Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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*

den Kreis Saarbrücken.

M 114.

Sonnabend den 22. September

1866

Amtliches.

fortan dem gewöhnlichen Vorto-Tarife, wie sonstige Fahrpostsendungen
zwischen Preußen und Oesterreich; auch mässen die Päckereien mit den
fuͤr die Zollbehandlung erforderlichen Inbalts-Deelarationen in zweifacher
Ausfertigung versehen sein.
Berlin. 18. Sept. 1866. General-Post-Amt.
von VPhilipsborn.

Bekanntmachung.
in Feld-Post-Angelegenheiten.
Die auf k. k. oͤsterreichischem Gebiete bestandenen königlich preußi⸗
chen Feldpost-Relais sind nunmehr sämmtlich eingezogen.
Briefe an diejenigen preußischen Militärs, welche als verwundet
»der krank in Oesterreich noch zurückgeblieben sind, werden in Folge ge
roffener Vereinbarung mit der k. k. österreichischen obersten Postbehörde
»urch Vermittlung der österreichischen Post-Anstalten ohne Porto-Ansatz
den Empfängern zugestellt; die Briefe sind in bisheriger üblicher Art
ils Feldpostbriefe zu bezeichnen und müssen mit dem Bestimmungsorte
und aenauer Angabe des Lazareths versehen sein.
Briefe mit Geldinhalt und Päckereien an die in Oesterreich als
»erwundef oder krank zurückgebliebenen vpreußischen Militärs unterlicgen

Bekanntmachuns.

Der für Heusweiler im Kreise Saarbrücken auf den 26. d. Mts
festgesetzte Kram- und Viehmarkt wird an diesem Tage aus sanitäts—
volizeilichen Rücksichten nicht abgehalten werden.
Trier, den 18. Sept. 1866.
Könial. Regierung.

Ueber den Einflusß der Waldungen auf die Landes
kultur und die klimatischen Verhältnisse.
ESchluß.

tände verwüstet, um den Grund und Boden zu Acker zu machen, was
mit der Zeit die größten Nachtheile um so mehr hervorgebracht hat,
als der größte Theil davon nur als Waldboden gebraucht werden
kann, da er so arm und schlecht ist, daß er zu Acker sich nicht eignet.
Denn er bringt nach der Abholzung in der Regel nur so lange et—⸗
vas Getreide oder sonstige Feldfrüchte, als der aus dem abgefalle—
ien Laube und den Nadeln entstandene sog. Walddünger in ihm vor—
sält. Durch die Waldentblößung ist das von Natur schon trockene
lima noch trockener geworden, welches den an sich schon nicht frucht—
varen Boden noch unergiebiger macht und überdies die Vermehrung
sewisser Insectenarten, namentlich verschiedener Gattungen von Heu⸗
hrecken, befördert. Die Insecten konnten sich um so ungestörter ver
nehren, als durch das Abholzen der Waldbestände die Vogelarten,
velche hauptsächlich von ihnen leben, aus der Gegend vertrieben wor—
»en sind. Aus ähnlichen Ursachen dürfte auch die Entstehung der
deuschreckenschaaren, welche fast alliährlich das südliche Rußland ver
jeeren, zu erklären sein.
Die schlimmen Folgen der Entwaldung sind den deutschen Re—
zierungen nicht unbekannt und es bestehen in vielen Staaten demge—
mäß auch Gesetze, welche die Waldungen unter die besondere Obhut
der Staatsbehörde stellen. Dies ist zwar für viele unbequem und be—
schränkt sie in der freien Benutzung ihres Eigenthums, ist aber im
Interesse des Gemeinwohls durchaus nicht zu beklagen, sondern im
Begentheil dringend geboten. Wohin die lockere Forstwirthschaft frühe—
rer Zeiten geführt hat, können wie überall in Deutschland, nament—
lich in allen Gebirgsgegenden sehen wo nicht wenige nackte Kegel und
Bebirgsstrecken in schneidendem Contrast zu den sie umaebenden Wald
»eständen stehen.
Daß die Waldungen, namentlich auf den Gebirgen Mittel- und
„üddeutschlands, bestehen bleiben, geht uns Norddeutsche näher an,
Us die Meisten von uns glauben mögen, da von ihnen alle unsere
zrößeren Flüsse und Ströme ausgehen. Dieses Interesse an dem
Bestehen der Waldungen ist aber allen Völkern Mittel-Europas ge—
nein, ja es wird von einem bekannten Leipziger Naturforscher be
jauptet, daß wir höchst wahrscheinlich auf dem Punkte bereits ange⸗
ommen sind, von welchem aus jede Verminderung unserer mittel⸗
ropäischen Waldbestände ein Verbrechen an der Zukunft ist. Der
* sagt ferner: „Die Unkenntniß von dem Forstwesen, an dem dod

Ein anderes Beispiel von den beklagenswerthen Folgen der Ent—
valdung bietet die kurische Nährung dar, welche das kurische Haff
übschließt und sich von der samländischen Küste bis nach Memel hin
sieht. Sie zeigt uns das Bild einer traurigen Sandwüste und nur
venige armselige Fischerdörfer sind auf ihr vorhanden. Noch vor
300 Jahren war es anders. Da war die Nährung in ihrer ganzen
Ausdehnung mit Wald bedeckt, welcher den Sand festhielt und einen
lühenden Ackerbau gestattete, so daß ein nicht unbeträchtlicher Wohl
ttand dort herrschte. Jetzt ist der Wald und mit ihm jede Spur
yon Ackerbau verschwunden, mehrere Dörfer liegen im Sande begra
ben und wo früher eine zahlreiche Bevölkerung im Wohlstande lebte,
risten jetzt einige Fischerfamilien ihr armseliges Dasein. Ein ähn
iches Bild würden unsere Mark und mehr oder weniger die meisten
norddeutschen Tiefländer bieten, wenn die Waldungen aus ihrer
Mitte verschwunden wären. Daß eine so hohe Kultur in jenen Ge
zenden, trotz ihres meist sandigen Bodens, stattfindet, ist dem günsti
zen Wasserverhältniß und dem dadurch bedingten feuchten Klima,
velche beide mittelbar durch die Waldungen hervorgebracht werden,
uzuschreiben.
Wie in der Natur Eins von dem Andern abhängig ist, so wird
nuch das Leben vieler höchst nützlichen Thiergattungen von dem Be
tehen der Waldungen bedingt. Eine Menge der Landwirthschaft,
namentlich durch das Vertilgen von schädlichen Insekten, höchst nütz
ichen Vögelarten verschwinden mit dem Wald. Die verschiedenen
drähenarten, Staare, Wiedehopfe, selbst die Thurmfalken Bussarden
ind Eulen, sowie namentlich die Fledermäuse, vertilgen eine unge
heure Menge von Insekten. Sie bedürfen sämmtlich für ihre Nester
c. der Bäume. An die Uebelstande, welche die Waldvernichtung her
yorruft, ist neuerdings ein großer Theil des Schlochauer Kreises auf
ehr empfindliche Weise erinnert worden. Derselbe ist mehrere Jahre
Jintereinander von Heuschreckenfraß heimgesucht worden, welcher haupt
ächlich das Getreide, Gras und sonstiges Viehfutter hart mitgenom
men hat. Dort hat man durch die verkehrte Anwendung einer an
ich sehr heilsamen Maßregel, der Separation nämlich, die Walyhe
            
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