besitze des erforderlichen Betriebskapitals, und doch legen sie
hre ersparten Franken lieber zum Ankauf neuen Landes an, statt
hie vorhandenen Grundstücke gründlich zu verbessern und bessere Ge—
räthe anzuschaffen, und damit bei weniger Steuer und geringerm
Aufwand an Kraft, Dünger, Saatgut ꝛc. höhere Erträge zu erzielen
Mangel an volkswirthschaftlicher Bildung und an Buch- und Rech
nungsführung sind die Ursache dieser fast durchgängigen Erscheinung
Wir könnten unsere Aufzählung noch um viele Punkte verlängern,
aber die vorstehenden Punkte genügen hinreichend, um ahnen zu
lassen, um welch' riesige Summen das Nationalvermögen allmälig
zermehrt werden könnte, würden diese offenen Gebrechen beseitigt
und an deren Stelle ein auf die naturgesetzlichen Grundlagen sich
stützender Landwirthschaftsbetrieb gesetzt werden.
Aber, wie ist dieses zu erreichen? Etwa durch landw. Zeitschrif
en und Bücher, oder durch landw. Besprechungen und Vereine?
Zum Theil wohl; denn daß Schriften, Bücher und Vereine des Gu—
en in dieser Sache schon sehr Viel gethan haben, braucht nicht hier
erst bestätigt zu werden; die rasche Verbreitung der Wissenschaft der
Landwirthschaft, die erst einige Jahrzehnde alt ist und jetzt schon
egenbringend ins praktische Leben eingreift, liefert den klarsten Be—
weis hiefür. Nichtsdestoweniger bleibt noch unendlich Viel zu thun,
und hiebei steht uns mit am allermeisten die Belehrung helfend und
fördernd zur Seite. Man vergesse aber den alten wahren Spruch
nicht: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, d. h.
vas der Jugend nicht beigebracht wird, geht dem Alter verloren,
und die Eindrücke, welche die Jugend bekommt, erhalten sich frisch
durch's ganze Leben hindurch, während dem Alter häusig selbst auch
die beste Lehre abhanden kommt.
Die meisten der Mängel, die wir an unserem landw. Betriebe
noch wahrnehmen, wurzeln, so können wir die Eingangs gestellte
Frage beantworten, in der mangelhaften fachlichen Jugendbildung
der ländlichen Bevölkerung. Wie diese gegeben werden kann, davn
in unserer nächsten „Rundschau“ R. 6G

Die fünf Haupterfordernisse neuer Gärten.
Die meisten Menschen haben Sinn für Schönheit, besonders für
Gärten; und mancher Begründer eines neuen Hausstandes beginnt
hald, ein Gärtchen anzulegen. Aber nicht überall beobachtet man
diejenige Rücksichtnahme auf die fünf Haupterfordernisse, welche un
zrläßlich sind und zum Gedeihen führen. Sie heißen: Luft, Licht
Wasser, Wärme, Sicherheit.
Luft ist das Hauptelement des vegetabilischen Lebens, aber nur
ute Luft. Wie der Mensch ohne Genuß der freien Luft und in zwei

