Alle, Alle belkheiligt sind, ist ein Unglück. Man bilde sich nicht ein,
daß der Wald aus hingestreutem Samen und eingesetzten Pflänzchen
immer gutwillig wächst und gedeiht. Der Beruf des Forstmannes
ist ein sorgenvoller und unter dem grünen Rocke schlägt oft ein be—
ümmertes Herz. Danken wir es ihm, indem wir sein Werk würdi—
gen. Er bedarf unmittelbar der Unterstützung Aller. Darum ist
es hohe Zeit, den Wald unter den Schutz des Wissens Aller zu
tellen.“
Betrachten wir uns unsere eigene Heimath näher, dann werden
wir zu unserer eigenen Beschämung gestehen müssen, daß wir doch
noch gar nicht so weit in der Kultur des Landes vorgeschritten sind,
wvie wir es uns gerne einreden möchten. Wie unendlich viele Strecken
iiegen noch wüst und öde da, ohne den geringsten Ertrag zu gewäh—
ten, kaum zu etwas spärlicher Viehweide zu gebrauchen. Würde es
rnicht viel vortheilhafter sein, solche Strecke mit Wald zu bedecken, um
so, wenn auch nicht der jetzt lebenden Generation, so doch der Nach—
welt die Vortheile solcher Verbesserungen zu Gute kommen zu lassen:
Wo die Bewaldung derartiger Oeden die Kräfte des Einzelnen über—
deigt, da könnten sich Genossenschaften bilden, wie sie in manchen
Theilen unseres Vaterlandes schon bestehen. Eine Gesetzgebung, welche
diesen Zweig der Volkswirthschaft ins Auge faßte, wäre dringend
su wünschen, und alle Diejenigen, welche an die Zukunft denken und
das Gemeinwohl berüksichtigen, sollten einem Forstschutzgesetze nicht
ntgegentreten, sondern im Gegentheil Alles aufbieten, die Meinung
derjenigen aufzuklären, welche sich damit beruhigen, daß bis jetzt
don den Uebelständen der Waldverminderung noch nichts zu spü—
ten ist, und nicht bedenken, daß, wenn sich erst Nachtheile bemerk—
bar machen, es dann zu einem Einschreiten wahrlich zu spät sein
möchte!
Landwirthschaftliche Rundschau.
Wer als Landwirth öfter hinauskommt und mancherlei sieht und
zxfährt, ist schon im Hinblicke auf die Worte des unsterblichen Schwerz,
velcher sagt, daß die Landwirthschaft eines jener edlen Gewerbe sei,
wobei es keiner Geheimnisse bedürfe, wo man mittheilen könne, ohne
ich zu verrathen, und wo man im Stande sei, Andere zu bereichern,
ohne dabei selbst zu verarmen, verpflichtet, die gemachten Wahrneh—
nungen seinen Berufsgenossen mitzutheilen, uund an diese Mitthei—
uugen, wenn nöthig und möglich, Rathschläge zu knüpfen. Man
möge es mir daher nicht als Anmaßung, oder gar als Erneuerungs
ucht anrechnen, wenn ich von Zeit zu Zeit eine kleine „Rundschau“
zjalte zund in derselben die Mängel und Fehler in vorurtheilsfreier
Weise bespreche, welche unserm landwirthschaftlichen Betriebe noch
ainkleben, zugleich aber auch hin und wieder Mittel und Wege be—
zeichne, wie diesen Gebrechen abzuhelfen ist. Und obwohl es in der
Landwirthschaft überall geltende und anwendbare Regeln nur wenige,
lsogar im strengen Sinne des Wortes vielleicht gar keine gibt, so sind
voch die Mittel, welche der Natur in ihrem großen Werke zu Gebote
tehen, so mannigfaltig und oftmals so einfach, daß der ruhige Beo—
zachter ihr hin und wieder Etwas ablauschen kann, was brauchbaren
and dauernden Werth hat. Dazu kommt, daß es in unserem landw.
Betrieb noch Vieles zu verbessern gibt und sich keine Verbesserungen
zesser und sicherer lohnen, als gerade die in dieses Fach einschlagen—
den. Wenn wir nun das Letztere als wahr hinnehmen und es uns
darum zu thun ist, überall, wo es Noth thut, die verbessernde und
helfende Hand anzulegen, dann drängt sich uns zunächst die Frage
auf: „Wo liegen die Ursachen der Mängel unseres landw. Betriebes
und wo die Mittel zu deren Abhilfe?“ denn wir sind beim besten
Willen nicht im Stande, einem Uebel abzuhelfen, wenn wir dessen
Quelle nicht kennen.
Die meisten Gebrechen in unserer Landwirthschaft wurzeln in
dem Mangel am rechten Wissen und an der erforderlichen Einsicht
in die maßgebenden Gesetze der Natur. Es ist wirklich erstaunlich
wie wenig oft der Landmann von den Gesetzen kennen gelernt hat,
in deren Bund er Tag für Tag arbeiten muß und bei deren Kennt—
niß allein er sicher ist, den rechten Weg von so vielen falschen zu
anterscheiden und zu gehen. Wie eine ewige Krankheit schleppen sich
daher die alten Fehler von Geschlecht zu Geschlecht fort, weil man
sie nicht als Krankbeit erkennen will.
