Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

miesen und wesentlich zur Beseitigung desselben und zur Anbahnung
von Reformen in freihändlerischer Richtung beigetragen? Hat nicht
dieselbe Ausstellung die Schäden und Mängel der englischen Industrie,
namentlich in Bezug auf die künstlerische Ausbildung ihrer Erzeug
nisse, aufgedeckt, um sofort durch Gründung von Zeichen- und Mo—
dellirschulen diese Schwächen zu beseitigen? Legte nicht die letzte Lon—
doner Ausstellung von 1862 der französischen Regierung die Nothwen
digkeit klar, ihren Volksunterricht zu verbessern?
Die Betheiligung an diesen Ausstellungen erheischt von Seiten
der Aussteller allerdings namhafte pecuniäre Opfer; aber nur Kurz—
ächtigkeit kann davor zurückschrecken, weil sie die Vortheile und Er—
solge nicht sogleich in klingender Münze ausgedrückt und Einnahme
zegen Ausgabe in Zahlen gegenüber gestellt sieht.
Nach d. Gewerbebl. f. d. Großherzogth. Hessen.)

Vorsichtsmaßregeln bei der Anwendung von land
wirthschaftlichen Maschinen.

Wenn die Anwendung der Maschinen in der Landwirthschaft
den großen Vortheil hat, den Mensch von einer entkräftenden und
zeisttödtenden Arbeit zu befreien, so bietet sie dagegen den Nachtheil,
zefahrbringend für ihre Umgebung zu werden, wenn nämlich die
selben ohne Vorsicht behandelt werden. Die in letzteer Zeit besonders
häufig vorkommenden Verletzungen und Verstümmelungen beweisen
8s leider nur zu oft und rechtfertigen gegenwärtigen Aufsatz.
Wie bekannt sind die hauptsächlichsten Maschinen in unsern
Wirthschaften die Dreschmaschinen. Dieselben werden meistens durch
Böppeln (manége) in Bewegung gebracht und wird die bewegende
raft mittelskammrädern und Riemen übertragen. Diese letzten
Theile sind besonders gefährlich und sollten, wie es in manchen Län—
dern vorgeschrieben ist, mit bretternen Kästen umgeben sein. Jeden—
jalls sollten keine Frauenzimmer oder Leute mit flatternden Gewän—
dern in ihrer Nachbarschaft angestellt sein, da das Klemmen zwischen
einem Kammrad lebensgefährlich ist und immer den Verlust eines
Gliedes nach sich zieht, wie es noch vor vier Wochen in Stegen ge—
schehen ist.

Der Arbeiter, der die Garben in der Dreschmaschine schiebt,
oll ebenfalls nur knappe Kleider tragen und die Handschuhe aus—
afsen. Weil ein Junge aus Götzingen es vergaß, hat er den Ge—
prauch der beiden Hände verloren, nachdem sie sammt Handichuhe
durch die Dreschtrommel gequetscht wurden.
Derselbe Arbeiter muß einen festen breiten Stand haben, damit
er nicht umstürzen kann. Dreistempliche Stühle fsind ganz zu ver—⸗
verfen, und es ist eben, weil er es vergaß, daß ein reicher Bauer
don Reckingen mit dem Ellenbogen in die Dreschmaschine fiel, sein
Arm durch die Dreschtrommel gequetscht wurde und er, nachdem ihm
dieser abgenommen worden war, eines schmerzvollen Todes starb.
Endlich soll die Dreschmaschine im Ruhestand geschmiert werden,
ind nie über dem Gehen. Auch soll die Maschine nur langsam an—
zetrieben werden, nachdem ein warnendes Signal erfolgt ist.
Nach den Dreschmaschinen haben die meisten Verstümmlungen
derursacht die Häckselschneidemaschinen. Das Einlegen von Stroh
joll auch immer mit bloßer Hand geschehen. Ist die Maschine in
Ruhe, so müssen entweder die Messer entfernt werden, oder das Rad
unter Verschluß kommen.
Ueberhaupt sollen Häckselmaschinen, Quetschmühlen, Dreschma—
schinen nur von vernünftigen Arbeitern behandelt werden. Dies
vird um so nothwendiger, weil dieselben gewöhnlich mit der Zeit
keine Gefahr mehr sehen und nur zu oft zum Opfer ihrer Soralosig⸗
keit fallen.

