Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

hestehen, und ist er auf englischen Schiffen ebenso sehr wie auf fran⸗
zösisen und holländischen von einem Schiffsvolk und von Mitreisen⸗
hen umgeben, welche eine andere Sprache reden und sich nur zu offt
Jöchst rücksichtslos gegen die Deutschen zeigen.
Ganz empörend benehmen sich neuerdings die Irländer gegen
unsere Landsleute; so wird der „Weser-Zeitung“ unterm 19. Mai
Jus London berichtet: „Wieder einmal haben es gestern die Irlän—
der auf einem Auswandererschiffe, dem von Liverpool nach Phila—
delphia bestimmten „Tuscarora“, durchgesetzt, daß die deutschen Passa—
giere, welche ihre Ueberfahrt auf diesem Schiffe bedungen hatten,
dasselbe verlassen mußten. Die Flußpolizei erwies sich außer Stande,
der Gewalt zu steuern und die Gerichte, an welche die Deutschen sich
in ihrer Noth um Beistand wendeten, hatten nur den Trost, für sie
einschreiten zu wollen, falls das Schiff den Mersey noch nicht ver—
assen habe.
Ob wohl die deutsche Presse ihre Schuldigkeit endlich erkennen
ind in Folge dieser Brutalität einstimmig und eindringlich vor der
Auswanderung Deutscher über englische Häfen warnen wird? Soll
ich der Deutsche auch noch von dem weit unter ihm stehenden Irlän⸗
der drangsaliren lassen? —
Aber nicht dies allein, sondern auch die schlechte Verpflegung
ind die Ueberfüllung der Schiffe läßt es als eine Pflicht erscheinen,
Auswanderungslustige dringend vor englischen Passagierschiffen zu
varnen. Zum Beweise hierfür drucken wir die folgende, uns so
ben von der „Deutschen Gesellschaft zu Newyork“ zugekommene War—
aung ab:
„Die vielen und stets wiederholten Klagen hier ankommender
deutscher Auswanderer über die Behandlung und Verpflegung, welche
hnen auf den englischen und insbesondere auf den der National Steam
Navigation Comp. zugehörenden Dampfschiffen zu Theil wird ver
anlaßt uns, diese Beschwerden hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu
bringen.
Dieselben erstrecken sich hauptsächlich auf die folgenden Punkte
Mangel an Raum und frischer Luft;
Inreinlichkeiten der Schlafstätten und der Plätze für die Ver⸗
richtung natürlicher Bedürfnisse;
nangelhaftes Zubereiten der Speisen, sowie unregelmäßige
and ungleichmäßige Vertheilung derselben;
zrobe Behandlung von Seiten der Schiffmannschaft, unter
hderen unmittelbarer Beaufsichtigung die Zwischendeck-Passa—
ziere sich befinden, und Chicanen und Beleidigungen, welche
in den Deutschen von den Passagieren anderer Nationalitä⸗
ten verübt werden.
Hierzu kommt, daß durch das Ueberfüllen dieser Schiffe mir
hassagieren und in Folge der dadurch auf denselben herschenden Un—
zeinlichkeit seht häufig ansteckende Krankheiten z. B. Cholera, Typhus
Schiffsfieber und Pocken entstehen, und daß, um die Verbreitung die
ser Krankheiten zu verhüten, die Auswanderer genöthigt werden, nach
hrer Ankunft im hiesigen Hafen oft mehrere Wochen in den Quaran—
anie⸗Anstalten zu verbringen.
Der einzige anscheinende Vortheil, welcher den Reisenden von der
von England aus abgehenden Dampischiffen geboten wird. ist der etwas
zeringere Preis.
Unter diesen Umständen halten wir es für unsere Pflicht, unse
cen Landsleuten abzurathen, sich den Unannehmlichkeiten und Gefah—
cen auszusetzen, welche nach Aussage der kürzlich hier angekommenen
deutschen Auswanderer mit der Reise auf enalischen Dampischiffen
erknüpft sind.
Wir warnen sie, sich durch interessirte Agenten und Mäkler ver—
ocken zu lassen, zur Ersparniß einiger Thaler die Reise über Eng—
and zu machen, und wir empfehlen denselben, bei dem Ankauf ihrer
steise-Billette darauf zu sehen, daß dieselben für die direktt von Bre—
men oder Hamburg nach Newyork abfahrenden Dampfschiffe bestimmt
sind. Diese Vorsicht ist nöthig, weil Agenten Auswanderern, welche
oon Hamburg oder Bremen aus abreisen wollen, häufig Billete geben,
welche sie allerdings nach jenen Seehäfen bringen, aber nur, um sie
auf kleinen Dampfböten nach englischen Häfen zur Weiterbeförderung
zu überliefern.
Newyork, 4. Mai 1866.
Die Deutjche Gesellschaft der Stadt Newhork.“
(3tg. f. Nordd.