In hundert Verlegenheiten und Drangsale geräth der Land—
mann, wenn er augenblicklich Geld nothwendig hat, in eine Unzahl
von Prozessen wird er oft hiewegen verwickelt und eine Masse Opfer
an Zeit und Geld muß er bringen, fällt er, was sehr häufig der
Fall ist, in unredliche Hände. Würde er den richtigen Begriff von
dem Nutzen und der Macht des Genossenschaftswesens, bezw. der
Spar- und Darlehnskassen haben und wissen, daß Einigkeit stark
nacht, so wäre er all' dieser Mühen und unnöthigen Opfer enthoben.
Trotz aller Polizeiverordnungen, Strafen und Cholera sieht man
ioch immer Jauche in die Straßen fließen, weil der Landmann deren
Zusammensetzung und den Werth ihrer Bestandtheile nicht kennt und
hm das Wesen und der Zusammenhang mit dem Gedeihen seiner
Feldgewächse noch nicht so klar zur Anschauung gekommen ist, wie
etwa die Brauchbarkeit seines Hafers, den er nicht auf die Straße,
ondern auf den Acker streut. Würde er genau wissen, wie viele
Franken er jährlich von seiner Düngerstätte wegfließen und verloren
zehen läßt, so würde er die Jauche besser zu Rathe ziehen; denn für
Niemanden mehr, als für den Landmann, sind Zahlen leuchtende
5trahlen!
Tausende von Franken gehen auf vielen hundert Stellen das
Jahr hindurch durch unrichtige Behandlung des Düngers verloren,
veil der Landmann noch keinen durchsichtigen Begriff von den Be—
ingungen der Gährung, von der Entstehung und dem Werth des
eicht flüchtigen, kohlensauren Ammoniaks hat und die Wirkung nicht
recht einsieht, welche diese Stoffe auf die im Boden befindlichen mi—
— 0—
ur Bindung dieses flüchtigen Schatzes nicht genau kennt.
Hätte er einen richtigen Begriff von dem Werth guter Feldwege
ind der Bedeutung der freien Wirthschaft, so würde er mehr auf
ie Anlage derselben halten und nicht sich und seine Thiere quälen
ind sein Geschirr zu Grunde richten. Er hat zwar keine Zehnten,
stobotten und keine Corvés-Tage mehr abzutragen und doch ist er
och nicht freier Herr seines Eigenthums. weil ihm die Zu- und Ab—
fahrt zu demselben fehlt.
Wüßte er genau, welche Wirkung die Luft mit ihren beständigen
und zufälligen Bestandtheilen auf den Boden ausübt und unter wel—
hen Umständen diese Wirkung möglich wird, wäre ihm die nachthei—
ige Wirkung zu großer Feuchtigkeit oder sogar stauender Nässe im
Boden klar, so würde er die geeigneten Mittel aufsuchen und wäh—
en, um die möglichst vollständige Lockerung und Durchlüftung des
zodens herbeizuführen und er würde keinem stauenden Wasser den
uftabhaltenden Aufenthalt im Ackerboden und dem darunter liegen—
den Untergrunde verstatten, sondern ungezwungen für gehörige Trocken⸗
egung sorgen, um bessere und sicherere Ernten zu erzielen.
Hätte er einen Einblick in den Bau und die Verrichtungen seiner
Tulturgewächse und in die physikalische und chemische Beschaffenheit
des Bodens, so würde er tiefer pflügen und von dem nachtheiligen
Abblatten der Runkelrüben ablassen, weil er dann begreifen würde,
uu welchem Zwecke der Schöpfer den Pflanzen Wurzeln und Blätter
verliehen hat. Auch würde er den Kalk-⸗, Sand-, Torf- und Moor—
noden nicht ruhig und träge neben dem Thonboden liegen lassen,
ondern eine gehörige Vermengung vornehmen.
Eine unmeßbare Vergeudung von Futter und Arbeit vollzieht
ich fort und fort, weil die Gesetze der Ernährung dem Landmann
noch fremd sind, weil er keinen Unterschied zwischen Erhaltungs- und
Erzeugungsfutter kennt und keinen Einblick in das Wesen der Fleisch—
dildner (Protein), stärkeartigen Stoffe ꝛc. (Kohlenhydrate) und Fett
hat, noch das richtige Verhältniß weiß, in welchem diese Nährstoffe
zu einander stehen müssen, soll die Fütterung eine richtige sein. —
Er hört nicht auf, mehr Vieh zu halten, als sein Futtervorrath er—
laubt, weil er meint, daß sein Reichthum mehr in der Kopfzahl als
in der vollkommenen Ernährung desselben zu suchen sei. — Den
Zälbern wird die Muttermilch zu früh entzogen, das Jungvieh wird
ankräftig ernährt, es werden zu wenig brauchbare Stiere im Ver—⸗
zältniß der Mutterthiere gehalten — weil die richtige Anschauung
von der Beschaffenheit und dem Unterschiede der Verdaunngswerk⸗
„zeuge des Kalbes und des Rindes fehlt und weil der Einfluß der
Ermahrungeweise während des ersten Lebensalters nicht genug ge—
würdiat wird.