Ansere wohlgemeinten Räthe haben jnur zum Zweck Verstümm—
ungen vorzubeugen. Geschehen trotz ihrer Befolgung noch Unglücke,
o hat der Landmann doch noch Unannehmlichkeiten genug, wenn er
zuch sich sagen kann, daß er Alles gethan hat. um denfelben vor
ubeugen

Dadurch wird er nebst der moralischen Ueberzeugung seiner Un
schuld sich noch von materiellen Schaden bewahren, da nach dem G
setze er für die seine Untergebenen betreffenden Unglücke, verantwor
ilch gemacht werden kann. K

Was ist Guano?
Düngerhandel und Düngerschwindel.
Guano oder besser Huano stammt von den Auswürfen von
Seevögeln her und sindet sich in mächtigen Lagen auf etlichen In
seln des stillen Oceans, wo der Regen sehr selten ist. Die Perua
ner gebrauchen denselben seit undenklicher Zeit zum Düngen ihre
Felder. In Europa kennt man ihn kaum seit 80 Jahren, obschonr
o. Humbold denselben schon im Anfang dieses Jahrhunderts empfahl
Die außerordentliche Wirkung, welche die Düngung mit dem
erwähnten Vogelmist unter dem feuchten Himmel Englands hervor
hrachte, trug nicht allein zu der Verobreitung des Guano bei. Es
entstand daraus eine eigene Industrie, der Düngerhandel, die Dünger
abrikation und die Düngernamen. Weil aber der Guano am meisten
zesucht und bekannt war, verkaufte man unter diesem Namen alle
möglichen Präparate, wo keine Vögel-Auswürfe waren, was dod
die Bezeichnung Huano sagen will. Und so geschah es, daß unter
dieser trügerischen Firma dem Landwirthe Guano animalisé, Guano
lublo, Guano parision, ec. Sachen aufgedrängt wurden, welche mit
dem bekannten Düngmittel nur den Namen gemein hatten. Man
iahm ihnen schönes Geld für Straßenkoth, Gaskalk, Gyps ꝛc. ⁊c.
nit allerlei färbenden und stinkenden Substanzen ab, welche oft nicht
den 80sten Theil werth waren was man dafür bezahlte. Neben die—
sem Betrug über die Natur des verkauften Gegenstandes war aber
auch der Verlust an Arbeit und Zeit, welchen der erwartete Mehr—
extrag an Früchten nicht deckte. Diesem Unfug hat in Frankreich
ein besonders Gesetz zu steuern gesucht. Bei uns aber besteht noch
ein solches, obschon unsere Landwirthe unter diesem Schwindel gar
ehr gelitten hatten und wie es scheint, noch leiden. Indem wir darau
jindeuten, und an unsere zahlreichen vorigen Mahnungen erinnern,
ezwecken wir dieser fremden Freibeuterei entschieden in den Weg zu
reten und überall, wo sie uns begegnen wird, an den Pranger zu
tellen.
Man hüte sich daher vor den herumziehenden Düngerkrämern,
velche seit einigen Jahren mit den Schwalben in's Land kommen
und unter erborgten Namen uns übervortheilen wollen. Man hüte
ich besonders vor Borg, denn dadurch kommt man in den Fall un⸗
bekannte und untergeschobene Bedingungen zu unterzeichnen, wie die
ses noch kürzlich in Hessen und anderswo geschah. Da aber unter
illen Zudringlichen die Dünger-Reisenden die unverschämtesten sind,
o ist es nicht leicht auf gewöhnlichem Weg denselben los zu werden.
Nur ein Mittel gibt es, sich diese Herrn vom Leibe zu halten. Man
s'aufe nur auf Analyse, und bestimme z. B. daß der Preis des
Düngers nach dem Gewicht an Stickstoff und nicht anders bezahlt
verde. Auf diese allein richtige Weise würde man für das letzte
Frühjahr angebotene Guano anstatt 34 Fr. pro 100 Kilogr. kaum
»Fr. verausgeben, was sein wahrer Werth auch ist, wie jedes solide
Handlunashaus es überhaupt gern annimmt.

Die Verfütterung des frischen Heues und des neuen
Hafers bei Pferden
Bekanntlich herrscht die Ansicht, daß Heu und Hafer, frisch nach
hrer Einerntung verfüttert, dem Befinden der Pferde nachtheilig
eien und daher erst 2 Monate lang unbenutzt liegen müssen. Die
Inconvenienzen, die daraus für Verpflegung der Armeepferde noth—
vendig entspringen, haben das franz. Kriegsministerium veranlaßt,
»inmal die Wahrheit jenes Vorurtheils durch eine Commission prüfen
zu lassen. Aus dem Berichte der letzteren wurden nun folgende Ver—
uche mitgetheilt:
1) Zwei Pferde vom 8. Husarenregiment bekamen während 75
Tage ihre vorschriftsmäßige Ration, nur daß darin 4 Kilo altes Heu
vurch 4 Kilo gansx frisches ersekt worden waren Maährend dvosser
            
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