ster Instanz ohne Lüftung der Wohn- und Schlafzimmer nach und
rach erkrauken, ja verkommen müßte, ebenso ergeht es den Garten—
zewächsen, wenn sie entweder schlechte oder eingeschlossene Luft habeu.
An Dunghaufen, zwischen Viehställen, hiater hohen Mauern lege man
also fein Gärtchen nicht an. Oft wird bei ungünstiger Anlage di—
Schuld auf andere Ursachen geworfen.
Licht ist gleichfalls unerläßlich. Das wird nicht blos auf Blumen,
auch auf Bäumen anzuwenden sein. Nicht Finsterniß ist gemeint,
s'ondern Hinderniß des vollen Lichtes — der Schatten. Sdatten gibt
s überall, den wechselnden Schatten als Begleiter des Tageslichts
jaben wir nicht zu fürchten, sondern den ständigen, den von anderer
Seite verursachten. Man sagt im gewöhnlichen Leben: der Schatten
brennt,ld. h. er unterdrückt oder verdirbt das unter ihm stehende
Bewächs.
Daß Wasser in entsprechender Quantität und Qualität oder hin—
ängliches und reines oder brauchbares nöthig ist, bedarf keines län—
— ——
dedarf es weniger des Begießens. Jedenfalls muß Brunnen,
LSisterne, Bach ꝛc. nicht weit vom Garten sein. Zeit ist Capital
für jeden Menschen; mühevolles Herbeiholen veranlaßt leicht Vernach
ässigung.
Ohne Wärme kein Pflanzenleben. Die natürlichste und billigste
Wärme gewährt die Sonne. Sonnige Plätze wähle man für neue
Färten! Der Sonne Einfluß ist ja so groß, daß Farbe, Gesundheit
und Sinn sogar der Menschen davon abhängig sind. Für Blumen—
töpfe kann man den Standort beliebig wechseln, nicht so den Garten.
Zum Schlusse wird noch Sicherheit empfohlen. Befindet sich der
Garten nahe am Wohngebäude, desto besser; sonst ist ein guter Zaun
das Erste; dann, zur Erntezeit wenigstens, ist Bewachung nothwen
dig — gegen Menschen Diebe) und Vieh. (Nach d. Frd. Bl.)

Aepfel in Blättern aufzubewahren.
Ein englischer Landwirth, der im Frühjahre die Blätter unter
eiuem Ahornbaume zusammenharken ließ, fand unter denselben einen
tfrischen, unerfrorenen Apfel. Es fiel ihm daher ein, daß trockene
Blätter ein zweckmäßiges Material zur Verpackung von Früchten ab—
geben müssen, und er hat sie daher zu diesem Endzwecke seit einigen
Fahren benutzt. Verfasser hat Ausgangs Juni d. J. mehrere auf
diefe Art aufbewahrte Früchte gesehen und fand dieselben eben so
frisch und wohlschmeckend, als wenn sie eben erst abgepflückt worden
wären, und doch sollten dies, nach seiner Versicherung, Varietäten
ein, die, wenn sie frei gelegen hätten, schon seit Monaten verdorben
vären. Nach seiner Erfahrung müssen die Aepfel zwar zu gehöriger
Zeit gepflückt, aber nicht eher in Blätter gepackt werden, bis diese
„öllig trocken und das Wetter bereits kalt ist; alsdann geschieht die
VBerpackung lagenweise und die letzte Lage Blätter muß so fest als
möglich auf den Früchten liegen, wozu ein angemessenes Gewicht aui—
dem Deckel des Fasses angewendet wird Die Blätter sind so elastisch,
daß der Druck ziemlich stark sein kann, ohne daß die Aepfel dadurch
im Geringsten beschädigt werden; auch brauchen die Fruchttonnen
in keinem wärmeren Orte, als in einem offenen Schuppen aufbe—
vahrt zu werden, ja es ist sogar rathsam, sie an einem Platze auf⸗
zubewahren, der so kalt als möglich ist. Im Frühiahre müssen sie
ndach einem kühlen, luftigen Keller gebracht werden.

Vermisecbtes.

Um die besteingerichteteten Schlachthäuser und
Liehmärkte in Deutschland, Frankreich, Belgien, England und
—V—
hatte die Stadt Berlin mehrere Deputirte abgeschickt, und hat nun
Stadtrath Risch, Mitglied der Deputation, einen Bericht darüber er
cheinen lassen, der 31 Bogen stark ist und 1 Thlr. 10 Sgr. kostet.
Dieser Bericht ist in praktischer wie in wissenschaftlicher Hinsicht
iußerst interessant und werthvoll, daher auch Allen zu empfehlen,
velche bei der öffentlichen Wohlfahrtspflege nach dieser Richtung bin
nittelbar oder unmittelbar betheiligt sind
            
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