Newyork, 12. Juni. Die Erwartung ist allgemein, daß in
Folge der Kriegs-Aspecten in Europa die diesjährige Einwanderung
ehr stark, die der nächsten Jahre aber, falls der Krieg losbricht, sehr
chwach sein werde, weil alsdaun die Zerrüttung der Valuten in Eu—
ropa die Realisirung kleiner Vermögen zum Zweck der Auswande—
rung unmöglich machen werde. Sei dem wie ihm wolle, jetzt ist je⸗
—
sand. Und leider gibt es noch immer Tausende von Thoren, die den
mörderischen Weg über Liverpool dem über deutsche Häfen vorziehen.
Die Folgen sind gräßlich. Während auf den von deutschen Häfen
fkommenden Dampfsfchiffen, selbst wenn (wie vor acht Tagen auf der
„Atlantic“) die Zahl der Passagiere nahe 1200 beträgt, der vortreff⸗
lichste Gesundheitszustand herrscht, sind auf den von Liverpool kommen⸗
den Dampfern, besonders unter Deutschen, der elenden Kost unge—
wohnten und überdies von irischen Mitreisenden um ihre geringen
Rationen bestohlenen Passagieren Seuchen ausgebrochen, welche von
»en habgierigen Rhedern für Cholera ausgegeben werden. In Folge
dessen werden die Dampfer in Quarantaine gehalten. Aber von den
Schrecknissen dieser Quarantaine macht man sich drüben keinen Be—
zriff. Die Sonderstranterei und die brutale Krähwinkelei der Küsten—
bdewohner von New-Jersey und Lonq⸗-Island haben es unmöglich ge⸗
macht, eine Localität für eine Quarantaine an Land zu erhalten, und
es müssen daher einige in der untern Bay vor Anker liegende Schiffe
anstatt eines Quarataine-Gebäudes dienen. Dort liegen die Kran⸗
ken in wo möglich noch engeren, noch schlechter ventilirten Räumen,
wie auf den Schiffen, die sie herübergebracht haben, und wer noch
auf der Fahrt der Seuche entgangen ist, unterliegt ihr da. Ein
ärztlicher Inspicient spricht die Ueberzeugung aus, daß, wenn da
keine Abhülfe geschafft wird, die Passagiere alle vermittelst der Qua—
cantaine gemordet werden müssen. Das Uebel ist himmelschreiend,
wird als folches allgemein anerkannt, und doch gibt es keine Abhülfe
dagegen, wenigstens keine rechtliche. Der Congreß kann allenfalls
zurch einen Machtspruch (der indessen gerichtlichen Entscheidungen ge—
zenüber keinen Bestand haben würde) den Staat New-NYersey oder
—DD Quarantaine herzu⸗
zeben, aber erstens würde es auch dann schwer sein, die Gebäude ge⸗
Jen Mordbrennerei zu schützen (die alte Quarantaine auf Staten-Is⸗
land ward vor acht Jahren von den Anwohnern niedergebrannt) und
—DD die Staaten-Souverainetät“
her Reaction eine starke Waffe in die Hand geben, von der sie kräf⸗
tigen Gebrauch machen würde. — Alles, was unter solchen Umständen
geschehen kann, ist, alle deutschen Auswanderer aufs Dringendste
dor dem Wege über Liverpool (und England überhaupt) zu warnen
(N. Hann. Z3tg.)

Vermischtes.
Mehl gegen Milben zu sichern. Man siteckt in den
Mehlkasten einige Ahornzweige, nachdem man sie vorher entlaubt
und einige Zeit der Luft ausgesetzt hat. Die Zweige müssen von
Zeit zu Zeit erneuert werden.

Maulwürfe zu vertreiben und zzu fangen. 1) Man
tocht Möhren mit Schierling oder welsche Nüsse mit Krähenaugen—
hulver und legt davon in das Maulwurfsloch. 2) Man mischt 2
Loth Krähenaugenpulver mit 1 Loth Schweinefett und 1 Eslöffel
Zuder, formt Kügelchen und legt dieselben in die Löcher. 8) Man
hermengt Regenwürmer mit Brechnußpulver, läßt das Ganze 24
Stunden in einem Häufchen liegen und steckt dann einige präparirte
Regenwürmer in jeden Maulwurfsgang. 4) Man gräbt in den
dauptgang des Maulwurfs einen ziemlich großen Topf so tief in
Rie Erde, daß die Oberfläche seines Randes mit dem Fußboden des
Maulwurfsganges gauz gleich ist und so, daß die fortgesetzte Rich—
ung dieses Ganges über die Mitte des Topfes hinläuft. Damit der
Maulwurf, an dem Topf angekommen, nicht umkehrt, drückt man mit
dem Daumen einen schmalen Weg um den Topf auf einer Stelle
rechts halb herum und auch so auf der andern Seite. Da, wo die⸗
er schmale Weg aufhört, steckt man ein Stüd Glas vor. An den
Hlasscherben angelangt, will er umkehren, stürzt aber in den Topf

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